Lewan Berdsenischwili

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Autor von Heiliges Dunkel.

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Heiliges Dunkel
Heiliges Dunkel
 (1)
Erschienen am 01.03.2018

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Rezension zu "Heiliges Dunkel" von Lewan Berdsenischwili

Der Gulag als Ort des Schreckens, aber auch der Begegnung und Vorbereitung des politischen Umsturzes
blaustrumpfinevor 5 Monaten

Der Altphilologe Lewan Bersenischwili gründete 1978 in Georgien zusammen mit seinem Bruder David und zwei weiteren Dissidenten die Republikanische Partei Georgiens; später, nach dem Zusammenbruch der UdSSR, wurden beide ins georgische Parlament gewählt. Da die Gründung einer Alternativpartei zur KPdSU in der Sowjetunion als „antisowjetische Agitation und Propaganda“ galt, verbrachte er von 1984 bis 1987 drei Jahre im Gulag, teilweise zusammen mit seinem Bruder. Ausgelöst durch einen Zusammenbruch auf einer Reise und eine Begegnung mit einer ebenfalls im DubrawLag - einem Sonderlager für politische Gefangene - geborenen Ärztin in den USA, erinnert er sich an die drei „besten Jahre seines Lebens“ und stellt in kurzen, pointierten Skizzen seine Mithäftlinge aus dieser Zeit vor.

Man lernt Zahlenkünstler kennen, Tüftler und Alltagsgenies, Fußballfans, Theaterliebhaber und vor allem viele sehr integre Menschen, über die er schreibt: „Nie wieder habe ich mich später unter Menschen befunden, die der KGB so sorgfältig ausgesucht hat.“ Neun Stunden täglich müssen die Häftlinge mit dem Nähen von Arbeitsfäustlingen verbringen, wofür sie mit virtuellem Geld bezahlt werden, das sie nur im Lagerladen „Larjok“ ausgeben oder für die Bestellung von Büchern verwenden dürfen. Nebenher wird viel diskutiert, Machorka geraucht, werden Sprachen unterrichtet und gelernt und es wird gelegentlich den Aufsehern eins ausgewischt, wenn nicht gerade eine mehrwöchige Isolationshaft zu verbüßen ist. Es geht um Weltliteratur von Rustaweli über Isaak Babel bis hin zu Anna Achmatowa ebenso wie um Dissidentenfolklore von Jewgeni Kljatschkin und Wladimir Wyssozki. Zur Unterhaltung organisieren die Häftlinge untereinander Erzählwettbewerbe und sokratische Dialoge, spielen Schach, Tischtennis oder Nardi. Lebensmittel werden über Monate gehortet, um sie dann zu entsprechend feierlichen Anlässen hervorzuholen, und das Teetrinken wird, mangels Alkohol im Lager, innerhalb der „christlichen Föderation der Völker des Südkaukasus“ schon mal mit ausgiebigen Trinksprüche zelebriert.

Ein ironisches, wehmütiges Buch an eine Zeit der Entbehrungen und Erniedrigungen, aber auch des bereichernden Austauschs mit außergewöhnlichen Weggefährten, die sich nach ihrer Zeit im Gulag bald in alle Himmelsrichtungen zerstreut haben. Dank der tollen Übersetzung von Christine Hengevoss und ihrer klugen Anmerkungen zu den kulturellen und zeitgeschichtlichen Hintergründen lässt sich das Buch auch dann sehr gut lesen, wenn man die Sowjetzeit nicht mehr (bewusst) miterlebt hat. Für mich war es eine sehr bereichernde, faszinierende und anregende Lektüre, die ich nur weiterempfehlen kann!


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