Lili Grün Zum Theater!

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Inhaltsangabe zu „Zum Theater!“ von Lili Grün

Der ambitionierten jungen Schauspielschülerin Loni Holl eröffnet sich mit einem Gastengagement in der Provinz endlich die Chance auf das lang ersehnte Debüt. Die junge Frau ergreift die Möglichkeit, ihrem tristen Leben in Wien sowie der Kontrolle ihres Vormundes zu entfliehen und schließt sich der Theatergruppe um Direktor Spörr an. In der Kleinstadt findet sich Loni zwischen Probe, Auftritt und ihrem turbulenten Privatleben wieder: Die Rolle muss gelernt, das Zimmer bezahlt und der Hunger gestillt werden. Dazu hat sie sich ausgerechnet in den hitzigen Regisseur verliebt, dessen Verflossene die umschwärmte Diva des Provinztheaters ist. Die EinwohnerInnen von Mährisch-Niedau, allen voran Notar Dr. Liebig, im Nebenberuf Theaterkritiker des Mährischen Anzeigers, bilden das kritische Publikum, dem sich die bunte Truppe stellen muss. 'Zum Theater!' erschien zum ersten Mal 1935. Zuvor war das Werk als Vorabdruck im 'Wiener Tag' erfolgreich und wurde in der zeitgenössischen Kritik als 'ebenso klug wie anmutig' gefeiert.

Fünf Punkte - unter Vorbehalt

— Bouggo
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    Zum Theater!
    Bouggo

    Bouggo

    14. May 2015 um 16:16

    Was denn nun, fünf Sterne oder doch nicht? Wie auch „Alles ist Jazz“ von der gleichen Autorin ist dieser Roman nicht so einfach zu bewerten. Denn gleichwertig neben der Erzählung spielt das Schicksal Lili Grüns eine entscheidende Rolle. Als jüdischer Schauspielerin und Autorin aus Wien gönnten die Nazis der jungen Frau nach dem Anschluss Österreichs nur noch wenige Jahre Lebenszeit. Der Herausgeberin Anke Heimberg und dem AvivA Verlag ist es zu verdanken, dass es zu einer Neu-Herausgabe gekommen ist. Das Gleiche trifft für den ersten Roman „Alles ist Jazz“ und den Lyrik-Band „Mädchenhimmel“ zu. Um mich nicht gänzlich zu wiederholen, verweise ich die auf dortigen Rezensionen. Wieso der ursprüngliche Titel Loni in der Kleinstadt in „Zum Theater!“ abgewandelt werden musste, das erschließt sich mir nicht. Es ist eben ein Roman aus den 30er Jahren, und er wird durch einen neuen Titel nicht moderner. Die Geschichte an sich bekäme von mir drei Punkte. Sie liest sich leicht und flüssig, bleibt aber ohne große Spannung oder Überraschungen. Ganz nett eben, als Zeitdokument. Doch kann ich konkret bemängeln, dass der Roman fast ausschließlich im Präsens geschrieben ist. Das gibt ihm vermeintlich Fahrt, die jedoch abstumpft, da es die ausschließliche Erzählform ist. Nervig ist zudem dass Loni bis zum Schluss immer als „die Kleine“, „Kleines“, „kleines Mädchen“ usw. bezeichnet wird. Mag sie auch erst 18 sein, sie hat sich tapfer durch die Umstände zu schlagen, die alles andere als einfach sind. Stichworte: Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit, verfahrene Beziehungen. Sie geben dem ganzen Roman eine bedrückende Schwere. Weiterhin sind wichtige Ereignisse einfach weggelassen - so als habe Grün sich nicht getraut, sie auszuformulieren. Beispiele: Loni spielt ihre erste Rolle. Sie hält nicht viel von dem Stück, ein Lustspiel, in dem sie nur „eine dumme Backfischrolle“ hat. Sie beschwert sich in einem Brief bei ihrem ehemaligen Privatlehrer darüber. Ein Brief, den sie noch gar nicht abgeschickt hat und dem sie in Gedanken ironisch hinzufügt: „Ich kann es gar nicht erwarten, übermorgen als Komtesse… neckisch über die Bühne zu tänzeln und sämtlichen Grafen … durch den Charme meiner schlanken Beine und idiotisch-herzigen Aussprüche, die mir der große Dramatiker in den Mund gelegt hat, zu betören…“ Im nächsten Abschnitt liest man: „Ein wenig betäubt und unsicher steht Loni vor dem Vorhang. Während sie sich schwankend aus ihrer Verbeugung aufrichtet, begreift sie staunend, dass der jubelnde Beifall ihr gilt.“ Kein Wort darüber, wie sie ihre Rolle ausgefüllt, wie sie sich auf der Bühne gefühlt hat, was es nun war, das den Beifall ausgelöst hat. Ähnlich läuft es bei einem Gedichtvortrag auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung ab. Loni ist aufgeregt. „Könnte man nicht rasch totkrank werden, überlegt sie“. Wenig später nur die beiden Sätze: „Welch ein Wunder: Sie spricht, sie bewegt sich, sie lacht. Sie spielt ihre Gedichte ganz allein.“ Das ist mir etwas dürftig für ein Ereignis, das für sie derart wichtig war. Ein drittes Beispiel: In der Abschlussvorstellung darf Loni in „Der widerspenstigen Zähmung“ die Rolle „ihres Lebens“ spielen, das Käthchen. Da der Regisseur einen Selbstmordversuch unternimmt, ist die Truppe alleine auf sich gestellt, ein spannendes Unterfangen. Doch auch dieses ist Grün nur einen Satz wert: „Wenn Loni später zu erzählen versuchte, wieso es ihr damals gelang, das Käthchen an diesem Abend zu spielen, begnügte sie sich meinst mit dem kurzen Ausspruch: ‚Kinder, es war ein Wunder‘.“ Hier ausnahmsweise einmal Präteritum. Doch gleich geht es weiter im Präsens. Der überwältigende Beifall wird beschrieben, aber kein Wort darüber verloren, wie das Ensemble die Aufgabe meisterte. Ein wenig tröstlich ist am Schluss, dass sich die große(?) Liebe Lonis wieder einzurenken scheint. Mit meiner Kritik tue ich Lili Grün wahrscheinlich Unrecht. Unsere Lesegewohnheiten haben sich erheblich gewandelt. Die zeitgenössische Kritik war anscheinend recht wohlwollend. Und die Nazischergen haben sie der Möglichkeit beraubt, erstens ihre Werke zu überarbeiten und zweitens weitere hinzuzufügen. Wer weiß, was die Autorin noch zustande gebracht hätte, wären ihr noch 40 oder 50 Jahr vergönnt geblieben. Schriftstellerisches Potenzial ist auf jeden Fall erkennbar, am deutlichsten für mich in ihren Gedichten. Deshalb eben doch bewusst fünf Sterne in meiner Bewertung. Ich wünsche mir, dass Lili Grün weiter gelesen wird. Zum Glück wurde bereits ein Platz in Wien nach ihr benannt, wie Anke Heimberg am Schluss ihres Nachwortes mitteilt.

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