Lilli Klausen Allein aus Gnade

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Inhaltsangabe zu „Allein aus Gnade“ von Lilli Klausen

Wittenberg 1521. In der blühenden Renaissance-Stadt brodeln Gift und Feuer: Gerüchte gehen, der streitbare Reformator Martin Luther sei nach dem Reichstag zu Worms ermordet worden. Die Lutheranerin Elisabeth, Witwe des reichen Tuchhändlers Eckhard, will die Bluttat aufklären. Behilflich sind ihr dabei der Philosophiedozent Markus und der jüdische Malergeselle David. Während sie nach Luthers Mördern suchen, verwandeln Horden seiner Anhänger und Gegner die Stadt in ein Pulverfass. Bis in einer Dezembernacht ein Fremder auftaucht und sich seinen Freunden zu erkennen gibt: Es ist Luther, der zu seinem Schutz auf die Wartburg verbracht wurde, wo er die Bibel übersetzt. Elisabeths Bruder Konrad wird mit der Verbreitung einer Schrift betraut. Anderntags ist er tot …

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  • Rezension zu "Allein aus Gnade" von Lilli Klausen

    Allein aus Gnade

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. December 2008 um 18:19

    10. Dezember 1521. Martin Luther vollzieht den endgültigen Bruch mit der Katholischen Kirche, indem er auf Verbrennungen seiner Bücher mit der Verbrennung der Bulle sowie einiger Schriften der Scholastik und des kanonischen Rechts vor dem Wittenberger Elstertor antwortet. In Mitten dieser Geschehnisse treffen wir auf Elisabeth, die gemeinsam mit ihrem Gatten der Verbrennung beiwohnt und wenig später auf Thomas, ihren ehemaligen Verlobten, der nach der Auflösung der Verlobung dem Augustinerorden beigetreten ist. Beide ahnen nicht, dass in dieser geschichtsträchtigen Nacht Ereignisse in Gang gesetzt werden, die beider Leben entscheidend ändern werden. Eingebettet in einen Kriminalfall erzählt Charlotte Lyne unter dem Pseudonym Lilli Klausen von einem Schlüsselerlebnis der Reformation und der damit stetig weiter voranschreitenden Spaltung der Kirche. Ebenso wie die Kirche stehen hier auch die Protagonisten an einem Scheideweg, der sie an die Grenzen ihrer selbst führt und an dem sie sich entscheiden müssen, auf welcher Seite sie stehen. Elisabeth, die sich der Reformbewegung angeschlossen hat, Thomas, der klar zum katholischen Glauben steht. Diese beiden Protagonisten sind sinnbildlich für das schwierige Verhältnis zwischen der alten und der neuen Lehre. Ihnen zur Seite stehen sowohl historische Figuren wie Martin Luther, Lucas Cranach oder Johannes Bugenhagen aber auch fiktive Figuren. Allen gibt die Autorin ein Gesicht und eine Seele und menschliche Tiefe, niemand bleibt blass oder konturlos. Glaubhaft lässt die Autorin ihre Protagonisten innere Kämpfe ausfechten, lässt sie leiden, zweifeln, mit sich selbst ringen und sie lässt sie hoffen - hoffen auf Verständnis, auf Annäherung, auf Toleranz und auf Gleichberechtigung und inneren Frieden. Der Glaube spielt in diesem Buch eine starke Rolle, aber die Autorin drängt ihm dem Leser nie auf. Sie wirbt für keine der beiden christlichen Kirchen, bezieht keine Stellung, legt dem Leser statt dessen nahe, sich selbst ein Bild zu machen und keine der beiden Seiten vorzuverurteilen. In erster Linie den Menschen sehen, nicht die Religion, dem Hass entgegenzutreten und den Menschen so akzeptieren, wie er ist, sind zentrale Aussagen dieses Romanes. Das hier der eigentliche Kriminal-Fall eher Nebensache ist und erst am Ende wieder eine Gewichtung erhält, verzeihe ich der Autorin gerne, so sehr hat mich dieser Konflikt zwischen den beiden Seiten gefangen genommen, der Wittenberg wie eine Welle der Gewalt mit Hass, Wut und Brutalität überschwemmt hat, weil beide Seiten glaubten, sie wären im Recht und ihre jeweils christliche Gesinnung die Absolute. Ein wunderschöner Roman, geschrieben in der unnachahmlichen, kraftvollen und mitreißenden Handschrift einer wirklich großen Autorin, der es auch mit diesem Roman gelingt, den Leser absolut in den Bann der erzählten Geschichte zu ziehen und Teil der Ereignisse zu Wittenberg 1520/1521 werden zu lassen.

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