Leta Semadeni

 4.5 Sterne bei 8 Bewertungen

Alle Bücher von Leta Semadeni

Tamangur

Tamangur

 (7)
Erschienen am 04.09.2018
raz

raz

 (0)
Erschienen am 01.10.2011
Tamangur

Tamangur

 (0)
Erschienen am 01.09.2017

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Rezension zu "Tamangur" von Leta Semadeni

73 Schlaglichter auf das Leben und den Tod
Barbara62vor 3 Jahren

Die 70-jährige Unterengadiner Lyrikerin Leta Semadeni, deren Name selbst wie Lyrik klingt, hat mit Tamangur ihren ersten Roman geschrieben. Aber keinen im herkömmlichen Sinn, nein, vielmehr sind es 73 Schlaglichter in kurzen bis sehr kurzen Sequenzen über Großmutter und Enkelin, „das Kind“, das genauso namenlos bleibt wie das Unterengadiner Dorf, über skurrile Dorfbewohner und vor allem über Abwesende. Der dritte Stuhl im Haus bleibt leer, denn der Großvater, geliebt und schmerzlich vermisst von Großmutter und Kind, ist in Tamangur, jenem Ort, bei dessen Erwähnung die Großmutter jedes Mal gen Himmel schaut. Auch die Eltern sind fort. Vor den Augen des Kindes ist der kleine Bruder, der Augenstern der Mutter, im Fluss ertrunken, die Familie auseinandergebrochen. Hatte das Kind Schuld? Es hat die Hand des kleinen Bruders doch nur kurz losgelassen.

So geben die Großmutter, die als junge Frau die Welt bereist hat, und das Kind, das kaum mehr kennt als das Dorf, sich gegenseitig Halt, schlafen im selben Bett. Manchmal bekommen sie Besuch, vor allem von Elsa, die im gelben Haus bei den Seltsamen wohnt und ihren stillen Freund Elvis Presley im Tarnanzug mitbringt. Und dann ist da noch die Schneiderin, die anderen ihre Geschichten stiehlt, und die Frau Doktor, die seit dem Tod ihres Kindes nicht mehr auf den Friedhof geht. Oder Kasimir, der homosexuelle Kaminkehrer, bester Freund des Großvater und dem Alkohol nicht abgeneigt.

Eine sehr karge und zugleich bildgewaltige Erzählung. Obwohl ich sicher nicht jedes der Bilder verstanden habe, hat dieser so eindringlich erzählte kleine Roman großen Eindruck bei mir hinterlassen.

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Jades avatar

Rezension zu "Tamangur" von Leta Semadeni

Sequenzen eines Lebens
Jadevor 3 Jahren

Der Grossvater hat sich aus dem Staub gemacht, nach Tamangur ist er verschwunden. Dabei schaut die Grossmutter immer an die Decke, wenn sie vom Grossvater und Tamangur erzählt. Das Kind schliesst daraus, dass Tamangur im Himmel ist. Die Grossmutter erzählt viel vom Grossvater mit den Seidenfüssen und welche Abenteuer sie zusammen erlebt haben. Paris hat sie gesehen, Dschungel und Wüsten und irgendwo in ihren liebenden Erinnerungen steckt auch die Wut einer herben Enttäuschung.

Das Kind vermisst den Grossvater ebenso, denn er erzählte die schönen Geschichten und trank mit ihm den Kaffee mit Zucker und Käse, auch wenn es die Grossmutter verboten hatte. Die Grossmutter sah es und glühte vor Empörung und immer bekam sie dann einen Kuss vom Grossvater. Der Grossvater machte das Leben leichter, kämpft das Kind doch mit seinen eigenen Geistern: Der (verschuldete?) Verlust des Bruders, und wo sind eigentlich die Eltern?

Zum Glück kommt Elsa häufig vorbei. Sie wohnt im gelben Haus bei den seltsamen Leuten. Meistens bringt sie Elvis mit, den sie im Restaurant Alpenrose kennengelernt hat. Elvis trägt einen Tarnanzug und verhält sich meistens still. Grossmutter mag Elsa sehr, sie ist nämlich für die Artenvielfalt und sie bringt mit ihren Ideen, Gesprächen und Fröhlichkeit viel Sternenstaub ins Haus.

In 73 Kapiteln oder Blicken ins Leben erzählt „Tamangur“ eine Geschichte über den Tod, das Loslassen, Erinnern und Vermissen. Aber im Vordergrund steht das pralle Leben mit all seinen Facetten. Der Tod ist wie ein Klang im Hintergrund, der uns an die Endlichkeit erinnert, aber an die Freuden des Lebens appelliert.

Leta Semadeni bezaubert mit feinfühligen Beschreibungen der Natur. Ebenso präzise charakterisiert sie ihre Protagonisten. Gerne schaut man als LeserIn durch die Augen Semadenis auf die Sequenzen eines erfüllten Lebens.


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Jaris avatar

Rezension zu "In mia vita da vuolp/ In meinem Leben als Fuchs" von Leta Semadeni

Rezension zu "In mia vita da vuolp/ In meinem Leben als Fuchs" von Leta Semadeni
Jarivor 8 Jahren

Inhalt:

Ein Bild bergen

Über die Bildbreite
gespannt
eine Bergkette
auf Stoppelfeldern
das Gefieder
vom Raben

Mein zerzaustes Glück

Meine Meinung:

Solche und ähnliche Gedichte finden sich in Leta Semadenis zweisprachigem Werk "In mia vita da vuolp/In meinem Leben als Fuchs". Die Gedichte sind von der Autorin auf Rätoromanisch und Deutsch verfasst.

Semadenis Sprache ist abgerissen, die Autorin vermeidet es, uns alles zu sagen. Der Leser soll sich seinen Teil hinzudenken.
Von Tieren ist die Rede, ein Fuchs huscht durch das Gebüsch, ein Pferd steht stramm auf der Weide, der Nebel legt sich um die Berge, ein einsames Bergdorf. Und obwohl das Buch in verschiedene Abschnitte eingeteilt ist, die unterschiedliche Themen behandeln, tauchen gewisse Symbole immer wieder auf.
Von Trauer ist die Rede, von der Einsamkeit, der Wahrheit. Semadenis Sätze fliessen ineinander, kreieren neue Worte, rufen Bilder und starke Gefühle hervor. Dennoch schafft es die Autorin wunderbar, immer wieder eine neue Sprache zu finden, die dennoch ihre eigene ist.

Semadeni will Eindrücke schaffen, Bilder hervorrufen - was sie auf wunderbare Art und Weise schafft. Die dunkle Grundstimmung des Gedichtbandes stimmt einen nachdenklich. Oft scheinen die einzelnen Teile zusammenhanglos und nervös. Doch die Seelenbilder, die sie im Leser hervorruft, bleiben haften. Länger vielleicht als die Worte, die sie braucht.

Fazit:

Semadenis Werk ist für naturverbundene Leute geeignet, die sich durch Gedichte in ein Bergdorf versetzen lassen wollen und sich auf die etwas düstere Stimmung des Werkes einlassen können.
Die kurzen, aber einprägsamen Gedichte lassen einen erschauern und auch die Zweisprachigkeit des Buches macht das Werk für Gedichtefreunde zu einem reizbaren Werk. Das einfache, aber edle Buch ist in jeder Gedichtesammlung ein kleiner, aber feiner Hingucker.

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