Liao Yiwu

 4 Sterne bei 22 Bewertungen

Lebenslauf von Liao Yiwu

Eine kritische Stimme, die den Widerstand nicht aufgibt: Der chinesische Autor, Dichter und Musiker Liao Yiwu wurde 1958 in Sichuan geboren. Seine Kindheit war geprägt von großer Armut und nach der Veröffentlichung seines kritischen Gedichtes "Massaker" im Jahr 1989 kam er für vier Jahre ins Gefängnis. Dort musste er viele Folterungen über sich ergehen lassen, zumal er sich gegen die Regeln auflehnte. Nach seiner Freilassung, verlor er nicht nur seine Frau, sondern auch viele seiner Freunde, die ihm den Rücken zukehrten. Seine Erinnerungen an diese schwere Zeit hat er in seinem Buch "Testimonials" festgehalten. Nach seiner Entlassung verdiente er als Straßenmusiker und durch Gelegenheitsjobs sein Brot. Trotz diverser Widerstände schaffte er es seine Gedichte an die Öffentlichkeit zu bringen. Trotzdem werden seine Werke in China zensiert und er steht außerdem auf der Schwarzen Liste. 2007 wurde er von dem Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis "Freiheit zum Schreiben" ausgezeichnet. Das deutsche Publikum wurde nach der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels auf den Schriftsteller aufmerksam. Zu seinen bekanntesten Buchveröffentlichungen zählen "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser", "Die Kugel und das Opium", "Die Dongdong-Tänzerin" und "Gott ist rot". Liao Yiwu konnte China verlassen und lebt seitdem in Berlin.

Alle Bücher von Liao Yiwu

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Cover des Buches Für ein Lied und hundert Lieder (ISBN:9783596190003)

Für ein Lied und hundert Lieder

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Erschienen am 23.08.2012
Cover des Buches Die Wiedergeburt der Ameisen (ISBN:9783100448170)

Die Wiedergeburt der Ameisen

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Erschienen am 25.08.2016
Cover des Buches Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass (ISBN:9783103972887)

Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass

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Erschienen am 25.04.2018
Cover des Buches Die Dongdong-Tänzerin und der Sichuan-Koch (ISBN:9783100448163)

Die Dongdong-Tänzerin und der Sichuan-Koch

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Erschienen am 22.08.2013
Cover des Buches Gott ist rot (ISBN:9783596193257)

Gott ist rot

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Erschienen am 20.08.2015
Cover des Buches Erinnerung, bleib... (ISBN:9783943967005)

Erinnerung, bleib...

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Erschienen am 01.08.2012
Cover des Buches Vier Lehrmeister (ISBN:9783899033939)

Vier Lehrmeister

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Erschienen am 11.10.2012

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Rezension zu "Für ein Lied und hundert Lieder" von Liao Yiwu

Rezension zu "Für ein Lied und hundert Lieder" von Yiwu Liao
Kaivaivor 8 Jahren

" 8. Mühlentofu (unterschieden in "kleine Portion" und "große Portion"): Bei der sogenannten großen Portion wird dem zu Bestrafenden ununterbrochen mit einem Stäbchen heftig gegen die Schädeldecke geklopft; dabei kommt es zu einem mit einer blutfarbenen Granulation verbundenen Perlkopfband, das dann mit Seife eingerieben wird. Kochsalz stoppt die Blutung. Wenn nach ein paar Tagen das Band zu einem kreisrunden Geschwür verfault, wird das faulige Fleisch herausgeschnitten, und Blut und Eiter werden herausgedrückt, so bildet sich der "Fluch des goldenen Bandes", hält ewig. Bei der sogenannten kleinen Portion werden die Enden der Bambusstäbchen langsam gegen Schneidezähne, Eckzähne und Backenzähne geschlagen, von innen, von außen, das kann schon gut zwei Stunden gehen. Das Blut aus dem Zahnfleisch ist erst blass, dann wird es dunkel, dann geht von ihm ein beißender Gestank aus. Nach so einer Bestrafung dauert es keine zwei Tage und die Schneidezähne werden locker, wenn man einmal an ihnen wackelt, fallen sie aus, Eck- und Backenzähne folgen. Bis alle Zähne ausgefallen sind, ist es ein langwieriger Prozeß, der begleitet wird von latenten Schmerzen und Blutungen."
Dies ist das Gericht Nr. 8 (von 45 zur Auswahl), das sich auf der Speisekarte des Untersuchungsgefängnises von Chongquing in China, im Jahr 1990, befand (allerdings nur die Tagekarte, die gehobene Karte hat noch größere Köstlichkeiten zu bieten).
Liao Yiwu, geboren 1958, war im Alter von 31 Jahren, ohne politisch interessiert zu sein, in den demokratischen Frühling auf dem Tiananmenplatz in Peking, im Jahr 1989, hineingezogen worden.
Dies erzählt er auf den ersten hundert Seiten. Schwer zu lesen. Innenweltkaskaden. Er ist ein anerkannter Dichter und sieht sich nun mitten hineingestellt in diesen Weckruf, spürt sich aufgerufen, spürt seine persönliche Situation mit Frau und kommendem Kind und Ambivalenz dazu durch und durch und schreibt dann das Gedicht "Massaker". Bringt es in Umlauf. Und will noch einen Film dazu drehen: "Requiem".
Natürlich kann die chinesische Obrigkeit solch eine Frechheit nicht dulden. Er wird verhaftet und landet im Untersuchungsgefängnis von Chongquing.
Die nächsten 400 Seiten handeln von vier Jahren in vier Gefängnissen. Liao Yiwu, vorher noch ein schwer faßbarer Charakter, ganz unklar ob nun wirklich symphatisch, wird für mich ganz deutlich. Seine Leidenschaft und sein Gespür für Würde begeistern mich. Die Verhältnisse, in denen er sich befindet, erschüttern mich. Was für eine Welt. Folter der Gefangenen untereinander (siehe Speisekarte) und der Vollzugsbeamten an den Gefangenen, ist gang und gäbe. Liao Yiwu, aufgrund seiner Renitenz aus dem Gefühl seiner Würde heraus, gerät immer wieder in die Bredouille. Allerdings eher selten in die Fänge seiner Mitgefangenen. Die Achtung vor ihm ist groß.
Wie alle politischen Gefangenen wird er Konterrevolutionär genannt. Zum Tode verurteilte heißen Tote. So wie der Tote Chen. Viele von diesen Toten trifft Liao Yiwu. Er erzählt von ihnen und sie werden lebendig, obwohl sie schon lange hingerichtet sind.
Hab fast einen Monat für dies Buch gebraucht, wirklich schwere Kost, gut verdaut ist sie aber nachhaltige Nahrung für die Seele.
Liao Yiwu hat es noch bis 2010 in China ausgehalten. Dann durfte er ausreisen. Und ihm blieb eine weitere Tortur erspart, die ihm mit der Veröffentlichung dieses Buches drohte. Nun lebt er in Berlin.
Für alle Feinschmecker noch ein Gericht von der gehobenen Karte: "27. Das Erdbeben: Der zu Bestrafende kriecht auf allen vieren herum wie ein Hund, einer der Killer springt an das Gitterfenster, das oben in Zweimannshöhe angebracht ist, er zieht den Bauch ein und Fäuste und Beine an und lässt sich plötzlich auf den "Hunderücken" fallen (diese Strafe ist heimtückisch, in einem berühmten Untersuchungsgefängnis von Chongquing sind auf diese Weise eine Reihe von Gefangenen ums Leben gekommen; in schweren Fällen war das Rückgrat gebrochen und die Leute spuckten gleich scheffelweise Blut)."

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Rezension zu "Für ein Lied und hundert Lieder" von Liao Yiwu

Rezension zu "Für ein Lied und hundert Lieder" von Yiwu Liao
immediatorvor 8 Jahren

“Konterrevolution” ist der Spitzname des Dichters bei seinen Zellengenossen, die Gefängniswärter heißen “Regierung Liu” oder “Regierung Tong”. Diese amtlich ermächtigten Sadisten mit ihren Elektroknüppeln lassen den wegen seiner Proteste gegen das Massaker auf dem “Platz des Himmlischen Friedens” eingesperrten Liao Yiwu deutlich spüren, dass ihnen ein politischer Gefangener gerade so wenig bedeutet wie ein Krimineller, wenn sie ihre Lust an der Demütigung Gefangener ausleben. Tagelang werden die Hände von Inhaftierten auf den Rücken gebunden, so dass sie beim Essen und Stuhlgang auf andere angewiesen sind, zwei Zellengenossen werden aneinander gefesselt, gegenseitigem Hass und Drangsalen des Überlebens in einer Rotte von Todeskandidaten, Mördern, Dieben, Vergewaltigern ausgeliefert. Zwischen Körperdünsten, Exkrementen, Schmutz, Läusen wird jede Privatheit zerstört, eine Hierarchie der Verbrecher bildet sich und nimmt den Wärtern die Arbeit ab. Nur wenn die Prügel- und Foltergeräusche im staatlichen Vollzug allzu auffällig werden, greifen sie mit dem Elektroknüppel ein.

Es gibt eine “Speisekarte” der Folterpraxis von Häftlingen untereinander, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt: “Bärentatzen-Tofu” und “beidseitig in Öl bräunen” etwa, also heftige und anhaltende Schläge mit der flachen Hand auf Brust und Rücken können tödlich sein; “Rachengeschnetzeltes, weich” bedeutet das Einschlagen des Kehlkopfs mit der Handkante. Liao Yiwu überlebt, weil er sich nach Kräften wehrt, prügelt, seinen Starrsinn mit wochenlangen Fesselungen büßt, er ist dem Selbstmord nah, aber er gewinnt auch den Respekt der anderen Strafgefangenen, und selbst in dieser Hölle gibt es Momente der Menschlichkeit, der Hilfsbereitschaft. Es gibt sogar eine eigene Art von Humor in Todesnähe, auf dem Höhepunkt inszenieren die Häftlinge eine Totenfeier für einen der Ihren als Staatsakt nach dem Vorbild der Bestattung von Mao Zedong.

Schlimmer noch als die Brutalitäten im Knast sind sadistische Schreibtischtäter. Der Politkommissar Huang brüstet sich im Vollgefühl seiner von Staat und Partei übertragenen Macht über einen Häftling in der Isolation: “Die ersten beiden Jahre bin ich noch zu ihm in seine Höhle hinabgestiegen, er war bockig und hat keinen Ton gesagt, aber als der dritte Frühling vor der Tür stand, ist er auf allen vieren herumgekrochen, hat Kotau gemacht und um Vergebung gefleht. Der Kerl war fünf Jahre und sieben Monate in diesem Loch, er war ein lebendiges Gespenst und auf beiden Augen blind. Am Ende ergriff er die Gelegenheit, klammerte sich durch das Gitter an meine Beine und hat nicht mehr losgelassen. Aus humanitären Gründen habe ich ihm dann erlaubt, von den Toten aufzuerstehen und in das Licht der Sonne zurückzukehren.”

Die Lust daran, den Stolz, die Selbständigkeit, die Fähigkeit zum Widerstand zu brechen geht mit der Macht in hierarchischen Systemen einher – wer sich davon überzeugen möchte, muss auch hierzulande nicht lange suchen. Aber es gehört leider zum perfekt funktionierenden Verdrängungsgeschehen des Einzelnen wie der Gesellschaft, Opfern gewaltsamer Übergriffe eine Mitschuld zuzurechnen. Deshalb war Liao Yiwu im wirtschaftlich hemmungslos wachsenden China sehr einsam. Und deshalb wird auch hierzulande die Rettung der deutschen Wirtschaftsinteressen für Politik, Medien und eine selbstgefällig über deutsche Probleme schwadronierende Tischgesellschaft im Chinarestaurant wichtiger sein, als was den Deutschen eigentlich jeden Tag in den Ohren klingen müsste: Die Würde des Menschen ist unteilbar. Demokratie wird hierzulande nicht dauern, wenn wir den Preis ignorieren, der anderenorts auf dieser Welt für unseren Wohlstand gezahlt wird.

Liao Yiwu “Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen” Übersetzt von Hans Peter Hoffmann, S.Fischer Verlag, Hardcover 580 Seiten, 24,95 €

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Rezension zu "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser" von Liao Yiwu

Rezension zu "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser" von Liao Yiwu
immediatorvor 9 Jahren

Wenn jemand für ein einziges Buch den Literatur-Nobelpreis verdiente, dann Liao Yiwu.
“Fräulein Hallo und der Bauernkaiser” fasst das Drama des totalitären China auf so einzigartige, unwiderstehliche Weise in Worte, dass sich mir jede Beschreibung des Inhalts verbietet. Lesen Sie es! Sie werden ahnen, mit welcher Wucht sich das Riesenreich in die Weltgeschichte einbringt – nicht nur in die Wirtschaft, sondern vor allem in die Kultur. Wir können nur hoffen, dass dieses in jeder Hinsicht gewaltige Geschehen, dessen Zeugen wir werden, von Stimmen wie der des Liao Yiwu begleitet, dass diese Stimmen überall gehört werden.
Sein Buch hilft – über alle Grenzen von Sprache und Kultur hinweg – die eigene Schwäche, Blindheit, Verlorenheit zu spüren, vielleicht, sie zu überwinden.
Wang Xilin, Revolutionssoldat, später als Komponist gedemütigt, gefoltert, an den Rand des Wahnsinns getrieben, sagt in einem der Gespräche, aus denen das Buch besteht: “Meine Musik hat keine Zärtlichkeit, da ist nichts Bourgeoises, sie ist ein großer, lackschwarzer Teich, alles Umliegende wird in ihn hineingefüllt, Tränen, Blut, Schlamm, Seufzer, Schreie, mit all dem ist der See angefüllt, sagen Sie selbst, wie sollte er nicht schwer und tief sein?”
Die Geschichten dieses Buches sind bei aller Schwere, Tiefe, bei allem Schmerz doch auch leicht und zärtlich und voll Humor.
Den Übersetzern Hans Peter Hoffmann und Brigitte Höhenrieder ist zu danken, dass all das in der deutschen Fassung erlebbar wird.

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Liao Yiwu wurde am 04. August 1958 in Sichuan (China) geboren.

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