Rezension zu "Mutterzwist im Hause Habsburg: Elisabeth Christine - Maria Theresia - Maria Anna" von Lilo Tissen
Bellis-PerennisWer sich beim Titel dieses Buches an Franz Grillparzers Drama „Bruderzwist im Hause Habsburg“ erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch. Allerdings geht es hier nicht um Herrschaftsansprüche unter Brüdern, sondern um die Beziehungen dreier Frauengenerationen zu einander, die nicht immer konfliktfrei gewesen sind. Das ist nun nicht nur den unterschiedlichen Persönlichkeiten, sondern vielmehr der Zeit geschuldet.
Es handelt sich hier um Elisabeth Christine (1691–1750), Gemahlin von Kaiser Karl VI. (1685 -1740), ihre älteste Tochter Maria Theresia (1717–1780), Gemahlin von Franz Stephan von Lothringen (1708-1765) sowie deren gemeinsame älteste (überlebende) Tochter Maria Anna (1738–1789), die vom 1741 nachgeborenen Bruder Joseph als Thronerbin verdrängt worden ist.
Elisabeth Christine wird ihrer ureigensten Aufgabe, Söhne zur Welt zu bringen, die die Dynastie fortführen, nicht gerecht. Der einzige Sohn stirbt im Säuglingsalter. Damit erlischt das Geschlecht der Habsburger im Mannesstamm. Karl VI. erlässt das als „Pragmatische Sanktion“, Hausgesetz, das eine weibliche Thronfolge zulässt, wenn es keinen männlichen Erben gibt. Als Karl 1740 stirbt, ist diese Vereinbarung mit den anderen Monarchien nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben steht. Sofort versucht man die Legitimität der jungen Herrscherin Maria Theresia in Frage und Gebietsansprüche zu stellen. Während Maria Theresia sich zu wehren versucht, wird die Kaiserinwitwe auf ihr Altenteil verwiesen und damit entmachtet. Wobei hier nicht ganz klar ist, welche Macht sie überhaupt besessen hat. Dennoch fühlt sich Elisabeth Christine von ihrer Tochter gedemütigt, schlecht behandelt und nörgelt, dass Maria Theresia sie so selten besucht.
Nun, Maria Theresia hat alle Hände voll zu tun, ihr Reich zu verteidigen und Kinder zu bekommen. Diese Kinder werden, wie damals üblich „fremdbetreut“ - zahlreiche Bedienstete kümmern sich um die, letztendlich sechzehn Kinder, von denen sechs noch zu Maria Theresias Lebzeiten sterben. Die überlebenden zehn werden im Sinne der Dynastie verheiratet, nicht immer zu deren Vorteil. Nur ihrer Lieblingstochter Marie Christine erlaubt sie eine Liebesheirat.
Maria Anna, immer wieder kränklich, dafür künstlerisch begabt und wissenschaftlich interessiert, ist häufig bei ihrem Vater anzutreffen und bleibt unverheiratet. In ihr hat Großmama Elisabeth Christine eine Zuhörerin, der sie ihr Leid klagt. Sie wird sich nach dessen Tod zurückziehen und nach dem Ableben ihrer Mutter in das Kloster St. Elisabeth in Klagenfurt eintreten.
Autorin Lilo Tissen versucht an Hand von Briefen und Tagebüchern die drei Frauen zu Wort kommen. Dort wo sie Lücken ortet, ergänzt sie diese mit fiktiven Selbstgesprächen oder durch mögliche Dialoge. Dabei kommt Maria Theresia vor allem bei ihrer Mutter nicht gut weg. Elisabeth Christine wirft ihr Ehrgeiz, Machtstreben, Lieblosigkeit ihr und den Kindern gegenüber vor. Manches davon hört sich ähnlich an, wie das Nörgeln meiner eigenen Mutter. Wie viel davon gerechtfertigt sein mag, sei dahin gestellt. In mancher Klage klingen Neid und Missgunst heraus.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Versuch das Verhältnis der drei Frauen zueinander zu beleuchten, 4 Sterne.


