Wiener Passion

von Lilian Faschinger 
3,9 Sterne bei8 Bewertungen
Wiener Passion
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Inhaltsangabe zu "Wiener Passion"

Von Anfang bis Ende Musik
Die junge amerikanische Sängerin Magnolia Brown kommt nach Wien, um Gesangsunterricht zu nehmen. Sie bezieht ein Zimmer bei ihrer verschrobenen Tante Pia, die sie mit allerlei grausigen Wiener Spezialitäten bekanntmacht. Eines Tages entdeckt Magnolia in einer alten Truhe den Lebensbericht des Dienstmädchens Rosa Havelka, die Ende des 19. Jahrhunderts wegen Mordes zum Tode verurteilt wurde. Über der faszinierenden Lektüre vergisst Magnolia fast den Unterricht bei dem Gesangslehrer Joseph Horvath, einem empfindsamen und hochmusikalischen Hypochonder par excellence. Ein virtuoser Roman über das Wien der Jahrhundertwende und das heutige - und von Anfang bis Ende Musik.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423136624
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:560 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.05.2008

Rezensionen und Bewertungen

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    awogflis avatar
    awogflivor 2 Jahren
    Passion habe ich nicht empfunden

    Der Roman ist eine viel zu gemächliche Story, deren Rasanz zwar zum morbiden weinerlichen Schneckentempo des Wasserkopfs Wien passt, mich aber nur mittelmäßig begeistert hat.

    Die junge Sängerin Magnolia Brown besucht die Stadt ihrer Vorfahren, um sich bei  Gesangsunterricht auf ihre Rolle der Anna Freud vorzubereiten bzw. ihre Lebensumstände kennenzulernen. Durch ein hundert Jahre altes in einer alten Truhe gefundenes Schriftstück, die Lebensbeichte der Rosa Hawelka, wird ihr und dem Leser das triste Schicksal der Dienstboten in der Kaiserzeit und die Lebensgeschichte ihrer eigenen Großmutter nähergebracht.

    Lilian Faschinger kann und will sich einfach nicht entscheiden, welche Story sie wirklich erzählen will und das ist der Qualität des Romans meiner Meinung nach sehr abträglich, da sich der Inhalt des Romans in seinem Ziel und Zweck komplett in den beiden gleichberechtigen Erzählsträngen verliert. Welches Wien soll denn nun gezeigt näher thematisiert und analysiert werden? Jenes der Jahrundertwende, das die grauenhafte von Armut geprägte Lebensrealität der Dienstboten schildert oder jenes der xenophoben und misanthropen pseudofeinen eingesessenen Wiener Gesellschaft der Innenstadtbezirksbewohner (Nummern 01-09), die angesichts ihrer  diversen ausländischen Wurzeln aus der KUK-Zeit ganz dezent ihre Papalatur halten sollten?

    Es ist unbenommen, dass Faschinger beide Gesellschaften sehr genau und pointiert beschreibt, wer glaubt, die Autorin entwirft klischeehaft irgendwelche Achetypen, dem sei gesagt, die sind wirklich so, sowohl um die Jahrhundertwende als auch jene in der Jetztzeit skizzierten Figuren. Wenn der Roman nach 2010 geschrieben worden wäre, käme auch noch die neuerdings grassierende BOBO-Attitüde der Innenstadtbezirke dazu. Diese Gesellschaftsbeschreibungen sind auch die eigentliche Stärke des Romans, aber die beiden Erzählstränge nehmen wahnsinnig viel Tempo aus der gesamten Geschichte und schaffen eine Distanz des Lesers zu den Figuren, die die Empathie und das Involvement mitunter komplett eindösen lässt.

    Die Lebensbeichte der Rosa Haweka aus der Jahrhundertwende ist insofern informativ, da in der KuK Zeit unter den Dienstboten gar nix Heppi Beppi war, so wie man es in den Sissi-und anderen Filmen immer darstellte. Das wusste man zwar ohnehin,  aber dass die Dienstboten derart rechtelos waren, war mir bisher unbekannt. Ich dachte immer, die Bettgeher- Obdachlosen- und anderen Probleme trafen nur die ungelernten Arbeiter aber nicht das Dienstpersonal. Es existierte ein Dienstbotenkodex der jeglichem Missbrauch der "feinen" Herrschaft Tür und Tor öffnete: Hungern lassen, Gewalt, sexueller Mißbrauch, Ausgangsverbot bzw. eigentlich Freiheitsentzug, 20 stündige Arbeitszeiten, ... im Prizip war alles erlaubt. Die Einbindung von historischen Ereignissen in die Geschichte der Rosa Hawelka ist zwar ob der Zufälle etwas an den Haaren herbeigezogen, aber durchaus nicht ungelungen.

    Auch in der Gegenwart wird ein gutes Psychogramm der Innen-Stadt und ihrer pseudofeinen Bewohner, die sich oft sogar aus den ehemaligen Dienstboten lukrieren, gezeichnet. Wien ist ..... wo sogar die Ausländer xenophob sind (Martin Mucha, Papierkrieg). Die bösartigen "anständigen" alten "Österreicher", von der arbeitenden Bevölkerung mittlerweile mit Höchstpensionen gesponsort, in den mietpreisgebundenen Kaiserzeitwohnungen in den Innenbezirken hausend und Nachmietern mit ihren knochigen Fingern horrende jurisitisch ungerechtfertigte Ablösen von zigtausenden Euro fordernd und selbstverständlich rechtspopulistisch wählend, weil ihnen die pösen Ausländer gar sooo viel angetan haben, sind meinen besten Freunden, die nach dem Studium in Wien geblieben sind, so oft untergekommen, dass man das nicht als Klischee sondern als Epidemie werten muss. Auch der im Roman beschriebene hypochondrische feine Mammasohn mit Hang zur Homöopathie hat mich derart oft in meinem Leben erfolglos angebraten, dass er nicht als Einzelfall gewertet werden kann.  Weiters gefällt mir auch die Tristesse mit der Wien und die Innenstatdtbezirke beschrieben werden, habe erst gestern wieder in einer Musikdokumentation gehört, dass Wien Anfang der 80er Jahre eine der rückständigsten grausten Städte Europas war, im Gegensatz dazu war Moskau hinter dem Eisernen Vorhang eine pulsierende Metropole. Auch das setzte sich so ca. bis Ende der 90er Jahre  in den Innenstadtbezirken außer dem 2. und dem 6. Bezirk fort, die feine WienStadt war ein greises Museum, das eigentliche Leben fand außerhalb des Gürtels und in Transdanubien statt.   

    Fazit: Für mich wäre es am besten gewesen, die Autorin hätte sich auf eine Geschichte konzentriert und die andere nur nebenbei behandelt, so konnte sie beiden nicht ganz gerecht werden.

    Kommentare: 4
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    kleinechaotins avatar
    kleinechaotinvor 5 Jahren
    Eine amerikanische Sängerin, ein hypochondrischer Gesangslehrer und die Lebensbeichte einer Mörderin

    Das Buch "Wiener Passion" von Lilian Faschinger erzählt die Geschichte von Magnolia Brown, einer amerikanischen Sängerin, die von New York nach Wien kommt um Gesangsunterricht zu nehmen. Sie soll in einem Musical Anne Freud verkörpern und muss dazu ihre Stimme verbessern - ihrem Agenten John zufolge würde ihr dies am besten in Wien gelingen. Die junge farbige Amerikanerin findet bei ihrer schrulligen Tante Unterschlupf, welche jedoch in der Vergangenheit hängen geblieben ist.

    Als sie ihrem Gesangslehrer, Josef Horvath, erstmalig begegnet, fühlt sie sich verloren - was soll ihr dieser Hypochonder beibringen? Ihr erstmaliges Interesse an Wien wird durch ein Skriptum geweckt, dass sie in einer Truhe bei ihrer Tante findet - ein fast hundert Jahre altes Skriptum, welches die Lebensbeichte der Gattenmörderin Rosa Havelka umfasst. Ihr stellt sich die Frage, wieso sich dieses Schriftstück im Besitz ihrer Tante befindet und auf der Suche nach einer Antwort beginnt sie zu lesen.

    In ihrer Zeit in Wien beginnt sie die Stadt, ihren Gesangslehrer und die Geschichte der Rosa Havelka kennenzulernen und sie beginnt ein neues Leben.

    "Wiener Passion" ist ein Roman von Lilian Faschinger, welcher drei Erzählperspektiven zu einer Geschichte zusammenfügt. Eine Sichtweise wird Magnolia zu Teil, der zweite Josef und die dritte umfasst das gefundene Skriptum. Der Schreibstil ist nicht der einfachste, nicht zu letzt durch die langen Sätze, die nicht selten über 5 Zeilen lang sind. Die ausführlichen Beschreibungen vermitteln dem Leser das Gefühl, Teil des Buches zu sein - man wird völlig davon eingenommen.

    Besonders die Geschichte von Rosa, deren Leben von Tiefen geprägt war und die sich nach jedem Hoch auf einen neuerlichen Tiefschlag einstellen musste, war für mich beklemmend.

    Am Ende des Buches erfährt man, wie Rosa Havelka mit Magnolia Brown verbunden ist und wie sich das gesamte Leben für Magnolia Brown verändern wird.

    Das Buch war ein Schmöker, der den Leser in eine andere Zeit und eine andere Kultur versetzte. Es war für mich definitiv ein Roman (wie es auch am Buch erkennbar ist), wer sich aufgrund von anderen Einordnungen einen Krimi erwartet, wird wahrscheinlich nicht glücklich werden.

    Ich würde das Buch jedem empfehlen, der sich einen niveauvollen Roman widmen möchte. Es ist allerdings keine leichte Lektüre - Freunden von Frauenromanen würde ich es nicht ans Herz legen.

    Kommentare: 3
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    Seraphicfeathers avatar
    Seraphicfeather
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    Girasole
    Novemberkind90s avatar
    Novemberkind90vor 5 Jahren
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    Rubinettevor 9 Jahren
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    Octopussyvor 10 Jahren
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    Monivor 10 Jahren

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