Amazonenrache

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Zwei Frühwerke eines Ehepaares, deren Name bis heute falsch verstanden wird

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Inhaltsangabe zu "Amazonenrache"

Der Band vereint zwei Erzählungen aus der Feder von Leopold von Sacher-Masoch und seiner ersten Frau Wanda zu einem literarischen Wettstreit in Fragen weiblicher Macht. Bei Leopold die Geschichte einer grausamen Amazonenzarin, bei Wanda die raffiniert erzählte Rache der Nihilistin Warwara Pagadin an einem sadistischen Polizeichef. Spielerisch eignet sich Wanda Leopolds erotische Phantasien und seine Lust an der Angst an. Und beide zeigen in ihren Geschichten den erotischen Fetisch des Pelzes auf der nackten Haut einer Frau – als Symbol ihrer Herrschaft über den Mann. Die masochistische Erzählung wird so zum Medium, um »dem Weibe gleiche Rechte wie dem Manne zu erringen.«
Als Aurora Angelika Rümelin geboren, wurde sie zu Wanda von Sacher-Masoch, weil sie sich beim Lesen der »Venus im Pelz« in der Titelheldin wiedererkannte und dem Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch als Femme fatale und damit als Inkarnation seiner Schöpfung entgegentrat. Die Rolle der Dame mit Pelz und Peitsche wurde ihr Mittel der Emanzipation. Das Leben mit Leopold eröffnete Wanda auf der einen Seite eine Welt der Bohème, der Begegnung mit sexuellen und politischen Abweichlern, Libertins und Radikalen und auf der anderen Seite litt sie unter der Fixierung ihres Mannes auf Umsetzung seiner »masochistischen« Phantasien.
Schlaflosreihe:
Unbekannte und vergessene Texte – phantastische Hirngespinste, erotische Erzählungen, märchenhafte und verrückte Gedankenspiele, diese Reihe bietet den Stoff, aus dem die schlaflosen Nächte gewoben sind. Im Taschenlampenkegelformat und schön gestaltet, laden sie zum Träumen ein, wenn die Stunden vorüberrieseln und der Schlaf nicht kommen will. Märchen, Essays, Gruselgeschichten, Erzählungen – wofür am Tag die Zeit zu kurz ist und dafür die Nacht sich dehnt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783943999938
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:84 Seiten
Verlag:Ripperger & Kremers Verlag
Erscheinungsdatum:01.09.2018

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    aus-erlesenvor einem Monat
    Kurzmeinung: Zwei Frühwerke eines Ehepaares, deren Name bis heute falsch verstanden wird
    Machtspiele und Phantasie

    Das hatte sich Wladimir, Zar Wladimir, wohl ganz anders ausgemalt. Ein kleines Tête-à-Tête mit Narda sollte es werden. Ein bisschen Abschalten vom Alltag als Regent eines riesigen Reiches. Sie die Herrin, er ihr ergebener Sklave. Narda, die Amazone, weiß die Gunst der Stunde zu nutzen. Im Pelz, so wie es ihr Sklave und Gebieter in einer Person es wünscht steht sie vor ihm. Die Macht entgleitet ihm, so wollte er es. Doch sein Hirn schaltet auf einmal in den Verdrängungsmodus. Er bietet Narda, seiner Herrin nun an, das Reich vom Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zu regieren. Am nächsten Morgen soll das Experiment beginnen. 
    Und so kommt es dann auch. Narda – immer ganz Herrin ihrer Sinne und fokussiert auf ihren Erfolg – wird so lang die Sonne scheint die Herrin über Leben und Tod. Mit unerschütterlichem Tatendrang stellt sie sich eine schlagkräftige Truppe zusammen. Eine Amazonengarde, die ihr auf Gedeih und Verderb nicht ausgeliefert ist, sondern blind in jede Schlacht folgen wird. Als der Tag sich dem Ende neigt, ist nichts mehr wie es war. Wladimir fordert vehement die Rückübertragung seiner ihm angeborenen Macht zurück. Doch das Spiel ist schon zu weit fortgeschritten…
    Die zweite Geschichte in diesem Büchlein stammt von Leopold von Sacher-Masochs Frau Wanda. Sie hatte nach der Hochzeit nicht nur den Nachnamen ihres Gatten angenommen, sondern auch den Vornamen aus seinem berühmten Roman „Venus im Pelz“. Auch ihre Heldin wirft den Pelz wie einen Zaubermantel über, der ihr unsagbare Macht verleiht. Warwara Pagadin genießt die Liebe zu Semen Pultowski. Er hängt einer Partei an, die es sich zur Aufgabe gemacht jedes Machtgefüge im Reich in Frage zu stellen und zu erschüttern. Bei einer Demonstration in Kiew wird er verhaftet und gefoltert. Doch die Namen der Mitverschwörer rückt er nicht raus. Warwara erfährt, äußerlich ungerührt, aus der Zeitung von der Verhaftung ihres Geliebten. Sie weiß, dass große Ideen nur im Stillen, im Extremfall sogar nur im Verborgenen gedeihen. Und so macht sie sich auf den Weg Semen den Weg in die Freiheit zu bahnen. 
    Dieser Weg führt nicht am Polizeichef der Stadt vorbei. Vielmehr führt er sie direkt zu ihm. Das Schicksal meint es gut mit ihr. Er verfällt ihr. Und die Aufständischen sehen die Chance gekommen endlich Rache zu nehmen an dem widerwärtigen Polizeichef. Warwara soll die Vollstreckerin sein. Denn sie weiß wie man weibliche Reize einsetzt…
    Das Ehepaar von Sacher-Masoch, besonders aber Leopold von Sacher-Masoch fand Einzug in die Psychologie, der Begriff Masochismus geht auf ihn zurück. Das Spiel von Macht und dessen bedingungslose Ausübung findet in diesen beiden Frühwerken schon, wenn auch nur zögerlich statt. Die eigenen Ziele stellen die Hauptakteure in den Dienst der (guten) Sache. Was der Leser im Dämmerlicht hineininterpretiert, bleibt sein Geheimnis. 

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