Leonhard Frank

 3,8 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor von Die Räuberbande, Die Jünger Jesu und weiteren Büchern.
Autorenbild von Leonhard Frank (©kein Urheberrecht mehr)

Lebenslauf von Leonhard Frank

Leonhard Frank wurde am 4. September 1882 in Würzburg geboren. Sein Vater war Schreiner, er selbst ging zu einem Schlosser in die Lehre, arbeitete als Chauffeur, Anstreicher, Klinikdiener. Talentiert, aber mittellos, begann er 1904 ein Kunststudium in München. 1910 zog er nach Berlin, entdeckte seine erzählerische Begabung und verfaßte seinen ersten Roman, „Die Räuberbande“, für den er den Fontane-Preis erhielt. Im Kriegsjahr 1915 mußte er in die Schweiz fliehen: Er hatte Zivilcourage gezeigt und handgreiflich seine pazifistische Gesinnung kundgetan. Hier schrieb er Erzählungen gegen den Krieg, die 1918 unter dem berühmt gewordenen Titel „Der Mensch ist gut“ erschienen. Von 1918 bis 1933 lebte er wieder in Berlin, nun schon als bekannter Autor. 1933 mußte er Deutschland erneut verlassen, diesmal für siebzehn Jahre. Die Stationen seines Exils waren die Schweiz, England, Frankreich, Portugal und zuletzt Hollywood und New York. 1952, zwei Jahre nach seiner Rückkehr aus den USA, veröffentlichte er den autobiographischen Roman „Links wo das Herz ist“. Leonhard Frank, „ein Gentleman, elastisch, mit weißen Haaren, der in seinem langen Leben alles gehabt hat: Hunger, Entbehrung, Erfolg, Geld, Luxus, Frauen, Autos und immer wieder Arbeit“ (Fritz Kortner), starb am 18. August 1961 in München.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Leonhard Frank

Cover des Buches Die Räuberbande (ISBN: 9783902950727)

Die Räuberbande

 (6)
Erschienen am 11.02.2016
Cover des Buches Karl und Anna (ISBN: 9783150089521)

Karl und Anna

 (6)
Erschienen am 01.01.1986
Cover des Buches Links wo das Herz ist (ISBN: 9783746614373)

Links wo das Herz ist

 (4)
Erschienen am 01.03.2003
Cover des Buches Bruder und Schwester (ISBN: 9783548224701)

Bruder und Schwester

 (1)
Erschienen am 01.04.1997
Cover des Buches Fremde Mädchen (ISBN: 9783351030841)

Fremde Mädchen

 (1)
Erschienen am 17.01.2007
Cover des Buches Traumgefährten (ISBN: B0000BI6D3)

Traumgefährten

 (1)
Erschienen am 01.01.1959
Cover des Buches Der Mensch ist gut. (ISBN: B00273VL56)

Der Mensch ist gut.

 (1)
Erschienen am 01.01.1974

Neue Rezensionen zu Leonhard Frank

Cover des Buches Die Jünger Jesu (ISBN: 9783826052484)Alaiss avatar

Rezension zu "Die Jünger Jesu" von Leonhard Frank

Kleine Robin Hoods im Würzburg der Nachkriegszeit
Alaisvor 7 Monaten

Leonhard Frank, einer meiner allerliebsten Lieblingsschriftsteller, zählt zu den Autoren, deren Bücher von den Nazis verbrannt wurden. Wie alle Texte, die ich bisher von ihm gelesen habe (besonders empfehlenswert bzw. interessant finde ich "Der Mensch ist gut", "Bruder und Schwester", "Links, wo das Herz ist"), ist auch dieser von großer Menschenliebe geprägt und lässt durch seinen schlichten, aber oft künstlerisch-bildhaften Stil auch spüren, dass Frank nicht nur Schriftsteller, sondern vor allem auch ein leidenschaftlicher Maler war. 

Geschrieben hat er diesen 1949 zuerst veröffentlichten Roman, ein Art Robin-Hood-Erzählung, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Würzburg spielt, aus dem Exil heraus. Die Zustände in seiner zerbombten Heimatstadt zu dieser Zeit kannte er somit nur aus Berichten. Er hatte jedoch nie die Absicht, einen Tatsachenroman zu schreiben, sondern war wie so oft auf der Suche nach einer "inneren Wahrheit". Und dennoch ist die tiefe Verbundenheit des Exilanten zu seiner Heimatstadt spürbar und dennoch hat er mit diesem Roman damals viele Würzburger verärgert - und dennoch entstand zur Aktion "Würzburg liest ein Buch" (2014) diese schöne Sonderausgabe.

Ich habe diesen Roman regelrecht verschlungen und sehr geliebt, dabei empfinde ich ihn als etwas heikel und stoße mich an einigen Ecken und Kanten. Mit der Geschichte Ruths, die als Opfer verschiedener Naziverbrechen schwer traumatisiert ist, wirft er nämlich eine moralische/juristische Frage auf, auf die Frank meiner Ansicht nach in dieser Romanversion (in den Texten im Anhang wird erklärt, dass es mehrere Fassungen mit unterschiedlichen Ausgängen gab) eine verständliche, aber viel zu einfache Antwort gefunden hat (und das schreibe ich in dem Bewusstsein, wahrscheinlich genauso entschieden zu haben ...). Auch überzeugen mich die Weltsicht der kindlichen "Jünger Jesu" und ihr Handeln deutlich mehr als der zum Schluss hin dargestellte sozialistische Ansatz der Erwachsenen. 

Franks uneingeschränkte Liebe zum Sozialismus (für einen Menschen, der das Grauen des Nazi-Regimes erlebt hat, nur allzu verständlich) machte diesen Roman leider auch zu einem Opfer des Kalten Krieges - im Westen verpönt, im Osten instrumentalisiert. Dabei steckt so viel mehr in ihm als Ideologie - er erzählt eine erhebende Geschichte von Zivilcourage und Zusammenhalt in der Not, Traumatisierung und Heilung, bietet spannende, unerwartete Wendungen und regt zum Nachdenken an.

Dabei ist es etwas unheimlich zu lesen, wie präsent das Naziregime nach Franks Darstellung auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb, wie wenig diese angeblichen „Patrioten“ daran interessiert waren, in einer Notlage wie der nach dem Krieg etwas für ihr Land und seine Bewohner zu tun, wie sie stattdessen die Lage noch verschlimmerten, indem sie weiterhin Menschen bedrohten und ermordeten – und wie sehr diese Situation an das heutige Deutschland erinnert ...

Und trotz der leider sehr realistisch wirkenden Darstellung finsterster rechtsradikaler Umtriebe ist es Frank gelungen, einen positiven, hoffnungsvollen und trostreichen Roman zu verfassen, in dem Zivilcourage und Liebe so manchen Sieg erringen ...

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Cover des Buches Karl und Anna (ISBN: 9783150089521)Zen-Colas avatar

Rezension zu "Karl und Anna" von Leonhard Frank

Der Glaube an etwas, das Halt verspricht ...
Zen-Colavor 4 Jahren

Ich bin durch die Materialien zu »Im Westen nichts Neues« zu dieser Geschichte gekommen. Hier wird sie als Roman, dort als Kurzgeschichte und woanders als Novelle bezeichnet – aus Trotz spreche ich jetzt einfach mal von einer Erzählung.

Die Erzählung »Karl und Anna« handelt von Karl und seiner Liebe zu der Frau eines seiner Kameraden. Während Karl und Richard in russischer Kriegsgefangenschaft sind und Gräben ausheben, schwärmt Richard ihm von seiner Frau Anna vor – bis ins letzte Detail, selbst ihre Körperhaltung beim Sex schildert er minutiös. Karl selbst erträumt sie sich zum Idealbild zusammen, etwas, das Sinn verheißt und Halt gibt: Er verliebt sich in die Frau, die er nur aus Erzählungen, dafür aber bis in jedes Detail kennt. Als Richard verschleppt wird, nutzt Karl seine Chance, flieht – und begibt sich auf den langen Weg zu Anna, wo er sich als Richard ausgibt. Anna erkennt zwar, dass der Mann vor ihrer Tür nicht Richard sein kann; aber dass er sie so gut kennt, schenkt ihr Wärme …

Nach »Im Westen nichts Neues«, das die Brutalität des Krieges in seinen direkten Facetten zeigt, zeichnet »Karl und Anna« ein etwas anderes Bild. Die Erzählung behandelt im Kern, wie man während der Härten des Krieges etwas sucht, an das man glauben kann – sowohl als Soldat, aber auch als Frau in der Heimat, die ohne Genaueres zu wissen auf die Rückkehr ihres Mannes wartet und hofft. Und dass es manchmal reichen kann, etwas zu finden, das diese Leere füllt.

Die Sprache ist jederzeit einfach zu verstehen. Kitschig fand ich die Geschichte nicht, vielmehr fand ich ihren Grundgedanken sehr interessant.

Wer mehr zum Thema »Erster Weltkrieg« lesen möchte, dem sei gesagt, dass diese Geschichte auch im Sammelband »Einer muss den Frieden beginnen« zu finden ist.

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Cover des Buches Der Mensch ist gut [3.Auflage] (ISBN: B003FJ43C4)L

Rezension zu "Der Mensch ist gut [3.Auflage]" von Leonhard Frank

Kurz und richtig
llfvor 5 Jahren

Für mich ist diese Kurzgeschichte ein Manifest. Es ist anders als seine Romane und auch etwas anders als die übrigen Kurzgeschichten. Wie sollte man es lesen? Erst vorsichtig probieren, ob das, was da kommt etwas ist, worauf man sich einlassen möchte. Wenn ja, dann wähle man einen Zeitpunkt, wo man sich in Ruhe der Lektüre widmen kann. Ich konnte es unter Menschen nicht genießen und habe es zugeklappt und erst am Abend, allein, in aller Ruhe gelesen. Es gibt ein paar Voraussetzungen, dafür, dass die Botschaft dieses Manifests ankommt. Es bedarf Unvoreingenommenheit, Ehrlichkeit, Sensibilität und Fantasie, damit das Bildergerüst, das diese Geschichte bietet, beim Leser ein Feuerwerk an Gedanken und Gefühlen entfacht. Erstere sollte man weiterspinnen, Letztere aushalten und nicht verdrängen, sondern bewußt und in aller Tiefe erfahren und erleben. Um aus diesem Tief herauszukommen, sollte man die Kraft der Gefühle nutzen um intensiv nach der Ursache zu forschen und überlegen, was es dafür für Lösungen geben könnte.

"Der Mensch ist gut" hat mich so beeindruckt, dass ich anschliessend alles von Frank gelesen habe, in der Hoffnung wieder so etwas intensives zu erleben. Meiner Meinung nach kommt es nirgend mehr so geballt wie hier und da die Geschichte kurz ist, würde ich sie in Ruhe auskosten und nicht bei einer Zugfahrt verheizen.

Ein wiederkehrendes Thema in seinen Werken ist die Ansicht, dass das Zulassen, Aushalten und Durchleben der Gefühlsqualen zur Einsicht und Reife verhilft, wenn man nach lebensbejahenden und in Liebe begründenten Antworten auf die Ursachen der Qualen sucht und nicht in eine negative Abwärtsspirale gerät an deren Ende der Wahnsinn steht. Verdrängen dagegen macht uns zu verkappten Menschen, die mit jeder Verdrängung sich von der Wahrheit entfernen und immer weniger wissen, was richtig und falsch ist, und leichter sich von Alltagsfloskeln einlullen lassen, bis sie nicht mehr wissen wer sie sind und was sie wollen.

Meine Deutschlehrerin würde sagen, dass ich frei und daher falsch interpretiert habe. Es stimmt, dass ich keine Ahnung von literarischer Analyse habe, aber, was ich aus Franks Werk persönlich mitgenommen habe, würde ich gegen keine literarische Interpretation eintauschen wollen.

Ich habe eine gewaltsame Revolution erlebt und bin mir sicher, dass Frank hier nicht übertreibt, auch wenn es vielleicht den meisten so erscheinen mag.

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