Liliana Corobca

 3.2 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf von Liliana Corobca

Die moldawische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Liliana Corobca wurde 1975 in Saseni-Calarasi geboren. Sie hat mehrere Bücher über Literaturzensur im kommunistischen Rumänien veröffentlicht. Im Herbst 2015 erscheint bei Zsolnay der Roman "Der erste Horizont meines Lebens". Corobca lebt in Bukarest.

Alle Bücher von Liliana Corobca

Der erste Horizont meines Lebens

Der erste Horizont meines Lebens

 (6)
Erschienen am 24.08.2015
Ein Jahr im Paradies

Ein Jahr im Paradies

 (0)
Erschienen am 01.04.2011
Die Zensur. Für Anfänger

Die Zensur. Für Anfänger

 (0)
Erschienen am 01.01.2014

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Rezension zu "Der erste Horizont meines Lebens" von Liliana Corobca

Die vergessenen Kinder
Schlehenfeevor 9 Monaten

„Der erste Horizont meines Lebens“ entführt den Leser nach Moldawien, das „Armenhaus“ Europas, wo Eltern ihre Kinder sich selbst überlassen, um im Ausland „langes Geld“ zu verdienen. So auch die Eltern der zwölfjährigen Cristina, die sich nun allein um Haus, Tiere und ihre zwei Brüder Dan und Marcel kümmern muss.

Was Cristina in Ich-Perspektive erzählt, ist wirklich erschütternd. Eine Kindheit hat sie kaum, viel zu früh lastet Verantwortung auf ihr, mit der sie nicht immer umgehen kann. Eigentlich möchte sie auch nur von ihrer Mutter umarmt werden, doch sie muss für ihre Brüder stark sein. Erst wenn die Großmutter stirbt, werden die Eltern wohl wahrscheinlich auf einen Besuch in ihr moldawisches Dorf zurückkehren. Cristinas ist nicht die einzige elternlose Familie im Ort, so dass sich die elternlosen Kinder gegenseitig zu unterstützen versuchen, denn vom Staat und der Gesellschaft werden sie es nicht.

Das Buch gefiel mir vor allen Dingen wegen der erschütternden Wahrheit, auf die es aufmerksam macht. Moldawien, am Rand Europas, zählt zu den großen Verlierern nach dem Untergang des Kommunismus.

Der Schreibstil sowie der Aufbau des Buches waren dagegen ermüdend. Es gibt keine Kapitel, nur Abschnitte, in denen die verschiedensten Dinge thematisiert werden. Vor allem gegen Ende driftet die Erzählung dann ins Unglaubwürdige ab. Auch wenn ich den Aberglauben für möglich halte, wird es mir zu seltsam. An anderen Stellen wird dafür die Wahrheit durch den „unschuldigen“ Kindermund verkündet, z.B. zur allgegenwärtigen Korruption.
Die Ich-Erzählerin klingt vor allen Dingen nicht wie eine Zwölfjährige mit mangelnder Schulbildung klingt, dafür ist die Wortwahl oft zu komplex oder poetisch.

Trotzdem ist „Der erste Horizont meines Lebens“ ein lohnenswertes Buch, das mir das Schicksal der vergessenen Kinder Moldawiens nähergebracht hat.

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Rezension zu "Der erste Horizont meines Lebens" von Liliana Corobca

Das Leben der Zurückgelassenen
Schmiesenvor 2 Jahren

Inhalt:
Die 12-jährige Cristina lebt mit ihren wesentlich jüngeren Brüdern Dan und Marcel in einem kleinen moldawischen Dorf. Sie kümmert sich um alles: Erziehung, Haushalt, Schule. Denn die Eltern der drei Kinder sind im Ausland, der Vater in Russland und die Mutter in Italien, um "langes Geld" zu machen. Die Kinder sehen ihre Eltern höchstens einmal im Jahr. Und während Cristina die Ersatzmutter sein muss, plagen sie doch auch die ganz normalen Sorgen und Nöte einer Heranwachsenden.

Meine Meinung:
Die ersten zwei Drittel und das Ende des Buches haben mich absolut überzeugt. In kurzen Sequenzen wird ein Eindruck des Lebens in der kleinen Dorfgemeinschaft irgendwo im ländlichen Moldawien vermittelt. Man erfährt so einiges über die guten und die weniger guten, die hilfsbereiten und die geizigen Dorfbewohner, und das alles durch die Augen von Cristina.
Doch für eine 12-Jährige hat mir das Mädchen ab und an einfach zu philosophische Gedanken, bei denen ausdrücklich betont wird, dass sie von ganz alleine darauf gekommen ist. Die Ausführungen an sich fand ich sehr schön, jedoch unrealistisch und unglaubwürdig bei einem so jungen Mädchen. Hier nur ein Beispiel: "Wenn man zu lernen beginnt, bekommt man die Antworten für allerlei Situationen fertig geliefert, von hier bis hier, aber das Leben hat keine genauen Grenzen, und weil nicht alle Menschen oder Tiere nach den gleichen Regeln funktionieren, entstehen Probleme, so etwas wie Löcher in der Kommunikation. Die Menschen denken nicht mehr, sondern lernen Antworten auswendig."
Im letzten Drittel des Buches nehmen diese Darstellungen leider Überhand, die Geschichte nimmt einen merkwürdigen, irgendwie unpassenden Schwenk ins Mystische. Ab diesem Punkt waren die Ereignisse für mich nicht mehr wirklich nachvollziehbar. Entschädigt wurde ich dann jedoch mit einem sehr berührenden Ende, das die Quintessenz des Buches wunderbar zusammenfasst: Egal, wie oft sich Cristina einredet, auch ohne ihre Eltern leben zu können, am Ende ist sie doch nur ein Mädchen voller Sehnsucht und dem unbedingten Wunsch, geliebt zu werden.

Fazit:
Ein schönes Buch, das nur im letzten Drittel schwächelt. Liliana Corobca gelingt es aber im Großen und Ganzen, eine mir bisher nicht bekannte Problematik - die Armutsabwanderung der Eltern in der Hoffnung auf gut bezahlte Arbeit im Ausland und das Zurückbleiben der Kinder "an den Rändern Europas" - belletristisch gekonnt zu verarbeiten und ein Gefühl für die harte Lebensrealität dieser Zurückgelassenen zu vermitteln. Daher von mir 3,5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Rezension zu "Der erste Horizont meines Lebens" von Liliana Corobca

Erschütternder Lesestoff
leserinvor 3 Jahren

Das Buch zeigt eine traurige Thematik auf. Kinder in Moldawien, die alleine zurechtkommen müssen, während ihre Mütter und teilweise auch die Väter im Westen arbeiten.
Hier geht es um die kleine Cristina, die  in einem kleinen Dorf lebt und sich um ihre zwei jüngeren Brüder kümmern muß.
Sie kocht, putzt, füttert Schweine und Hühner, tröstet - sie hat die Aufgabe ihrer Eltern zu übernehmen, während die Mutter in Italien andere Kleinkinder hütet.
Besuche der Eltern sind selten.  
Ein wöchtlicher Anruf aus der Ferne ist die Freude und der Trost der Geschwister.

Die einzige Hoffnung für Cristina und ihre Brüder ist der Tod der kränkelnden Großmutter, weil dann kommt die Mutter zurück.
Ein erschütternder Lesestoff, kaum vorstellbar  und doch die Realität.

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