Lia Habel Dearly, Departed

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  • Rezension zu "Dearly, Departed" von Lia Habel

    Dearly, Departed
    Bissfan

    Bissfan

    29. August 2012 um 13:29

    4,5 rezensiert von Shiku _______________ Nora Dearly lebt Ende des 22. Jahrhunderts in Amerika – auch wenn davon nicht mehr allzu viel übrig ist. Anderthalb Jahrhunderte zuvor wurde die Welt endgültig von einer Katastrophe nach der anderen geplagt und die wenigen Überlebenden konnten nur mit Mühe einen neuen Fleck für sich finden. In verklärter Erinnerung an viktorianische Zeiten, orientierte man sich an den Werten und Systemen dieser Zeit, das Ergebnis war die Gesellschaft der „Neuen Viktorianer“. Diejenigen, die damit nicht einverstanden waren, wurden in den Süden verdrängt, nun als „Punks“ bekannt. Nach etlichen Kriegen ist zwar noch kein Frieden in Sicht, doch die jetzigen Kämpfe finden nur noch zwischen der viktorianischen Armee und Extremisten statt. In dieser Welt lebt Nora trotz relativen Wohlstands kein einfaches Leben. Da beide Elternteile mittlerweile verstorben sind, wohnt sie zusammen mit ihrer Tante, deren oberstes Ziel der soziale Aufstieg ist. Immer frustrierter mit ihrem Schicksal, sucht sie nach Wegen, ihre Situation zu ändern, doch nie hätte sie erahnt, worauf es letzten Endes hinauslaufen würde: Mitten in der Nacht wird Nora von grauenvollen, halb-verwesten Gestalten angegriffen und von anderen zwar beschützt, dafür aber entführt. Seit Jahren schon verheimlicht die Regierung den Umstand, dass es eine neue Krankheit gibt, die Wesen direkt aus einem Horrorfilm erschafft: Zombies. Zu diesen gehört auch Captain Abraham Griswold, der zwar tot, deswegen aber noch lange kein Monster ist. Nach und nach muss Nora feststellen, dass ihre Vorurteile keineswegs der Wahrheit entsprechen. Doch noch mehr Überraschungen warten auf sie: Längst verloren geglaubte Menschen könnten in ihr Leben zurückkehren – vorausgesetzt, die Zombies, die nun ihre Heimat terrorisieren, infizieren nicht die ganze Stadt. Zombies in einem romantischen Jugendbuch? Das klingt schon reichlich verrückt, aber wie sieht’s dann bei „Zombies als Objekt der Begierde in einem dystopischen, romantischen Steampunk-Jugendbuch“ aus? Mal abgesehen davon, dass sich da einige Dinge durchaus widersprechen … aber ob man’s glaubt oder nicht, das Konzept funktioniert. Lia Habels Roman spielt in der Zukunft, aber da wir Menschen nun mal vollkommen bekloppt sind, hat man sich ausgerechnet auf das viktorianische Zeitalter berufen und die Systeme von damals wieder eingeführt. Letztlich war man sich doch zu fein, auf solche Dinge wie moderne Toiletten und Handys zu verzichten und hat mit Projektionen, die den Leuten Bäume in der Landschaft und schöne Fassaden an den Gebäuden vorgaukeln sollen, dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Das Schlimmste ist: Nach all den Katastrophen kann ich mir gut vorstellen, dass die Leute vor dem Offensichtlichen die Augen verschließen, sich einen solchen Scheiß ausdenken und somit selbst in Zeiten zurückkatapultieren, die sich zwar nicht komplett von unserer Gegenwart unterscheiden, aber in noch vielen Dingen mehr sehr, sehr ungerecht sind. So mal wieder in der Annahme bestätigt, dass Menschen oftmals ziemlich dumm sind, ging’s weiter im Text – während junge Damen in Pferdekutschen mit ihren Handys spielen, erfahren wir, dass es auch so was wie eine Opposition gibt, die allerdings aus dem Land gejagt wurde und nach und nach wird klar, dass mit den Zombies auch noch das Horrorgenre begrüßt werden kann. Was hier so kunterbunt und wild durcheinander klingt, ist zumindest auch kunterbunt. Kombiniert mit einer teils altmodisch anmutenden und dann wieder sehr modernen Sprache, fügt sich aber alles zu einem stimmigen Ganzen zusammen, von dem ich sehr gern gelesen habe. Was nicht heißt, dass ich gern dort leben würde. Die Zombies hier entsprechen nur zum Teil dem klassischen Bild. Zwar sind auch sie einem beschleunigten Zersetzungsprozess ausgesetzt, aber sie sind keineswegs alle wilde Monster, die durch die Gegen ziehen und jedem Menschen, dem sie begegnen, das Gehirn aus dem Schädel löffeln. Je nachdem, wie lange es dauert, bis sie nach ihrem eigentlichen Tod wieder aufwachen, behalten sie ihren Verstand bei oder eben auch nicht – die, die innerhalb von Sekunden erwachen, sind auch die, die medizinische Hilfe bekommen. Damit wird dafür gesorgt, dass sie so gut wie möglich erhalten bleiben; notfalls werden sie wieder zusammengeflickt. So kommt es, dass Bram noch relativ fit ist, von einem leichten Humpeln und den milchig überzogenen Augen mal abgesehen. Leichengeruch? Nix da, diese Zombies sind sauberer als ein Mensch jemals sein kann! Von daher hatte ich auch absolut kein Problem mit der Liebesgeschichte des Buches, die sich zwischen Nora und Bram entwickelt. Bram ist auch nicht ekeliger als ein Vampir, der einem im falschen Moment auch mal an die Kehle gehen würde – seine Zombieinstinkte sind ziemlich harmlos dagegen. Stattdessen beschert uns all das ein recht dramatisches Szenario, bei dem von Anfang an klar ist, dass eine Beziehung nicht lange währen kann: Irgendwann wird Bram seiner Krankheit nachgeben müssen. Doch anstatt das Ganze mit nervigem „Wir können aus diesem und jenem Grund nicht zusammen sein“-Gerede ins Lächerliche zu ziehen, wie es leider viel zu oft der Fall ist, wollen beide das Risiko wagen und genießen, was sie genießen können, solange es noch geht. Dennoch wird dabei nichts überhastet, stattdessen können wir die Entwicklung in aller Ruhe mitverfolgen. Es ist eine erfrischende Herangehensweise mit ungewöhnlichen Protagonisten – ich weiß nicht, was da dagegen sprechen soll. Die eigentliche Geschichte geht auch recht langsam voran, was wiederum nicht allzu positiv ist. Natürlich funktionieren auch langsame Geschichten, aber ich war seit jeher jemand, der eine schnellere Handlung bevorzugt. Trotzdem kann ein Buch mich noch überzeugen und das ist auch hier der Fall. Zunächst kriecht die Handlung geradezu voran, doch mit jedem Kapitel steigt die Spannung, die Fragezeichen im Kopf werden größer, die Furchen in der gerunzelten Stirn tiefer. Am Ende geht’s dann rund, die Handlung kommt endlich so richtig in Fahrt. Allerdings ist es nicht das allein, was dafür gesorgt hat, dass es nur einen halben Punkt Abzug gibt. Das darf ruhig der wunderwunderwunderbare Humor dieses Buches auf seine Kappe nehmen. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich beinahe vor Lachen vom Stuhl gekippt wäre und ich mich gar nicht mehr einkriegen konnte. Das liegt natürlich alles an den Charakteren, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, und ihrer Konstellation. Da wären eher ruhigere Personen wie Pamela, Noras beste Freundin, die selten richtig aus sich herauskommt, dann aber richtig. Bei Leuten wie Noras Vater oder einem Captain des Militärs gibt es selbstverständlich weniger zu lachen, aber wozu gibt es mein persönliches Zombie-Dreamteam? Je nach Kapitel erleben wir aus Brams und Noras Sichtweise das Miteinander des herrlichen, lustigen und herzzerreißenden Zombieteams an Brams Seite, bei dem jeder seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Probleme, seinen eigenen Kopf hat. Sie alle – auch ihre menschlichen Freunde – haben Schlimmes erlebt und doch machen sie jetzt für sich und andere das Beste daraus, riskieren immer wieder ihr Nicht-Leben. Es ist eine wunderbar verrückte Truppe, die ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Nora mit ihrer Unangepasstheit ging es da genauso, auch wenn sie die Information, dass es Zombies gibt, zunächst gar nicht gut aufnimmt. Aber sie hat schon länger die Nase von all den gesellschaftlichen Regeln voll und war schon immer ein kleiner Rebell, weswegen Rüschenröcke und Schleifchen im Haar sich bei ihr bestens mit der Fähigkeit, mit Waffen umzugehen, vertragen. Sie ist keine Alleskönnerin, aber definitiv eine sympathische Allesversucherin. Sie alle zusammen haben dafür gesorgt, dass gar keine Langeweile aufkommen konnte – und ich habe das Buch umso mehr genossen. Fassen wir das mal zusammen: Zombies in einem dürftig renovierten viktorianischen Zeitalter in der Zukunft, mit zugegeben langsamer Handlung, dafür einem deftigen, manchmal ein bisschen morbiden Humor, ausgehend von zig verschiedenen, dafür umso liebenswerteren Charakteren, die die Zeit bis zum wirklich guten Showdown bestens überbrücken. Wie kann ich dieses Buch nicht lieben?

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  • Rezension zu "Dearly, Departed" von Lia Habel

    Dearly, Departed
    Shiku

    Shiku

    26. August 2012 um 23:43

    4,5 _______ Nora Dearly lebt Ende des 22. Jahrhunderts in Amerika – auch wenn davon nicht mehr allzu viel übrig ist. Anderthalb Jahrhunderte zuvor wurde die Welt endgültig von einer Katastrophe nach der anderen geplagt und die wenigen Überlebenden konnten nur mit Mühe einen neuen Fleck für sich finden. In verklärter Erinnerung an viktorianische Zeiten, orientierte man sich an den Werten und Systemen dieser Zeit, das Ergebnis war die Gesellschaft der „Neuen Viktorianer“. Diejenigen, die damit nicht einverstanden waren, wurden in den Süden verdrängt, nun als „Punks“ bekannt. Nach etlichen Kriegen ist zwar noch kein Frieden in Sicht, doch die jetzigen Kämpfe finden nur noch zwischen der viktorianischen Armee und Extremisten statt. In dieser Welt lebt Nora trotz relativen Wohlstands kein einfaches Leben. Da beide Elternteile mittlerweile verstorben sind, wohnt sie zusammen mit ihrer Tante, deren oberstes Ziel der soziale Aufstieg ist. Immer frustrierter mit ihrem Schicksal, sucht sie nach Wegen, ihre Situation zu ändern, doch nie hätte sie erahnt, worauf es letzten Endes hinauslaufen würde: Mitten in der Nacht wird Nora von grauenvollen, halb-verwesten Gestalten angegriffen und von anderen zwar beschützt, dafür aber entführt. Seit Jahren schon verheimlicht die Regierung den Umstand, dass es eine neue Krankheit gibt, die Wesen direkt aus einem Horrorfilm erschafft: Zombies. Zu diesen gehört auch Captain Abraham Griswold, der zwar tot, deswegen aber noch lange kein Monster ist. Nach und nach muss Nora feststellen, dass ihre Vorurteile keineswegs der Wahrheit entsprechen. Doch noch mehr Überraschungen warten auf sie: Längst verloren geglaubte Menschen könnten in ihr Leben zurückkehren – vorausgesetzt, die Zombies, die nun ihre Heimat terrorisieren, infizieren nicht die ganze Stadt. Zombies in einem romantischen Jugendbuch? Das klingt schon reichlich verrückt, aber wie sieht’s dann bei „Zombies als Objekt der Begierde in einem dystopischen, romantischen Steampunk-Jugendbuch“ aus? Mal abgesehen davon, dass sich da einige Dinge durchaus widersprechen … aber ob man’s glaubt oder nicht, das Konzept funktioniert. Lia Habels Roman spielt in der Zukunft, aber da wir Menschen nun mal vollkommen bekloppt sind, hat man sich ausgerechnet auf das viktorianische Zeitalter berufen und die Systeme von damals wieder eingeführt. Letztlich war man sich doch zu fein, auf solche Dinge wie moderne Toiletten und Handys zu verzichten und hat mit Projektionen, die den Leuten Bäume in der Landschaft und schöne Fassaden an den Gebäuden vorgaukeln sollen, dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Das Schlimmste ist: Nach all den Katastrophen kann ich mir gut vorstellen, dass die Leute vor dem Offensichtlichen die Augen verschließen, sich einen solchen Scheiß ausdenken und somit selbst in Zeiten zurückkatapultieren, die sich zwar nicht komplett von unserer Gegenwart unterscheiden, aber in noch vielen Dingen mehr sehr, sehr ungerecht sind. So mal wieder in der Annahme bestätigt, dass Menschen oftmals ziemlich dumm sind, ging’s weiter im Text – während junge Damen in Pferdekutschen mit ihren Handys spielen, erfahren wir, dass es auch so was wie eine Opposition gibt, die allerdings aus dem Land gejagt wurde und nach und nach wird klar, dass mit den Zombies auch noch das Horrorgenre begrüßt werden kann. Was hier so kunterbunt und wild durcheinander klingt, ist zumindest auch kunterbunt. Kombiniert mit einer teils altmodisch anmutenden und dann wieder sehr modernen Sprache, fügt sich aber alles zu einem stimmigen Ganzen zusammen, von dem ich sehr gern gelesen habe. Was nicht heißt, dass ich gern dort leben würde. Die Zombies hier entsprechen nur zum Teil dem klassischen Bild. Zwar sind auch sie einem beschleunigten Zersetzungsprozess ausgesetzt, aber sie sind keineswegs alle wilde Monster, die durch die Gegen ziehen und jedem Menschen, dem sie begegnen, das Gehirn aus dem Schädel löffeln. Je nachdem, wie lange es dauert, bis sie nach ihrem eigentlichen Tod wieder aufwachen, behalten sie ihren Verstand bei oder eben auch nicht – die, die innerhalb von Sekunden erwachen, sind auch die, die medizinische Hilfe bekommen. Damit wird dafür gesorgt, dass sie so gut wie möglich erhalten bleiben; notfalls werden sie wieder zusammengeflickt. So kommt es, dass Bram noch relativ fit ist, von einem leichten Humpeln und den milchig überzogenen Augen mal abgesehen. Leichengeruch? Nix da, diese Zombies sind sauberer als ein Mensch jemals sein kann! Von daher hatte ich auch absolut kein Problem mit der Liebesgeschichte des Buches, die sich zwischen Nora und Bram entwickelt. Bram ist auch nicht ekeliger als ein Vampir, der einem im falschen Moment auch mal an die Kehle gehen würde – seine Zombieinstinkte sind ziemlich harmlos dagegen. Stattdessen beschert uns all das ein recht dramatisches Szenario, bei dem von Anfang an klar ist, dass eine Beziehung nicht lange währen kann: Irgendwann wird Bram seiner Krankheit nachgeben müssen. Doch anstatt das Ganze mit nervigem „Wir können aus diesem und jenem Grund nicht zusammen sein“-Gerede ins Lächerliche zu ziehen, wie es leider viel zu oft der Fall ist, wollen beide das Risiko wagen und genießen, was sie genießen können, solange es noch geht. Dennoch wird dabei nichts überhastet, stattdessen können wir die Entwicklung in aller Ruhe mitverfolgen. Es ist eine erfrischende Herangehensweise mit ungewöhnlichen Protagonisten – ich weiß nicht, was da dagegen sprechen soll. Die eigentliche Geschichte geht auch recht langsam voran, was wiederum nicht allzu positiv ist. Natürlich funktionieren auch langsame Geschichten, aber ich war seit jeher jemand, der eine schnellere Handlung bevorzugt. Trotzdem kann ein Buch mich noch überzeugen und das ist auch hier der Fall. Zunächst kriecht die Handlung geradezu voran, doch mit jedem Kapitel steigt die Spannung, die Fragezeichen im Kopf werden größer, die Furchen in der gerunzelten Stirn tiefer. Am Ende geht’s dann rund, die Handlung kommt endlich so richtig in Fahrt. Allerdings ist es nicht das allein, was dafür gesorgt hat, dass es nur einen halben Punkt Abzug gibt. Das darf ruhig der wunderwunderwunderbare Humor dieses Buches auf seine Kappe nehmen. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich beinahe vor Lachen vom Stuhl gekippt wäre und ich mich gar nicht mehr einkriegen konnte. Das liegt natürlich alles an den Charakteren, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, und ihrer Konstellation. Da wären eher ruhigere Personen wie Pamela, Noras beste Freundin, die selten richtig aus sich herauskommt, dann aber richtig. Bei Leuten wie Noras Vater oder einem Captain des Militärs gibt es selbstverständlich weniger zu lachen, aber wozu gibt es mein persönliches Zombie-Dreamteam? Je nach Kapitel erleben wir aus Brams und Noras Sichtweise das Miteinander des herrlichen, lustigen und herzzerreißenden Zombieteams an Brams Seite, bei dem jeder seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Probleme, seinen eigenen Kopf hat. Sie alle – auch ihre menschlichen Freunde – haben Schlimmes erlebt und doch machen sie jetzt für sich und andere das Beste daraus, riskieren immer wieder ihr Nicht-Leben. Es ist eine wunderbar verrückte Truppe, die ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Nora mit ihrer Unangepasstheit ging es da genauso, auch wenn sie die Information, dass es Zombies gibt, zunächst gar nicht gut aufnimmt. Aber sie hat schon länger die Nase von all den gesellschaftlichen Regeln voll und war schon immer ein kleiner Rebell, weswegen Rüschenröcke und Schleifchen im Haar sich bei ihr bestens mit der Fähigkeit, mit Waffen umzugehen, vertragen. Sie ist keine Alleskönnerin, aber definitiv eine sympathische Allesversucherin. Sie alle zusammen haben dafür gesorgt, dass gar keine Langeweile aufkommen konnte – und ich habe das Buch umso mehr genossen. Fassen wir das mal zusammen: Zombies in einem dürftig renovierten viktorianischen Zeitalter in der Zukunft, mit zugegeben langsamer Handlung, dafür einem deftigen, manchmal ein bisschen morbiden Humor, ausgehend von zig verschiedenen, dafür umso liebenswerteren Charakteren, die die Zeit bis zum wirklich guten Showdown bestens überbrücken. Wie kann ich dieses Buch nicht lieben?

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  • Rezension zu "Dearly, Departed" von Lia Habel

    Dearly, Departed
    sabisteb

    sabisteb

    14. December 2011 um 11:22

    Steam Punk, Sci-Fi, Dystopie, Zombiesplatter und Nektrophilie Südamerika im Jahre 2195. Vor 150 Jahren brach der Supervulkan unter dem Yellowstone Park aus. Die Folge war eine neue Eiszeit, welche die Menschen der nördlichen Hemisphäre dazu zwang in südlichere Gefilde zu flüchten. Die Überlebenden und Flüchtlinge wurden derweil noch durch einen tödlichen Influenzastamm und Hungersnöte weiter dezimiert, was zum zweitem amerikanischen Bürgerkrieg führte, der in einem Atomkrieg mündete und Nordamerika unbewohnbar machte. Die letzten Überlebenden schlugen sich nach Südamerika durch und gründeten neue Staaten, einer davon ist New Victoria, die Heimat der siebzehnjährigen Nora Dearly und ihrer besten Freundin Pamela Roe. New Victoria ist eine Homage an das Victorianische England mit seiner verhüllenden Mode, seinen steifen Umgangsformen und seiner rigiden Sozialstruktur jedoch in Kombination mit modernster, futuristischer Technik im Steam Punk design. Eine heile Welt, sollte man meinen, gäbe es da nicht die Punks, Separatisten, die sich weigern Computer zu verwenden, und die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, und daher schon seit Jahrzehnten Krieg gegen New Victoria und seine Regierung führen. Mit diesem Krieg jedoch, wird nur das eigentliche Problem, das New Victoria bedroht, getarnt: Ein durch Körperflüssigkeiten übertragbares Prion namens Lazarus (Zr-068) breitet sich in der Bevölkerung aus. Wer infiziert stirbt innerhalb weniger Stunden, um danach als Zombie wieder aufzuerstehen. Zwei Zombiearmeen stehen sich gegenüber. Die eine hat es auf Nora Dearly abgesehen und versucht sie zu entführen, was Captain Abraham Griswold (18 jähriger sexy und nur mäßig angewester Zombie) zu verhindern sucht. Wie meine Zusammenfassung der Ereignisse bereits andeutet hat hier jemand einfach zu viel auf einmal gewollt: Steam Punk, Sci-Fi, victorianische Gesellschaft, Rebellion der weiblichen Jugend gegen Normen, Dystopie, Zombiesplatter und (ewige) Liebe mit Verfallsdatum (im wahrsten Sinne des Wortes). Dazu wird die Geschichte auch noch im Wechsel aus fünf Blickwinkeln erzählt: Nora, Pamela, Bram, Wolfe und Victor, was es nicht besser macht. Die Witze sind so unglaublich Platt, dass es schon peinlich ist. […] then (Bram) stooped down a bit so an eye scan could be performed. „That must be inconvenient for the ones that lose eyes,“ I commented. “I have a friend who’s clinging onto one of his until it rots. You might’ve seen him. He doesn’t wear it on missions, it falls out too easily.” Natürlich folgen darauf noch irgendwann Szenen wo dieses lockere Auge und sein Träger näher beschrieben werden. Laut Nachwort begann diese Buch als Scherz, den die Autorin, warum auch immer, zu einem Roman ausgearbeitet hat. Sie ist wohl der Meinung, dass die wahre Schönheit der Liebe in der Tragödie des Langsamen Verwesens zu finden ist, im Gegensatz zur Ewigen Konservierung der Vampire. Vampire sind laut Autorin auch nur Zombies mit besserer PR (OK, da mag sich vielleicht sogar Recht haben). So schwört Bram auch für Nora zu sorgen bis er verrottet. Besonders unpassend fand ich, wie die Gegner der Zombies als Mortalisten angesehen werden, und die armen Zombies sich und ihre Familie gegen Verfolger verstecken müssen, die sie sonst mit Befehl zu einer Erschießung abholen würden. Die Parallelen zur frühen Judenverfolgung waren da teils derartig auffällig, dass es schon geschmacklos war und das wurde kombiniert mit: wer Zombies Eklig findet ist ein Mortalist. Ich stehe dazu, ich bin Motalist und Kussszenen mit einem zwei Jahre Toten Zombie fand ich einfach nur widerwärtig und abstoßend und möchte gar nicht darüber nachdenken, wie sich das weiterentwickelt. Zu meiner Zeit nannte man das noch Nekrophilie. Die Geschichte an sich, ist auch alles andere als prickelnd und zieht sich über weite Strecken zäh wie Kaugummi. Nora wird entführt, dann folgen viele, viele, viele Kapitel Zombielagerleben (oder unleben) gefolgt von vielen, langweiligen, zähen Kapiteln splatteriger Kampfhandlungen mit finalem Kopfschuss (ich war kurz davor mir selber einen zu setzen). Nun sind also die nächsten klassischen Monster der weichspül Fantasy für weibliche Leser zum Opfer gefallen. So wie aus den menschenmordenden Vampiren tierbluttrinkende Weicheier wurden, wurden aus den menschenfressenden Zombies, toffuverschlingende Gutmenschen mit krankenversicherungspflichtigem Handicap. Gruseligerweise wird es eine Fortsetzung geben: Dearly, Beloved, was mich zu der Frage des deutschen Titel bringt. Der Orginaltitel des Buches lautet: Dearly, Departed. Fazit: langweilig, eklig und vorhersehbar.

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