Li Ju-Tschen Im Land der Frauen

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Inhaltsangabe zu „Im Land der Frauen“ von Li Ju-Tschen

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  • Rezension zu "Im Land der Frauen" von Li Ju-tschen

    Im Land der Frauen

    sabisteb

    02. November 2011 um 15:35

    Unter der Herrschaft der Kaiserin Wu Zetian (Wu Tse-tien) (684,704 n. Chr.) strebt T’ang Ao mit über 50 endlich die Prüfung zum Staatsbeamten an. Obwohl oder vielleicht weil er glänzend bestanden hat, verleumdet ihn ein übelwollender Zensor bei der Kaiserin, die ihn degradiert. Frustriert reist T’ang Ao nachhause ab. Auf seinem Heimweg macht er Rast im Tempel des Traumgottes und gesteht einem alten Mönch, dass er ein unsterblicher werden möchte, bisher aber keinerlei Grundlagen erworben hat. Der Mönch rät ihm in fremden Ländern gute Taten zu vollbringen. Das kommt T’ang Ao gerade recht, denn er hat nicht wirklich Lust Frau und Kind unter die Augen zu treten. Stattdessen begibt es sich mit seinem Schwager, einem Kaufmann, und dessen Familie auf große Seefahrt und erlebt allerlei Abenteuer. Blumen im Spiegel aka die Hochzeit von Blumen im Spiegel aka die Romanze der Blumen im Spiegel ist eine Fantasygeschichte ähnlich Gullivers Reisen. Li Ruzhen/ Li Ju-tschen veröffentlichte diesen 100 Kapitel umfassenden Roman, an dem er 15 Jahre lang schrieb, 1827 und der Roman soll für seinen Humor und seine fantasievollen Geschichten bekannt sein. T’ang Ao durchreist das Land der Männer, das Land der Frauen, das Land der innereienlosen Menschen, das Land der Geschlechtslosen Menschen, das Land der zweigesichtigen Menschen und viele andere Länder. Der Autor glaubte angeblich an die Gleichberechtigung der Frau, eine damals weltweit revolutionäre Idee. T’ang Ao reist im vorliegenden Buchfragment in das Land der Frauen, in dem Frauen die Rolle der Männer innehaben und Männer die der Frauen. Sein Schwager wird entführt und muss all das erleiden, was sonst Frauen erleiden müssen, sollten sie dummerweise einem reichen, mächtigen Mann gefallen. Man bindet ihm seine Füße zu Lotosfüßen, man schminkt ihn… Prinzipiell eine gute Idee, dieser Rollentausch, der jedoch an Kleinigkeiten scheitert. Frauen in Männerposition werden als Männer bezeichnet, Männer in Frauenpositionen als Frauen, wenn es sich um Bewohner des Landes der Frauen handelt. Wenn es um Chinesen geht, hält sich der Autor an das biologische Geschlecht. Dadurch entschärft er die Geschichte zu einen, zum anderen werden viele Stellen zweideutig bis ins Gegenteil des beabsichtigten verkehrt: „Obgleich die Handwerker Männerkleidung trugen, war zumindest ein Teil von ihnen Frauen. Sie waren allesamt mit natürlicher Klugheit und rascher Auffassungsgabe begabt und auch sonst viel anstelliger als die dummen Männer (S. 144).“ Hier ist von Bewohnern des Landes der Frauen die Rede. Sind die biologischen Frauen nun dumm oder nicht? Es klingt in diesem Abschnitt so, als wöllte der Autor die Männer in Schutz nehmen, was aber sicherlich nicht beabsichtigt war. Möglicherweise ist dies jedoch auch ein Problem der Übersetzung, die des Weiteren aus unerfindlichen Gründen keine metrischen Angaben verwendet, sondern Klafter (S. 142), Zoll und Fuß (S. 73), jedoch nicht angibt, wie sich diese wohl chinesischen Maßeinheiten (angelsächsische Einheiten für chinesische Maße in einem deutschen/schweizer Buch wären wohl widersinnig) umrechnen lassen. Die Episode an sich ist recht unterhaltsam, nicht so bösartig wie Swifts Gulliver, aber auch nicht so durchdacht, denn die Utopie krankt natürlich an Dingen wie Zwangsverheiratung von Männern. Man könnte nun eine Diskussion beginnen, inwieweit es möglich ist einen Mann zum Beischlaf zu zwingen, ob man einen Mann vergewaltigen kann, dem weiblich König gelingt es beim Schwager T’ang ans jedoch nicht, denn „ er griff ihm zwischen die Beine und fasste nach dem schlaffen Rüstzeug […] doch das Ding wollte und wollte sich nicht aufrichten. Es blieb weich und schlaff wie ein Stück Bohnenkäse (S. 123).“ Die deutsche Ausgabe besitzt zwar viele Fußnoten, aber leider nicht annähernd genug für einen Leser, der noch nie mit chinesischer Literatur oder chinesischer Kultur Kontakt hatte. Die vorliegende deutsche Übersetzung ist gerademal als Leseprobe zu bezeichnen, denn sie umfasst nur die ersten beiden von 100 Kapiteln. Wer den vollständigen Roman lesen möchte, aber kein Chinesisch kann, muss wohl zu einer der englischen Übersetzungen unter dem Titel „Flowers in the Mirror“ greifen.

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