Schade, wie sich ein Roman manchmal entwickelt. „Kleine Fische fangen“ (im Original passender „The Dog Walker“) fängt mit einer tollen Atmosphäre an, Manhattan pur, urbanes Lebensgefühl, Witz zwischen Intellekt und Derbheit, Situationskomik, Kitzel, sympathische Figuren. Da kann eigentlich nichts schief gehen, denkt man und liest gespannt weiter, bis…
… bis man merkt, dass eigentlich schon lange nichts mehr passiert ist. Es geht hin und her, ein paar Nebengeschichten werden eingeflochten, die eigentliche Story wird nach Bedarf wieder aufgegriffen, aber der Spannungsbogen ist längst verloren, und alles, was bleibt, sind die beiden Hauptpersonen, Nina und Billy, die einem irgendwie ans Herz gewachsen sind.
Dass das Ende vorhersehbar war, ist nicht weiter schlimm, das Problem ist nur, dass es auf dem Weg dahin nur eine aufregende Schlüsselszene gegeben hat, die wahrscheinlich auch die Grundidee für den gesamten Plot war: das Aufdecken der Zwillingsexistenz durch Nina, die aber natürlich unausweichlich und somit keine Überraschung war.
Die Nebengeschichte um die Steuerfahndung und die begleitende Story um die Hunde und deren Beistzer reißen dann auch nicht wirklich mit. Vielleicht haben Hundeliebhaber mehr von diesem Buch. Vielleicht würden sie aber auch kritisieren, dass die Vierbeiner letztlich doch nur Projektionsfläche bleiben, auch wenn „Hundflüsterin“ Nina vorgibt, genau das zu vermeiden. Nein, es gelingt nicht. Weder ihr als Figur, noch der Autorin.
Schade, es hätte ein so guter Roman werden könnte…





