Lili Grün Alles ist Jazz. Roman

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Inhaltsangabe zu „Alles ist Jazz. Roman“ von Lili Grün

Berlin um 1930. Die Wiener Schauspielerin Elli ist wieder einmal ohne Engagement. Die nächste Miete ist bereits überfällig und die tägliche triste Mahlzeit besteht schon seit Wochen aus Suppe. In einer von Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und greller Armut geschüttelten Zeit scheint immerhin ihre neue Liebe, der solide Jura-Student Robert, eine Schulter zum Anlehnen zu versprechen. Und dann gibt es da auch noch das neue Kabarett-Kollektiv "Jazz". Gemeinsam mit einem bunten Trüppchen gleichgesinnter, mittelloser junger Künstler und Künstlerinnen hat Elli das Kabarett gegründet - aus der Not, aber mit viel Idealismus und noch mehr Hoffnung auf den großen Sprung. Aber werden sie auch wirklich alle in das kleine Café am Kurfürstendamm kommen – die einfluss reichen Leute von der Presse, die allmächtigen Theaterregisseure und die eingebildeten Filmfatzkes, kurz: 'das Publikum von Berlin'?

Fünf Punkte - mit Vorbehalten

— Bouggo
Bouggo

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    Alles ist Jazz. Roman
    Bouggo

    Bouggo

    14. May 2015 um 16:08

    Bewertet man dieses Buch, beschäftigt man sich eigentlich mit drei Bereichen. Da ist einmal der Roman selbst, dann ist es die Person der Autorin in ihrer historischen Verstricktheit und es ist die Neu-Herausgabe durch Anke Heimberg. Der Roman. Achtzig Jahre alt, vielleicht hätte Frau Grün ihn heute anders geschrieben. Er soll seinerzeit gute Kritiken bekommen haben. Er beschreibt Leben und Hoffen einer jungen Schauspielerin und enthält wohl reichlich autobiografische Elemente, die Anke Heimberg im Nachwort herausstreicht. Die Stimmung ist eher gedrückt, Sorgen und Armut stehen im Vordergrund. Lichtblicke sind das Hoffen, etwas auf die Beine stellen zu können und kleine Erfolge. Die Figuren bleiben für mich recht flach, die Erzählung plätschert dahin, richtige Spannung baut sich nicht auf. Das kann allerdings wirklich an dem Zeitunterschied liegen. Die Lesegewohnheiten haben sich drastisch geändert, wir sind heute harte Kost gewohnt. Was mich am meisten stört: Den halben Roman hin arbeitet Elli, die Protagonistin, auf ihre Auftritte hin. Ich lese von ihrem Lampenfieber, kurz bevor es soweit ist. Im nächsten Abschnitt hat sie alles schon hinter sich. Kein Wort davon, wie es ihr auf der Bühne ging. Der Verdacht taucht auf, dass sich die Autorin überfordert sah, hier genauer zu beschreiben. Solche Schnitte kommen mehrfach vor. Auf der anderen Seite halte ich es für denkbar, dass derartige Brüche in den 30ern angesagt waren. Der Leser hat die Lücken eben mit seiner Fantasie zu füllen. Soviel dazu. Für diese Erzählung, in der heutigen Zeit geschrieben, würde ich drei Sterne vergeben. Drei Sterne dafür, eine nette und wenig anstrengende Geschichte zu lesen, am ehesten noch dadurch belebt, wie Elli dieTrennungen ihrer Beziehungen erlebt und verarbeitet und wie sie überhaupt das Leben und speziell das Liebesleben sieht. Am wichtigsten war es mir, einiges aus dem Schicksal Lili Grüns zu erfahren. Hier erlebte ich wieder einmal hautnah, mit welcher eiskalten und menschenverachtenden Brutalität das Naziregime alles und jeden aus dem Weg räumte, was nicht in sein verrücktes und verschrobenes Weltbild passte. Lili Grün gestatteten diese Verbrecher nicht mehr als 38 Lebensjahre. Mein großer Dank gilt Anke Heimberg und dem Aviva Verlag. Sie tragen dazu bei, dass Lili Grün in Erinnerung bleibt, sie stemmen sich mit der Nachveröffentlichung gegen völliges Vergessen. Anke Heimberg hat anscheinend alles, was derzeit noch über Lili Grün zu finden ist, zusammengetragen. Sie beleuchtet ihre Lebensgeschichte und die Lebensumstände im Kontext des Zeitgeschehens, so gut es recherchierbar ist. Mit dem historischen Stadtplan von Berlin auf dem Vorsatz und einigen Fotografien unterstreicht sie die Zusammenhänge. Aus meiner Sicht auch hier ein kleiner Wermutstropfen. Der Sinn erschließt sich mir nicht, wieso der Titel des Romans von „Herz über Bord“ in „Alles ist Jazz“ geändert werden musste. Das trifft auch auf ihren zweiten Roman, „Loni in der Kleinstadt“ zu, der von Anke Heimberg in „Zum Theater!“ umgetauft wurde. Auch bei diesem zweiten Roman bleiben die Figuren ähnlich blass, die Stimmung ist eher trist und gedrückt. Deshalb ähneln sich meine Rezensionen für diese beiden Romane sehr. Am besten, obwohl ich kein ausgesprochener Lyrik-Leser bin, gefällt mir von Lili Grün noch der Gedichtband „Mädchenhimmel“. Laut Heimberg gibt es noch eine längere Novelle Grüns („Anni hat Unrecht“) und einen letzten Roman „Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit“. Sollten auch diese Werke neu aufgelegt werden, werde ich trotz der Kritikpunkte zu den Lesern gehören. Fazit: Lest Lili Grün! Damit kann man das Unrecht, das ihr widerfahren ist, nicht löschen. Doch ein wenig trägt man dazu bei, den Nazis einen späten Strich durch die Rechnung zu machen. Es ist ihnen weder gelungen, alle ihre Gegner zu vernichten noch sie aus dem kulturellen Gedächtnis zu löschen. Deshalb freut es mich, dass es in Wien einen Lili-Grün-Platz gibt, wie Anke Heimberg am Schluss mitteilt und mit einem Foto belegt.

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