Lilian Faschinger

 4 Sterne bei 29 Bewertungen
Autor von Stadt der Verlierer, Wiener Passion und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Lilian Faschinger

Stadt der Verlierer

Stadt der Verlierer

 (9)
Erschienen am 01.02.2010
Wiener Passion

Wiener Passion

 (8)
Erschienen am 01.05.2008
Magdalena Sünderin

Magdalena Sünderin

 (6)
Erschienen am 01.06.2006
Die Unzertrennlichen

Die Unzertrennlichen

 (4)
Erschienen am 01.12.2014
Die neue Scheherazade

Die neue Scheherazade

 (0)
Erschienen am 01.12.2003

Neue Rezensionen zu Lilian Faschinger

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Rezension zu "Stadt der Verlierer" von Lilian Faschinger

Spiel der Doppelgänger
Ginevravor 2 Jahren

Emma Novak ist eine frischgebackene Detektivin in Wien. Ihr erster Fall klingt zunächst wenig spektakulär: eine Frau sucht ihren längst erwachsenen Sohn, den sie einst unter dem immensen Druck der unerbittlichen Familie zur Adoption freigab. Sie möchte ihn zu ihrem Teilhaber machen, und hofft, dass er ein angenehmes Leben bei der Adoptivfamilie hatte, die das Jugendamt empfahl.
Emmas detektivischer Einsatz wird zum Streifzug durch die skurrilsten Ecken der Wiener Gesellschaft.
Parallel dazu lernen wir Matthias kennen, einen jungen Mann ohne Arbeit, dafür mit einer Vorliebe für die Songs von Bruce Springsteen - und für Frauen jeglichen Alters. Eines Tages findet er den leblosen Körper einer Selbstmörderin - und verliebt sich zum ersten Mal...


Lilian Faschinger, geb. 1950, ist eine renommierte österreichische Schriftstellerin und Übersetzerin. Für den vorliegenden Roman erhielt sie 2008 den Friedrich-Glauser-Preis für den besten Kriminalroman.


Mich hat dieser Streifzug durch die menschlichen Abgründe - mit dem entsprechenden Wiener Schmäh gewürzt - sehr gut unterhalten! Besonders freute ich mich, Sissi Fux kennenzulernen, die junge Gerichtsmedizinerin, der Lilian Faschinger einen weiteren Kriminalroman gewidmet hat ("Die Unzertrennlichen"). Einige weitere Figuren haben in beiden Romanen kurze Gastrollen, was mich besonders gefreut hat.
Die verwirrende Lebensgeschichte und malade Psyche des Hauptprotagonisten Matthias ging mir ziemlich unter die Haut - dafür braucht man teilweise schon ganz schön starke Nerven...


Fazit: ein "urcooler" Kriminalroman, der die menschlichen Untiefen beleuchtet, und der außerdem voller Sarkasmus steckt! 5 von 5 Sternen.



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Rezension zu "Die Unzertrennlichen" von Lilian Faschinger

Mörderische Dreiecks- Beziehung
Ginevravor 2 Jahren

Sissi Fux ist eine junge, etwas schrullige Gerichtsmedizinerin, und neuerdings Erbin einer alten Mühle mitten im Kärtner Hinterland. Bei der Beerdigung ihres Vaters, einem Spät-Hippie und Alkoholiker, begegnet sie einigen unliebsamen Figuren aus ihrer Vergangenheit - und Stefan, in den sie sich sofort wieder neu verliebt.
Stefan hatte sich damals für Regina entschieden, Sissis bewunderte Freundin, die schön, talentiert und unwiderstehlich war... bis sie eines Tages spurlos im Golf von Sorrent verschwand.
Stefan scheint untröstlich darüber zu sein. Doch was geschah wirklich auf der idyllischen Insel? Sissi beschließt, dass es Zeit für einen kleinen Urlaub ist...


Lilian Faschinger, geb. 1950, lebt seit 1992 als Übersetzerin und Schriftstellerin im österreichischen Graz. Ihr Roman "Magdalena Sünderin" sorgte für Aufsehen, und ihr Kriminalroman "Stadt der Verlierer" erhielt 2008 den Friedrich-Glauser- Preis.


Mich hat dieser spannende, aus mehreren Perspektiven geschriebene Krimi sofort in Atem gehalten. Die Hauptfiguren werden vielschichtig und sehr lebendig dargestellt, mit Ecken und Kanten - nicht alle sind Sympathieträger, aber Sissi und ihre Lebensgefährtin Emma (die ich bereits in der "Stadt der Verlierer" kennenlernen durfte!) trafen genau meinen Nerv. 
Auch die Szenen in Italien sind wunderbar intensiv beschrieben!
Ich kann diesen interessanten Fall über mehrere Ecken, mit psychologischen Fallstricken nur empfehlen...

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Rezension zu "Wiener Passion" von Lilian Faschinger

Passion habe ich nicht empfunden
awogflivor 2 Jahren

Der Roman ist eine viel zu gemächliche Story, deren Rasanz zwar zum morbiden weinerlichen Schneckentempo des Wasserkopfs Wien passt, mich aber nur mittelmäßig begeistert hat.

Die junge Sängerin Magnolia Brown besucht die Stadt ihrer Vorfahren, um sich bei  Gesangsunterricht auf ihre Rolle der Anna Freud vorzubereiten bzw. ihre Lebensumstände kennenzulernen. Durch ein hundert Jahre altes in einer alten Truhe gefundenes Schriftstück, die Lebensbeichte der Rosa Hawelka, wird ihr und dem Leser das triste Schicksal der Dienstboten in der Kaiserzeit und die Lebensgeschichte ihrer eigenen Großmutter nähergebracht.

Lilian Faschinger kann und will sich einfach nicht entscheiden, welche Story sie wirklich erzählen will und das ist der Qualität des Romans meiner Meinung nach sehr abträglich, da sich der Inhalt des Romans in seinem Ziel und Zweck komplett in den beiden gleichberechtigen Erzählsträngen verliert. Welches Wien soll denn nun gezeigt näher thematisiert und analysiert werden? Jenes der Jahrundertwende, das die grauenhafte von Armut geprägte Lebensrealität der Dienstboten schildert oder jenes der xenophoben und misanthropen pseudofeinen eingesessenen Wiener Gesellschaft der Innenstadtbezirksbewohner (Nummern 01-09), die angesichts ihrer  diversen ausländischen Wurzeln aus der KUK-Zeit ganz dezent ihre Papalatur halten sollten?

Es ist unbenommen, dass Faschinger beide Gesellschaften sehr genau und pointiert beschreibt, wer glaubt, die Autorin entwirft klischeehaft irgendwelche Achetypen, dem sei gesagt, die sind wirklich so, sowohl um die Jahrhundertwende als auch jene in der Jetztzeit skizzierten Figuren. Wenn der Roman nach 2010 geschrieben worden wäre, käme auch noch die neuerdings grassierende BOBO-Attitüde der Innenstadtbezirke dazu. Diese Gesellschaftsbeschreibungen sind auch die eigentliche Stärke des Romans, aber die beiden Erzählstränge nehmen wahnsinnig viel Tempo aus der gesamten Geschichte und schaffen eine Distanz des Lesers zu den Figuren, die die Empathie und das Involvement mitunter komplett eindösen lässt.

Die Lebensbeichte der Rosa Haweka aus der Jahrhundertwende ist insofern informativ, da in der KuK Zeit unter den Dienstboten gar nix Heppi Beppi war, so wie man es in den Sissi-und anderen Filmen immer darstellte. Das wusste man zwar ohnehin,  aber dass die Dienstboten derart rechtelos waren, war mir bisher unbekannt. Ich dachte immer, die Bettgeher- Obdachlosen- und anderen Probleme trafen nur die ungelernten Arbeiter aber nicht das Dienstpersonal. Es existierte ein Dienstbotenkodex der jeglichem Missbrauch der "feinen" Herrschaft Tür und Tor öffnete: Hungern lassen, Gewalt, sexueller Mißbrauch, Ausgangsverbot bzw. eigentlich Freiheitsentzug, 20 stündige Arbeitszeiten, ... im Prizip war alles erlaubt. Die Einbindung von historischen Ereignissen in die Geschichte der Rosa Hawelka ist zwar ob der Zufälle etwas an den Haaren herbeigezogen, aber durchaus nicht ungelungen.

Auch in der Gegenwart wird ein gutes Psychogramm der Innen-Stadt und ihrer pseudofeinen Bewohner, die sich oft sogar aus den ehemaligen Dienstboten lukrieren, gezeichnet. Wien ist ..... wo sogar die Ausländer xenophob sind (Martin Mucha, Papierkrieg). Die bösartigen "anständigen" alten "Österreicher", von der arbeitenden Bevölkerung mittlerweile mit Höchstpensionen gesponsort, in den mietpreisgebundenen Kaiserzeitwohnungen in den Innenbezirken hausend und Nachmietern mit ihren knochigen Fingern horrende jurisitisch ungerechtfertigte Ablösen von zigtausenden Euro fordernd und selbstverständlich rechtspopulistisch wählend, weil ihnen die pösen Ausländer gar sooo viel angetan haben, sind meinen besten Freunden, die nach dem Studium in Wien geblieben sind, so oft untergekommen, dass man das nicht als Klischee sondern als Epidemie werten muss. Auch der im Roman beschriebene hypochondrische feine Mammasohn mit Hang zur Homöopathie hat mich derart oft in meinem Leben erfolglos angebraten, dass er nicht als Einzelfall gewertet werden kann.  Weiters gefällt mir auch die Tristesse mit der Wien und die Innenstatdtbezirke beschrieben werden, habe erst gestern wieder in einer Musikdokumentation gehört, dass Wien Anfang der 80er Jahre eine der rückständigsten grausten Städte Europas war, im Gegensatz dazu war Moskau hinter dem Eisernen Vorhang eine pulsierende Metropole. Auch das setzte sich so ca. bis Ende der 90er Jahre  in den Innenstadtbezirken außer dem 2. und dem 6. Bezirk fort, die feine WienStadt war ein greises Museum, das eigentliche Leben fand außerhalb des Gürtels und in Transdanubien statt.   

Fazit: Für mich wäre es am besten gewesen, die Autorin hätte sich auf eine Geschichte konzentriert und die andere nur nebenbei behandelt, so konnte sie beiden nicht ganz gerecht werden.

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