Buchinhalt:
Deutschland in den 1930er Jahren: die drei Freundinnen Elli, Margot und Käthe sind unzertrennlich – bis der Nationalsozialismus auch das kleine Dorf in der Eifel erreicht. Während Margot als Jüdin fortan um ihr Leben fürchtet, ist Käthe von den Parolen der Braunen überzeugt. Elli, zwichen allen Stühlen, muss sich entscheiden: mit dem Strom zu schwimmen oder ihrer Freundin und deren Familie zu helfen....
Persönlicher Eindruck:
Der dritte Band der Mädchen-Reihe (jeweils in sich abgeschlossen und getrennt lesbar) behandelt eine Mädchenfreundschaft in den 1930er Jahren. Unbeschwertheit, Zukunftsträume aber auch harte Realität und Lebensgefahr bestimmen den Alltag von Elli, Margot und Käthe.
Im Grunde könnten die drei unterschiedlichen nicht sein: während Margot aus einem reichen Kaufmannshaushalt stammt lebt Käthes Familie in völliger Armut. Elli, selbst von Kinderlähmung gezeichnet, ist die Tochter der Dorfhebamme, die zwar Mangels Arzt den Dienst des Heilers im Ort versieht, aber leider selten für ihre Dienste bezahlt wird. Elli leidet unter ihrem verkrüppelten Fuß,, der ihr das Gehen schwer macht, sehnt sich aber nach der Zuneigung von Hans, dem Sohn des reichen Bauern, auf dessen Grund Mutter und Tochter in einer kleinen Kate leben.
Bewegend und aufwühlend sind die Szenen, die sich um die Jüdin Margit drehen. Der Holocaust hat in der Welt der Mädchen Einzug gehalten und die Familie ist von Verfolgung und dem Tod bedroht. Elli muss sich entscheiden, auf welche Seite sie gehören möchte und als ihre Entscheidung fällt, bedroht man auch sie.
Mitreißend schildert Autorin Bernstein die politische Situation zur Zeit des Nationalsozialismus und deren Auswirkungen auf den Alltag und das Leben der Menschen. Dabei schildert sie schonungslos, was Jude oder auch behinderten Menschen widerfährt – man darf bei der Lektüre wirklich nicht zimperlich sein und muss auch starken Tobak aushalten können. Daneben sorgt die Liebesgeschichte zwischen Elli und Hans für Auflockerung, dennoch ist der Roman auf keiner Seite kitschig.
Die Figuren sind allesamt authentisch und ihr Verhalten nachvollziehbar, auch die Nebenfiguren, wie Bauer Jannsen oder die Nonne Gertrud haben Profil und Tiefe.
Nach etwa der Hälfte meint der Leser das Geheimnis in Elis Leben zu erahnen, jedoch gibt es mehrere erstaunliche Wendungen, so dass auch meine erste Vermutung wieder hinüber war – man weiß relativ lange nicht viel über Ellis Herkunft.
Was mir eher negativ auffiel, ist die komplette Nichterwähnung der gelben Judensterne. Elli ist relativ unbedarft und überrascht, was Margot ihr aus Aachen schreibt, dennoch erwähnt keiner die gelben Sterne und das ist auffällig. Ebenso fand ich gegen Ende unglaubhaft, dass zwei zu früh geborene Säuglinge, die eh schon mit dem Tode ringen, beim Herunterfallen aus einer gewissen Höhe (ich verrate nicht, warum) keinerlei Schaden nehmen. Das war für mich leider an der Realität vorbei.
Insgesamt war das Buch aber eine spannende Geschichte, die ich an einem Tag komplett durchgelesen habe, ich konnte sie kaum beiseite legen. Eine absolute Leseempfehlung, über kleinere Schwächen kann man dabei wohlwollend hinwegsehen.






















