Auster und Klinge

von Lilian Loke 
4,1 Sterne bei33 Bewertungen
Auster und Klinge
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Auster & Klinge - knallpinker Untergrund mit knallorangem Herz - Liliane Loke begeistert mit Spannung und bösartiger Komik.

Kritisch (3):
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~ anstrengender und langweiliger Schreibstil ~ Klappentext verrät die komplette Handlung ~ für Kunstliebhaber interessant.

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Inhaltsangabe zu "Auster und Klinge"

Victor führt ein Doppelleben, als Hotelfachmann und Einbrecher. Als er wegen eines Bruchs im Gefängnis landet und von Frau und Tochter verstoßen wird, will er nach der Haft nur noch eines: Ein eigenes Restaurant eröffnen, um seine Familie zurückzugewinnen. Auch Georg hat zwei Identitäten, als Künstler einerseits und Erbe eines milliardenschweren Schlachtkonzerns andererseits. Doch Georg rührt seinen Erbteil nicht an, hasst die barbarischen Produktions- und Arbeitsbedingungen nicht nur in der familieneigenen Firma genauso, wie er den Kunstbetrieb verachtet: Er will die Gesellschaft mit radikalen Kunstaktionen aufrütteln – mit Aktionen, die wehtun.
Als Victor zufällig bei Georg unterkommt, treffen sie eine Abmachung: Victor bringt Georg das Einbrechen bei. Dafür erhält er von Georg das Kapital für sein ersehntes Restaurant. Der Plan scheint aufzugehen, bis Georgs Aktionen außer Kontrolle geraten …
Virtuos und mit bösartiger Komik erzählt Lilian Loke von einem riskanten Deal in einer erbarmungslosen Welt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406700590
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:313 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:15.02.2018

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Rezensionen und Bewertungen

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    Katis-Buecherwelts avatar
    Katis-Buecherweltvor einem Monat
    Kurzmeinung: ~ anstrengender und langweiliger Schreibstil ~ Klappentext verrät die komplette Handlung ~ für Kunstliebhaber interessant.
    Hier hat die Chemie zwischen dem Buch und mir von Anfang an nicht gepasst.

    Klappentext:
    Victor führt ein Doppelleben, als Hotelfachmann und Einbrecher. Als er wegen eines Bruchs im Gefängnis landet und von Frau und Tochter verstoßen wird, will er nach der Haft nur noch eines: Ein eigenes Restaurant eröffnen, um seine Familie zurückzugewinnen. Auch Georg hat zwei Identitäten, als Künstler einerseits und Erbe eines milliardenschweren Schlachtkonzerns andererseits. Doch Georg rührt seinen Erbteil nicht an, hasst die barbarischen Produktions- und Arbeitsbedingungen nicht nur in der familieneigenen Firma genauso, wie er den Kunstbetrieb verachtet: Er will die Gesellschaft mit radikalen Kunstaktionen aufrütteln – mit Aktionen, die wehtun. Als Victor zufällig bei Georg unterkommt, treffen sie eine Abmachung: Victor bringt Georg das Einbrechen bei. Dafür erhält er von Georg das Kapital für sein ersehntes Restaurant. Der Plan scheint aufzugehen, bis Georgs Aktionen außer Kontrolle geraten … Virtuos und mit bösartiger Komik erzählt Lilian Loke von einem riskanten Deal in einer erbarmungslosen Welt.

    Zum Buch:
    Die Buchgestaltung gefällt mir sehr gut. Ich mag das auffallende Pink und die Kombination mit dem orangefarbenen Herz. Das Organ ist hervorgehoben und glänzend vom Hintergrund abgesetzt, welcher sich matt anfühlt. Der Schriftzug des Titels ist modern und fügt sich in das Gesamtbild perfekt ein. Unter dem Schutzumschlag fand ich einen weißen Einband und die ersten Seiten sind schwarz, ebenso die Titelbeschriftung am Buchrücken.

    Erster Satz:
    Ein Murmeln aus Dutzenden Mündern erfüllt das Callcenter, während Georg auf seinem Merkblatt herumkritzelt, stets lächeln beim Sprechen, Verständnis zeigen, Essverbot am Platz, Georg zeichnet Herzkranzgefäße, Aorta, Muskelgewebe mit schnellem, fließendem Strich quer über die schnörkellose Computerschrift.


    Meine Meinung:
    "Auster und Klinge" habe ich im Rahmen einer Leserunde gelesen und ich freute mich auf eine unterhaltsame und humorbespickte Gaunerstory. Was ich dann vorfand, war alles andere als eine witzige und leichte Kost. Ich musste mich zeitweise durch den Lesestoff quälen.

    Victor ist Hotelfachmann und sein Zweitjob Einbrecher. Als er wegen eines Einbruchs inhaftiert wird, verliert er seine Frau und seine 4-jährige Tochter. Nach seiner Entlassung plant er, ein eigenes Restaurant zu eröffnen und seine Familie zurückzugewinnen.
    Georg, ein wohlhabender Künstler provoziert die Gesellschaft durch radikalen Kunstaktionen und versucht sie somit aufzurütteln. Beide führen ein Doppelleben und als sie aufeinandertreffen, schmieden die Männer einen Plan. Victor soll Georg das Einbrechen beibringen und im Gegenzug erhält Victor von Georg die finanzielle Unterstützung für seinen Traum. Das dabei nicht alles wie geplant abläuft, ist vorprogrammiert.

    Ich brauchte zwei Anläufe dieses Buch zu lesen und spielte mehrfach mit dem Gedanken es abzubrechen, weil ich sowohl mit dem Schreibstil nicht zurechtkam und etwas völlig anderes erwartet habe.
    Lilian Lokes Schreibstil ist anspruchsvoll und mühsam zu lesen. Ich brauchte eine lange Zeit, um mich daran zu gewöhnen, und fand leider nicht in die Erzählung. Es folgten einige Erzählstränge und Umschreibungen, die langatmig waren und mich ermüdeten. Die Autorin nutzte immer wieder viele Aufzählungen von Begriffen, wie z.B. über das Essen, in anderen Worten formuliert, die teilweise bis zu einer Seite umfassten. Ich verstand den Hintergrund, was sie mir damit vermitteln wollte, doch das war mir zuviel des Guten und langweilte mich. Ich konnte während des Lesens keinen richtigen roten Faden finden, der mich durch die Geschichte führte.

    Die Charaktere waren speziell und ich konnte mich mit beiden nicht anfreunden. Georg wurde mir im Verlaufe des Buches immer unsympathischer durch sein Verhalten und seinen Aktivitäten. Eine Szene blieb mir dabei stark im Gedächtnis und schockierte mich über so viel Grausamkeit. Nach diesem Abschnitt konnte ich eine lange Zeit kein Schweinefleisch mehr essen. So furchtbar diese Handlung war, so sieht leider nicht Realität aus. Die Schriftstellerin ist schonungslos und ehrlich auf diese Aktivität eingegangen und das fand ich gut.
    Victor dagegen war mir eher gesonnen, auch wenn ich ihn nicht immer einschätzen und verstehen konnte. Er hatte einen Fehler begangen und wollte daraus lernen. Seine Entwicklung hab ich gerne verfolgt.

    Es dauert lange bis sich die Geschichte zu dem entfaltet, was der Klappentext verrät. Erst im letzten Drittel des Buches kommt es zu dem besagten Deal, auf was ich lange gewartet habe. Im Endeffekt hätte mir das Ende allein schon gereicht und der Umschlagtext beschreibt den gesamten Inhalt.
    Der Schluss hat mich überrascht, wie sich die Rollen der Protagonisten getauscht haben und einer der Charaktere sich von der Auster in die Klinge gestürzt hatte.

    Fazit:
    "Auster und Klinge" von Lilian Loke konnte mich nicht begeistern und ich quälte mich durch den Lesestoff. Erwartet habe ich eine Gaunerstory mit einer humorvollen Ader, wovon dieses Buch weit entfernt war. Hier hat die Chemie zwischen dem Buch und mir von Anfang an nicht gepasst. ~ anstrengender und langweiliger Schreibstil ~ Klappentext verrät die komplette Handlung ~ für Kunstliebhaber interessant. 

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    Miamous avatar
    Miamouvor einem Monat
    Kurzmeinung: Das Thema ist wichtig und braucht Platz in der Literatur! Für mich war das Buch aber nicht Fisch und nicht Fleisch...
    Kriminelle Energie trifft auf Kunst....

    Im Grunde ist dieses Buch ein Blickfang. Knallpink mit weißen Schriftzug und einem orangenen Herz. Und dann auch noch der Titel „Auster und Klinge“. Irgendwie passt da Alles und dann doch wieder Nichts. Genauso ist es mir am Ende dieser Lektüre gegangen. Mir war nicht ganz klar, was die Autorin mit diesem Buch wollte – es war, wie man so schön sagt, nicht Fisch und nicht Fleisch.

    Worum geht’s: Victor hat seine Haftstrafe abgesessen, nachdem er nach einer längeren Einbruchsserie geschnappt wurde. Wieder in Freiheit plant er mit einem Freund ein Restaurant zu eröffnen. Leider fehlt ihm das nötige Kleingeld. Zufällig trifft er auf Georg. Ein Künstler, der seine besten Tage scheinbar auch schon hinter sich hat. Aber Georg hat Geld und Georg würde von Victor gerne die Kunst des Einbrechens erlernen, denn er verfolgt ein bestimmtes Ziel, mit dem er die Menschen aufrütteln und zum Denken anstoßen will.

    Nun…letzteres ist Lilian Loke sicher gelungen. Sie packt ein Thema an, dass in der Literatur seinen Platz haben muss, denn sie kann es ganz ungekünstelt bringen, ohne dass sie dabei wertend wird. Sie hat dabei Szenen erstellt, die manchen das Grausen lehren. Auch darüber kann man streiten, ob es nun tatsächlich so notwendig ist. Ich selbst fand das nun nicht so schlimm, auch wenn ich mir wünsche niemals in so eine Situation zu kommen. Was mich mehr gestört hat, war, dass sie mit Georgs Idee so vage blieb. Den Satz, warum er das genau macht, sucht man vergebens. Als Leser kann man das nur erahnen, da lediglich Andeutungen gemacht werden, die aber dann wieder ein wenig verwischen und dann ist man sich plötzlich wieder unsicher.

    An sich wäre dieses eine Thema, das Georg betrifft schon groß genug, um ein ganzes Buch damit zu füllen. Dass Victor irgendwie eine Rolle mit hineinspielen muss ist auch klar, weil er Georg zeigt, wie er einbrechen muss. Victor bekommt dann allerdings so viel Platz, dass das eigentliche Thema zwischenzeitlich in den Hintergrund tritt. Plötzlich wird man mit Victors Vergangenheit, seinen Wünschen, seiner Familie und seiner kriminellen Ader konfrontiert, die nur bedingt die Handlung vorantreiben, was dann zur Folge hatte, dass ich mich in dem Buch ein wenig verloren habe. Was es mit Georg auf sich hat und warum er der Reiche von den beiden ist, löst sich erst sehr spät auf, obwohl es zwischendurch immer Anhaltspunkte gab.

    Was man der Autorin aber zu Gute halten muss, ist ihre Situationskomik, mit der sie einem durch das Buch lotst. Es gibt immer wieder Stellen, Begebenheiten, Handlungen, die einem doch das Schmunzeln ins Gesicht treiben und somit dieses „Verloren fühlen“ kurz ad acta schiebt. Sie holen einen dann wieder kurz zum Geschehen zurück, wenn es dann aber nicht bald Nachschub gab, dann war meine Konzentration schnell wieder dahin.

    Was mir auch noch äußerst schwerfiel, war das Einlesen in den Schreibstil. Ich fand diese vielen, manches Mal wirklich über eine Seite reichenden, Aufzählungen einfach nur mühsam und als ich den Dreh raushatte, habe ich mich auch öfter dabei erwischt, dass ich diese Aufzählungen nur quer gelesen habe. Ich denke nicht, dass ich dadurch etwas versäumt hätte.

    Alles in Allem finde ich, dass die Thematik des Buches eine wichtige ist und diese in der Literatur unbedingt sein muss. Im Fall von „Auster und Klinge“ wurde sie für mich aber von zu vielen Nebensächlichkeiten immer wieder in den Hintergrund gestellt. Zudem hat mir eben auch öfter gefehlt, dass die Autorin das Kind beim Namen nennt. Grundsätzlich brauche ich das nicht immer, aber so manches Mal wäre es in diesem Fall gut gewesen. Ich war einfach nicht die Leserin zu dem Buch, aber es gibt sie sicher :-)

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    suppenfees avatar
    suppenfeevor 5 Monaten
    eine schockszene jagd die nächste

    Durch einen glücklichen -  oder in diesem Fall vielleicht eher unglücklichen Zufall, lernen sich Viktor und Georg auf der Straße kennen.  Viktor ist eigentlich Hotelfachmann, hatte aber eine lukrative Karriere als Einbrecher, bis es eben einmal schiefging. Jetzt kommt er frisch aus dem Gefängnis. Zu Frau und Kind kann er ersteinmal nicht zurück. Aber Georg nimmt Viktor zunächst bei sich auf. Georg kommt aus einer Fleischerfamilie, hat reich geerbt, aber will mit dem Unternehmen nichts zu tun haben. Er ist Künstler und provoziert wo er nur kann. Die zwei ungleichen Männer gehen einen zweifelhaften Deal ein. Georg finanziert Viktor seinen lang gehegten Wunsch -  ein eigenes Restaurant – und der bringt ihm im Gegenzug bei, was einen erfolgreichen Einbrecher ausmacht. Alles für die Kunst.

     

    Lilian Loke hat mich mit diesem Roman zugleich fasziniert und schockiert. Die Handlung ist sehr einfallsreich, bietet viel Abwechslung und regt sicher auch zum Nachdenken an, gerade wenn es um Themen wie Massentierhaltung geht.  Die Bilder und Szenen sind manchmal sehr makaber, da kann man sich schonmal schütteln. Die Protagonisten haben vielschichtige Charaktere und trotz der etwas zweifelhaften Moralvorstellungen der beiden, konnte ich mich gut auf sie einlassen. Sie wirken nicht immer 100 % sympathisch, aber dafür „echt“.

    Der Schreibstil selbst hat mich durch die vielen Aufzählungen eher etwas auf Distanz gehalten, sodass ich nie längere Abschnitte am Stück lesen konnte, weil es mir dann zu viel wurde. Jedoch macht das Buch durch seine bissigen Dialoge trotzdem Spaß zu lesen. Insgesamt eine sehr intensive und wirklich keine leichte Kost.  

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    EsthersBuechers avatar
    EsthersBuechervor 6 Monaten
    Eine Geschichte, die zum Nachdenken bringt

    Der Einstieg in ein neues Buch ist oft nicht einfach. Man muss Geduld haben und hoffen, dass der Punkt bald kommt, an dem man sich beim Lesen richtig wohl fühlt und nicht mehr aufhören möchte. Es ist wohl so ähnlich, wie für einen Einbrecher in ein unbekanntes Haus einen Weg zu finden. Und obwohl der Vergleich gerade zu diesem Buch sehr gut passt, hatte ich mit Lilian Lokes neuem Roman überhaupt keine Einstiegsprobleme. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich engagiert, hatte Interesse an der Geschichte und an den Charakteren.

    Das liegt wahrscheinlich daran, dass Lilian Lokes Schreibstil sehr gut zu meinen Gedankengängen passt. Sie wandert oft innerhalb eines Absatzes oder Satzes in eine andere Zeit ab, fängt in der Gegenwart an, um dann eine mehrere Jahre zurückliegende Erinnerung zu erzählen. Das kann verwirrend sein, ich habe mich dabei jedoch wie zuhause gefühlt.

    Auch das Thema hat mich angesprochen. Zwei sehr unterschiedliche Lebenswege kreuzen sich eines Tages in Frankfurt. Victor ist ein Einbrecher, der viele Jahre lang unbestraft davonkam, bis er einmal geschnappt wurde und ins Gefängnis kam. Er hat nun seine Strafe abgesessen und wünscht sich nichts sehnlicher, als seine Frau und Kind zurückzugewinnen und ein Restaurant zu eröffnen. Georg ist Maler, Aktionskünstler, Erbe eines milliardenschweren Fleischunternehmens, der die negative Auswirkungen der Globalisierung nicht tatenlos hinnehmen kann.

    Als die beiden sich treffen, gründen sie ziemlich schnell eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft (wer würde denn schon einen Einbrecher bei sich einquartieren?). Ihre Beziehung Freundschaft zu nennen wäre zu viel gesagt, aber sie kommen gut miteinander aus – zumindest bis Georg eine ungewöhnliche Bitte hervorbringt. Die beiden schließen einen Pakt, von dem sie beide zu profitieren hoffen.

    Dass sich schließlich alles zum Schlechten wendet, liegt vielleicht an der Naivität Georgs, der daran glaubt, dass er mit seinen tollkühnen Aktionen die Augen der Menschen öffnen kann. Er greift Themen der globalisierten Wirtschaft auf: Kinderarbeit, Ausbeutung, Armut und Elend. Er will erreichen, dass die Menschen ihr Verhalten ändern und endlich hinschauen und will nicht wahrhaben, dass seine Provokationen wirkungslos sind. Sind wir tatsächlich so abgestumpft? So faul? So desinteressiert? So egoistisch? Der Roman gibt darauf eine nur halbwegs hoffnungsvolle Antwort.

    Der idealistische Georg erinnert mich an mich selbst als Jugendliche, als ich noch an Revolutionen geglaubt habe. Ich war damals überzeugt davon, dass Menschen in der Unterdrückung stark genug sind, ihre Situation zum Guten zu wenden. Ich dachte, dass das Gute immer gewinnen muss, wir brauchen nur Zusammenhalt und Leidenschaft und einen gemeinsamen Willen. Heute glaube ich nicht mehr daran. Nach und nach habe ich gemerkt, dass die Welt anders funktioniert. Dass immer die Recht haben, die über Macht oder Geld (oder meistens beides) verfügen. Und dass man nicht viel dagegen tun kann.

    Aber nicht nur in Romanen gibt es Georgs, und eigentlich kann man auch ohne große Aktionen Gutes bewirken. Im Alltag mal ein faires Produkt kaufen, oder Produkte mit weniger Verpackung. Weniger Fleisch essen und auch sonst auf Zutaten achten und im Sinne der Umwelt eine Wahl treffen. Die Liste könnte man noch lange fortsetzen, und wenn ich mir das alles so durch den Kopf gehen lasse, stellt sich heraus, dass ich doch einiges richtig mache. Ob das reicht? Das wird mich auf jeden Fall noch beschäftigen.

    Auster und Klinge hat mich zum Nachdenken gebracht, ohne mich belehren zu wollen. Das Lesen hat mir Spaß gemacht, es war spannend und unterhaltend. Ein ziemlich perfektes Buch, ich werde in Zukunft definitiv nach den Büchern von Lilian Loke Ausschau halten.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein ungleiches Protagonistenpaar mit völlig verschiedenen Lebensentwürfen - eine unerwartete Gesellschaftskritik, die vollends überzeugt.
    Lilian Loke - Auster und Klinge

    Endlich wieder in Freiheit nachdem er wegen wiederholter Einbrüche im Gefängnis saß. Ein eigenes Restaurant ist der Traum von Victor, doch dafür benötigt er Geld und erst einmal muss er wieder auf die Füße kommen. Immerhin hat er bereits einen Job als Pizzafahrer. Bei einer Auslieferung in einem Bürokomplex lernt er zufällig Georg kennen, bei dem er auch vorläufig unterkommen kann. Georg ist Künstler – oder so etwas Ähnliches. An Geld scheint es ihm nicht zu mangeln, von den paar Stunden an der Volkshochschule kann er kaum leben. Es dauert bis Victor herausfindet, dass Georg Erbe eines großen Schlachtkonzerns ist, wo tagtäglich Tausende von Tieren getötet und weiterverarbeitet werden. Zu seiner Familie hat er nur selten Kontakt, zu sehr weichen seine Vorstellungen von jenen der Eltern und Geschwister ab. Georg finanziert Victors Traum vom eigenen Restaurant, doch dafür erwartet er auch eine Gegenleistung: Victor soll ihm beibringen, wie man in Häuser einsteigt. Nach dem Grund gefragt, antwortet er ausweichend, eine Art Kunstprojekt oder Installation. Bald schon wird die ganze Stadt davon wissen.

    So wie die beiden Begriffe im Titel des Buchs – Auster und Klinge – schon nicht zusammen zu passen scheinen, so muten auch die beiden Protagonisten wie ein unmögliches Paar an: einerseits der wohlhabende und kunstaffine Georg, der es sich dank der finanziellen Rücklagen leisten kann, keinen Job wirklich machen zu müssen und sich um größere Dinge als die eigene Existenz Sorgen machen zu können. Auf der anderen Seite Victor, der als ehemaliger Häftling ganz am unteren Ende der Nahrungskette steht, dessen Frau ihn nicht mehr sehen möchte und der auf jeden Cent angewiesen ist, was eine gewisse Flexibilität bei der Jobwahl erzwingt.

    So wie die Auster ein Luxusgut darstellt, das höchsten Genuss verspricht, ist die Klinge eher das zerstörerische Werkzeug oder eine Waffe. Der Titel erklärt sich durch das Buch nicht, weist aber durchaus durch seine surreale Verbindung der beiden Begriffe den Weg zur anarchistischen Kunst- und Weltauffassung Georgs, der die vorherrschenden Werte in Frage stellt.

    Lilian Loke reißt gleich mehrere gesellschaftskritische Fragen in ihrem Roman an, obwohl dieser keineswegs so dramatisch ernsthaft daherkommt, wie es die Thematik nahelegen könnte. Ganz im Gegenteil, er ist voller Leben, bisweilen gar komisch und von einem überzeugend leichten Erzählton geprägt. Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, inwieweit unsere Gesellschaft bereit ist, Straftäter wieder in ihrer Mitte aufzunehmen, ihnen eine Chance zu geben und die Fähigkeiten über die Straftat hinaus sehen zu wollen. Zum anderen die Massentierhaltung und die Ausbeutung asiatischer Arbeiter, die für kaum einen Dollar am Tag unsere Kleidung zusammennähen, was von Georg drastisch angeprangert wird. Wir wissen alle um diese Dinge, verschließen nur zu gerne die Augen und es benötigt solche Aktionen oder tragische Unglücke, um uns tatsächlich damit auseinanderzusetzen – was jedoch noch lange keine Verhaltensänderung bewirkt.

    Ein bemerkenswerter Roman, der nicht nur durch seine inhaltliche Relevanz überzeugt, sondern vor allem das schriftstellerische Potenzial der Autorin unter Beweis stellt. „Auster und Klinge“ ist erst ihr zweiter Roman, man darf auf die folgenden gespannt sein.

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    StefanieFreigerichts avatar
    StefanieFreigerichtvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Heftig und heftig gut. Über Verantwortung, Gier, Widerstand. Dennoch für stabile Mägen (u.a. Metzgermilieu)
    Was wollen wir wirklich wissen? Erwartungshaltung: heftig. UND heftig gut

    Was wollen wir wirklich wissen?
    Erwartungshaltung: heftig. UND heftig gut

    Treffen sich zwei Männer in einer Bar. Nein, kein Beginn eines Witzes, sondern der eines wilden Ritts, denn Georg und Victor haben natürlich auch eine Vorgeschichte. Victor ist frisch aus dem Knast, dreizehn Monate für die erste Tat, zumindest die erste, bei der er erwischt wurde. Einbrecher ist er, kein Räuber, das ist ihm wichtig. Jetzt hat er Ärger mit Ehefrau Sina, die nichts ahnte, und braucht eine Wohnung. Georg bietet ihm spontan Obdach. Ein erfolgreicher Maler war er, dann lieber...was? Aktionskünstler? Victor träumt von einem eigenen Restaurant. Und Georg bietet ihm einen Deal an, wenn, ja wenn er ihm das Handwerk beibringt.

    Dieses Buch ist der absolute Hammer, wenn man es lässt. Dafür sollte man sich von den beiden Männern abholen lassen auf Ebene ihrer Moralvorstellungen, sich einfach darauf einlassen können, und nicht von Beginn an sagen: Der lügt oder der hat gestohlen. Ein anständiger Erwachsener würde ja auch Pipi Langstrumpf nicht allein wohnen lassen, als Geschichte hingegen akzeptiert er genau das. Dazu ist einiges am Text etwas drastisch. Georg hat Metzger gelernt, und er berichtet. Das wird nicht, sorry für das Wortspiel, ausgeschlachtet, aber sachlich beschrieben. Nun bin ich kein Vegetarier, aber schon der Ansicht, dass man sich dessen bewusst sein sollte,was man da isst. Das scheint auch die Ansicht von Georg zu sein, allerdings ziehen er und ich daraus unterschiedliche Konsequenzen.

    "Auster und Klinge" ist ein anspruchsvoller Roman mit grandios bildhafter Sprache, jedoch setzt Autorin Lilian Loke diese oft mit bissigem Zynismus ein und mit überbordenden Beschreibungsketten, man kann es willkürlich herausgreifen: "Sie waren beide grimmige Kinder, zu alt für ihr Alter ..." S. 198 oder "Werd endlich erwachsen, Doro, dir fehlt es an Reife - ehrlich, was ist Reife schon anderes als ein Zustand kurz vor der Fäule?" S. 190. Loke ist bissig, ihr Georg will, dass die Menschen genau hinsehen, auch wenn es wehtut - und somit schreibt auch seine Schöpferin oft so, da, wo es um Georgs Aktionen geht. Damit wirkt er, der ewige Protestler, weniger vernünftig als der gewohnheitsmäßige Einbrecher mit seiner Moral. DAS muss man erst einmal hinbekommen!

    Sehr unterhaltsam, als Krimileser empfand ich die Drastik logischerweise weniger = 5 Sterne Was für ein verrücktes Zeug!!

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    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor 6 Monaten
    Ein intensiver, bildhafter Stil, aber es steigert sich zu einer Spirale, die auch schockiert

    2 Menschen, 2 Männer. Einer verurteilter Straftäter, ein Einbrecher. Einer ein Künstler, ein Sohn reicher Eltern. Sie begegnen sich zufällig und dann verbinden sich ihre Leben, durchweben sich.
    Da die Autorin auch Kunstgeschichte studiert hat, wie man im Buch aus den Angaben zu ihr erfährt, spiegelt sich dieses Wissen meiner Meinung nach auch in der Figur des Künstlers wieder. Seine Gedanken um die Kunst, die Vermarktung, deren Darstellung, die Kunstszene, das wurde sehr lebendig dargestellt und hat mir sehr gefallen.
    Auch der Stil des Buches, besonders wieder wenn die Figur Georg, der besagte Künstler, beschrieben wird, gefiel mir. Es war manchmal eine Aneinanderreihung von Adjektiven und die Autorin schafft so für mich eine unheimlich intensive und lebendige Atmosphäre.
    Die zweite Hauptfigur im Buch Viktor, der eigentlich Hotelfachmann ist und im Gefängnis saß, weil ein Einbrüche verübte, wird sehr gut einführt und intensiv beleuchtet. Aber mir fehlte bei ihm das Intensive Empfinden beim Lesen, das ich bei Georgs Perspektive hatte.
    Aber ich muss sagen, das ändert sich durchaus im Laufe des Buches und die Figuren machen für mich eine Art Metamorphose durch und dann entpuppen sie sich wirklich.
    Was mir klar fehlt, ein pinkfarbenes Lesebändchen wäre toll gewesen. Das Cover, der Umschlag mit dieser intensiven fast neonartigen pinken Ausstrahlung, das haptische Empfinden, wenn man den Umschlag streichelt und bemerkt, dass man mit den Fingern die Herzkranzgefäße erfühlen kann, das ist ein absoluter Hingucker.
    Anfangs war ich begeistert vom Stil des Buches. Dieses Aneinanderreihen von Wörtern, eine Aufzählung von Adjektiven, die das Lesen so lebendig gestaltet hat. Dann spürt man die ersten Szenen, auch diese wieder sehr gut dargestellt, weil einfach plötzlich neue Personen auftauchen, deren Rolle man erst danach ergründen kann. Die Szenen, die nun im Buch hervorkommen, die sind z.T. wirklich heftig zu lesen, auch blutig und mir doch etwas zu detailliert und manchmal auch zu brutal.
    Es wirkt auf mich wie eine Art Spirale, die sich immer weiter zuspitzt. Auch wie eine Art Verwandlung der Figuren. Die Autorin verpackt in die Kunstaktionen und Gedanken von George auch immer wieder Kritik, an Massentierhaltung, Arbeitsbedingungen, Konsum. Insofern regt das Buch auch zum Nachdenken an und durch die Darstellung der Szenen, ist es manchmal schon sehr drastisch und hallt nach, bleibt dem Leser im Gedächtnis.
    Der Stil der bekommt 5 Sterne, einen Punkt ziehe ich aber ab, weil ich die Szenen nicht lesen möchte, diese blutigen Szenen, das war mir zu viel.
    Ein intensiver, bildhafter Stil. Absolut fesselnd zu lesen, der aber dann zu einer Spirale ansteigt und den Leser mitzieht und auch schockiert.

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    Laurie8s avatar
    Laurie8vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Der Roman mit seinen Charakteren und dem phänomenalen Schreibstil ist eine Wucht und unbedingt lesenswert!!!
    Ein wahnsinns Roman

    In Lilian Lokes Roman „Auster und Klinge“ geht es um zwei Männer die sich zufällig über den Weg laufen. Victor, der gerade wegen Einbruch und Körperverletzung im Gefängnis saß, bekommt von Georg das Angebot bei ihm zu wohnen. Georg, ein Künstler der mehr schlecht als Recht durchs Leben kommt, ist einer der Erben des milliardenschweren Schlachtkonzerns seiner Eltern. Die beiden Männer haben nichts gemeinsam und gehen doch einen Deal ein. Victor braucht Georgs Geld um endlich seriös zu werden, seinen Traum vom eigenen Restaurant zu verwirklichen und somit seine Familie zurück zu gewinnen. Und Georg braucht Victors kriminelle Fähigkeiten und Kontakte um seine skurrilen Kunstaktionen durchziehen zu können. Beide geraten dadurch immer mehr hinein in einen Strudel aus Gewalt, Misstrauen und Zerstörung.

    Der Autorin ist ein phänomenaler Roman gelungen, der mich sehr mitgerissen und begeistert hat. Ihre Sprache ist eine Wucht und manchmal hatte ich Angst dem hohen Niveau nicht folgen zu können. Doch sie schafft es einen Schreibstil zu kreieren der perfekt zwischen Obszönität und Einfachheit und einem unglaublich gesellschaftskritischen Stil auf hohem Niveau wechselt, dass man als Leser mental gefordert wird und aber auch immer wieder kleine Pausen eingeräumt bekommt. Mit Victor und Georg hat sie zwei tolle Charaktere entworfen, die sich im Laufe des Romans immer weiter entwickeln, wodurch sich die Sympathien mal zum einen, mal zum anderen verschieben. Sie beschreibt viele Situationen (speziell das Schlachten bleibt mir wohl für immer in Erinnerung) derart schonungslos und detailgetreu dass einem fast der Atem stockt. Dabei bezieht sie nie Stellung für eine Seite, sie schreibt einfach wie es ist und das tut sie extrem gut!

    Ich habe es sehr genossen das Buch zu lesen und kann es uneingeschränkt weiter empfehlen!

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    Nils avatar
    Nilvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein toller Roman, dem ich es wünsche vielfach gelesen zu werden, denn er hat eine tiefe Botschaft an uns alle – aber vorsicht: bissig!
    Wie ein Rausch liest es sich weg!

    Zwei Männer, die verschiedener nicht sein können, prallen hier aufeinander und bleiben aneinander haften. Ein Einbrecher, der frisch aus dem Knast kommt, Victor und ein verwahrloster Künstler entsprungen aus einer reichen Schlachterfamilie, Georg. Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Frankfurt am Main und Umgebung geben dafür die richtige Kulisse her, wie die beiden Protagonisten, ist auch die Stadt in sich zerrissen.

    Die Autorin Lilian Loke arbeitet in 'Austern und Klinge' die Ambivalenz und die Zwiespältigkeit eines jeden Menschen heraus. Egal wo man her kommt, egal wie man lebt, egal was man tut, sie hält uns einen Spiegel vor und zeigt uns: Jeder dreht sich die Wahrheit so hin, dass es einem persönlich passt und echte Rücksicht gibt es nicht. Der Mensch ist ein Tier in seinem Erhaltungsdrang und seiner Verteidigung. In mir hat sich ein Unwohlsein breit gemacht, Lilian Loke schafft es den Finger in die Wunde zu legen.

    Insgesamt ist der Ton des Romans düster und beklemmend, aber auf eine wachrüttelnde gute Art. Wie beispielsweise auf Seite 201: „Glückliche Menschen sind meist friedfertig, aber was ist Glück anderes als der kurze Moment von Euphorie und Wunschlosigkeit, bevor er in Langeweile und neues Verlangen umschlägt.“

    Die Sprache ist einerseits philosophisch tief und doch zugleich so alltäglich, dass das Lesen ein leichte ist und man einfach abtauchen kann. Ich habe die letzten 2/3 auf dem Flughafen sitzen in einer lärmenden Menschenmenge verschlungen und es störte nicht, der Text hat mich in sich hineingezogen.

     

    Fazit: Ein toller Roman, dem ich es wünsche vielfach gelesen zu werden, denn er hat eine tiefe Botschaft an uns alle – aber vorsicht: bissig!

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    milkysilvermoons avatar
    milkysilvermoonvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein besonderer Roman, der vor allem mit seinem Schreibstil und einer kreativen Grundidee überzeugen kann
    Ein (un)moralisches Angebot

    Jahrelang hat Victor Ellischer ein Doppelleben geführt. Neben seinem Job als Hotelfachmann hat er seiner Frau Sina und seiner Tochter Kim verschwiegen, dass er regelmäßig als Einbrecher unterwegs war. Doch seine kriminellen Machenschaften flogen auf, als er von der Polizei erwischt wurde und ins Gefängnis musste. Endlich ist Victor wieder frei und hat nur noch ein Ziel: ein eigenes Restaurant, mit dem er seine Familie zurückgewinnen will. Kurz nach der Haft trifft er auf Georg Bercking und sein Wunsch scheint sich bald zu erfüllen. Der 43-jährige Künstler ist Erbe eines milliardenschweren Schlachtkonzerns und will mit radikalen Kunstaktionen auf das aufmerksam machen, was in dieser Welt schiefläuft. Der Aktivist will nun einen Schritt weiter gehen. Er schlägt Victor einen Deal vor, der zu verlockend ist, um ihn abzulehnen: Er bringt Georg das Einbrechen bei. Im Gegenzug finanziert dieser ihm das gewünschte Restaurant. Dann gerät alles außer Kontrolle…

    „Auster und Klinge“ ist ein ungewöhnlicher Roman von Lilian Loke.

    Meine Meinung:

    Das Buch besteht aus drei Teilen, die wiederum in einzelne Kapitel untergliedert sind. Erzählt wird hauptsächlich aus der Perspektive von Victor und Georg, allerdings auch aus der mehrerer weiterer Personen. In die Kapitel eingebettet sind immer wieder Rückblenden.

    Der Schreibstil ist außergewöhnlich und konnte mich begeistern. Die Sprache ist bildhaft und eindringlich. Immer wieder wird das Motiv des Herzens im Text aufgegriffen. Auch andere Metaphern tauchen auf. Allerdings müssen die Seiten aufmerksam gelesen werden. Auffällig ist auch, wie schonungslos und detailliert selbst unangenehme Dinge geschildert werden.

    Dass ich etwas gebraucht habe, um in die Geschichte zu finden, liegt aber nicht nur an dem besonderen Stil des Romans. Denn die eigentliche Handlung nimmt erst nach etlichen Seiten an Fahrt auf, sodass es eine Weile gedauert hat, bis mich das Buch auch inhaltlich fesseln konnte.

    Das hängt damit zusammen, dass sich die Autorin viel Zeit nimmt, um die beiden Hauptprotagonisten und deren Vergangenheit ausführlich vorzustellen. Die zwei Antihelden werden dadurch authentisch und in all ihren Facetten beschrieben, die Charaktere erhalten Tiefe. Victor, der seit dem Teenageralter immer wieder geklaut hat, sich nun aber für seine Familie bessern will, war mir dabei sympathischer als Georg, dessen Motive ich zwar aller Ehren wert finde, dessen Verhalten ich aber in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehen konnte. Beide Charaktere haben das Potenzial zu polarisieren. Auch die Nebenfiguren sind interessant.

    Vor allem in den beiden letzten Teilen des Romans wird es spannend, sodass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Hier wird die Handlung komplexer und bleibt dennoch bis zur letzten Seite absolut schlüssig. Auch das Finale ist nach meiner Meinung stimmig.

    Gut gefallen hat mir auch, dass in dem Roman viel Gesellschaftskritik steckt. Georg prangert diverse Missstände wie Ausbeutung von Arbeitern, Umweltverschmutzung, Kinderarbeit, übermäßiger und unreflektierter Konsum und vieles mehr an. Dadurch regt die Geschichte zum Nachdenken an.

    Die Gestaltung des Covers mit der ungewöhnlichen Farbkombination, bei der das Herz-Motiv ebenfalls thematisiert wird, erregt Aufmerksamkeit und trifft meinen Geschmack. Auch der Titel ist passend gewählt.

    Mein Fazit:

    „Auster und Klinge“ von Lilian Loke ist ein besonderer Roman, der vor allem mit seinem Schreibstil und einer kreativen Grundidee überzeugen kann. Er hat mir unterhaltsame Lesestunden bereitet.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    abas avatar

    "Wenn du Superkräfte hättest, würdest du den Helden spielen oder sie nur zu deinem Vorteil nutzen?"

    Wer träumt nicht von dem Tag, an dem alle Probleme und Sorgen einfach so verschwinden? Wer wünscht sich nicht, plötzlich das große Los zu ziehen und es allen endlich zu zeigen? Als Victor und Georg sich zum ersten Mal begegnen, ahnen sie nicht, dass dieses zufällige Treffen ihr Leben komplett verändern wird. Es fühlt sich wie ein Lottogewinn an und sie wittern dabei ein Riesengeschäft – Das Leben könnte wirklich großartig sein!
    Lilian Loke überrascht mit ihrem zweiten Roman "Auster und Klinge" und macht definitiv süchtig nach mehr! Möchtet ihr erfahren warum? Dann solltet ihr unbedingt bei unserer Leserunde zu "Auster und Klinge" mitmachen!

    Zum Inhalt
    Victor führt ein Doppelleben, als Hotelfachmann und Einbrecher. Als er wegen eines Bruchs im Gefängnis landet und von Frau und Tochter verstoßen wird, will er nach der Haft nur noch eines: Ein eigenes Restaurant eröffnen, um seine Familie zurückzugewinnen. Auch Georg hat zwei Identitäten, als Künstler einerseits und Erbe eines milliardenschweren Schlachtkonzerns andererseits. Doch Georg rührt seinen Erbteil nicht an, hasst die barbarischen Produktions- und Arbeitsbedingungen nicht nur in der familieneigenen Firma genauso, wie er den Kunstbetrieb verachtet: Er will die Gesellschaft mit radikalen Kunstaktionen aufrütteln – mit Aktionen, die wehtun. Als Victor zufällig bei Georg unterkommt, treffen sie eine Abmachung: Victor bringt Georg das Einbrechen bei. Dafür erhält er von Georg das Kapital für sein ersehntes Restaurant. Der Plan scheint aufzugehen, bis Georgs Aktionen außer Kontrolle geraten … Virtuos und mit bösartiger Komik erzählt Lilian Loke von einem riskanten Deal in einer erbarmungslosen Welt.

    Bereit für eine spannende Leseprobe?

    Zur Autorin
    Lilian Loke, geboren 1985, studierte Englische Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Neuere deutsche Literatur und lebt in München. Ihr Debütroman "Gold in den Straßen" erschien 2015 und wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis und dem Tukan-Preis ausgezeichnet. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie u. a. das Literaturstipendium der Stadt München, das Werkstattstipendium der Jürgen-Ponto-Stiftung und der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Seit 2016 ist sie Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

    Zusammen mit C.H.Beck verlosen wir 20 Exemplare von "Auster und Klinge" unter allen, die erfahren möchten, wie Victors und Georgs gewagtes Abenteuer endet.
    Habt ihr Lust, euch über diesen aufregenden Roman in Rahmen einer Leserunde auszutauschen und im Anschluss eine Rezension zu schreiben? Dann bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 21.02., und antwortet auf folgende Frage:

    Victor und Georg machen den Deal ihres Lebens.
    Mit wem würdet ihr einen ähnlichen Deal eingehen? Und warum gerade mit dieser Person?

    Auf eure Antworten bin ich sehr gespannt!
    Viel Glück
    !


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