Heiliges Dunkel

von Lewan Berdsenischwili 
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Heiliges Dunkel
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Lebendige, humorvoll-ironische Erinnerungen Berdsenischwilis an seine Zeit im sowjetischen Gulag und seine Mithäftlinge in den 1980er Jahren

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Inhaltsangabe zu "Heiliges Dunkel"

Das wohl ungewöhnlichste Buch über das Leben im Gulag!

Auf die Frage, warum er die Erinnerungen an seine Jahre im Gulag niedergeschrieben habe, erwiderte Lewan Berdsenischwili: »Es ist kein Buch über mich, sondern über die Menschen, die ich kennen und lieben gelernt habe. Vielleicht erkennen einige von ihnen sich nicht wieder, denn die Erzählungen enthalten mehr Wahrheiten über sie, als sie selber wissen oder zu wissen glauben. Es ist ein Buch nicht nur über das Traumatische dieser Erfahrung, sondern auch das Glück des Austauschs mit sehr unterschiedlichen Menschen, denen dasselbe Los zuteilgeworden war.«
Berdsenischwili schreibt mit feinem Humor und Ironie, manchmal aber auch voller Sarkasmus und Wehmut über seine Mithäftlinge und ihre Bewacher. Er folgt den außergewöhnlichen, teils schrägen Charakteren, die – wegen absurdester »Verbrechen« inhaftiert – geplagt sind von Hunger, Haft, dem Mangel an Kommunikation mit der Außenwelt. Doch schwingt auch immer eine gewisse Dankbarkeit mit. Die vom KGB »auserlesenen« Inhaftierten bilden eine Art Ersatzfamilie füreinander und erleben Dinge, die sie ohne den Gulag nicht erfahren hätten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783954629916
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Mitteldeutscher Verlag
Erscheinungsdatum:01.03.2018

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    blaustrumpfines avatar
    blaustrumpfinevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Lebendige, humorvoll-ironische Erinnerungen Berdsenischwilis an seine Zeit im sowjetischen Gulag und seine Mithäftlinge in den 1980er Jahren
    Der Gulag als Ort des Schreckens, aber auch der Begegnung und Vorbereitung des politischen Umsturzes

    Der Altphilologe Lewan Bersenischwili gründete 1978 in Georgien zusammen mit seinem Bruder David und zwei weiteren Dissidenten die Republikanische Partei Georgiens; später, nach dem Zusammenbruch der UdSSR, wurden beide ins georgische Parlament gewählt. Da die Gründung einer Alternativpartei zur KPdSU in der Sowjetunion als „antisowjetische Agitation und Propaganda“ galt, verbrachte er von 1984 bis 1987 drei Jahre im Gulag, teilweise zusammen mit seinem Bruder. Ausgelöst durch einen Zusammenbruch auf einer Reise und eine Begegnung mit einer ebenfalls im DubrawLag - einem Sonderlager für politische Gefangene - geborenen Ärztin in den USA, erinnert er sich an die drei „besten Jahre seines Lebens“ und stellt in kurzen, pointierten Skizzen seine Mithäftlinge aus dieser Zeit vor.

    Man lernt Zahlenkünstler kennen, Tüftler und Alltagsgenies, Fußballfans, Theaterliebhaber und vor allem viele sehr integre Menschen, über die er schreibt: „Nie wieder habe ich mich später unter Menschen befunden, die der KGB so sorgfältig ausgesucht hat.“ Neun Stunden täglich müssen die Häftlinge mit dem Nähen von Arbeitsfäustlingen verbringen, wofür sie mit virtuellem Geld bezahlt werden, das sie nur im Lagerladen „Larjok“ ausgeben oder für die Bestellung von Büchern verwenden dürfen. Nebenher wird viel diskutiert, Machorka geraucht, werden Sprachen unterrichtet und gelernt und es wird gelegentlich den Aufsehern eins ausgewischt, wenn nicht gerade eine mehrwöchige Isolationshaft zu verbüßen ist. Es geht um Weltliteratur von Rustaweli über Isaak Babel bis hin zu Anna Achmatowa ebenso wie um Dissidentenfolklore von Jewgeni Kljatschkin und Wladimir Wyssozki. Zur Unterhaltung organisieren die Häftlinge untereinander Erzählwettbewerbe und sokratische Dialoge, spielen Schach, Tischtennis oder Nardi. Lebensmittel werden über Monate gehortet, um sie dann zu entsprechend feierlichen Anlässen hervorzuholen, und das Teetrinken wird, mangels Alkohol im Lager, innerhalb der „christlichen Föderation der Völker des Südkaukasus“ schon mal mit ausgiebigen Trinksprüche zelebriert.

    Ein ironisches, wehmütiges Buch an eine Zeit der Entbehrungen und Erniedrigungen, aber auch des bereichernden Austauschs mit außergewöhnlichen Weggefährten, die sich nach ihrer Zeit im Gulag bald in alle Himmelsrichtungen zerstreut haben. Dank der tollen Übersetzung von Christine Hengevoss und ihrer klugen Anmerkungen zu den kulturellen und zeitgeschichtlichen Hintergründen lässt sich das Buch auch dann sehr gut lesen, wenn man die Sowjetzeit nicht mehr (bewusst) miterlebt hat. Für mich war es eine sehr bereichernde, faszinierende und anregende Lektüre, die ich nur weiterempfehlen kann!


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