Liane Bednarz

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Die Angstprediger

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Erscheint am 01.02.2019 als Taschenbuch bei Knaur Taschenbuch.

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Die Angstprediger

Die Angstprediger

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Erschienen am 01.02.2019

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Rezension zu "Die Angstprediger" von Liane Bednarz

Sorgsam, aber auch eng gefasst
michael_lehmann-papevor 8 Monaten

Sorgsam, aber auch eng gefasst

„Das vorliegende Buch versteht sich ausdrücklich nicht als Pranger, sondern soll eine Debatte anstoßen, die idealerweise nicht nur zu einer des Christlichen, sondern auch des Konservatismus insgesamt führt“.

Als Anregung zur Diskussion ist dabei dieses Werk von Lisa Bednarz durchaus geeignet, die Selbstvergewisserung steht da allerdings auf einem anderen Blatt. Zwar trennt die Autorin, und das ist sehr gelungen im Buch, jeweils akkurat und sauber die verschiedenen Begrifflichkeiten (zum Beispiel in Fragen der Gender-Debatten) und differenziert so wieder aus, was in den letzten Jahren eher zu einer „Soße“ aus Schlagworten geworden ist.

Statt also populistisch geprägte Begrifflichkeiten wie „Auflösung der Geschlechter“, „Umerziehung“ oder „Homosexualisierung der Gesellschaft“ einfach bestehen zu lassen, führt Bednarz in sachgemäßer Form zurück auf das, was trennscharf als Grundlagen z.B. der Gender Theorie gelten: Gender Mainstreaming und Gender Diversitiy.

Wie an diesem Beispiel zieht sich diese geschärfte Begrifflichkeit durch das Werk und macht so an den verschiedenen Themen klar, wie durch Verkürzungen, Steigerungen oder einseitigen Betonungen eine „Kampfsprache rechter Kreise“ entsteht.

In ähnlicher Weise zieht Bednarz im Übrigen als Gesamtergebnis und roten Faden durch das Werk eine nicht ganz scharfe, aber doch erkennbare Linie zwischen „Konservativ“ und „Rechts“ und vermittelt auf diese Weise nachhaltig, wo genau in letzter Zeit „Grenzüberschreitungen“ in nicht wenigen Fällen stattgefunden haben. Einerseits erkennbar durch die verwendete Sprache (Wie Björn Höcke zur neuen „Männlichkeit“ z.B. aufruft), andererseits auch schlichtweg durch Verbindungen stark konservativer christlicher Kreise in Wort und Schrift mit Aktionsbündnissen wie Pegida oder der AFD allgemein.

Was das Buch vermissen lässt, ist ein eher grundsätzlicher Blick auf „christliche Angstpredige“ und deren aktuellen Erfolg weltweit. Nicht nur im „Bible Belt“ der USA mit seiner starken Unterstützung für Donald Trump, auch in Lateinamerika sind evangelikale Freikirchen mit ihrer extremen „Richtig-Falsch“ Botschaft massiv auf dem Vormarsch, was das Wecken von Begeisterung in der Bevölkerung angeht, wie auch in Deutschland verschiedene theologische Strömungen jedweder Form von „Multi-Kulti“, modern verstandener Sexualität oder anderen „Neuerungen“ gegenüber an sich sich verschlossen zeigen.

Wie dies mit der „neuen politischen Rechten“ bestens einhergeht und das damit aktuell eher „Über.Konservativ“ zu verstehendes Denken einen breiten Anhalt in konservativen christlichen Kreisen findet, das stellt Bednarz argumentativ und anhand vieler konkreter Beispiele und Personen verständlich dar.

Wobei die Lektüre durchaus Konzentration erfordert, überaus trocken und sachlich-wissenschaftlich verfasst ist. Dies ist kein „Buch für nebenbei“ und ebenso kein „glattgebügeltes“ Werk. Ansätze zur Kritik, zur eigenen Reflexion und zur Diskussion werden zuhauf geboten.

„….so ist fast zwangsläufig, dass viele rechtskonservative Christen in der AFD eine nahezu ideale politische Heimat sehen. Die Partei bedient mit ihrer Ablehnung des Gender Mainstreamings, der Abtreibung, der „Ehe für alle“ und dem Kampf gegen die angebliche „Islamisierung“ alle Themen, die für diese Christen zentral sind“.

Was aber, auch das sei gesagt, keine neue Erkenntnis ist und nicht ursächlich mit einer Parteiengründung und -Entfaltung in den letzten Jahren in Verbindung steht.

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SitataTirulalas avatar

Rezension zu "Gefährliche Bürger - Die neue Rechte greift nach der Mitte" von Liane Bednarz

Die neue Rechte greift nach der Mitte
SitataTirulalavor 2 Jahren

Anstatt sich zu freuen, wenn nichts passiert, freut man sich, wenn etwas passiert; denn das kann man instrumentalisieren. Das ergibt wiederum nur Sinn, wenn es einem nicht um das Thema an sich geht, sondern um ein großes Ziel: die Verächtlichmachung der offenen Gesellschaft.

Die neue Rechte greift nach der Mitte, so steht es im Untertitel des Buches. Wir alle haben die Wahlerfolge nicht nur der AfD hier in Deutschland, sondern auch anderer rechtsgeneigter Parteien in ganz Europa mitverfolgen können. Nur knapp 70 Jahre, nachdem Fremdenhass und Rassismus ganz Europa an den Abgrund gebracht haben, haben die Rechten wieder Aufwind - und zwar mächtigen, wie die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gezeigt haben. Aber wie kommt das eigentlich?

Genau mit dieser Frage haben sich Liane Bednarz und Christoph Giesa befasst, die sich noch gleich in der Einleitung als überzeugte Christdemokratin und Liberaler outen. Selbst nicht ganz frei von Vorurteilen was diese beiden Parteien angeht, war ich zunächst skeptisch, aber ich bin ja immer gewillt, mich positiv überraschen zu lassen und das ist dem Autorenduo auch tatsächlich geglückt. Die eigene Parteizugehörigkeit offen zu legen diente in erster Linie dazu zu unterstreichen, dass gesunder Menschenverstand und vor allen Dingen der Faktor Menschlichkeit nichts damit zu tun hat, welche politischen Ansichten man sonst vertritt - konservativ, liberal, links. Auch wollten sie herausstellen, dass ihre Ansichten und Argumentation keineswegs einem "linksgrünversifften" (Zitat) Weltbild entspringen.
Bednarz und Giesa arbeiten heraus, wer die Wortführer der neuen Rechten sind, wie sie sich mal mehr, mal weniger geschickt althergebrachter Ansichten aus vergangenen Jahrzehnten oder Jahrhunderten bedienen, wie sie mit voller Wucht in die Kerbe der Angst und Unsicherheit schlagen, die rasche Veränderungen in diesem Land aufgetan haben, um noch mehr Angst, Unsicherheit und auch Hass zu schüren. Emotionen sind das Zauberwort und diese hochzupeitschen, das haben die rechten Agitatoren beinahe perfektioniert. Bednarz und Giesa nehmen sehr kritisch getätigte Aussagen des Millieus auseinander und widerlegen sie oder führen sie ad absurdum. Es tat mir fast ein bisschen Leid, dass das Buch bereits erschienen ist, bevor Frau von Storch ihre berüchtigte Aussage tätigte, die sinngemäß alle erwachsenen und "mündigen" Flüchtlinge zum Abschuss an den Grenzen freigeben sollte. Die Autoren zeigen auch auf, wo sich rechtes Gedankengut gut verborgen in vermeintlich neutralen Aussagen in die Köpfe der Menschen schleicht, die sich oftmals der Tatsache gar nicht bewusst sind, was und wen genau wie da unterstützen. Dabei wird allerdings auch nicht alles beschönigt, Missstände in der Politik werden nicht schön geredet, bloß weil die Rechten das andere Ende des Meinungsspektrums vertreten. Auch Bednarz und Giesa sehen sie, aber extremes und menschenverachtendes Gedankengut ist für sie absolut keine Lösung dafür. Bei vielen der untersuchten Aussagen fehlt jede Menschlichkeit und ich konnte einfach bloß den Kopf darüber schütteln, einmal darüber, dass es Leute gibt, die solche Dinge von sich geben, und einmal darüber, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich dahinter stellen und sie glauben.

Abgesehen von gelegentlichen Längen, in denen die Autoren sich ein wenig zu sehr an Zitaten und deren Zerlegung festbeißen, war "Gefährliche Bürger" eine sehr interessante, wenn auch nicht überraschende Lektüre, die ich mit vier Blümchen jedem empfehlen möchte, der sich mit dem Thema näher beschäftigen will.

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