Die Licentia-Akademie für queere Jungen steht in der Nähe von Berlin. Brian ist erstmal gar nicht begeistert, doch fernab seines homophoben Vaters kann er neu starten, aber die Vergangenheit prägt ihn trotzdem und natürlich hat er auch mit den Themen des Erwachsenwerdens und den Hürden der Liebe zu kämpfen.
Zunächst muss man definitiv den Kopf für Poly Beziehungsdynamiken öffnen. Nicht jede Person kann sich dafür freimachen. Aber nur weil es nicht meine Lebensrealität ist, heißt es nicht, dass es die anderer Personen ist, hier geht es nämlich um Brian, Aron und die anderen Jungs und nicht um das Leben, wie ich es lebe. Levi erzählt nicht, wie man leben muss, sondern dass es viele legitime Arten gibt, Liebe, Nähe und Verbundenheit zu empfinden.
Gerade in Mister Liberty entsteht durch die vielen wichtigen Charaktere und ihre intensive Dynamik ein Beziehungsgeflecht, das emotional nachvollziehbar ist. Nebenbei ist der Spannungsbogen extrem hoch, weil ganz viel passiert. Durch die Multi-PoV (wobei ich glaube Brians Sicht ist am präsentesten, ich hab nicht gezählt, ich empfand sie als sehr zentral), bekommt man ein tieferes Verständnis für alle Jungs, die hier eine wichtige Rolle spielen. Dadurch wird die Geschichte lebendig.
Besonders aufgefallen ist mir, dass Levi besonders auch durch Sprache Respekt für ihre queeren Charaktere schafft. Keine s3xualisierte Sprache, achtsamer Ausdruck und bewusster Umgang mit Sprache und Plot.
Außerdem fand ich es wahnsinnig gut, dass in diesem deutschen Setting auch nicht-deutsch gelesene Kulturen einen Platz haben. Das ist hier in Europa einfach relevant, authentisch und ein realistisches Abbild der Gesellschaft.
Lesende, die Geschichten mit Liebe, Freundschaft und persönlicher Entwicklung schätzen und vielschichtigen Poly-Dynamiken offen gegenüberstehen, können hier eine starke Geschichte erleben. Eifersucht ist etwas, was ich persönlich ungerne lese, weil es in mir etwas unangenehmes auslöst, weil es in mir Unsicherheit auslöst. Man muss es aus einer sicheren Distanz heraus betrachten und ich habe versucht, es aus der Sicht der Charaktere zu betrachten und nicht aus meiner Sicht, aber Levi hat es so gut gelöst, dass ich meine persönliche Distanz wahren konnte.










