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Chrisi

vor 3 Jahren

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Ich bin sprachlos. Mit ihrem neuen Jugendroman konnte Lilly Lindner mich umhauen, berühren und vor allem zeigen, welche Kraft hinter Worten stecken kann.

Von der ersten Seite an stechen zwei Ungewöhnlichkeiten ins Auge. Eine Hauptthematik ist Magersucht, kein seltenes Thema in Jugendbüchern, doch ungewöhnlicher ist es, die Geschichte aus Sicht der kleinen Schwester zu sehen. Zum zweiten dürfte bereits hier Lilly Lindner außergewöhnliches Sprachgefühl auffallen.
Mit viel Gefühl und Wortgewalt hat sie die Briefe der neunjährigen Phoebe an ihre große Schwester April verfasst. Berührende Briefe voller Sehnsucht nach April, voller Schmerz, Unverständnis und Hoffnung, zugleich voller Ernst und kindlicher Leichtigkeit.
In Lilly Lindners Worte finden sich schöne Weisheiten, die so simpel und einfach erscheinen, doch auch so wahr und bitterernst sind.

Die neunjährige Phoebe ist aufgeweckt, neugierig und sehr intelligent. Ihre Briefe spiegeln alles wieder, was ihr wiederfährt oder sie bedrückt, wie ihre Familie durch Aprils Krankheit auseinanderbricht, aber auch zusammenwächst, wie selbstsändig sie wird, wie sie den Wert von Freundschaft kennenlernt.
Mit der Zeit zeigt sich, was April in die Magersucht getrieben hat, aber das ist nicht der vordergründige Punkt des Buches. Vielmehr geht es darum, wie alle damit umgehen, nicht nur Phoebe, sondern auch die Eltern der beiden oder Aprils beste Freundin.

"Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" hat bislang alles, was ein guter Roman braucht: Eine tiefgründiger Geschichte und grandiose Charaktere. Ein guter Schreibstil der Autorin wäre nun nur noch ein i-Tüpfelchen, nur noch etwas, um das Ganze noch abzurunden.
Doch Lilly Lindners Schreibstil als "gut" zu bezeichnen wäre eine glatte Untetreibung und in diesem Fall ist der Schreibstil nicht die Kirsche auf dem Kuchen, sondern der Kuchen, während die Kirsche allein schon aus der Geschichte mit zauberhaften Charakteren besteht.

Die Autorin beschreibt unfassbar wortgewaltig, anschaulich und einprägsam. Ich als Leser kann mich ihren Worten nicht entziehen, denn es ist, als zögen sie an mir mit all ihrer Gewalt und Schönheit.
Lilly Lindners Worte beschreiben Sonnenschein und dunkle Abgründe zugleich, kindliche Naivität und bittere Realiät gemischt zu impulsiven Feuerwerk.
"Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" ist in meinen Augen nicht einfach nur ein Jugendroman. Es ist, als hätte Lilly Lindner sich das Schmetterlingsnetz eines Literaturagenten (wie Phoebe es sich vorstellt) geschnappt und die schönsten Worte, die unsere Welt zu bieten hat, damit gefangen. Und diese Worte hat sie dann in Phoebes Programm für Schriftsteller gesteckt, vermischt und herausgekommen ist ein wundervolles Buch, das wir nun lesen dürfen.

Es ist schwierig, die richtigen Worte für ein besonders gutes Buch zu finden, denn ich habe das Gefühl, dass alle meine Worte diesem Roman niemals gerecht werden könnten, deshalb lasse ich so viel auf jeden Fall gesagt: Ich habe schon viele Bücher gelesen, darunter auch viele sehr gute Bücher, die ich bald zu meinen Lieblingsbüchern gezählt habe, doch "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" hat mich umgehauen wie kein anderes zuvor. Absolutes Lieblingsbuch!

Fazit
Lilly Lindner hat mit ihrem Buch mein Herz zerrissen und wieder zusammengeflickt, sie hat mich zum Lachen und Schmunzeln gebracht, doch auch zu Tränen gerührt. Die Briefe von April und Phoebe sind geprägt von Schmerz, Hoffnung und vor allem von wunderschönen Worten. Ich kann euch nur ganz fest ans Herz legen: Bitte lest dieses Buch!

Autor: Lilly Lindner
Buch: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin
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