Lili Grün Mädchenhimmel!

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Inhaltsangabe zu „Mädchenhimmel!“ von Lili Grün

"Mädchenhimmel!" betitelte Lili Grün 1930 einen ihrer lyrischen Songs, der für die Themenpalette ihrer Gedichte und kleinen Geschichten steht: junge, moderne, selbstbewusste Frauen, hin- und hergerissen zwischen Autonomie, Selbstbehauptung und dem "Mann mit starken Armen".Witzig und frech beschreibt Lili Grün Verliebtheit und Ernüchterung, schier endlose Großstadttage und rasch zu verdrängende Nächte, verrät "Rezepte fürs Herz" und träumt vom "Paradies für die Frau".Ihre erstmals in Buchform gesammelten und veröffentlichten Gedichte und Geschichten verweisen einmal mehr auf die bereits den Romanen attestierte neusachliche Nähe zu Irmgard Keun, Erich Kästner, Gabriele Tergit und Kurt Tucholsky; doch Lili Grün zeigt gerade auch hier wieder ihre ganz eigene heiter-melancholische Note.

Freche Frauengedichte und Texte aus den 20er, 30er Jahren von einer fast vergessenen jüdischen Schriftstellerin

— rallus
rallus

Kurzweilig

— Bouggo
Bouggo

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    Mädchenhimmel!
    rallus

    rallus

    16. December 2016 um 10:29

    In der Naziherrschaft sind nicht nur 6 Millionen Juden und Andersdenkende grausam und kaltblütig umgebracht worden. Gestorben ist auch die sehr lebendige jüdische Kultur. Anke Heimberg hat die Aufgabe übernommen, Gedichte und Texte der unbekannten jüdischen Künstlerin Lili Grün neu aufzulegen. Lili Grün wurde 1904 in Wien geboren und 1942 im Vernichtungslager Maly Trostinec in Weißrussland ermordet. Sie lebte abwechselnd in Wien und Berlin, arbeitete als Schauspielerin und verkaufte Gedichte und Texte an Zeitungen. Geblieben sind auch 2 Romane von ihr, die im Aviva-Verlag in Berlin neu aufgelegt wurden. Ihr Werk wäre sicher unentdeckt geblieben, hätte die bekannte österreichische Schriftstellerin Hilde Spiel den Namen Lili Grün nicht in ihrer Retrospektive der Nazizeit erwähnt. Die auf ein rasches Vergessen drängende Nachkriegszeit hat etliche Künstler in die Vergessenheit gedrückt, Lili Grün zum Glück nicht. Die hier vorliegenden Gedichte und Texte zeigen eine lebendige und auch sehr persönliche Sicht der jungen Dame, meist auf die Liebe und die Schwierigkeit als ‚Fräulein‚ in der Männerwelt ihren Stand zu finden. Die Gedichte, die teils auch vertont wurden, sind Zeitzeugen der 20er, 30er Jahre, die von der weltweiten Weltwirtschaftskrise geprägt sind, doch meist klingt Sehnsucht nach einem besseren Leben durch die Zeilen:Wir müssen den ganzen Tag tippen.Mit brennenden Augen und schmerzenden RückenBestätigen wir ihr Wertes vom Soundsovielten,Das wir mit bestem Dank erhaltenWir haben nur eine Sehnsucht: auszurasten.Von der Tages ewigem Läuten und Hasten,Denn unser armes Hirn ist müd und leerWir haben keine bessere Sehnsucht mehr.Unsere großen, mutigen GedankenSind gestorben in des Alltags SchrankenUnser Herzen große ZärtlichkeitIst gestorben in des Alltags Leid   Lili Grüns Gedichte zeigen auch in Ihrer Zeit, eine frühe Art des fraulichen Selbstbewusstseins. Frau lässt sich hier nicht alles gefallen, zwar braucht es für die Liebe einen Mann, dieser wird aber auch recht kritisch gesehen. So schwankt die junge Frau zwischen Selbstbehauptung und der Suche nach dem Prinzen. Die Liebe ist auch das Hauptthema der den Gedichten folgenden kurzen Texte. Hier wird die überall herrschende Arbeitslosigkeit mit eingeflochten, so dass ein stimmiges Bild der damaligen Zeit vor dem geistigen Auge entsteht. Es sind die einfachen Menschen, die Lili Grün beschreibt, deren Sorgen und Nöte, das Liebesleid der jungen Frau, die Morgens nach einer durchzechten Nacht neben einem Unbekannten aufwacht: „Wenn sie heute wenigstens einen richtigen moralischen Kater hätte, damit ein wenig Abwechslung in die Geschichte gekommen wäre, aber nein, in ihrer Kehle waren bloß die alten Tränen vom monatelangen Alleinsein. Mädchen, die schrecklich allein sind, sollten nicht küssen. Die glauben doch dann immer gleich, dass sie den Betreffenden auch liebhaben.“ Abgerundet wird das Buch durch ein Nachwort von Anke Heimberg, in dem sie auf das Leben von Lili Grün eingeht. (Eine Biografie von Lili Grün ist von Frau Heimberg in Arbeit) Anke Heimberg erklärt und ordnet die Texte chronologisch ein, wobei mir die Erklärungen manches mal zu viel werden. Was ein Bureau, Kanapee oder der Ausdruck verknautscht bedeutet, weiß ich und bestimmt der geneigte Leser dieses Buches. Dadurch wirkt der, durchaus sinnvolle Kommentar, etwas oberlehrerhaft. Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich mit Lili Grün in die 30er Jahre zu begeben. Ein wunderschönes, sprachlich ausgereiftes Buch, welches mich durch seine natürlichen und frischen Texte fesseln konnte. Mädchenhimmel gewann 2014 den Melusine-Huss-Preis und stand 2014 auf der Hotlist der zehn besten Indiebücher.

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  • Kurzweilig

    Mädchenhimmel!
    Bouggo

    Bouggo

    14. May 2015 um 16:11

    Nach einer Besprechung in der TAZ habe ich mir die Gedichte- und Geschichten-Sammlung gekauft und war nicht enttäuscht. Diese kleinen Leckerbissen bringen verschiedene Themen humorvoll auf den Punkt. Bestimmt sind sie keine "hohe Literatur". Doch sind sie einfach schön. Sie machen mir Lust, die beiden Romane Grüns, "Alles ist Jazz" und "Zum Theater" zu lesen. Mir kommt die Galle hoch, wenn ich wieder einmal erlebe, was die Nazi-Mörderbande alles auf ihrem Gewissen hat. Gerade mal 38 Jahre ließ sie das Leben der Autorin gewähren. Etwas nervig sind die seitenlangen Kommentare der Herausgeberin Anke Heimberg - so dankbar man ihr sein muss, dieses Werk zusammengestellt und damit gerettet zu haben. Doch wozu brauche ich eine Erklärung oder Übersetzung für "Schwamm drüber", "Sex-Appeal", "einstens", "wie angewurzelt stehen bleiben", "Vamp", "Moldau", "Achtzylinder" und viele andere? Diese Kommentare füllen 28 Seiten! Zweie hätten es getan, z.B. Hinweise auf nicht mehr gebräuchliche Ausdrücke wie "Nachwucher" oder zu Lokalitäten wie das "Romantische Café". Auch müsste Heimberg nicht jedesmal die Zeile: "Das Gedicht/Die Geschichte erschien unter dem Namen Lili/Lily Grün" aufführen. "(Lili G.)" bzw. "(Lily G.)" oder "(Lily)" (ohne Nachnamen) nach Erscheinungsjahr und Zeitschrift hätten genügt. Hier habe ich den schweren Verdacht, dass ein paar Seiten mehr das Buch zum Buch machen sollen. Gut und viel wichtiger ist das Nachwort Heimbergs. Hierin schildert sie Grüns Biografie, soweit sie zu rekonstruieren war. Dass sie viel Mühe dafür aufgebracht hat, ist nachvollziehbar. Doch auch hier erscheint redundat häufig der Hinweis auf die weiteren Werke Grüns und die eigene Herausgeberschaft. Trotz dieser Kritikpunkte bleibe ich bei meinen fünf Sternen, denn die sind ja nicht Lili Grün anzulasten.

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