Lili Grün

 4.5 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Mädchenhimmel!, Alles ist Jazz. Roman und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Lili Grün

Lili GrünMädchenhimmel!
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Mädchenhimmel!
Mädchenhimmel!
 (4)
Erschienen am 30.06.2015
Lili GrünAlles ist Jazz. Roman
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Alles ist Jazz. Roman
Alles ist Jazz. Roman
 (4)
Erschienen am 30.06.2015
Lili GrünZum Theater!
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Zum Theater!
Zum Theater!
 (2)
Erschienen am 14.03.2011
Lili GrünJunge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit ...
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Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit ...
Lili GrünAlles ist Jazz, 1 MP3-CD
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Alles ist Jazz, 1 MP3-CD
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Erschienen am 27.05.2011

Neue Rezensionen zu Lili Grün

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Rezension zu "Mädchenhimmel!" von Lili Grün

Mädchenhimmel
rallusvor 2 Jahren

In der Naziherrschaft sind nicht nur 6 Millionen Juden und Andersdenkende grausam und kaltblütig umgebracht worden. Gestorben ist auch die sehr lebendige jüdische Kultur. Anke Heimberg hat die Aufgabe übernommen, Gedichte und Texte der unbekannten jüdischen Künstlerin Lili Grün neu aufzulegen.

Lili Grün wurde 1904 in Wien geboren und 1942 im Vernichtungslager Maly Trostinec in Weißrussland ermordet. Sie lebte abwechselnd in Wien und Berlin, arbeitete als Schauspielerin und verkaufte Gedichte und Texte an Zeitungen. Geblieben sind auch 2 Romane von ihr, die im Aviva-Verlag in Berlin neu aufgelegt wurden.

Ihr Werk wäre sicher unentdeckt geblieben, hätte die bekannte österreichische Schriftstellerin Hilde Spiel den Namen Lili Grün nicht in ihrer Retrospektive der Nazizeit erwähnt. Die auf ein rasches Vergessen drängende Nachkriegszeit hat etliche Künstler in die Vergessenheit gedrückt, Lili Grün zum Glück nicht.

Die hier vorliegenden Gedichte und Texte zeigen eine lebendige und auch sehr persönliche Sicht der jungen Dame, meist auf die Liebe und die Schwierigkeit als ‚Fräulein‚ in der Männerwelt ihren Stand zu finden. Die Gedichte, die teils auch vertont wurden, sind Zeitzeugen der 20er, 30er Jahre, die von der weltweiten Weltwirtschaftskrise geprägt sind, doch meist klingt Sehnsucht nach einem besseren Leben durch die Zeilen:

Wir müssen den ganzen Tag tippen. Mit brennenden Augen und schmerzenden Rücken Bestätigen wir ihr Wertes vom Soundsovielten, Das wir mit bestem Dank erhalten Wir haben nur eine Sehnsucht: auszurasten. Von der Tages ewigem Läuten und Hasten, Denn unser armes Hirn ist müd und leer Wir haben keine bessere Sehnsucht mehr. Unsere großen, mutigen Gedanken Sind gestorben in des Alltags Schranken Unser Herzen große Zärtlichkeit Ist gestorben in des Alltags Leid

 

Lili Grüns Gedichte zeigen auch in Ihrer Zeit, eine frühe Art des fraulichen Selbstbewusstseins. Frau lässt sich hier nicht alles gefallen, zwar braucht es für die Liebe einen Mann, dieser wird aber auch recht kritisch gesehen. So schwankt die junge Frau zwischen Selbstbehauptung und der Suche nach dem Prinzen.

Die Liebe ist auch das Hauptthema der den Gedichten folgenden kurzen Texte. Hier wird die überall herrschende Arbeitslosigkeit mit eingeflochten, so dass ein stimmiges Bild der damaligen Zeit vor dem geistigen Auge entsteht. Es sind die einfachen Menschen, die Lili Grün beschreibt, deren Sorgen und Nöte, das Liebesleid der jungen Frau, die Morgens nach einer durchzechten Nacht neben einem Unbekannten aufwacht:

„Wenn sie heute wenigstens einen richtigen moralischen Kater hätte, damit ein wenig Abwechslung in die Geschichte gekommen wäre, aber nein, in ihrer Kehle waren bloß die alten Tränen vom monatelangen Alleinsein. Mädchen, die schrecklich allein sind, sollten nicht küssen. Die glauben doch dann immer gleich, dass sie den Betreffenden auch liebhaben.“

Abgerundet wird das Buch durch ein Nachwort von Anke Heimberg, in dem sie auf das Leben von Lili Grün eingeht. (Eine Biografie von Lili Grün ist von Frau Heimberg in Arbeit) Anke Heimberg erklärt und ordnet die Texte chronologisch ein, wobei mir die Erklärungen manches mal zu viel werden. Was ein Bureau, Kanapee oder der Ausdruck verknautscht bedeutet, weiß ich und bestimmt der geneigte Leser dieses Buches. Dadurch wirkt der, durchaus sinnvolle Kommentar, etwas oberlehrerhaft.

Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich mit Lili Grün in die 30er Jahre zu begeben. Ein wunderschönes, sprachlich ausgereiftes Buch, welches mich durch seine natürlichen und frischen Texte fesseln konnte. Mädchenhimmel gewann 2014 den Melusine-Huss-Preis und stand 2014 auf der Hotlist der zehn besten Indiebücher.

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Bouggos avatar

Rezension zu "Zum Theater!" von Lili Grün

Fünf Punkte - unter Vorbehalt
Bouggovor 3 Jahren

Was denn nun, fünf Sterne oder doch nicht?

Wie auch „Alles ist Jazz“ von der gleichen Autorin ist dieser Roman nicht so einfach zu bewerten. Denn gleichwertig neben der Erzählung spielt das Schicksal Lili Grüns eine entscheidende Rolle.

Als jüdischer Schauspielerin und Autorin aus Wien gönnten die Nazis der jungen Frau nach dem Anschluss Österreichs nur noch wenige Jahre Lebenszeit. Der Herausgeberin Anke Heimberg und dem AvivA Verlag ist es zu verdanken, dass es zu einer Neu-Herausgabe gekommen ist. Das Gleiche trifft für den ersten Roman „Alles ist Jazz“ und den Lyrik-Band „Mädchenhimmel“ zu. Um mich nicht gänzlich zu wiederholen, verweise ich die auf dortigen Rezensionen. Wieso der ursprüngliche Titel Loni in der Kleinstadt in „Zum Theater!“ abgewandelt werden musste, das erschließt sich mir nicht. Es ist eben ein Roman aus den 30er Jahren, und er wird durch einen neuen Titel nicht moderner.

Die Geschichte an sich bekäme von mir drei Punkte. Sie liest sich leicht und flüssig, bleibt aber ohne große Spannung oder Überraschungen. Ganz nett eben, als Zeitdokument.

Doch kann ich konkret bemängeln, dass der Roman fast ausschließlich im Präsens geschrieben ist. Das gibt ihm vermeintlich Fahrt, die jedoch abstumpft, da es die ausschließliche Erzählform ist. Nervig ist zudem dass Loni bis zum Schluss immer als „die Kleine“, „Kleines“, „kleines Mädchen“ usw. bezeichnet wird. Mag sie auch erst 18 sein, sie hat sich tapfer durch die Umstände zu schlagen, die alles andere als einfach sind. Stichworte: Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit, verfahrene Beziehungen. Sie geben dem ganzen Roman eine bedrückende Schwere.

Weiterhin sind wichtige Ereignisse einfach weggelassen - so als habe Grün sich nicht getraut, sie auszuformulieren.

Beispiele: Loni spielt ihre erste Rolle. Sie hält nicht viel von dem Stück, ein Lustspiel, in dem sie nur „eine dumme Backfischrolle“ hat. Sie beschwert sich in einem Brief bei ihrem ehemaligen Privatlehrer darüber. Ein Brief, den sie noch gar nicht abgeschickt hat und dem sie in Gedanken ironisch hinzufügt: „Ich kann es gar nicht erwarten, übermorgen als Komtesse… neckisch über die Bühne zu tänzeln und sämtlichen Grafen … durch den Charme meiner schlanken Beine und idiotisch-herzigen Aussprüche, die mir der große Dramatiker in den Mund gelegt hat, zu betören…“

Im nächsten Abschnitt liest man: „Ein wenig betäubt und unsicher steht Loni vor dem Vorhang. Während sie sich schwankend aus ihrer Verbeugung aufrichtet, begreift sie staunend, dass der jubelnde Beifall ihr gilt.“ Kein Wort darüber, wie sie ihre Rolle ausgefüllt, wie sie sich auf der Bühne gefühlt hat, was es nun war, das den Beifall ausgelöst hat.

Ähnlich läuft es bei einem Gedichtvortrag auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung ab. Loni ist aufgeregt. „Könnte man nicht rasch totkrank werden, überlegt sie“. Wenig später nur die beiden Sätze: „Welch ein Wunder: Sie spricht, sie bewegt sich, sie lacht. Sie spielt ihre Gedichte ganz allein.“ Das ist mir etwas dürftig für ein Ereignis, das für sie derart wichtig war.

Ein drittes Beispiel: In der Abschlussvorstellung darf Loni in „Der widerspenstigen Zähmung“ die Rolle „ihres Lebens“ spielen, das Käthchen. Da der Regisseur einen Selbstmordversuch unternimmt, ist die Truppe alleine auf sich gestellt, ein spannendes Unterfangen. Doch auch dieses ist Grün nur einen Satz wert: „Wenn Loni später zu erzählen versuchte, wieso es ihr damals gelang, das Käthchen an diesem Abend zu spielen, begnügte sie sich meinst mit dem kurzen Ausspruch: ‚Kinder, es war ein Wunder‘.“

Hier ausnahmsweise einmal Präteritum. Doch gleich geht es weiter im Präsens. Der überwältigende Beifall wird beschrieben, aber kein Wort darüber verloren, wie das Ensemble die Aufgabe meisterte.

Ein wenig tröstlich ist am Schluss, dass sich die große(?) Liebe Lonis wieder einzurenken scheint.

Mit meiner Kritik tue ich Lili Grün wahrscheinlich Unrecht. Unsere Lesegewohnheiten haben sich erheblich gewandelt. Die zeitgenössische Kritik war anscheinend recht wohlwollend. Und die Nazischergen haben sie der Möglichkeit beraubt, erstens ihre Werke zu überarbeiten und zweitens weitere hinzuzufügen. Wer weiß, was die Autorin noch zustande gebracht hätte, wären ihr noch 40 oder 50 Jahr vergönnt geblieben. Schriftstellerisches Potenzial ist auf jeden Fall erkennbar, am deutlichsten für mich in ihren Gedichten.

Deshalb eben doch bewusst fünf Sterne in meiner Bewertung. Ich wünsche mir, dass Lili Grün weiter gelesen wird. Zum Glück wurde bereits ein Platz in Wien nach ihr benannt, wie Anke Heimberg am Schluss ihres Nachwortes mitteilt.

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Bouggos avatar

Rezension zu "Mädchenhimmel!" von Lili Grün

Kurzweilig
Bouggovor 3 Jahren

Nach einer Besprechung in der TAZ habe ich mir die Gedichte- und Geschichten-Sammlung gekauft und war nicht enttäuscht. Diese kleinen Leckerbissen bringen verschiedene Themen humorvoll auf den Punkt.
Bestimmt sind sie keine "hohe Literatur". Doch sind sie einfach schön. Sie machen mir Lust, die beiden Romane Grüns, "Alles ist Jazz" und "Zum Theater" zu lesen.
Mir kommt die Galle hoch, wenn ich wieder einmal erlebe, was die Nazi-Mörderbande alles auf ihrem Gewissen hat. Gerade mal 38 Jahre ließ sie das Leben der Autorin gewähren.
Etwas nervig sind die seitenlangen Kommentare der Herausgeberin Anke Heimberg - so dankbar man ihr sein muss, dieses Werk zusammengestellt und damit gerettet zu haben. Doch wozu brauche ich eine Erklärung oder Übersetzung für "Schwamm drüber", "Sex-Appeal", "einstens", "wie angewurzelt stehen bleiben", "Vamp", "Moldau", "Achtzylinder" und viele andere? Diese Kommentare füllen 28 Seiten! Zweie hätten es getan, z.B. Hinweise auf nicht mehr gebräuchliche Ausdrücke wie "Nachwucher" oder zu Lokalitäten wie das "Romantische Café".
Auch müsste Heimberg nicht jedesmal die Zeile: "Das Gedicht/Die Geschichte erschien unter dem Namen Lili/Lily Grün" aufführen. "(Lili G.)" bzw. "(Lily G.)" oder "(Lily)" (ohne Nachnamen) nach Erscheinungsjahr und Zeitschrift hätten genügt.
Hier habe ich den schweren Verdacht, dass ein paar Seiten mehr das Buch zum Buch machen sollen.
Gut und viel wichtiger ist das Nachwort Heimbergs. Hierin schildert sie Grüns Biografie, soweit sie zu rekonstruieren war. Dass sie viel Mühe dafür aufgebracht hat, ist nachvollziehbar. Doch auch hier erscheint redundat häufig der Hinweis auf die weiteren Werke Grüns und die eigene Herausgeberschaft.
Trotz dieser Kritikpunkte bleibe ich bei meinen fünf Sternen, denn die sind ja nicht Lili Grün anzulasten.

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