Lilach Mer Winterkind

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Inhaltsangabe zu „Winterkind“ von Lilach Mer

Niedersachsen, um 1880, im tiefen Winter.
Eigentlich müsste Blanka von Rapp glücklich sein: Sie ist schön, ihre Haut ist weiß wie Schnee, ihre Haare sind schwarz wie Ebenholz. Und sie ist reich, ihrem Mann gehört die Glasfabrik, deren Turm das Dorf überragt. Trotzdem ist sie unglücklich. Wie ein Schatten liegt die Angst über allem, was sie tut, die Angst vor einer Toten.

Als die Geschäfte ihres Mannes schlechter laufen, wächst unter den Arbeitern in der Glashütte die Unzufriedenheit. Gerüchte über einen Aufstand häufen sich. Während Blankas Mann verreist, eskaliert die Situation. Blanka muss sich nicht nur der Gegenwart, sondern auch den Geheimnissen der Vergangenheit stellen. Denn der tiefe Schnee, der das Herrenhaus umschließt, lässt sie nicht entkommen.

„Winterkind“ ist die Fortsetzung des Märchens „Schneewittchen“. Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz … Was geschieht mit Schneewittchen, nachdem sie ihren Prinzen geheiratet und selbst eine Tochter bekommen hat?

düster und wahrlich spannend kommt "Schneewittchen" erwachsen und modern aber dennoch märchenhaft daher - tolles Buch => 4 Sterne

— Amy_de_la_Soleil

Kalt, insgesamt eine eher lieblose Atmosphäre. Dennoch will man wissen, wie es ausgeht, bzw. was der Sinn hinter allem ist.

— Ambronsius

Schneewitchen zum Gruseln im 19. Jahrhundert ;-) - aber wirklich gut gemacht!

— hasirasi2

Duster, aber gut.

— SaTe

Ein Lese-Erlebnis der besonderen Art. Eine gefährliche Spannung, als würde einem die Eisfläche unter den Füßen splittern...

— Leselady

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  • ein atmosphärisch dichter Roman!

    Winterkind

    Nirena

    28. March 2014 um 14:24

    Auch "Winterkind" paßt hervorragend in die Reihe der wunderschönen Buchcover, die zumeist die Bücher des Dryas Verlags zieren. Wie auch bereits im Klappentext zu erahnen ist, haben wir es in "Bruderliebe" mit einer Variation des Schneewittchen-Themas zu tun. Dennoch ist die Handlung alles andere als märchenhaft.... Blanka von Rapp ist so voller Angst, dass sie nicht einmal in der Lage ist, das Herrenhaus zu verlassen  - seit Jahren schon nicht. Diese Scheu kennt ihre kleine Tochter hingegen überhaupt nicht und stellt die Gouvernante Sophie damit mehr als einmal auf die Probe - und dann beginnen die Ereignisse, sich zu überschlagen. Bemerkenswert an diesem Roman ist, dass man bereits nach den ersten Seite umfangen wird von einer beklemmenden Atmosphäre - es liegt etwas Düsteres, Böses in der Luft und die Autorin versteht es meisterhaft, dies im Text zu transportieren. Anfangs gibt es nur diese Atmosphäre, ohne dass der Leser eine Ahnung hat, woher dies rührt. Im weiteren Verlauf der Handlung, die flüssig zu lesen ist und während derer sich langsam aber stetig ein Spannungsbogen aufbaut, wird durch Rückblendungen einiges an Fragen geklärt - aber auf das, was dann passiert, ist man absolut nicht vorbereitet. "Winterkind" lebt weniger von der Handlung, obwohl auch diese, gerade zum Ende hin, mitreißend und spannend ist, sondern wirklich von der Fähigkeit von Lilach Mer, gewisse Dinge zu vermitteln, ohne sie ausschreiben zu müssen - einfach durch die Stimmung, die an dieser Stelle im Buch aufkommt - so ewas habe ich bisher noch wenig gefunden und finde es deshalb umso bemerkenswerter! http://ninis-kleine-fluchten.blogspot.de/2014/03/lilach-mer-winterkind.html

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  • Lilach Mer - Winterkind

    Winterkind

    Marny

    25. January 2014 um 17:22

    Was wäre passiert, wenn Schneewittchen eine Tochter gehabt hätte? Blanka von Rapp müsste glücklich sein, denn sie ist schön, wird geliebt und lebt mit ihrer Familie in einem Herrenhaus. Dennoch ist ihr Leben von Ängsten geprägt, die sich noch verstärken, als sie den Spiegel ihrer Mutter erbt. Die eskalierende Unzufriedenheit unter den Arbeitern in der Glashütte und die Abwesenheit ihres Mannes zwingen Blanka dazu, sich nicht nur der Gegenwart, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen. Dieser Roman ist im Jahr 1880 angesiedelt und spielt in einem Dorf in Niedersachsen, in dem es auch eine Glasfabrik gibt, die Blankas Mann gehört. Die Details dazu haben mich gefesselt, sowohl was die Herstellung als auch die Entwicklung betrifft, die weg vom künstlerischen Anspruch hin zur Massenfertigung führt. In dieses historische Setting wurde eine sehr spannende Geschichte eingebettet, die für mich durch den Bezug zum Schneewittchen-Märchen aber auch etwas phantastisches hatte. Das Buch hatte mich von der ersten Seite an am Haken, weil mir die dichte Atmosphäre so gut gefiel und ich auch zu den Figuren einen direkten Draht hatte. Sie waren sehr präsent, nah bei mir und haben sich schnell in mein Leserherz geschlichen. Blanka ist rätselhaft und sensibel, geprägt von ihrer Vergangenheit, voller Andeutungen und Stimmungen, hell und dunkel. Die Gouvernante Sophie, eine weitere Hauptfigur, war mir in einer viel direkteren Art sympathisch. Sie ist intelligent, bodenständig und tatkräftig. Die wunderbare poetische Sprache hat auch dafür gesorgt, dass ich mich mit dem Buch so wohl gefühlt habe. Sie hat mir Gefühle, Stimmungen und Bilder sehr intensiv vermittelt, so dass ich mich wie ein Teil der Geschichte fühlte und nicht wie ein außen stehender Beobachter. Diese teilweise unheimliche Geschichte hat mich gefesselt, mitgerissen und auf vielfältige Weise berührt. Sie hat viele Eindrücke hinterlassen, die mich noch länger begleiten. Eine sehr spannende und stimmungsvolle Lektüre, die ich einfach nur genossen habe!

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  • Winterkind von Lilach Mer

    Winterkind

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. September 2013 um 15:55

    Als Lilach verkündete, sie schriebe ein neues Buch, habe ich mich sehr gefreut. Der siebte Schwan ist eines der Bücher der letzten Jahre, die ich wirklich, wirklich genossen habe. Ich war also voller Vorfreude – auch wenn Lilach sich sehr bedeckt gehalten hat, was das Sujet ihres neuen Projekts angeht. “Egal,” dachte ich, “das kann nur gut werden!” Und – um mal vorzugreifen – das ist es. Ein bisschen habe ich dann doch erfahren, worum es geht, als Lilach an einer Frage zur Toxikologie knabberte und ich ihr einen Freund zur Problemlösung vermitteln konnte. Manchmal macht es sich eben doch bezahlt, wenn man liebe Menschen mit skurrilem Wissen 500 kennt … Autor: Lilach Mer Titel: Winterkind Verlag: Dryas Verlag Seiten: 279 Niedersachsen, um 1880. Im tiefsten Winter eskalieren die Probleme von Blanka von Rapp. Eigentlich könnte sie glücklich sein: Sie ist schön, ihr Mann reich. Doch das ist nur Fassade: Sie wird von Angst zerfressen und kann das Haus nicht verlassen. Im Herrenhaus wird an den Dienstboten gespart und auch die Arbeiter der Glashütte wollen endlich ihren Lohn. Als dann ihr Mann verreist, die Tochter krank wird und ein Schneesturm niemanden entkommen lässt, kommt es zu einem Moment der Wahrheit. Dem Himmel sei Dank gibt es noch Sophie, die Gouvernante … Ich habe das Buch gelesen, als draußen der Schnee fiel und es eisig kalt war. Sicherlich hat das geholfen, mich in die Szenerie zu versetzen, aber ich bin mir sicher, dass das eigentlich nicht nötig ist, denn die wundervolle Sprache zieht einen auch so in den Bann der Geschichte! Einige Stellen sind gradezu poetisch und haben mir ein so großes Vergnügen bereitet, dass ich manche Sätze einfach zweimal lesen musste. Der Aufbau mit den Rückblenden in die Vergangenheit erzeugt Spannung, die den Leser mitfiebern lässt. Weiß man am Beginn noch gar nicht, von wem die Rede ist, ist am Ende das schreckliche Geheimnis er Vergangenheit enthüllt und man versteht die nun auch die Gegenwart. Und dann ist da noch die Märchenstruktur, die die Handlung bestimmt, und die in vielen kleinen Andeutungen – Namen, der Spiegel, das Reh – immer wieder auftaucht und zum einen eine märchenhafte Stimmung erzeugt und zum anderen dem Leser das Gefühl gibt, zu Hause zu sein, dies alles zu kennen und sich daher heimelig und sicher fühlen zu können, auch wenn die Handlung alles andere als beruhigend ist. Winterkind ist ein historischer Roman, trotz der Märchenstruktur sucht man vergebens nach Phantastik – auch wenn man das Gefühl hat, gleich könnte etwas Phantastisches passieren. Die Atmosphäre des Romans ist dicht wie der wirbelnde Schnee, der das Anwesen der von Rapps von der Aussenwelt abschneidet und die beiden Frauen mit dem todkranken Kind, dem Verrat von geliebten Menschen und dem sich immer weiter steigernden Groll und Zorn der nach ihrer Bezahlung verlangenden Arbeitern alleine lässt. Das Kunststück die Atmosphäre zugleich märchenhaft-verträumt als auch düster-bedrohlich sein zu lassen gelingt Lilach spielend. Wie schon im Siebten Schwan vermengt die Autorin verschiedene Sujets, ohne dass dies störend wirkt; vielmehr entsteht ein homogenes, aber wunderbar vielschichtiges Werk: Winterkind ist zugleich historischer Roman, gothic novel, Märchenadaption, Frauenschicksal und psychologischer Roman. Die Beschreibung der Lebenssituationen der Frauen und der Arbeiterklasse sind präzise recherchiert und können einem noch viel beibringen, gleichzeitig fliessen alle Beschreibungen in den Roman ein und haben eine Funktion: Sie erhöhen die Spannung, wenn es um einen möglichen Aufstand geht, sie charakterisieren die Figuren und geben ihnen ihre Handlungsspielräume vor, die gebrochen werden können oder eben auch nicht. Sie sind nie Selbstzweck. (Und das ist etwas, das ich an historischen Romanen wirklich verabscheue, wenn zu erkennen ist, das die Autorin hier eine tolle Quelle gefunden hat und unbedingt dieses Wissen unterbringen muss, auch, wenn es den Roman in keiner Weise “voran bringt”.) Persönlich find eich es besonders angenehm, dass Lilach ihre Quellen im Nachwort anspricht und so der interessierten Leserin die Möglichkeit gibt, sich selber weiter zu informieren. Die Figuren sind durch die Bank weg überzeugend. Alle sind liebevoll charakterisiert und selbst die Nebenfiguren scheinen ein Eigenleben zu haben; als Leserin glaubt man fest daran, dass beispielsweise die Köchin ihr eigenes Leben weiterlebt, wenn die Tür hinter ihr zu geht. Zwar kommen Männer in der Geschichte vor, aber der Fokus liegt eindeutig auf zwei Frauen: Blanka von Rapp und Sophie. Erstere ist die Hausherrin und genauso zart und schön und ätherisch wie die Zeit eine Dame haben möchte. Sophie, die Gouvernante von Blankas Tochter, hingegen ist pragmatisch und vernünftig, freundlich, aber nicht überragend hübsch – ebenso die sich die Gesellschaft es wünscht. Beide könnten kaum unterschiedlicher ein, beide haben an ihrer Vergangenheit zu knabbern, zusammen müssen sie sich der eskalierenden Situation stellen, in denen die Männer sie im Stich lassen und werden so am Ende zu so guten Freundinnen, wie die Zeit es zulässt. Dass dabei vieles unausgesprochen und nur angedeutet bleibt, ist eine der großen Stärken von Winterkind. Nicht nur bei den Figuren und ihren Beziehungen zueinander bleiben “Leerstellen”, die der Leser füllen kann, wie es ihm beliebt, auch das Ende ist offen. Die Probleme sind nicht alle gelöst, aber die Protagonistinnen wissen nun, was sie leisten können – und der Leser bleibt mit dem Gefühl zurück, dass die beiden ihr Leben nun selbst in die Hand nehmen werden und ihr Schicksal mitbestimmen werden.

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  • Spieglein, Spieglein an der Wand... ist dir "Die grüne Fee" bekannt...

    Winterkind

    Leselady

    27. March 2013 um 20:51

    Es war einmal mitten im Winter… Zum Inhalt: Niedersachsen, um 1880, im tiefen Winter… Glasfabrikbesitzer Johann von Rapp, seine Tochter Johanna, deren Gouvernante Sophie und der treue Diener Anton, kehren von der Beerdigung der Schwiegermutter zurück ins heimische Herrenhaus. Blanka von Rapp, die wunderschöne Ehefrau des Hausherrn hat ihre Familie nicht begleitet, da sie seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat. Große finanzielle Sorgen lasten auf den Geschäften Johann von Rapps, das erhoffte Erbe blieb aus - stattdessen wächst die Unzufriedenheit unter den Arbeitern der Glashütte. Einzig ein „Biest“ von einem Spiegel bringt die heimkehrende Kutsche ins Herrenhaus, so monströs, dass man ihn kaum bewegen kann. Blanka von Rapp verbindet starke Erinnerungen und Emotionen mit diesem Spiegel, die Vergangenheit ruht nicht und Blanka muss sich während einer erneuten Abwesenheit ihres Mannes den Geistern und Geheimnissen der Vergangenheit, wie auch der Tragik der Gegenwart stellen. Eigentlich zu viel für die zerbrechliche Frau – wäre da nicht Sophie… Informationen zu Buch und Verlag: • Broschiert: 279 Seiten • Verlag: Dryas; Auflage: 1 (September 2012) • Sprache: Deutsch • ISBN-10: 3940855367 • ISBN-13: 978-3940855367 • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 2,4 cm Quelle: http://www.amazon.de/o/ASIN/3940855367/lovebook-21 Über die Autorin..: Lilach Mer, Jahrgang 1974, wuchs in Berlin und Schleswig-Holstein auf. Sie ist Juristin und ausgebildete Fachjournalistin und arbeitet an der Universität. Daneben gibt sie sich der Fabulierlust hin, wann immer sie die Zeit dafür findet. »Der siebte Schwan« ist ihr erster Roman. Quelle: http://www.amazon.de/Der-siebte-Schwan-Lilach-Mer/dp/3453527496 Eindrücke / eigene Meinung: Lilach Mer versteht es durch ihren ungewöhnlichen, aber sehr flüssigen Schreibstil beim Leser eine atemlose Spannung zu halten – ein Gefühl, als würde man auf gefrorenem Eis mit abertausenden kleinen Rissen stehen. Gefährlich und faszinierend zugleich, festgehalten in einem eisigen Kokon, gehalten von Angst und zugleich der Schönheit des Moments! Die Geschichte ist sehr dicht geschrieben, die Perspektiven wechseln zwischen Sophie, Blanka und Johanna und jedes Mal wenn die Schrift kursiv wird, bekommen wir intensive Einblicke in Blankas Kinder- und Jugendzeit – die Welt hinter dem Spiegel…. Winterkind ist als Fortsetzung des Märchens Schneewittchen angedacht. „Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz. Was geschieht mit Schneewittchen, nachdem sie ihren Prinzen geheiratet und selbst eine Tochter bekommen hat?“ Wer diesen Hintergrund nicht kennt, wird nur hin und wieder kleinere Parallelen zum bekannten Märchen finden, wobei sich diese aber in keinster Weise aufdrängen. Vielmehr ist es ein sehr eigenständiges und sehr besonderes historisches Werk, verfasst in einer bildhaften Sprache, das die Worte tanzen lässt, wie ein Schneegestöber in einer atemberaubenden Winterlandschaft. Seite um Seite zieht es einen wie im Sog in die Geschehnisse hinein. Die Charaktere sind gut durchdacht und agieren authentisch. Die vielschichtigste Figur im Roman ist wohl die Unternehmergattin Blanka von Rapp. Ihre, von der bösen Stiefmutter gezeichnete Kindheit, durchdrungen von den gesellschaftlichen Zwängen des 19. Jahrhunderts und ihrer Medikamentenabhängigkeit, münden in eine innerlich zerrissene Persönlichkeit mit krankhaften Wahnvorstellungen, die sie stets zu vertuschen sucht. Nichts ist wichtiger, als den Schein wahren. Eine eher blasse Erscheinung dagegen ist ihr Mann Johann von Rapp. Ihm begegnen wir nicht allzu oft im Buch und können meist nur erahnen, welche Tragödie sich beruflich, wie menschlich bei ihm abspielt, während ihm alles nach und nach finanziell entgleitet. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen andere Figuren. „Winterkind“ ist in „Die grüne Fee“ – Reihe des Dryas Verlags erschienen und bereichert sie auf seine ganz eigene außergewöhnlich faszinierende Art und Weise. Fluch und Segen des 18. Und 19. Jahrhunderts sind hier brillant eingefangen und zum Leben erweckt worden. Man darf also sehr gespannt sein, welche literarischen Schätze durch diese Reihe noch das Licht der Welt erblicken werden. Mein großer Dank geht an „MECEDORA“, die mir „Winterkind“ geschenkt und dadurch faszinierende Lesestunden ermöglich hat :-)

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  • Rezension zu "Winterkind" von Lilach Mer

    Winterkind

    Ati

    09. February 2013 um 19:24

    Im Vorfeld las ich, dass es sich um eine Fortsetzung von Schneewittchen handeln soll. Doch obwohl sich in der Geschichte eine böse Mutter (anstelle der Stiefmutter), ein Spiegel, und sogar ein Apfel wiederfindet, ist Winterkind weit mehr als eine schnöde Fortführung besagten Märchens. Mer beschränkt sich nicht darauf, das schillernd-schöne Eheglück der jungen Frau an der Seite ihres Märchenprinzen, schützend umringt von den sieben Zwergen zu beschreiben. Tatsächlich ist Blanka ganz und gar unglücklich, wird von Ängsten geplagt, traut sich keinen Schritt vor die Tür. Beschützende Zwerge gibt es nicht und der vermeintliche Prinz hat durchaus Fehler. Sogar zur Beerdigung ihrer Mutter müssen Mann und Tochter alleine fahren. Nach deren Rückkehr spitzt sich die Lage zu. Während ein dichtes Schneetreiben das Herrenhaus von der Außenwelt abschneidet, muss sich Blanka den Schatten der Vergangenheit stellen. Diese bedrohen neben den gesellschaftlichen Umbrüchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts sukzessive zunehmend nicht nur Blankas Zukunft. Abwechselnd aus Sicht der jungen Mutter und der des Kindermädchens Sophie nehmen Mers LeserInnen am Geschehen teil. Während Sophie eine bodenständige junge Frau ist, offenbart sich Blanka als sensibles, nahezu gebrochenes Wesen. Um dies zu überspielen, versucht sie krampfhaft Haltung zu bewahren, wirkt dabei stellenweise eiskalt. Ihren Charakter empfand ich sehr zwiespältig. Was auf der einen Seite Mitleid erweckte, stieß auf der anderen Seite ab. Immer mehr stellte sich heraus, dass Blankas Vergangenheit zu schrecklich ist, als dass sie sich daran erinnern will. Dass man dennoch erfährt, wie die junge Frau so geworden ist, liegt an den Kapitelenden, in denen Mers ihre LeserInnen einen anfangs kurzen und zunehmend längeren, teils verstörenden Blick auf Blankas Vergangenheit bzw. das Leben ihrer Mutter werfen lässt. Obwohl das das Erzähltempo bei allem, was tatsächlich geschieht, eher langsam ist, entstehen keine Längen. Flüssig und zugegebenermaßen etwas detailverliebt reiht Mer ein Wort ans andere. Letzteres dient jedoch der bedrohlich-dichten Atmosphäre, die den Roman neben den authentisch wirkenden Charakteren trägt. Die Autorin beschränkt sich nicht nur darauf, das (vermeintlich) gute und sichere Leben der besseren Gesellschaft zu beschreiben. Neben den sicherlich eindeutig damit verbundenen Vorteilen erfährt man auch von den damit einhergehenden Schattenseiten, von den gesellschaftlichen Konventionen ebenso wie von den Umbrüchen jener Zeit. Auch die ungleiche Chancenverteilung und der daraus resultierende Arbeiteralltag, die Bevormundung der kleinen Leute, die den Launen und dem Gutdünken ihrer Arbeitgeber ausgesetzt waren, wird anschaulich beschrieben. Von den Unbillen der Natur, denen alle ausgesetzt waren, ganz zu schweigen. Durch ihre Detailtreue macht die Autorin es LeserInnen leicht, in die damalige Zeit und die düster angehauchte, auf wenige Tage komprimierte Handlung mitten im Winter einzutauchen. Das mystisch-märchenhafte Element, welches der Spiegel in die Geschichte hineinbringt, schimmert immer wieder auf und hat mich lange Zeit auf eine völlig falsche Idee bezüglich des Romanendes gebracht. Dieses gestaltet sich überraschend leicht und logisch, ohne dabei unwirklich-falsch zu wirken. Fazit: Die Autorin lässt die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit gekonnt verschwimmen. Winterkind - ein historisches Märchen? - hat mir Lust auf mehr Mer gemacht und war viel zu schnell ausgelesen. Einen Punkteabzug gibt es genau hierfür. Obwohl mich der Roman von der ersten bis zur letzten Seite gefangen hielt, wirkt er insgesamt betrachtet unfertig. Fortsetzung ungewiss. Deshalb möchte ich vier von fünf Punkten dafür vergeben. 2013 Antje Jürgens (AJ)

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  • Rezension zu "Winterkind" von Lilach Mer

    Winterkind

    Büchernische

    Es war einmal, mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen… Schneeflocken tanzen vor den Glasscheiben, auf und nieder; eine Krähe steigt im fernen Wald auf, ihr folgt eine Zweite. Im Kamin knistert das wärmende Feuer leise vor sich hin. Aus der Glasfabrik auf der Anhöhe dringt das leise Fauchen der Maschinen ans Ohr. Das ist die Grundstimmung, die mir die ersten Seiten von Lilach Mers fabelhaftem Thriller »Winterkind« vermittelten. Als ich den Klappentext las, ging ich von einem historischen Roman basierend auf dem Märchen der Gebrüder Grimm »Schneewittchen« aus, doch es ist viel mehr als das. Eine märchenhaft-spannende Lektüre, die mich unheimlich begeistern konnte, möchte ich euch jetzt vorstellen… Niedersachsen, um 1880, im tiefen Winter. Blanka von Rapp, Unternehmergattin und Mutter einer bezaubernden kleinen Tochter sollte eigentlich ein unbeschwertes, glückliches Leben führen. Sie ist mit Schönheit gesegnet, hat Familie, ein großes Haus mit Angestellten und an Geld mangelt es nicht. Als Blankas Mutter stirbt, kümmert sich ihr Ehemann um Beerdigung und Nachlass. Als er ins Hause Rapp zurückkehrt, bringt er einen riesigen alten Spiegel mit, dessen Anblick die junge Blanka aufs Tiefste verstört. Ein dunkler Schatten liegt über ihren Augen, Angst greift nach ihrem Herzen. Der Spiegel scheint nichts Gutes zu bedeuten. Der Börsenkrach greift mit fordernden Klauen nach Hab und Gut der Glasmanufaktur Rapp, die Arbeiter verlangen ungeduldig nach ihrem Lohn und Blankas kleine Tochter Johanna liegt fiebernd im Bett… Göttlicher Schreibstil! Lilach Mer hat eine faszinierende Art zu schreiben, ihr Stil zog mich förmlich in die Seiten hinein und ließ mich bis zum letzten Buchstaben nicht mehr los. Sie formt mit ihren Worten Bilder, beinahe zum Anfassen. Die düstere Stimmung, welche die Autorin in ihrem märchenhaften Buch vermittelt ist greifbar, tastbar. Würde ich die Augen schließen, befände ich mich mitten auf einem verschneiten Hügel,blicke auf den Turm der Glasmanufaktur in der Ferne, daneben etwas versetzt das herrschaftliche Herrenhaus mit seinen doppelflügligen Fenstern, die schwere Haustüre, auf deren Schwelle eine zarte Frauengestalt in die Ferne blickt, angsterfüllt, die Haare schwarz wie Ebenholz, der Mund kussrot wie Blut, die Haut so weiß wie Schnee. Die Ähnlichkeit zur Figur Schneewittchens aus dem berühmten Märchen der Gebrüder Grimm ist natürlich beabsichtigt, doch Lilach Mer erzählt kein Märchen neu. Sie hat einen spannenden Thriller mit historischem Hintergrund inmitten eines eisigen Winters im Niedersachsen des 19. Jahrhunderts geschrieben und das mit soviel Liebe zum Detail und Gespür für die Atmosphäre, dass mir immer noch Schauer den Rücken hinunterlaufen. Ich bin wahrlich kein Anhänger des historischen Genres, doch die Autorin hat mich mit ihrem Spannungswerk absolut und formvollendet überzeugt. Im Anhang erklärt sie noch ein wenig die historischen Hintergründe, die Recherchearbeit zum Roman. Das finde ich absolut gelungen, denn ich lese gerne, welche Gedanken sich die Autoren eines Buches gemacht haben, warum sie ihre Figuren auf diese oder jene Weise zeichneten, was sie inspirierte und woraus sie ihre Ideen schöpften. So etwas sollte man viel öfter in Büchern finden, abseits der üblichen Danksagungen und Kartenmaterials. Ihr Blick streifte von dort über den Dielenboden, den Läufer, die unterste Kante des Spiegelrahmens. Dieses blasse, tropfenförmige Funkeln der Steine auf dem schwarzen Holz … Wie unzählige Augen, die sie beobachteten. Sie mochte den Gedanken nicht, wollt wegschauen, aber irgendetwas hielt ihren Blick dort fest. – Seite 104 Die Worte perlen, sie beschwingen das Kino im Kopf, sie verzaubern und sie lassen erstarren. Man muss sich auf das Buch einlassen, die Geschichte in sich aufnehmen und auch ein wenig in Stimmung sein. Es bot sich an, »Winterkind« im Januar zu lesen, als der Schnee draußen vor dem Fenster tanzte und die Welt in Weiß versank. Authentisch recherchiert Die Handlung ist in insgesamt sieben große Abschnitte eingeteilt, in deren Verlauf wir aus der auktorialen Erzählperspektive das Leben und Gedanken der zwei wichtigsten Figuren des Buches geschildert bekommen: Blanka von Rapp, traurige Schönheit und reiche Gattin sowie die Eindrücke ihrer Gouvernante Sophie, welche sich rührend um den Sprößling der Familie, die kleine Johanna kümmert. Das Kind hat ebenfalls einen wichtigen Part im Plot, doch darüber verrate ich nun natürlich nichts. Aufgelockert durch Rückblenden verfasst in Kursivschrift bewegen wir uns durch die Zeit der Reifröcke, straffgezogener Korsetts und einem Frauenbild, das einen harten unbarmherzigen Kontrast zur Gegenwart darstellt. Lilach Mer bringt hier wirklich sehr viel Authentizität rüber, zeichnet das Bild eines Lebens, welches bestimmt ist von Etiquette und strengen Gesellschaftsnormen gemäß ihrem Stand, die Frau als gehorsame Ehefrau auf der einen Seite und als beinahe Rechtlose auf der anderen Seite. Ich kann mir nach dem Lesen des Buches gut vorstellen, dass gerade für Frauen, die nicht aus reichem Hause kamen, das Leben nicht einfach war. Sie zogen als Gouvernanten von Familie zu Familie, von Haus zu Haus, ohne Halt, ohne die Aussicht auf Bildung und Ehemann. Außerordentlich gut gelungen empfand ich die Dialoge in »Winterkind«. Man spürte deutlich die gesellschaftliche Kluft, denn während sich die Herrschaften in vornehmem Tonfall unterhielten, respekteinflößend und auch das Kind seine eigene Mutter mit höflichem “Sie” ansprach, so verschliff ein Arbeiter der Manufaktur schon mal ein paar Worte, spuckte in den Schnee und wischte sich den Mund am Ärmel ab. Die Autorin hat sich sehr eingehend damit beschäftigt, ihre Charaktere lebendig zu beschreiben, was ihr meines Erachtens nach sehr gut gelungen ist. Es gab kein Zurück, für niemanden. Das Grab hatte alles verschluckt, was vielleicht gewesen war, hätte sein können – ein feuchtes, gieriges schwarzes Maul, das keine Antworten hatte. Und niemand, der ihr wenigstens davon berichten wollte. Die letzte Verbindung zerrissen – die letzte … – Seite 51 Subtiles Gruseln mit Märchencharakter Was mir richtig gut gefiel war der Fakt, dass der Spiegel nicht disney-like zu sprechen begann oder aus großen Augen auf die Protagonistin einsprach. Der Gruselfaktor bleibt subtil, er ist spürbar und allerorts vorhanden, legt sich wie ein dichter schwarzer Schleier über das Herrenhaus und greift mit dunklen, düsteren Wogen in das Leben der Familie ein; als ob die Präsenz des Möbelstücks das Leben der von Rapps beeinflussen würde, gar vergiften würde. Symbolik spielt hier eine große Rolle: der Spiegel, ein roter Apfel. Schneewittchen-Artefakte, welche die Autorin geschickt und überraschend in die Handlung einwebt. Gedanken, welche im Kopf der Protagonistin geistern, werden ebenfalls kursiv dargestellt. Etwas wie Wellen schien einen Herzschlag lang über ihr Spiegelbild zu laufen. Ihr Atem stockte. Bevor sie verstand, was geschah, rollte die Erinnerung aus den Tiefen des Spiegels heran, überspülte sie wie eine kalte Meereswoge. Zog sie mit sich in die Tiefen, wo die Stimme schon auf die wartete. Die kühle, grausame Stimme. Sie konnte ihr nicht entkommen. Nicht einmal jetzt. – Seite 176 Ich habe mitgerätselt, erschauerte ob der teilweise sehr gruseligen Stimmung, welche mir die Zeilen vermittelten. Ich genoss den intensiven, eloquenten Schreibstil und klappte das Buch mit einem rundherum zufriedenen und gut unterhaltenen Gefühl zu. Ein paar Seiten mehr hätten dem Buch ganz gut getan, taten der Begeisterung aber keinen Abbruch. Ich freue mich schon auf das nächste Buch Lilach Mers, das ebenfalls im Dryas Verlag in der Reihe »Die Grüne Fee« erscheinen wird. Mein Fazit: Ein märchenhaft, subtiler Thriller, der überrascht und verzaubert, mit sich reißt und bis zum letzten Wort nicht mehr loslässt! Nicht nur für Freunde von Märchen und Historik ein wahres Vergnügen, sondern für all jene, die sich vor einer winterlichen Kulisse mit märchenhaftem Hintergrund gut unterhalten lassen wollen! Chapeau liebe Lilach, du hast einen neuen Fan!

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  • Rezension zu "Winterkind" von Lilach Mer

    Winterkind

    Nivija

    Lilach Mer »Winterkind» Rezension:

 Das alte und ruinöse Schloss, Symbol für den Anfang einer Liebe und gleichfalls das Ende einer Abhängigkeit, schrumpft immer mehr in der Ferne zusammen, um so weiter sich die Kutsche in seinem Schatten entfernt. Nichts ist Johann von Rapp lieber, als unverzüglich zu seiner geliebten Frau Blanka und seinen Geschäften in der Glasfabrik zurückzukehren. Mit den Gedanken ist er ganz bei ihnen und dem trauten Heim.
 Seit er die Kiste mit dem großen Glasspiegel, das einzige Erbstück aus dem Nachlass seiner Schwiegermutter, auf der Kutsche festgezurrt hat, fühlt er eine unerklärliche Unruhe in seinem Inneren. Unwissentlich, still und heimlich hat sich auf diesem Weg ein letzter, giftiger Gruß der Toten seine Mitfahrgelegenheit ergaunert. Doch er hat es Blanka fest zugesagt, das Erbstück um jeden Preis mitzubringen und er wird sein Versprechen halten, auch wenn es ihm auf‘s Ärgste missfällt. Das sind eben Tribute, die man für die Liebe seines Lebens erbringt.

 Unterdes streift Blanka von Rapp, von Unruhe zerfressen, durch die Zimmer und Flure im großen und düsteren Herrenhaus. Ein Blick nach draussen verrät ihr, dass die Schneeflocken dichter und schneller fallen, als noch am Morgen. Der Hauch ihres Atems scheint ganz dicht am Fenster vermehrt zu kondensieren, denn die Temperaturen sind stark gefallen. Es fröstelt sie bei dem Gedanken an diese eisige Unwirklichkeit auf die sie da hinunter blickt und mit einem unbewussten Griff zieht sie die Stola ein wenig enger um ihre Schultern.

 Die unzähligen Minuten der Sorge um ihren Mann Johann und ihre zerbrechliche, kleine Tochter Johanna, sowie deren Gouvernante Frl. Sophie und Diener Anton dehnen sich zu Stunden der quälenden Warterei aus. Die Reisegesellschaft sollte schon längst wieder zurück sein von der Beerdigung ihrer Frau Mutter und das Haus endlich mit Wärme, Stimmen und Lebendigkeit erfüllen. Momentan wirkt es wie ausgestorben, nur der Wind heult hier und da laut auf und drängt sich ihr unangenehm in‘s Bewusstsein. Immer wieder fragt sie sich, ob es richtig war, sie nicht zu begleiten, doch im nächsten Moment gesteht sie sich ein, dass sie es nicht tun konnte! Niemals hätte sie diesen einen wichtigen und schon so lange notwendigen Schritt vor die Haustür, in den kristallklaren und unberührten Schnee zu ihren Füßen, tun können. Seit Jahren hat Blanka das Haus nicht verlassen, die gemauerte Festung ist gleichzeitig zu ihrem steinernen Gefängnis geworden. Stunden später als sich Licht herabsenkt, und die ersten Sterne sich am Horizont zu einem Tanz einfinden, kann Blanka schemenhaft einen kleinen Punkt am Ende der Straße ausmachen. Ihr Herz hüpft vor Freude, ihre Liebsten bald wieder in ihren Armen zu wissen und gleichzeitig pulsiert eine kühle Anspannung durch ihre Adern, wenn sie an den großen Spiegel mit den lichtbrechenden Schmucksteinen der Rahmung denkt. Einen Moment lang fühlt sie sich ihrer Mutter so nahe, dass sie sie flüstern hören kann: *„Blanka, wo ist deine Haltung? Anmut, Schönheit und Ausdruck, das sind die wichtigen Dinge die Du als Dame von Stand jederzeit und überall aufbieten musst. Blanka?, Blanka! ...Kind...hörst Du mir auch zu?!“* 
Mein Fazit: „Winterkind“ ist ein märchenhafter und historischer Roman mit besonderer Vorlage.
Woran denkt man ganz automatisch, wenn man von einer wunderschönen Frau mit schneeweißer Haut und Haaren so schwarz wie Ebenholz liest, die ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Mutter und deren Spiegel hat? Genau! Das Märchen Schneewittchen.
Die düstere und melancholische Stimmung, die genau wie der Spiegel, zentraler Bestandteil des Buches ist, wurde bereits auf dem eleganten Cover sehr gut in Szene gesetzt. 
Das Buch lädt zu einer literarischen Reise ein, die uns entführt in die Zeit der anbrechenden Moderne im ausgehenden 19. Jahrhundert im Norden von Deutschland. Diese Epoche ist in den Geschichtsbücher als industrielle Revolution in Europa festgehalten und somit eine Ära, in der Ansätze des Umbruchs im proletarischen System zu finden sind, sowie die Umgestaltung der überholten Konventionen sich ihren Lauf bahnen. 
Es war deutlich heraus zu lesen, dass sich Lilach Mer ausgiebig mit Literatur und Recherche zu dieser Zeit beschäftigt hat. Sie hat ein umfassendes Bild der Menschen, ihrer Kleidung und Sprachgepflogenheiten (inkl. plattdeutscher Ausdrücke), der Anstandsregeln und des Wohn -und Arbeitsumfelds herausgearbeitet und mir bildlich vor Augen geführt. Mir war es mit der ersten Seite möglich in ein atmosphärisch sehr dichtes und vereinnahmendes Buch ein- und abzutauchen. Es war ein absolut authentisches Leseerlebnis, dass mich gekonnt in die vergangene Zeit entführt hat und mir auch die Schattenseiten und erschwerten Lebensbedingungen bewußt vermitteln konnte. In diesem Roman, ist das Aufeinanderprallen neuer Impulse und Muster zu erkennen, und bereits das Aufbrechen von verbrieften und strengen Vorschriften für Adel und Arbeiterklasse zu erahnen. Ein Land in Aufbruchstimmung, bruchstückhaft abgebildet im kleinen Rahmen auf dem Herrengut und in der Glasmanufaktur von Rapp. 
 Starke und individuelle Protagonisten, die sich alle deutlich im Gedächtnis des Leser festsetzen und mit dominanten Charaktermerkmalen, einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ist zu Beginn die Zerbrechlichkeit der devoten weiblichen Charaktere sehr prägend, so erfahren sie im Verlauf gehöriges Entwicklungspotenzial und es entstehen drei sehr unterschiedliche und facettenreiche Frauenbilder. Das machte die Geschichte nur mehr glaubhaft und mitfühlend für mich als Leser. Aber auch die männlichen Protagonisten können einiges zur Handlung beisteuern und machen in ihrer Rolle eine gute Figur.

 Mit zarter aber ausdrucksvoller und unverkennbar lyrisch-poetischer Weise lässt die Autorin uns auf knapp 300 Seiten wissen, welches Schicksal Blanka von Rapp ereilt hat. Diese weist nebenbei bemerkt eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Märchenfigur Schneewittchen auf, nachdem sie den erdrückenden und bösartigen Fängen ihrer Mutter mit Hilfe ihres Traumprinzen entfliehen konnte. Die Idee ein allgemein bekanntes und verinnerlichtes Märchen aus Kindertagen, nun auch für Erwachsene in einer Weiterentwicklung zu entspinnen und dennoch nicht den Kern der Geschichte zu verfälschen, gefiel mir ausgesprochen gut. 

 Hauptprotagonistin Blanka gewährt Einlass in ihr Leben als gnädige Frau und Gattin eines Industriellen mit all ihren Pflichten, Rechten und Vorzügen. Mittlerweile selber Mutter einer Tochter, und durch den aktuellen Todesfall ihrer Frau Mutter an die eigene Kindheit zurück erinnert, nimmt die Geschichte einen unerwarteten Verlauf, denn der Giftpfeil sich als Kind in ihre Seele und ihr Fleisch gegraben hat, setzt ihr auch dieser Tage stetig zu. Doch leider ist sie nicht stark genug sich seiner zu entledigen! Im Gegenteil, denn sie setzt an, die Angst als infektiöses Leiden unter dem Deckmantel einer Medizin auf die nächste Generation zu übertragen.

 Doch nicht allein die Gegenwart wird beleuchtet, sondern auf einer parallelen Erzählebene, jeweils am Ende eines Kapitels zu finden, bekommt man zusätzlich Einblicke in die Kindheit von Blanka. Im Gesamtbild ergibt sich dadurch ein kompaktes Abbild ihres gesamten Lebenswegs bis jetzt. Dabei schließen die Kapitelteile jeweils nahtlos und zeitlich passend aneinander an, was für die Entwicklung und das Verständnis der parallelen Erzählung sehr angenehm und gut lesbar war. 

Die Schreibweise von Lilach Mer hat genau meinen Nerv getroffen, denn ich liebe lebendige, detailverliebte und schnörkelige Beschreibungen, die den Moment so wiedergeben können, als würde er mich plötzlich umfangen und mit sich ziehen. Ich hatte öfters Passagen, in denen ich erstaunt war, wie mühelos und wortgewandt es ihr gelang, tote Materie zum Leben erwecken. Trotz seiner melancholischen und trauergeschwängerten Stimmung, den zerrütteten und bedrohlichen Umständen im Leben der Protagonisten und wenigen Momenten der Glückseligkeit, war es ein kraftvolles und wunderschönes Leseerlebnis, dass stimmungsmäßig wunderbar in die nass-kalte Winterzeit passt. Ich würde gern mehr davon lesen! Kurz gesagt:

 Ein gefühlvoller Roman, der Elemente eines alten Märchens, aufgemischt mit neuen und weiterführenden Ideen vereint. 
„Winterkind“ ist ein atmosphärisches Buch, das ganz sicher keine 0815-Protagonisten zu Tage fördert oder Mainstream Leseglück beschert. Mit der Zeitreise über 200 Jahre zurück, gekleidet im historischen Gewand, hatte ich tolle Lesestunden. Ein Kind, eine Mutter und deren düsteres Geheimnis, geboren in längst vergangenen Tagen und gefangen in einem alten Spiegel, wollen in diesem Roman entdeckt werden. 

 An‘s Herz legen möchte ich das Buch den Lesern, die sowohl Märchen, wie auch Romane mit bitter-süßem Beigeschmack, angereichert mit strengen Konventionen und Einblicke in eine längst vergangene Zeit, mögen. Es erwartet Euch ein ganz eigenes, historisches Leseerlebnis. 



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  • Leserunde zu "Winterkind: Roman" von Lilach Mer

    Winterkind

    Dryas_Verlag

    Suche 15 Leser/innen, die sich in ein düsteres Herrenhaus und ins 19. Jahrhundert versetzen lassen möchten! Zum Buchinhalt: Eigentlich müsste Blanka von Rapp glücklich sein: Sie ist schön, ihre Haut ist weiß wie Schnee, ihre Haare sind schwarz wie Ebenholz. Und sie ist reich, ihrem Mann gehört die Glasfabrik, deren Turm das Dorf überragt. Trotzdem ist sie unglücklich. Wie ein Schatten liegt die Angst über allem, was sie tut, die Angst vor einer Toten. Als die Geschäfte ihres Mannes schlechter laufen, wächst unter den Arbeitern in der Glashütte die Unzufriedenheit. Gerüchte über einem Aufstand häufen sich. Während Blankas Mann verreist, eskaliert die Situation. Blanka muss sich nicht nur der Gegenwart, sondern auch den Geheimnissen der Vergangenheit stellen. Denn der tiefe Schnee, der das Herrenhaus umschließt, lässt sie nicht entkommen. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 29.9. – die Autorin Lilach Mer und ich als Verlegerin freuen uns auf die Diskussion mit euch!

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    • 327

    mecedora

    19. January 2013 um 15:44
    Dryas_Verlag schreibt Vielen Dank für die Rezension - freut mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat! Der nächste Titel der Grünen Fee ist derzeit beim Buchsatz und kommt hoffentlich übernächste Woche zur Druckerei.

    oh, das klingt toll! Ich werde euch auf alle Fälle weiter verfolgen und hoffe auf viele weitere spannende Leserunden mit euren Büchern. Mein "Winterkind" ist bei diesem Frostwetter übrigens ...

  • Rezension zu "Winterkind" von Lilach Mer

    Winterkind

    Tru1307

    18. January 2013 um 20:24

    Winterkind ist der zweite Roman, den ich von der Autorin Lilach Mer lesen durfte. Mit Der siebte Schwan hat die Autorin ja schon bewiesen, dass sie Märchenelemente neu arrangieren kann. Ihr Sprachstil ist dabei unverkennbar, denn er ist lyrisch, locker und extrem fesselnd. Sie fängt eine Melancholie ein, die absolut perfekt zum Geschehen passt. In Winterkind lässt sie den Leser zusätzlich 200 Jahre in die Vergangenheit reisen und erfahren, was nach dem Märchen "Schneewittchen" geschehen sein könnte. In erster Linie ist Winterkind damit ein historischer Roman, bei dem sich alle Begebenheiten logisch erklären lassen. Mir gefiel es allerdings sehr gut, dass man alles zweifach deuten konnte: Sowohl logisch, aber genauso eben auch magisch. Dadurch entstand eine ganz besondere Atmosphäre im Roman. Blanka von Rapp ist einer der bestimmenden Charaktere in Winterkind. Sie ist vermögend, hat aus Liebe geheiratet (was um 1800 nicht selbstverständlich war) und eine wundervolle Tochter bekommen. Ihr Mann ist Eigentümer einer Glasfabrik, die mehrere Arbeiter beschäftigt. Ihr Haar und Schwarz wie Ebenholz und ihre Haut Weiß wie Schnee. Als ihre Mutter stirbt, erbt Blanka einen monströsen Spiegel, der sie zurück in ihre Vergangenheit katapultiert und viele verdrängte Verletzungen wieder an die Oberfläche holt. Ein weiterer wichtiger Charakter ist Sophie, die Gouvernante, die sich wunderbar um Johanna kümmert und Blanka unter die Arme greift. Ich habe Sophie viel schneller ins Herz geschlossen, weil sie ein freundlicher, offener Charakter ist, der im rechten Moment auch selbstständige Entscheidungen trifft. Blanka hingegen kam oft sehr zögerlich, kränklich herüber, was aber auch an ihrem labilen Geisteszustand gelegen haben mag, der sehr gut herausgestellt wurde. Man merkt sofort: Lilach Mer hat sich besondere Mühe mit den Charakteren gegeben und die Liebe fürs Detail, für die Gefüwhle, Wünsche und Träume der beiden Heldinnen werden sehr gut dargestellt. Die unterschiedlichen Perspektiven lassen den Roman sehr fesselnd werden, denn es entsteht bei jeden Wechsel eine immer wieder neue Grundstimmung: Während es bei Blanka immer sehr düster, verwirrend und traurig zu sein scheint, ist die Schilderung aus der Sicht von Sophie viel freundlicher. Man erfährt je nach dem Charakter, der gerade erzählt, auch immer etwas über den Stand, dem die Person angehört und wie die Konventionen damals waren. Zusätzlich gibt es am Ende eines jeden Kapitels noch einige Abschnitte in kursiver Schrift, die nach und nach viel offenbaren. Jede der Figuren hat eine eigene Einstellung und bewertet die Situationen völlig anders. Besonders gefallen hat mir auch die Darstellung der Zeit um 1800 in Norddeutschland. Von der Sprache bis hin zu den damaligen Art sich zu kleiden, von den Arbeitsverhältnissen bis hin zur Kindererziehung - Winterkind zeigt sehr aufwühlend, wie es um 1800 war. Bewertung Winterkind ist ein wundervoller historischer Roman mit einer dichten Atmosphäre und einem spannenden Setting. Die Charaktere habe ich gleich ins Herz geschlossen. Nach Der siebte Schwan ist der Autorin erneut eine märchenhafte Geschichte gelungen, die den Leser diesmal um 200 Jahre in die Vergangenheit entführt.

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  • Rezension zu "Winterkind" von Lilach Mer

    Winterkind

    mecedora

    13. January 2013 um 19:52

    Es herrscht klirrend kalter Winter, als Herr von Rapp mit seiner Tochter und der Gouvernante von der Beerdigung der Schwiegermutter zurückkehrt. Zurückkehrt zu seiner Frau, Blanka von Rapp, die seit Jahren das Haus nicht verlassen hat, nicht einmal, um ihrer Mutter das letzte Geleit zu geben. Kalt ist es draußen - und genauso kalt ist es drinnen. Eine bedrückte Stimmung liegt über allem, es scheint immer düster zu sein im Hause Rapp, eine ständige Angst ist spürbar. Dabei müsste Familie von Rapp eigentlich glücklich sein, besitzt Herr von Rapp eine erfolgreiche Glashütte, wohnen sie in einem großen Anwesen und war ihre Hochzeit doch sogar eine Liebesheirat - noch immer eher die Ausnahme als die Regel im ausgehenden 19. Jahrhundert. Doch mit dem Ansehen und dem Reichtum ist es nicht so weit her wie man augenscheinlich meinen würde. Dunkle Geheimnisse liegen knapp hinter der heilen Fassade verborgen, Unausgesprochenes schwebt spürbar in der Luft, Krankheit droht und die Lage unter den Arbeitern in der Glashütte spitzt sich zu. Als mit ihrem Mann und ihrer Tochter der alte Spiegel von Blankas Mutter, ein ebenso faszinierend schönes wie grauenhaftes Stück, ins Haus kommt, werden Dinge angestoßen, die alles verändern. Im eingeschneiten Anwesen bricht das Dunkle zutage und das Verderben nimmt seinen Lauf. Lilach Mer schreibt mit "Winterkind" ein atmosphärisch ausgesprochen dichtes, spürbar düsteres Buch, das einen schon nach wenigen Seiten in den Bann zieht. Melancholisch und beinah beängstigend intensiv beschreibt Lilach Mer eine scheinbar heile Welt, eine kalte Eisfläche, schön und verheerend, unter der dunkle Tiefen verborgen sind, in die einzutauchen gefährlich und beklemmend ist. Der Stil ist flüssig, das Erzählte anschaulich, vor allem die evozierte Atmosphäre jedoch ist herauszuheben. Mit kleinem Personal und an wenigen Schauplätzen gelingt es der Autorin ein prägnantes Bild einer verzweifelten Frau im ausgehenden 19. Jahrhundert zu zeichnen, das sehr viel hintergründiger ist als es zuerst scheint. Psychologisch fein beobachtet und trotz aller Distanz einfühlsam, aber schonungslos erzählt, betrachtet "Winterkind" ganz andere Aspekte als man nach der schneewittchenhaften Einführung der Person Blankas erwarten würde. Wenig Märchen, dafür umso mehr psychologisch hintergründiger historischer Roman, ja beinah ein Thriller erwartet einen hinter dem geheimnisvollen Cover. Und das alles in tatsächlich märchenhaft anmutendem, tief verschneiten Setting. Für mich war diese Form der Erzählung etwas wirklich Neues. Sehr positiv überrascht von diesem geheimnisvoll-düsteren, dabei aber immer realistischen Roman vergebe ich die vollen fünf Sterne für "Winterkind" von Lilach Mer.

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  • Rezension zu "Winterkind" von Lilach Mer

    Winterkind

    Starlet

    02. January 2013 um 11:57

    Blanka von Rapp lebt mit ihrer kleinen Tochter Johanna und ihrem Mann Johann in einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Blankas Mann gehört die Glasfabrik, die viele Mitarbeiter beschäftigt. Die Familie lebt in einem wunderschönen Haus mit Dienstpersonal. Hierzu gehört auch die Gouvernante Sophie, die sich liebevoll um Johanna kümmert. Es ist Winter, alles ist schneebedeckt, als Johann und Johanna von der Beerdigung Blankas Mutter zurückkehren. Blanka selbst ist zu Hause geblieben, denn Blanka hat Angst das Haus zu verlassen. Schon von weitem sieht Blanka den Spiegel, der im Haus ihrer Mutter stand. Es ist das einzige Erbstück. Die wirtschaftlichen Zeiten sind schwierig und Blankas Mann muss handeln, damit er die Arbeiter in der Glashütte bezahlen kann. Man hört Gerüchte über einen geplanten Aufstand der Arbeiter und als Blankas Mann kurz vor der monatlichen Lohnzahlung überstürzt verreist überschlagen sich die Ereignisse im Haus. Lesegrund: Ich lese sehr selten historische Romane, aber der Verlag bezeichnet das Buch als „Fortsetzung des Märchens Schneewittchen“. Da Schneewittchen zu meinen Lieblingsmärchen gehört wollte ich mir dieses Buch nicht entgehen lassen. Cover: Man erkennt bereits auf dem Foto, dass das Cover sehr schön ist. Auf mich wirkt es auch sehr romantisch. Der Spiegel und die Schrift sind mit einem Glanzlack überzogen. So kommt der Spiegel wirklich perfekt zur Geltung. Fazit: Obwohl ich selten historische Romane lese war ich von Anfang an von dem Buch begeistert. Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Charaktere werden liebevoll beschrieben, so dass man zu jeder Person ein klares Bild vor Augen hat. Blanka ist eine interessante und zugleich geheimnisvolle Frau. Ihre Lebensgeschichte hält einen in Atem, man möchte mehr über sie erfahren. Der große Spiegel scheint eine magische Anziehung auf Blanka zu haben, der sie sich nicht entziehen kann. Das Buch wird perfekt abgerundet durch die Einblicke in Blankas Kindheit, die man am Ende eines jeden Kapitels bekommt. Als Fortsetzung des Märchens Schneewittchen würde ich das Buch nicht bezeichnen. Es gibt zwar kleine Dinge, die an das Märchen erinnern, wie ein Apfel oder ein Kamm. Und natürlich auch der Spiegel, der immer wieder im Mittelpunkt steht. Dennoch habe ich mich während dem Lesen nicht an das Märchen erinnert gefühlt. Für mich war das Buch ein richtiges Highlight, das man unbedingt lesen sollte. Es hat mich in eine bereits vergangene Winterwelt entführt, in der sich etwas Romantik und viel Drama treffen.

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  • Rezension zu "Winterkind" von Lilach Mer

    Winterkind

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. December 2012 um 19:25

    Inhalt: . 1880, Niedersachsen Blanka von Rapp hat Angst, ist nervös. Schon jahrelang hat sie keinen Fuß mehr vor die Haustür gesetzt. Nicht einmal zur Beerdigung ihrer Mutter fuhr sie. Das einzige Erbstück: ein Spiegel. Doch seit dieser im Haus steht, benimmt sich Blanka immer sonderbarer. Dann verreist auch noch ihr Mann, ihr kleines Töchterchen Johanna erkrankt und der Zahltag naht, jedoch ist kein Geld im Haus. Und der Grund für Blankas Verstörtheit? Etwa der Spiegel? Die einzige Person, die noch von Vernunft geleitet zu sein scheint ist Sophie, die Gouvernante des Mädchens. . Meine Meinung: . Wer bei der Beschreibung an Fantasy denkt, ist hier an der falschen Adresse. Ein Thriller gleich Lilach Mers Roman eher. Düstere Stimmung, ein etwas angespanntes Verhältnis zwischen den Charakteren und ein Geheimnis, von dem nur Blanka und der Spiegel wissen. Wie auch schon in ihrem Debütroman, stellt die Autorin ihr schreiberisches Können unter Beweis und entführt den Leser mit märchenhaften, sowie poetischen Schreibstil in die Welt des 19. Jahrhunderts. Dass es in dieser Zeit vor allem für Frauen nicht leicht war, lässt einen Sophie recht schnell spüren. Sophie gehört zu den Hauptcharakteren und ich mochte sie von der ersten Seite an. Denn wenn alle Stricke reißen, so ist doch auf sie Verlass. Sie ist die Vernunft in Person und ein Vorbild für alle Gouvernanten. Oft steht sie entgegengestellt von Blanka, die mich durch ihre Eigenarten und ihrer paranoiden Verhaltensweise abschreckte, mein Mitleid erregte und zu einer sehr interessanten Person wird. Der größte Teil der Spannung dieses Buches, besteht nämlich aus der Vergangenheit der Hausherrin, aus der man zu jedem Kapitelende ein Stückchen mehr erfährt. Was zuerst unklar wirkt, setzt sich Stück für Stück zusammen und schließlich erkennt man auch, wieso sich Blanka so sonderbar verhält. Ich will nicht vorgreifen, aber die arme musste so einiges erdulden. Zum Schlüsselsymbol ihres Leidens wurde sozusagen der Spiegel, der immer wieder für Blankas Aussetzer verantwortlich ist, der rote Faden der Geschichte. Jedoch, das Goldstück der Geschichte bleibt für mich Johanna, denn sie hat es nun wirklich nicht leicht mit ihrer Mutter und ich bangte, nicht nur wegen der Krankheit, die sie sich im Laufe des Buches zuzieht, sehr um sie. . Was die Personen allgemein betraf, wirkten sie sehr authentisch und sowohl ihre Sprech -, als auch ihre Verhaltensweise, geben einem das Gefühl sich im 19. Jahrhundert zu befinden. Die meiste Zeit plätscherte der Roman etwas dahin, zwar ist durchgehend Spannung vorhanden, jedoch oft in gemäßigtem Maße. Zum Schluss werden aber noch alle Geschütze aufgefahren und die Ereignisse überschlagen sich regelrecht. Denn wie schon gesagt besteht der Hauptteil der Spannung darin, dass man wissen möchte, was Blanka wiederfahren ist. Doch dann tritt die brenzliche Situation der leeren Kasse, die auf einen Haufen, ihr Geld verlangenden Arbeiter am Zahltag trifft immer mehr in den Vordergrund und lassen einen das Buch nicht aus der Hand legen, in der Hoffnung, dass alles nochmal glatt geht. Zum Schluss gab es dann noch ein teilweise überraschendes Ende, das recht zufriedenstellend war. . Fazit: . Ein spannender, märchenhafter und düsterer Roman, über "Schneewittchen", nachdem es den "Prinzen" geheiratet hat. Lest es!

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  • Rezension zu "Winterkind: Roman" von Lilach Mer

    Winterkind

    Kendra

    22. December 2012 um 19:39

    "Winterkind" von Lilach Mer ist kein Fantasybuch , wie ich anfangs vermutetet, und daher war ich eine ganze Zeit lang auf der falschen Fährte. Das Buch ist dem historischen Genre zuzuordnen, das einige sehr märchenhafte Komponente beinhaltet. Im Nachhinein konnte ich auch feststellen warum, denn es ist eine Fortsetzungsidee die auf dem Märchen: Schneewittchen beruht. Wahrlich Schneewittchenhaft sieht auch die Hauptperson, die werte Frau von Rapp aus. Blanka, die auf den ersten Eindruck einen unsympathischen macht, aufgrund ihres merkwürdigen Verhaltens, ihren Angstzuständen die sie zur Gefangenen in ihrem eigenen Haus machen, und ihrer labil wirkenden Art, entwickelt sich jedoch im Laufe der Geschichte, so dass man auch eine andere nicht vermutende Seite an ihr kennen lernt. Jedoch beginnt ihr Leben noch mehr aus den Fugen zu geraten, als ein altes Familienerbstück in Form eines Spiegels vom Nachlass ihrer Mutter in das alte Herrenhaus Einzug hält. Während sie magisch von dem Spiegel angezogen wird, beinhaltet das Glas jedoch viele schlechte Erinnerungen, die nun zum Vorschein kommen und sie immer mehr in einen Abgrund zu ziehen scheint. Als wenn dies noch nicht schon schlimm genug wäre, kommen noch Geldprobleme im Haus dazu, die ihren Mann dazu veranlassen sie alleine in dieser schwierigen Zeit zu lassen. Während sie als Hausherrin versuchen muss, die Arbeiter der Glashütte mit ihrem Lohn hinzuhalten, erkrankt auch noch plötzlich ihre Tochter Johanna. Zum Glück gibt es aber mit der Gouvernante Sophie einen Lichtblick, denn diese greift ihrer Herrin bald unter die Arme und kommt einem schlimmen und tödlich bringenden Geheimnis auf die Spur, das nicht nur Blanka, sondern nun auch deren Tochter zerstören kann...... -------- Wunderbar fand ich eine Szene, indem der bekannte Apfel seinen großen Auftritt bekommt^^ Ich muss zugeben, dass ich am Anfang so gar nicht mit der Schreibweise warm geworden bin, da sich die Sätze sehr zäh meiner Ansicht nach lasen und mir die etwas schwerwiegend klingenden Worten zuviel des Guten waren. Jedoch wurde im Laufe der Geschichte der Klang der Worte einfacher und so kam dann auch ich in einen Lesegenuss^^Besonders die jetzige Jahreszeit passte fantastisch zu dem düster angehauchten winterlichen Flair, dem das ganze Buch zuteil wird. Auch dass jedes Kapitel mit einem kursiv geschrieben Auszug aus der Vergangenheit aufwartet,finde ich gelungen und nach und nach kann man mit der anfangs kühlen und reservierten Blanka mitfühlen und ihr Verhalten aufgrund ihrer ganz persönlichen tragischen Kindheit sogar verstehen. Allem voran Sophie schaffte es mit ihrer tollen Art zu überzeugen, ganz im Gegensatz zu der Schönheit des Hauses und so war sie für mich ein überaus wichtiger Charakter der das Buch sehr viel bewegter und angenehmer machte! Obwohl ich im Mittelteil sehr von der Story vereinnahmt wurde, hat mir dann der Schluss letztendlich doch nicht wirklich überzeugen können und vertiefte somit das Gefühl des Anfanges, dass ich nicht so wirklich vom „Winterkind“ begeistert war, wie ich erhofft hatte.

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  • Rezension zu "Winterkind" von Lilach Mer

    Winterkind

    tigerbea

    21. December 2012 um 13:54

    Niedersachsen, Winter 1880. Blanka von Rapp, ihr Ehemann und Tochter Johanna leben auf einem großen Anwesen. Sie sind Eigentümer einer Glashütte. Als Blankas Mutter stirbt, erbt sie einen großen, edelsteinbesetzten Spiegel. Doch dieser Spiegel birgt ein Geheimnis in sich.... Was Blanka nicht weiß, ist daß sie in argen finanziellen Schwierigkeiten stecken, sie könne ihre Arbeiter in der Glashütte nicht mehr entlohnen. Zur selben Zeit wird auch noch Johanna schwer krank. Doch ein Arzt kann aufgrund des heftigen Schneefalles nicht kommen. Auch Johann, der in die Stadt gefahre ist um einige Geschäfte abzuschließen, kann nicht zurück. Blanka steht allein inmitten unheimlicher Geschehnisse. "Winterkind" ist ein sehr leicht zu lesendes Buch. Die Spannung steigt mit jeder gelesenen Seite, man kann es fast nicht mehr zur Seite legen. Lilach Mer hat es geschafft, die Stimmung, das Leid und die widrigen Lebensumstände einzufangen. Man hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Ein wunderbares Buch für alle, die geheimnisvolle historische Roman lieben!

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  • Rezension zu "Winterkind: Roman" von Lilach Mer

    Winterkind

    bookgirl

    18. December 2012 um 14:02

    Es war einmal, mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn ... Inhalt Im tiefsten Winter des Jahres 1880 wird uns in das Leben der Familie von Rapp Einblick gewährt. Blanka von Rapp ist eine Schönheit, deren ewiger Begleiter die Angst ist. Es ist so schlimm, dass sie noch nicht mal mehr das Haus verlässt. Selbst dann nicht, als ihre Mutter stirbt. Ihr Ehemann Johann nimmt mit der gemeinsamen Tochter Johanna an der Beerdigung teil und bringt nach seiner Rückkehr einen Spiegel als Erbstück mit. Doch was hat es mit dem geheimnisvollen Spiegel auf sich, der Blanka so sehr aufwühlt? Als dann auch noch die Geschäfte in der Glashütte schlecht laufen, lässt Johann sie alleine zurück. Die Situation eskaliert, als kein Geld da ist, um die Arbeiter zu bezahlen. Blanka muss sich ihrer Angst stellen, da sie auf Grund des hohen Schnees, der das Haus umschließt, nicht entkommen kann. Meine Meinung "Winterkind" ist die Fortsetzung des Märchens Schneewittchen und soll aufzeigen, was geschieht als sie ihren Prinzen heiratet und eine Tochter bekommt. Ohne den Hinweis des Verlags hätte ich die Fortsetzung zwar nicht erkannt, aber das tut meiner Begeisterung für das Buch keinen Abbruch. Lilach Mer schreibt ihre Geschichte poetisch, spannend und ein wenig gruselig. Besonders gelungen ist die bildliche Darstellung der Winterlandschaft und des immerzu fallenden Schnees. Die Kälte, nicht nur im Haus, sondern auch draußen, war förmlich spürbar. Auch die düstere Atmosphäre im Haus finde ich hervorragend beschrieben. Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Frauen. Blanka ist mit all ihren Ängsten hervorragend skizziert. Die Schönheit verbirgt ein Geheimnis und als Leser möchte man unbedingt wissen, worin dieses besteht. Nach und nach erfährt man mehr aus ihrem Leben. Diese Rückblenden wurden immer am Kapitelende in kursiver Schrift separat aufgeführt und zeigten ihren Lebensweg von der Kindheit an auf. Sophie ist die Gouvernante von Johanna und sehr sympathisch und bodenständig. Da wo Blanka vor Angst gelähmt ist, handelt sie besonnen und steht ihre Frau. Ein Wort auch noch zu dem Cover, welches ganz wunderbar zu der Geschichte passt. Es zeigt einen Spiegel in dem man eine Winterlandschaft erkennen kann. Einzig eine rote Rose sorgt für ein wenig Farbe inmitten eines in grau-Tönen gehaltenen Hintergrunds. Diese Rose ist auch an jedem Kapitelende zu sehen, was eine nette Idee für die Aufmachung im Buch ist. Fazit "Winterkind" hat mich restlos begeistert. Für mich ist es das perfekte Buch für den Winter und erhält daher eine ganz klare Kauf- und Leseempfehlung.

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