Das Cover und der Titel täuschen. Sie lassen ein seichtes Liebesmärchen erwarten, aber was man bekommt, ist die Entwicklungsgeschichte einer jungen Frau mit schonungslos beschriebenen Tiefen, dramatischen Entwicklungen und gefeierten Höhen; eine Achterbahnfahrt auf der Suche nach der eigenen Herkunft und nach Möglichkeiten, das eigene Leben zu leben.
Der Roman führt durch die verschiedensten Schauplätze, in unterschiedlichste Milieus, und vor allem die Londoner Jahre der Hauptperson Camellia sind keine leichte Kost. Hier geht es knallhart zur Sache, in jeder Hinsicht, und manch Leserin oder Leser mag geschockt zurückbleiben. Allerdings macht die Story neugierig, vieles bleibt lange Zeit rätselhaft, immer neue Wendungen treiben die Handlung voran.
Der Schreibstil ist konventionell, aber präzise, und passt sich dem Rhythmus der Geschichte an, die sich in der Gegenwart über ca. ein Jahrzehnt hinzieht, aber zwanzig, dreißig Jahre in die Vergangenheit zurückreicht, somit irgendwo auch ein Sittenbild der englischen Nachkriegszeit darstellt: Es wird in die Welt der Showgirls, des Filmgeschäfts, der Nachtclubs, der Upper Class, der Swinging Sixities, der Hippie- und Aussteigerszene eingeführt, und es wird niemals langweilig und oft sehr intensiv.
Leider lässt die Klasse des Romans im letzten Fünftel, nach dem dramatischen Höhepunkt, dann doch stark nach. Zu schnell werden alle Rätsel gelöst, in doch sehr gestellt wirkenden Gesprächen, die sehr minutiös für alles eine Erklärung geben sollen, und danach wird’s doch arg platt: ein letzter, aber doch fast zu erwartender Schicksalsschlag, der noch einmal auf die Tränendrüse drücken soll, danach dann viel zu viele Seiten für das kitschige Ende samt letzter Erklärungen für den Teil der Leserschaft, der auch noch allerletzte Gewissheit darüber braucht, dass es mit den Protagonisten doch irgendwie glücklich weitergeht.























