Leonardo Padura Der Mann, der Hunde liebte

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Inhaltsangabe zu „Der Mann, der Hunde liebte“ von Leonardo Padura

»Tötet ihn nicht! Dieser Mann muss reden«, rief der schwer verwundete Trotzki seinen Leibwächtern zu, als sie sich auf den Mann stürzten, der ihn mit einem Eispickel niedergeschlagen hatte. Leonardo Padura bringt ihn zum Sprechen. Ein rätselhafter Mann, der mit seinen beiden Windhunden am Strand spazieren geht, erzählt dem kubanischen Schriftsteller Iván die Geschichte des Trotzki-Mörders Ramón Mercader. Doch woher kennt dieser Unbekannte all die Facetten aus Mercaders Leben? Leonardo Paduras vielschichtiger Roman führt uns an verschiedenste Schauplätze der Weltrevolution: ins Bürgerkriegsspanien, nach Moskau während der stalinistischen Schauprozesse, ins Mexiko Frida Kahlos und Diego Riveras, ins Prag von 1968, nach Kuba. In atemberaubender Prosa erweckt er die Protagonisten zu neuem Leben, zeigt sie in ihrer Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe zugunsten einer Ideologie – und zieht die Bilanz der gescheiterten Utopien eines Jahrhunderts.

Auf zwei großen Linien nimmt uns Padura mit durch die Zeit von Trotzkis Exil. Die von Trotzki selbst und die seines Mörders. Episch.

— Jossip
Jossip

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    Der Mann, der Hunde liebte
    Jossip

    Jossip

    28. May 2017 um 13:18

    Ein episches Werk, das mit Geschichte satt lockt. Spanischer Bürgerkrieg, Stalins Moskau, Trotzki im Exil quer durch die Welt.Und doch ist es im Zentrum eine große Auseinandersetzung mit den Irrungen des Kommunismus. Wohin führt das unbedingte Wollen, wenn alle "Ketten gesprengt" sind. Die beiden Hauptpersonen, Trotzki und sein Mörder, müssen sich immer wieder fragen, welche Grenzen sie überschritten haben, ob ihr Handeln noch mit ihren Zielen und Hoffnungen übereinstimmt. Wie die Diktatur des Proletariats bei beiden ihre Kreise zieht, beschreibt Padura mit großer Tiefe.Der Spannungsbogen - alles läuft auf das Grande Finale mit der Ermordung Trotzkis hinaus - gerät dabei manchmal etwas flach. Doch dann halten die großartig und empathisch gezeichneten Darsteller die Leselust oben.Man hält die 700 Seiten aber nur durch, wenn man Interesse an den historischen und politischen Ereignissen der beschriebenen Zeit mitbringt.

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  • Rezension zu "Der Mann, der Hunde liebte" von Leonardo Padura

    Der Mann, der Hunde liebte
    walli007

    walli007

    13. April 2012 um 10:34

    Ramón und seine Gesellen Am Strand auf Kuba trifft Iván den Mann, der Hunde liebte. Die Hunde - das sind russische Borsois, eine Rasse, die auf Kuba eher selten anzutreffen ist. Das macht Iván sehr neugierig und als sich die beiden zum zweiten Mal treffen, kommen sie ins Gespräch. Der Fremde beginnt, die Lebensgeschichte eines Freundes zu erzählen, mit der er Iván in seinen Bann schlägt. Schon bald überlegt Iván, der seine schriftstellerische Tätigkeit im Kuba der 70er eigentlich aufgegeben hat, daraus ein Buch zu machen. Und das vorliegende Buch ist das Ergebnis dieser Überlegungen, auch wenn es nicht von Iván geschrieben wurde. Leon Padura erzählt die Geschichte Leo Trotzkis und seines Mörders. Und zwar scheint er sich ziemlich genau an den Lauf der Geschichte zu halten, wenn man den Einträgen auf Wikipedia trauen darf. Mit vielen Hintergrundinformationen versehen werden die Ereignisse romanhaft dargestellt. Da ist Trotzki, der von seiner eigenen Bewegung verraten und verfolgt wird, und sein Mörder, der einen weiten Weg nimmt, um zum Attentäter zu werden. So beginnt die Erzählung schon in den 30ern teilweise noch früher, um die Entwicklungen zu beleuchten. Das dann immer im Zusammenhang mit den Erlebnissen Iváns in den 70ern und später. Eine interessante Konstruktion, die mich sofort zugreifen ließ, als ich mal wieder die Bibliothek durchstreifte. Die Kriminalromane des Autors habe ich gelesen und bin von ihnen sehr angetan. Dieses Buch war für mich jedoch nicht so, dass ich hätte in Begeisterungsstürme ausbrechen können. Da der Autor hier teilweise sehr weit ausholt, wurde der Roman für mich zu einer Geschichtslehrstunde, während derer ich zu allem Unglück auch noch feststellen musste, dass mich dieses Thema nicht übermäßig interessiert. Was natürlich auch eine Erkenntnis ist, die mir bei der Auswahl späterer Lektüren hilfreich sein kann. Allerdings habe ich mich beim Lesen dieses Buches mehrfach erwischt, dass ich etliche Seiten überflogen habe. Dennoch will ich gerne betonen, dass der Autor die Kunst des Schreiben beherrscht und mich mit etlichen intensiven Szenen doch bei der Stange gehalten hat.

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  • Rezension zu "Der Mann, der Hunde liebte" von Leonardo Padura

    Der Mann, der Hunde liebte
    Eselsohren-Werner

    Eselsohren-Werner

    14. March 2012 um 21:37

    Was wissen wir schon von Lew Dawidowitsch, besser bekannt als Leo Trotzki? Vielleicht, dass er „der Henker von Kronstadt“ gewesen ist. Wurde der nicht mit einem Eispickel erschlagen? Leonardo Padura stellt Trotzki in seinem großartigen Roman „Der Mann, der Hunde liebte“ als sympathischen Flüchtling dar (auch wenn er dieses Bild im Schlusskapitel korrigiert). Der kubanische Schriftsteller hat 1989 das Haus in Mexiko-Stadt besichtigt, in dem Trotzki zuletzt gelebt hatte und in dem er gestorben war. „Der bloße Anblick jenes Ortes, (…) der zu einem wahrhaften Monument für das Scheitern, die Angst und den Sieg des Hasses geworden war“, wurde zum Samen für die Idee seines Romans. Mehr als 15 Jahre später nahm Padura das Projekt in Angriff. Drei Handlungsstränge laufen parallel: Zum einen berichtet der kubanische Schriftsteller Iván von sich und seiner Begegnung mit dem Mann, der Hunde liebte. Zum anderen erzählt ihm dieser die Geschichte des Sowjetagenten und Trotzki-Mörders Ramón Mercader. Weiters wird Trotzkis Leben ab der Verbannung aus der Sowjetunion bis zu seinem Tod geschildert. Dies erlaubt Padura, einen Überblick über den „real existierenden Sozialismus“ zu geben: Vor allem erfährt man, welche mörderische Diktatur Josef Stalin aus der Sowjetunion gemacht hat. Wir begleiten Ramón Mercader vom Spanischen Bürgerkrieg über seine Agentenausbildung in Moskau nach Mexiko, wo er auf seinen Einsatzbefehl wartete, bis in die Sowjetunion der Chruschtschow- und Breschnew-Zeit. Außerdem schildert Padura die verzweifelte Opposition des verbannten Trotzki gegen Stalin (und seine Lage als kurzfristig geduldeter, ständig von der Ermordung bedrohter Flüchtling in der Türkei, in Frankreich, Norwegen und schließlich Mexiko). Und er lässt uns auch Einblick nehmen in das Leben des idealistischen Agenten, der nach seiner Tat 20 Jahre Haft überlebte und danach in eine Sowjetunion kam, die sich von Stalins Politik distanzierte und Mercader – hoch dekoriert – in Vergessenheit geraten ließ. Padura hat genau das Buch geschrieben, das er wollte. Er hat die Geschichte des Mordes an Trotzki dazu benutzt, um „über die Pervertierung der großen Utopie des 20. Jahrhunderts nachzudenken“. Man mag sich fragen, ob das „Experiment“ Kommunismus nicht auch besser ausgehen hätte können, hätte Trotzki (der allerdings auch gewaltsam und militant gegen politische Gegner vorgegangen ist) den Machtkampf mit Stalin gewonnen. Oder ob es, wie Trotzki laut Padura dachte, „der erste Fehler der Bolschewiken gewesen (war), die gegnerischen politischen Strömungen radikal zu unterdrücken. (…) Hätten sie die Freiheit der Rede in der Gesellschaft zugelassen, hätte sich der Terror niemals durchsetzen können.“ Oder ob die Utopie vielleicht niemals eine Chance gehabt hätte, Wirklichkeit zu werden. Geschrieben ist „Der Mann, der Hunde liebte“ in drei unterschiedlichen Stilen: Neben der Ich-Erzählung Iváns wechseln sich die personale Erzählperspektive bei den Mercader-Kapiteln und die neutrale bei denen über Trotzki ab. Keine der Figuren ist unsympathisch gezeichnet, ja, eigentlich hat man sowohl Mitleid mit Trotzki als auch mit Mercader. Es ist ein anspruchsvolles, aber nicht schwer zu lesendes Buch. Nahezu jeder längere Absatz entspricht einem Gedankengang, dem man allerdings konzentriert folgen muss (oder sollte). Andererseits lässt einen Padura wie bei einem Thriller auf die kunstvoll hinausgezögerte Mordszene hinzittern (wiewohl man sich davon keine filmreife Action-Szene erwarten sollte). Dann ist „Der Mann, der Hunde liebte“ gewiss ein Thesenroman, doch werden diese Thesen anhand von zwar außergewöhnlichen, doch lebensnahen Geschichten abgehandelt. Dabei lernt man wiederum viel Geschichte: Wer weiß schon (noch), wie es zur Oktoberrevolution kam, dass die Sowjetunion – während Hitler Westeuropa überfiel – Osteuropa annektierte oder wie viele Millionen Menschen der „Stalinistischen Säuberung“ zum Opfer gefallen sind? Gleichzeitig erfährt man viel darüber, wie es war und ist, in einer linken Diktatur zu leben, wie auch Kuba eine ist. Denn dort lässt Padura sein fulminantes Werk beginnen und – mit einem erstaunlichen Schluss – in der jüngsten Vergangenheit enden.

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  • Rezension zu "Der Mann, der Hunde liebte" von Leonardo Padura

    Der Mann, der Hunde liebte
    smayrhofer

    smayrhofer

    04. July 2011 um 15:26

    Hin und wieder fällt einem ein Buch in die Hände, welches nicht nur durch die Geschichte selbst, sondern auch durch die Erzählweise beeindruckt. „Der Mann, der Hunde liebte“ von Padura gehört zweifelsohne dazu. Drei Handlungsstränge bzw. Sichtweisen sind es, die uns Padura in seinem Roman, der auf historischen Ereignissen basiert, näher bringt. Da ist zum ersten die Geschichte des Revolutionärs und Mitbegründers der Sowjetunion, Leo Dawidowitsch Trotzki, der nach dem Aufstieg von Stalin kaltgestellt, verbannt und ausgewiesen wird. Über die Türkei, Frankreich und Norwegen gelangt Trotzki schließlich nach Mexiko, vor er im Jahre 1940 einem Attentat zum Opfer fällt. Der zweite Handlungsstrang erzählt von dem spanischen Revolutionär und Bürgerkriegskämpfer Ramon, der vom sowjetischen Geheimdienst angeworben und auf die Liquidierung des Exilanten Trotzki vorbereitet wird. Der dritte Handlungsstrang wird von einem Ich-Erzähler, dem erfolglosen Schriftsteller Ivan erzählt. Der wiederum lebt im Kuba der siebziger Jahre, wo er eines Tages am Strand auf den „Mann, der Hunde liebte“ trifft, der merkwürdigerweise detaillierte Kenntnisse über die damaligen Vorgänge hat. Und das bleibt nicht ohne Folgen für Ivans Leben... Paduras Ansatz, die historischen Fakten mit einer zumindest zum Teil fiktiven Geschichte zu vermischen, macht das Buch zu einem echten Erlebnis. Er haucht den historisch belegten (und auch den erfundenen) Personen auf diesem Weg Leben ein und macht daraus eine spannende, aber auch nachdenklich machende Geschichtsstunde. Soweit ich das beurteilen kann, ist der historische Hintergrund außerordentlich gut recherchiert, und gerade die unterschiedlichen Sichtweisen regen zum Nachdenken an. Absolut lesenswert und für mich ein echtes Highlight!

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  • Rezension zu "Der Mann, der Hunde liebte" von Leonardo Padura

    Der Mann, der Hunde liebte
    tedesca

    tedesca

    20. April 2011 um 10:15

    Dass Leonardo Padura ausgezeichnet erzählen kann, weiß ich schon lange. Mit Begeisterung habe ich das "Havanna-Quartett" und seine zwei Folgebücher gelesen. Und mit der gleichen Begeisterung habe ich mich durch die 730 Seiten seines neuesten Meisterwerkes gekämpft, denn einfach war es nicht. Unzählige Orte, Namen, historische Fakten, mit denen ich mich bislang nur sehr marginal beschäftigt hatte. Ideologien, politische Ansichten und Konflikte, die viel Konzentration beim Lesen erfordern, aber das muss ja kein Nachteil sein. Im Grunde besteht das Buch aus drei Handlungsfäden, die letztendlich in Havanna zusammenfinden. Einerseits lesen wir über Lew Dawidowitsch, der als Trotzki in die Geschichte einging, sein Leben im Exil, seine Liebe zu Hunden und seinen unerbitterlichen Einsatz für seine politischen Ideale zum Wohle Russlands und der Menschheit. Ein Ausgestoßener und Verbannter, Opfer der gnadenlosen Verfolgung und Diffamierung durch Stalin, den "Totengräber der Revolution", wie er von vielen genannt wird. 20 Milionen Tote gehen auf sein Konto, darunter unzählige Kampfgenossen Lenins, die Stalins persönlicher Machtgier im Wege standen. Trotzki zieht mit seiner Familie durch die halbe Welt auf der Suche nach einem Ort, den er wieder "Heim" nennen kann, den er letztendlich ansatzweise in Mexiko findet, wo er von Diego Rivera und Frida Kahlo aufgenommen wird. Von Frida mit im wahrsten Sinne des Wortes mit offenen Armen... Parallel dazu lesen wir über Ramón Mercader, der im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten kämpft und von seiner eigenen Mutter in die Arme der Stalinisten getrieben wird, wo ihm Ideale eingetrichtert werden, von denen er oft nicht mehr weiß, ob sie seine eigenen sind. Geschickt schleicht er sich in Trotzkis Haushalt ein, unauffällig und schüchtern nähert er sich dem berühmten Mann und führt ihn letztendlich seinem Schicksal zu. All dies erfährt der junge kubanische Schriftsteller von einem Mann, den er zufällig am Strand von Havanna trifft und der ihm über die Jahre alle Details dieser unglaublichen Geschichte zukommen lässt. Iván, der hautnah erlebt, wie Korruption, Angst und vor allem auch der Hunger schmecken, die eine fehlgeschlagene Utopie mit sich bringen, sammelt alle Puzzleteile und vereint sie, nach ausgieber Recherche zur Person Trotzkis, was in jenen Jahren in Kuba garnicht ungefährlich ist, zu einem einzigen großen Werk. Eines verbindet alle Männer in diesem Buch: ihre Liebe zu Hunden. Padura hat einen großen Roman geschrieben, in dem er geschickt mit den Emotionen des Lesers spielt. Wie kann es sonst sein, dass man plötzlich Mitleid mit einem Mörder empfindet? Täter, die zu Opfern werden, die ihr Leben an die falschen Ideale verschwendet haben und erst viel zu spät entdecken, wer ihr großes Idol in Wirklichkeit war. Die blind einer Propaganda folgen, die sie letztendlich auch nicht rettet, sondern jeden auf seine Weise ins Verderben treibt. Padura beschreibt mit der ihm eigenen Sensibilität und Objektivität nicht nur das Geschick einzelner Personen, sondern die Geschichte einer ganzen Generation, die bereit war, ihr Leben für die Ideale eines Kommunismus zu opfern, den es im Grunde nie gegeben hat. Und ein kleiner Gag darf natürlich auch nicht fehlen, wenn Iván seinen "Freund und Artgenossen" Mario Conde erwähnt, die Hauptfigur aus dem "Havanna Quartett". Wirklich lesenswert für alle, die sich für russische Geschichte interessieren - sicher ein Zuckerl für alle, die sich bereits damit auskennen und mit den vielen Namen auch etwas anfangen können.

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  • Rezension zu "Der Mann, der Hunde liebte" von Leonardo Padura

    Der Mann, der Hunde liebte
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    05. April 2011 um 16:14

    Epische Lebensrückblicke Zeitgeschichte ist es, die Leonardo Padura in seinem, schon aufgrund des Umfangs von gut 720 Seiten, episch zu nennenden Roman niederlegt. Ein Roman revolutionäre Zeitgeschichte, genauer gesagt. Spanien während des Bürgerkrieges, Moskau während der Schreckensherrschaft Stalins, denen viele auch prominente Kommunisten Russlands zum Opfer fielen, Tschechien 1968, Kuba unter Castro und Mexiko. Äußere Orte zu bewegten Zeiten und eine dem korrespondierende Innenschau der Beteiligten, dass ist die Geschichte, besser die Geschichten, die Padura in Romanform vorlegt. Geschichten von Menschen, Zeiten und Orten, aus denen letztendlich an konkreten Personen absehbar wird, wer und was Revolutionen und Umstürze getragen hat, welche Haltung hinter dem vermeintlichen Versuch nach einem Mehr an Freiheit zu finden ist, Geschichten aber auch, die aufzeigen, wie teils schmählich und in sich verrannt revolutionäre Ideologien des 20. Jahrhunderts an sich und an der Welt scheiterten. Eine der Hauptpersonen des Romanes ist Ramón Mercader, jener Mann, der 1940 Leo Trotzki mit einem Eispickel tötete. Mercaders Geschichte, seine Verwobenheit in die stalinistische Ära und sein Einstehen für dieses System gegenüber seinen Feinden ist es, die Padura erzählt, allerdings mehr und mehr im Verlauf des Romans dient dieses Lebensgeschichte nur als Ausgangspunkt der vielfältigen Ereignisse und wird eng verwoben mit der Geschichte der Exiljahre Trotzkis. So ergibt sich nach der Lektüre ein umfassendes Bild der Geschichte Mercaders, gerade auch der Geschichte nach dem Attentat, der Geschichte des (durchweg sympathisch erscheinenden) Revolutionärs und Intellektuellen Trotzki mitsamt einer, aus der Gegenart Kubas und der Vergangenheit anderer kommunistischer System, Schilderung der Zerschellung eines Ideals an der Realität und der Beschaffenheit der Menschen. Sprachlich bietet Padura einen fortwährenden Fluss der Wörter auf, die beständig aus vielfältigen Perspektiven das je Gemeinte auszudrücken vermögen und den Finger immer wieder auf die Wunden kranker Systeme und deren Hintermänner zu legen verstehen. Von der Verbannung Trotzkis ausgehend bis in die Gegenwart des fiktiven Ich-Erzählers (des kubanischen Schriftstellers Iván) reichen die Lebensgeschichten und Beschreibungen der Zustände und auch des inneren Verfalls einiger der Protagonisten, der mit dem äußeren Verfall der Ideologien einher geht. Auch wenn Mercader hoch belohnt wird (seinen zugeteilten Wagen aber seinem Bruder weitergibt, weil der in der Rangliste trotz mannigfaltiger Verdienste noch nicht weit genug aufgestiegen war, um ebenfalls in den Genuss der Segnung durch einen eigenen Wagen zu gelangen), sind es auch solche Ereignisse, die ihn mehr und mehr am Sinn all dessen, woran er lange geglaubt und wofür er getötet hat, zweifeln lassen. Und nicht nur er stellt sich am Ende des Tages als innerlich verändert und anders heraus, als zu Zeiten des glühenden Glaubens an revolutionäre Ideale. Sprachlich fulminant, intensiv recherchiert, mit logischen Konstruktionen ausgestaltet, wo Fakten nicht vorlagen, bietet Leonardo Padura in epischer Breite die Geschichte einer radikalen Desillusionierung, eines Scheiterns an wohlklingenden Idealen und einen Blick auf eine innere Aushöhlung, die dennoch mit allen Mitteln auch am letzten Rest vermeintlicher Macht noch festhält. Gelungen und beeindruckend, informativ und ernüchternd.

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