Lily King Euphoria

(67)

Lovelybooks Bewertung

  • 73 Bibliotheken
  • 6 Follower
  • 6 Leser
  • 17 Rezensionen
(31)
(19)
(14)
(3)
(0)

Inhaltsangabe zu „Euphoria“ von Lily King

Von realen Ereignissen im Leben der berühmten Ethnologin Margaret Mead inspiriert, erzählt Lily King in diesem grandiosen, spannenden und sinnlichen Roman ebenso anschaulich wie klug von Besitz und Begierde, Entdeckung und Macht, Liebe und Herrschaft. Neuguinea, Anfang der 1930er Jahre. Drei junge Ethnologen – die schon berühmte und faszinierende Amerikanerin Nell Stone, ihr Mann Fen und der Brite Andrew Bankson – stoßen nach Jahren einsamer Feldforschung aufeinander und entwickeln eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung. Erschöpft von den Versuchen, etwas Verwertbares über die Stämme am Sepikfluss herauszufinden, gelangen die drei Forscher zu den Tam, einem weiblich dominierten Stamm mit ungewohnten Ritualen. Während sie immer tiefer in das Leben der Tam eindringen, werden auch ihre unterschiedlichen Wünsche und Interessen immer deutlicher, die erotische Anziehung zwischen Nell Stone und Andrew Bankson immer intensiver. Schließlich schreitet Fen zu einer dramatischen Aktion mit tragischem Ausgang für alle.

Eine spannende und bewegende Geschichte über Ethnologen im Feldeinsatz.

— leserattebremen

Interessantes Setting (Neu-Guinea in den 1930er Jahren) und tolle Geschichte. Leseempfehlung!

— TanyBee

Eine wunderbare Geschichte über Liebe und Vertrauen, aber auch über Loslassen und die Frage wie weit Forschung gehen darf.

— Sikal

Als Ethnologin bin ich hier sehr zwiegespalten. Zur reinen Unterhaltung gut, aber es auch viele schlechte Aspekte

— Tasmetu

Mehr Beziehungsdrama als Expeditionsbericht, von großer Euphorie meinerseits keine Spur!

— sommerlese

Bei dem Hype um das Buch waren wohl meine Erwartungen zu hoch, aber immerhin interessante Aspekte zu den Anfängen der Kulturanthropologie.

— Marapaya

Dichte, absonderliche Atmosphäre, die gut gefällt, aber schwaches, schnell abspeisendes Ende. Hatte mehr von der Dreiecksbeziehung erwartet.

— birdotheweirdo

Ein spannender Roman über drei Anthropologen in Neuguinea und ihre verzwickten Beziehungen zueinander. Sehr interessant!

— miro76

Eine Art Expeditionsbericht- eine Art Liebesgeschichte- ein anspruchvolles Lesevergnügen

— Buchraettin

Exotischer Hintergrund, gute Story, sprachlich gelungen!

— MarinaB

Stöbern in Romane

Kukolka

Hammerharte Realität, hammerhart erzählt. aber Umsetzung + Stil waren leider nicht so mein Fall. Sehr distanziert. Dennoch grausame Realität

Yuyun

Lauter gute Absichten

Kurzweilige Geschichte um einen angry young man, der sich gegen die Familie auflehnt - und an den eigenen Ansprüchen scheitert.

Marina_Nordbreze

Die Lichter von Paris

Generationenübergreifend. Legt sich wie eine kuschelige Decke romantisch um deine Schultern! Angenehme Atmosphäre.

Simonai

Was man von hier aus sehen kann

Eine Geschichte, die mich mit ihrer Wärme und liebevollen Erzählart absolut bezaubert hat.

Kathycaughtfire

Wie der Wind und das Meer

Eine wunderbare Geschichte über eine Liebe, die nicht sein darf! Ein Lesegenuss!!!

Fanti2412

Das saphirblaue Zimmer

Drei Frauen, drei Entscheidungen, in Zeiten, wo die Meinung einer Frau nichts galt. Ein grandioser, historischer Liebesroman.

FreydisNeheleniaRainersdottir

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Euphoria hat alles, was ein guter Roman braucht

    Euphoria

    jaylinn

    28. July 2017 um 15:46

    Nachdem ich euch Euphoria auf Instagram gezeigt habe, möchte ich euch natürlich auch meine Rezension zu diesem tollen Buch nicht vorenthalten. Wie ich Euphoria finde, könnt ihr heute hier erfahren. Allgemeines: Euphoria ist 2014 auf Englisch, 2015 auf Deutsch und im Juli 2017 als Taschenbuch bei dtv erschienen. Euphoria ist Lily Kings vierter Roman. Die drei Vorgänger wurden preisgekrönt. Für Euphoria erhielt King den renommierten Kirkus Prize. Die New York Times wählte Euphoria sogar zu einem der besten Bücher des Jahres 2014. Sämtliche Kritiken sind durchweg fast euphorisch zu nennen – wie passend! Lily King lebt mit ihrer Familie in Maine. Für ihre Hauptfigur Nell ist die berühmte Ethnologin Margret Mead, die von 1901 bis 1978 lebte und im südpazifischen Raum fremde Kulturen erforschte, das historische Vorbild. Ebenso wie Nell stieß sie sowohl auf große Kritik als auch Anerkennung. Beide sind starke Frauenfiguren, die wissen, was sie wollen. Inhalt: „Neuguinea, Anfang der dreißiger Jahre: Die amerikanische Ethnologin Nell Stone, bereits in ihrer Jugend berühmt, ist körperlich am Ende, als sie mit ihrem Mann Fen nach langer Feldforschung zu einer Kolonialstation zurückkehrt. Dort begegnen sie Andrew Bankson aus England, auch er Ethnologe, der ihnen eine Zusammenarbeit vorschlägt. Erschöpft von vergeblichen Versuchen, die Stämme am Sepik-Fluss zu erforschen, gelangt das Trio zu den Tam, einem von Frauen dominierten Stamm. Schon bald entwickelt sich zwischen Nell und Andrew mehr als nur eine enge Arbeitsbeziehung. Und je tiefer die Wissenschaftler die ungewöhnlichen Rituale der Tam erforschen, desto deutlicher treten individuelle Wünsche und Interessen hervor. Die Spannungen, denen sie bald ausgesetzt sind, enden dramatisch …“ (Quelle: dtv) Meine Meinung: Euphoria ist viel mehr, als man zunächst denkt. Viel mehr, als man zunächst erwartet. Und viel mehr, als man glaubt, sich vorstellen zu können. Nach dem Lesen der ersten 50 Seiten war mein Eindruck von Euphoria: gut lesbar, vorhersehbar, typische Ménage à Trois, wer gut oder böse ist, ist klar. Je weiter ich jedoch gelesen habe, desto vielschichtiger wurde der Roman. Lily King konnte mich immer mehr überraschen und mit der von ihr entworfenen Geschichte einfangen. Die drei vorhandenen Erzählperspektiven erfordern höchste Konzentration, wenn man den Faden während der Lektüre nicht verlieren will. Der Faszination des Fremden kann man sich jedoch einfach nicht entziehen. Dazu trägt Kings detaillierter Schreibstil einen großen Teil bei. Ihre drei Protagonisten Nell, Fen und Andrew haben vollkommen unterschiedliche Beweggründe, sich mit den verschiedenen Stämmen Neuguineas zu beschäftigen, gleichzeitig hält das Interesse an fremden Kulturen sie aber auch zusammen, zumindest vorerst… King entwirft eine Dreiecksgeschichte innerhalb der Ethnologen, die man selbst vermutlich so nicht erleben möchte. Die Dramatik innerhalb der Handlung steigert sich stetig, allerdings auf fast unbemerkte Weise. Das führt beim Leser zunächst zu Unbehagen bis hin zur Unerträglichkeit. Diese Art des Spannungsaufbaus macht das Buch so toll und faszinierend. Wer Das Wesen der Dinge und der Liebe von Elizabeth Gilbert, Pandora im Kongo von Albert Sanchéz Pinõl oder Was mit dem weißen Wilden geschah von François Garde liebt, der wird auch Euphoria lieben. Fazit: Euphoria hat alles, was ein guter Roman braucht: eine gut erzählte Geschichte, überzeugende Charaktere und ein Thema, das immer interessanter wird, je länger man liest. Ich werde mich nun auch an Kings andere Bücher wagen. Ich bin sehr gespannt!

    Mehr
  • Faszinierender Einblick in die frühe Ethnologie

    Euphoria

    leserattebremen

    21. June 2017 um 08:31

    Lily King erzählt eine Dreiecksgeschichte um Ethnologen im Feldeinsatz. In Neuguinea, Anfang der 30er Jahre, sind sie Pioniere auf dem Gebiet der Ethnologie und begeben sich mitten in die Lebensverhältnisse der indigenen Völker. Nell Stone ist bereits in jungen Jahren berühmt, womit ihr Mann Fen nur schwer umgehen kann. Als sie dann in Neuguinea auf den attraktiven und aufstrebenden Ethnologen Banks treffen, ist er sich sicher, dass er seiner Frau nicht trauen kann. Um wenigstens wissenschaftlich mithalten zu können, begibt er sich auf gefährliches Terrain und lässt Ethik und Moral, die seiner Frau so wichtig sind, hinter sich zurück. Die Autorin hat sich mit ihrer Geschichte in „Euphoria“ am Leben der berühmten Ethnologin Margaret Mead orientiert und man merkt diesem Buch seine gründliche Recherche an. Die beschriebenen Szenen und die Umgebung sind detailliert gezeichnet und schaffen dem Leser ein genaues Bild vor Augen, in welchem Umfeld sich die Protagonisten bewegen. Durch die Dreiecksgeschichte schafft sie einen schönen Spannungsbogen, der einen als Leser fesselt und immer weiter lesen lässt, auch wenn ich finde, dass das herausragende des Romans wirklich die Arbeitsbeschreibungen der Ethnologen sind, ihre Arbeit und Herangehensweise an die Bevölkerung und die verschiedenen Maßstäbe und Ziele, die sie dabei haben. Gleichzeitig wird ihre Abhängigkeit voneinander sehr deutlich und die Faszination, den dreien sowohl bei der Arbeit als im Privaten zu folgen, hat mich nicht mehr losgelassen und vollständig gefesselt. Mir hat Lily Kings „Euphoria“ außerordentlich gut gefallen, die Geschichte ist sprachlich sehr schön geschrieben und die Spannung entsteht sowohl aus den privaten wie auch beruflichen Problemen der drei Ethnologen, durch deren unterschiedliche Charaktere King eine großartige Spannung schafft, die einen von der ersten bis zur letzten Seite mitzieht. 

    Mehr
  • Mit Euphorie in ein fremdes Land

    Euphoria

    Sikal

    18. January 2017 um 12:08

    Neuguinea, Anfang der 1930er Jahre: Das Ethnologenehepaar Nell und Fen ist bereits seit einiger Zeit in Neuguinea mit Forschungsarbeiten beschäftigt. Etwas überstürzt verlassen sie den Stamm der Mumbanyo und wollen zurück nach Australien, als sie durch Zufall auf einen Kollegen treffen. Der Brite Bankson hat mit seiner Einsamkeit, weit weg vom heimatlichen Hafen zu kämpfen und fühlt sich dem Paar zugeneigt – anfangs freundschaftlich, bis mit Nell eine Seelenverwandtschaft entsteht. Er organisiert, dass die beiden am Tamsee, das dort lebende Volk studieren können. Die Nähe zu Nell beeinflusst auch seine eigene Forschungsarbeit, auch Nell findet hier das Verstehen und gleichgesinnte Denken faszinierend. Schon länger muss sie unter Fens cholerischen Ausbrüchen und seiner Eifersucht - erst auf ihren beruflichen Erfolg, später auch auf Bankson – leiden. Doch Fen wagt leichtfertig ein Abenteuer, das alles zu zerstören scheint … Die Autorin Lily King schafft mit diesem Buch eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen. Angelehnt an reale Personen, vernetzt sie hier mit fiktiven Personen/Sequenzen. Zum Großteil wird aus der Ich-Perspektive von Andrew Bankson erzählt, einzelne Kapitel aus der Perspektive Nells in Form von Tagebucheinträgen oder Briefen. Die Charaktere sind sehr behutsam gezeichnet worden, auch Fens hitziges Gemüt wird nicht angeprangert, sondern beinahe verständnisvoll eingebaut. Banksons Gedankengänge, Zweifel und empathisches Wesen haben mich sehr eingenommen. Ebenso Nells Begeisterungsfähigkeit, ihr Enthusiasmus für alles Neue und doch ihr behutsames Zugehen auf die Menschen, denen sie – im Gegensatz zu Fen – mit Respekt und Würde begegnet. Eine wunderbare Geschichte über Liebe und Vertrauen, aber auch über Loslassen und die Frage wie weit Forschung gehen darf.

    Mehr
  • Als Ethnologin bin ich hier sehr zwiegespalten.

    Euphoria

    Tasmetu

    26. December 2016 um 13:24

    Disclaimer: Bevor ich mit meiner Buchbewertung loslege, muss ich hier kurz klarstellen, dass ich selbst Ethnologie studiere und deshalb eventuell einen etwas anderen Blickwinkel auf diese Geschichte habe als ein Laie, der vielleicht vorher nicht einmal wusste, was Ethnologie ist. Außerdem habe ich ein Thesenpapier zu dem Buch erstellt, was meinen fachinternen Blick auf das Buch noch verstärkt.  Es fällt mir außerordentlich schwer, dieses Buch zu bewerten und zu rezensieren. Denn es hatte einige gute Elemente und einiges, das mich sehr gestört hat. Fangen wir mit den guten Aspekten an: Mir hat der Schreibstil recht gut gefallen und das Buch hat mich definitiv unterhalten, ich flog nur so durch die Seiten und konnte in das Geschehen abtauchen. Auch wirkte es auf den ersten Blick authentisch, was mir hier sehr wichtig war, da ich sehr hohe Erwartungen an das Buch hatte. Es macht eine breite Leserschaft auf das Fach der Ethnologie, deren Arbeit und auf eine ihrer Ikonen, Magaret Mead, aufmerksam und zeigt ihnen auf eine spannende Art etwas von dieser so unbekannten Wissenschaft.Auch werden einige Themen angesprochen, die auch in der Ethnologie selbst mehr diskutiert werden sollten und die unsere Disziplin beschäftigen. So vor allem die Sexualität während Forschungsreisen, die Einsamkeit im Feld oder die Selbstzweifel der Forscher und die Frage, wie man anderen die eigene Arbeit näher bringen kann. Aber stellenweise störte mich auch genau das. Ich habe versucht, mich in einen Leser hinein zu versetzen, der vorher noch nie etwas von Ethnologie gehört hat. Ich wäre vermutlich stellenweise - insbesondere am Anfang - sehr verwirrt gewesen, hätte mich gefragt wer denn "Papa Boas" ist und warum es den Anschein erweckt, dass alle Forscher irgendwie mal miteinander geschlafen zu haben scheinen.  Ich hätte mich gefragt, was zur Hölle die "Forscher" da tun und wieso sie sich so arrogant über die "primitiven Völker", wie King sie hier noch in der alten, mittlerweile unüblichen Sprache, bezeichnet, hinwegsetzen. Wieso plötzlich mitten in der Geschichte die Information vorkommt, dass eine andere Forscherin (die weder davor noch danach eine Rolle spielt), angeblich von einem kannibalischen Stamm gegessen worden sein soll. Ich hätte vermutlich eine ganze Menge Dinge falsch verstanden, denn: Diese Geschichte spiegelt in keiner Weise die zeitgemäße Ethnologie wieder. Leider wird in meinen Augen nicht deutlich genug erwähnt, dass sich die Disziplin nach 1930 (die Zeit Magaret Meads, also dieses Buches) massiv weiterentwickelt hat. Dass wir extrem viel selbst reflektieren und niemandem mehr als "primitiv" bezeichnen würden und uns nicht mehr anmaßen besser zu sein als die anderen. Oder, wie der unglaublich unsympathische Charakter Fen, einfach heilige Gegenstände eines Volkes klauen und dafür nicht nur, ohne mit der Wimper zu zucken, ein Menschenleben opfern, sondern auch einen Krieg zwischen zwei Stämmen provozieren würden. 1930 war noch die Zeit des Kolonialismus und es schüttelt mich, wenn ich daran denke, dass Laien dieses Buch lesen und denken könnten, dass die Ethnologie immer noch genau das ist, was hier präsentiert wird. Denn das ist nicht der Fall. Ein weiterer Aspekt, der mich stirnrunzelnd zurücklässt, ist die Darstellung der Sexualität. Ich weiß, dass diese Geschichte fiktiv ist und dass Magaret Mead die perfekte Vorlage für polygame Sexfantasien im Regenwald abgibt, aber es war mir wirklich zu viel des Guten. Denn irgendwie scheint es, als würde Mead (im Buch: Nell Stone) sich durch die gesamte Forschungsszene huren und als hätte jeder Ethnologe mal mit jedem Kollegen was gehabt, was an den Haaren herbeigezogen ist. So habe ich z.B. auch nicht verstanden, was Bett in dieser Geschichte zu suchen hatte. Sie spielt überhaupt keine Rolle, außer dass Bankson einmal kurz zu ihr fährt, sie vögelt und wieder abreist?Viel schwerwiegender war dagegen für mich, dass es hier um Magaret Mead, die Vorlage für Nell, ging. Eine Frau, die die Ethnologie und die Themen Sexualität und Frauen in anderen Kulturen revolutioniert hat. Sie soll die Hauptprotagonistin sein, das Buch ist aber nicht einmal aus ihrer Sicht geschrieben. Hier und da blitzt zwar etwas von diesem revolutionären Ansatz und der Relevanz weiblicher, sexueller Bedürfnisse durch, aber im Endeffekt ist dieses Buch voller Penisse (gefühlt jedes 5. Wort war Penis, Phallus, o.ä.) und männlicher Lust. Es geht um Fen, der seine Frau schwängern will und mit ihr Sex hat, auch wenn sie keine Lust hat. Es geht um Fen und seine unfassbare Männlichkeit und es geht um Bankson, der eigentlich einfach nur krass untervögelt ist und der Nell unbedingt mal rannehmen möchte. Es soll eine erotische Liebesgeschichte sein, aber es las sich eher wie der animalische Trieb sehr einsamer Menschen.King arbeitet hier auch mit sehr vielen Klischees: Fen, der in dem Stamm zu einem Mann mutiert, wie er im Klischee-Buche steht: Er betätigt sich viel körperlich, denkt nicht nach, ist grob zu seiner Frau, denkt andauernd an Sex, sieht nie die Schuld bei sich, geht vollkommen darin auf nackt durch den Wald zu laufen, sich nicht zu waschen und zu beweisen wie männlich er doch ist. Nell Stone dagegen ist einfühlsam, ruhig, besonnen und als sie abreisen müssen, weint sie weil die Dorfbewohner ihre Freunde geworden sind. Und Bankson, der zwar bodenständig und nachdenklich ist, aber eigentlich auch nur von seinem Penis gesteuert wird wie von einer Wünschelrute und der natürlich gegen den starken, starken Fen nicht ankommt, Es mag sein, dass solche Charakterzüge oft im Feld verstärkt werden, weil auch die Umstände dieses Verhalten manchmal herausfordern, aber ich fand es abgedroschen und die Feministin in mir knurrte zwischenzeitlich die Seiten an. Und der letzte Punkt, den ich kritisieren möchte ist die Zweidimensionalität der Charaktere. Sie waren alle ziemlich flach und auf ihre Arbeit und ihre Triebe reduziert. Sex und Arbeit schienen das Einzige, was diese Menschen ausmachte und so spannend das auch stellenweise war, hätte ich mir einfach noch mehr Leben gewünscht. Mehr Dimensionen, mehr Komplexität der Charaktere und ihrer Geschichte. Das Buch lässt mich also mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Es war wundervoll, die Ethnologie mit so viel Hingabe in einem belletristischen Bestseller portraitiert zu sehen und die Liebe der Forscher für ihre eigene Arbeit zu spüren, aber die nicht mehr zeitgemäße Repräsentation der Wissenschaft, die flachen Charaktere und die klischeeüberladene, sehr männliche Darstellung der Sexualität, machten mir dieses Buch leider ziemlich kaputt, weshalb ich es nur bedingt und an sehr kritische Leser weiterempfehlen kann. Anmerkung: Wer wirklich etwas von Ethnologie und ethnologischer Arbeit wissen möchte, sollte sich vielleicht lieber Berichten von Ethnologen selbst zuwenden. Ich plane, in Zukunft mehr ethnologischer Romane oder Forschungsberichte zu lesen, damit ich euch auf dem Blog auch mal explizit Texte und Bücher empfehlen kann. 

    Mehr
    • 2
  • Dreiecksbeziehung in Neuguinea

    Euphoria

    sommerlese

    22. October 2016 um 16:51

    Der Roman "*Euphoria*" von "*Lily King*" wurde mit dem neu geschaffenen Kirkus Prize ausgezeichnet und von der New York Times unter die fünf besten literarischen Bücher des Jahres 2014 gewählt. Er erschien 2015 im "*C. H. Beck Verlag*". Neuguinea, Anfang der 1930er Jahre. Drei junge Ethnologen – die schon berühmte Amerikanerin Nell Stone, ihr Mann Fen und der Brite Andrew Bankson – stoßen nach Jahren einsamer Feldforschung aufeinander und entwickeln eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung. Nell und Fen beginnen gemeinsam mit Bankson das Volk der Tam zu erforschen. Gleich vorab: Lily Kings Schreibstil ist berührend und zeigt tiefe Einblicke in emotionaler und bildhafter Weise von der Beziehung der drei Protagonisten und dem Stammesleben der fremden und faszinierenden Tam in Neu Guinea. Zeitweise fühle ich mich direkt vor diese exotische Kulisse versetzt. Aber leider nur zeitweise! Denn zu sehr erscheint dieser Roman als Beziehungsdrama, bei denen die Akteure mir nicht sonderlich nahe kommen. Die Geschichte spielt um 1933 und Kings Hauptprotagonistin Nell Stone, lehnt sich an die real existierenden Personen Margaret Mead, Fortune und Bateson an. Mead war eine amerikanische Anthropologin aus den 30er Jahren, die die Salomonen und Neuguinea erforschte und mit ihrem Forschergeist ihrer Zeit weit vor war. Kings Roman beschreibt einen fiktiven Aufenthalt im Dschungel am Sepik, bei dem das Forschungsziel das Volk der Tam ist, einem weiblich dominierten Stamm. Die drei Forscher untersuchen die Tam jeder auf seine eigene Art und erkennt man schnell drei völlig verschiedene Charaktere. Sie haben bei ihren Forschungen ganz verschieden Herangehensweisen, was für entsprechend Konfliktpotentiol sorgt. Nell versucht, die fremden Kulturen zu verstehen, ihre Sprache zu lernen und ihr Handeln in der Gemeinschaft zu begreifen. Sie beobachtet die Stammesmitglieder und hat als Frau starken Bezug zu den Personen. Fen, Nells Mann taucht dagegen in das Stammesleben regelrecht ein. Er ist ein profitgetriebener Mensch und hat Probleme mit der Berühmtheit seiner Frau. Zu sehr ist er dem Konkurrenzdruck unterlegen. Andrew Bankson lebt schon lange als Forscher, ist dementsprechend ausgehungert nach menschlicher Gesellschaft und hat einen gescheiterten Selbstmordversuch hinter sich. Er freundet sich mit Nell und Fen an, verliebt sich in Nell und bewundert ihren Tatendrang. Lily King schafft die zwischenmenschlichen Verhältnisse mit gerade mal unterschwelligen Andeutungen entstehen zu lassen. Vieles wird gar nicht genau beschrieben und dennoch erhält man ein umfassendes Bild, indem man als Leser sich die Zwischenräume zusammenreimt. Meines Erachtens nach baut sich die Dreiecksgeschichte als Hauptthema auf und drückt die Forschung und den exotischen Hanflungsort in den Hintergrund. Dabei hätte ich gerade über das Stammesleben mehr erfahren. Was anfangs noch lebendig geschildet wird, gerade das Aufeinandertreffen und die Verständnisprobleme durch Sprachbarrieren, verliert sich schliesslich in Floskeln wie dem Willkommensgruß "Baya Ban". Die Erzählperspektive springt zwischen den Figuren hin und her. Es werden Briefe und Forschungsergebnisse beschrieben und man bekommt einen vagen Eindruck über das Arbeiten von Ethnologen. Leider sind die erwähnten Stämme nur fiktiv, wie King in ihrem Nachwort erwähnt. Hier hatte ich mehr reale Grundlagen erwartet. Dabei vermag King interessant zu erzählen und zeigt eine Atmosphäre voller Liebe und Leidenschaften. Eine ausgelebte Euphorie, die jedoch im Untergang endet. Dieses Buch zeigt vordergründig eine Beziehungsgeschichte, die vor dem Hintergrund der Tropen und ihrer Stämme gezeigt wird. Das allerdings auch so in Bruchstücken, das ein einheitliches Bild fehlt.

    Mehr
  • Einziges Manko: schnell abspeisendes, unbefriedigendes Ende.

    Euphoria

    birdotheweirdo

    26. September 2016 um 21:10

    Eine atmosphärische Dichte (und Wärme?), die umhüllt und durchdringt, mitzieht. Das Dreiecksgespann Nell Stone-Fen-Andrew Bankson ist explosiv, besitzt eine ganz eigene Dynamik, auch da jeder Charakter ein völlig anderes Gefühl beim Lesen hinterlässt.Fen ist der Ehemann Nell Stones, der wissbegierigen, und nebenbei weltberühmten Ethnologin, aber er ist auf gleichziehenden Erfolg aus, rücksichtslos. Bankson (so wird A. B. meistens angesprochen) dagegen, ist aus "anderem Holz geschnitzt".. er ist empathisch feinfühlig und verliebt sich in Nell.Lily King verstand es in diesem Roman auf jeden Fall, den Leser durch die Augen des jeweiligen Charakters sehen zu lassen. Ich konnte mitfühlen, mich z.T. mit Bankson identifizieren. Die Gedanken, die er so hatte, waren sehr "nachvollziehbar" und echt.Mir hat ehrlich gesagt alles sehr zugesagt, bis ich zum Ende kam, das in meinen Augen zu einfach, zu schwach war. Es hat die vorherigen Lesefreuden nichtig gemacht, sozusagen ...

    Mehr
  • Euphorie

    Euphoria

    Buecherschmaus

    Anfang der 30er Jahre am Fluss Sepik im Dschungel Neuguineas: das frisch verheiratete Ethnologenpaar Nell und Fen verlassen den Eingeborenenstamm der Mumbanyo und suchen einen neuen Forschungsgegenstand. Zu schroff und unzugänglich waren diese vor allem der jungen Wissenschaftlerin entgegengetreten. Vermittelt durch den schon länger hier forschenden Engländer Bankson reisen sie an den Tamsee, um das hier lebende, weitaus friedlichere Volk zu studieren. Was vor allem Nell sehr fasziniert, sind die deutlich matriarchalen Strukturen, die hier zu herrschen scheinen. Nach der Veröffentlichung eines Buches über die Sexualmoral der Völker Samoas, das vor allem die Ansicht vertritt, dass diese nicht genetisch, sondern kulturell geprägt wird, was damals revolutionär war, genießt Nell Stone einiges an Renommee. Durch ihre einfühlsame, zugewandte Art, gelingt ihr rasch der Kontakt zu den Kindern und Frauen der Tam. Fen leidet unter dem Ruf seiner erfolgreicheren Frau, Neid und Eifersucht spielen eine Rolle, ist er doch ein typisches Alphamännchen, das mit Forschheit und starkem Auftreten seinen Weg geht. Auch seiner Frau gegenüber tritt er oft schroff und despotisch auf. Bankson wiederum hofft durch die Nähe zu den beiden anderen Forschern seiner jahrelangen quälenden Einsamkeit inmitten der Eingeborenen zu entgehen. Außerdem fühlt er sich von Nell stark angezogen. Die beiden entwickeln so etwas wie eine Seelenverwandtschaft und schließlich auch mehr. Zusammen erleben sie bei ihren Forschungen den Rausch der wissenschaftlichen Erkenntnis. Euphoria, das Buch trägt sicher auch deshalb diesen Titel.Durch ein leichtsinniges Manöver Fens wird allerdings alles aufs Spiel gesetzt.Die Figuren sind stark an reale Personen angelehnt. Die berühmte amerikanische Ethnologin Margaret Mead, ihr zweiter und dritter Ehemann waren Vorbild, Lily King hat ihr Leben, vor allem am Ende des Buches aber fiktionalisiert. Ich-Erzähler ist Bankson, der mit Kapiteln, die aus ihrer Sicht über Nell erzählen und Dokumenten aus ihrer Hand abwechseln.Der Autorin gelingt mit „Euphoria“ ein spannendes Buch, das Wissenschaftsgeschichte, historischen Roman, Dreiecksgeschichte, Liebes- und Abenteuerroman vereint. Die feuchte Schwüle des Dschungels, die Farben, die Vegetation und das Leben der Eingeborenen werden der bildlich geschildert, auch wenn eine nüchterne Sprache verwendet wird. Dabei werden die Ethnologen selbst zum Forschungsgegenstand, ihre Beziehungen und ihr Verhalten von der Autorin unter die Lupe genommen.Ein äußerst gelungener, anregender Roman.

    Mehr
    • 5
  • Rezension zu "Euphoria" von Lily King

    Euphoria

    aba

    Seltsames Abenteuer Es gibt Bücher, deren Inhalte und Protagonisten mich inspirieren. "Euphoria" von Lily King ist so eins. Wenn ich eines Tages ein Buch schreiben würde, würde es etwas Ähnliches werden: ein Roman mit wilden Landschaften und ruhelosen, grübelnden aber charakterstarken Figuren mit einer komplexen Art zu leben und zu lieben, so komplex und undurchdringlich wie der Wald, in dem die Völker leben, an denen sie - zwei Männer und eine Frau, alle drei Ethnologen - ihren Forschungen nachgehen. "Euphoria" wird einen besonderen Platz in meinem Bücherregal einnehmen. Und auch in meinem Herzen. Ich mochte nicht nur den Schreibstil, auch die Handlung, die Schauplätze, aber vor allem mochte ich die Hauptfiguren, insbesondere Andrew Bankson mit seinen Zweifeln, seiner Unbeholfenheit, seinem "Engländerdasein" mitten im neuguineischen Urwald. Aus der Sicht der drei Ethnologen wurde in diesem Roman ein besonderer Aspekt eindrucksvoll dargestellt: die britische Kolonialherrschaft. Jeder von ihnen brachte unterschiedliche berufliche und persönliche Interessen und Absichten mit in den Urwald mit, deren Bedeutung dem Leser erst mit fortschreitender Lektüre erkennbar werden, und die am Ende katastrophale Auswirkungen nicht nur auf dem Leben der drei Forscher haben. Was mir auch sehr gut gefallen hat, sind die verschiedenen Perspektiven, aus denen das Buch geschrieben wurde. Romane, in denen Charaktere und Geschehen aus mehr als nur einem Blickwinkel betrachtet werden, schätze ich sehr. In dem Fall von "Euphoria" hat Lily King unter anderem ein Tagebuch zu Wort kommen lassen, das immer wieder Überaschendes zum Vorschein brachte. Die Leere, die entstand, als ich diese Geschichte zu Ende gelesen hatte, habe ich versucht zu füllen, indem ich oft an dieses sonderbare Abenteuer gedacht habe, das nicht nur im neuguineischen Urwald stattgefunden hat, sondern auch in der Seele dieser dreier Menschen. Dieses Buch muss man unbedingt lesen!

    Mehr
    • 6
  • Eine Art Expeditionsbericht- eine Art Liebesgeschichte- ein anspruchvolles Lesevergnügen

    Euphoria

    Buchraettin

    Diese Geschichte spielt Anfang der 30 er Jahre in Neu Guinea. Es sind Ethnologen, die dort die Stämme erforschen wollen. Ein Ehepaar, das zusammen mit dem Engländer Bankson einen Stamm aufsucht, den sie erforschen wollen. Bankson, der die beiden in der Nähe wissen will, da er sich zu der Frau Neill hingezogen fühlt. Ihr Mann, der sich im Schatten seiner schon berühmten Frau beweisen muss. Eine Liebe, die nicht sein sollte. Gleich beim Aufschlagen des Buches fällt dem Leser die Karte von Neu Guinea auf. Das sind diese kleinen Details, die für mich Bücher wirklich toll gestalten. Anfangs hatte ich ein wenig Schwierigkeiten in die Geschichte ein zu steigen. Ich habe den Beginn des Buches so empfunden, als sei ich als Leser mitten hinein in das Geschehen geworfen wurden. Die ersten Sätze des Buches sind ein wenig anders, machen mich als Leser sofort ein wenig neugierig, erzeugen ein wenig Gänsehaut und es fesselte mich auch nach kurzer Zeit dieses Buch. Es brauchte ein wenig Aufmerksamkeit, da die Erzählperspektive auch immer wieder zwischen den Figuren wechselte. Daran an schlossen sich Briefe, Tagebucheinträge und auch immer wieder Forschungsergebnisse bezüglich der Völker dort. Mir hat das gut gefallen, ein wenig einen Einblick in das Arbeiten der Ethnologen zu gelangen. Es macht mich als Leser auf jeden Fall auch neugierig auf die Menschen dort, auch wenn die meisten Stämme hier im Buch fiktiv sind, wie die Autorin im Anhang erwähnt. In diesem Buch geht es auch um Beziehungen. Einiges wird nur angedeutet, nicht wirklich erzählt, aber diese Andeutungen lassen Vermutungen bei mir als Leser hochkommen. Beziehungen sind ein Thema in diesem Buch. Zu den Eltern, speziell der Mutter. Zwischen den Eingeborenen und den Forschern. Zwischen Neill und ihrem Mann, aber auch zwischen dem Forscher Bankston und Neill. Es ist eine unterschwellige Spannung, die der Leser hier mit erliest, die aber nicht wirklich offenbart wird. Es ist eine Liebesgeschichte. Eine Art Expeditionsbericht zu den Völkern in Neu Guinea. Im Nachwort berichtet die Autorin noch, welche historischen Details sie zu dieser Geschichte inspiriert haben. Es war auf jeden Fall ein anspruchsvolles Lesevergnügen.

    Mehr
    • 2
  • Auf in die Tropen...

    Euphoria

    MarinaB

    02. January 2016 um 17:46

    Lily Kings Roman “Euphoria” ist kurzweilig und er ist in allem stimmig. Ein exotischer Hintergrund mit einer guten Story gepaart, sprachlich gelungen in ästhetisch schöner Aufmachung! Ein farbenprächtiges Buch für einen trüben Wintertag! Die Reise geht in die Tropen nach Neuguinea und von Anfang an taucht der Leser in diese fremde, faszinierende, abenteuerliche Welt ein. Die Geschichte spielt Anfang der 30er Jahre. Hauptprotagonistin ist Nell Stone, eine amerikanische Anthropologin, die an die tatsächlich existierende Person der Ethnologin Margaret Mead angelehnt ist. Mit ihrem Ehemann, dem Australier Fen, lebt die bereits durch eine Buchveröffentlichung bekannt gewordene Nell bei verschiedenen Stämmen am Fluß Sepik und erforscht die Verhaltensweisen der Bewohner eines aggressiven Stammes, bei dem Nell sich aber bald nicht mehr sicher fühlt. Das Verhältnis zwischen dem Ehepaar ist nach der langen Zeit in der Wildnis angespannt, auch weil Nell, die sich dringlich ein Kind wünscht, noch wegen einer Fehlgeburt leidet. Als Bankson, ein britischer Forscher in ihrem Leben auftaucht, wird die Situation ordentlich aufgemischt. Er bringt sie, die sie schon auf der Rückreise Richtung Australien waren, zu einem Stamm, der in einem ihm bekannten Gebiet liegt, und Nell gewinnt rasch das Vertrauen der Dorfbewohnerinnen. Gerade die Frauen scheinen hier bei den “Tams” die Gemeinschaft stark zu prägen, was Nell erfreut als neuen Aspekt in ihre Forschung mit einbezieht. “Ich erfasse die Beziehungen unter den Frauen, die Sympathien & Antipathien im Raum auf eine Weise, wie ich es über die Sprache nie könnte. Im Grunde behindert die Sprache die Kommunikation, merke ich immer wieder, sie steht im Weg wie ein zu dominanter Sinn. Man achtet viel stärker auf alles Übrige, wenn man keine Worte versteht. Sobald das Verstehen einsetzt, fällt so viel anderes weg. Man beginnt sich ganz auf die Worte zu verlassen, aber Worte sind eben nur bedingt verlässlich.” Bei Banksons Besuchen entstehen erste erotische Spannungen. Der Brite ist einsam und hat gerade einen Selbstmordversuch hinter sich und das Paar ist von ihm sofort eingenommen, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Nell und Bankson scheinen Verwandte im Geiste zu sein, sie fühlen sich unwiderstehlich zueinander hingezogen und beflügeln sich gegenseitig in ihrer Arbeit. Fen hingegen fühlt sich sehr schnell ausgebootet. Als dieser ein risikoreiches Unterfangen startet, um Nell zu übertrumpfen und endlich größeren Ruhm als Anthropologe zu erlangen, geschieht Unvorhergesehenes mit weitreichenden Folgen… Lily King hat genau recherchiert, schafft es zwischenmenschliche Beziehungen, auch Unterschwelliges, extrem gut zu beschreiben und dadurch Spannung zu erzeugen. Seien es die Verhältnisse zwischen den “Zivilisierten”, seien es die Verhaltensweisen der einheimischen “Wilden”, es gelingt ihr zu überzeugen.  Für mich ist solch ein Buch immer dann gut, wenn ich Lust bekomme, mehr über die Thematik zu erfahren und selbst zu forschen beginnen möchte. 

    Mehr
  • fiktiver Roman

    Euphoria

    Bücherwurm

    29. October 2015 um 17:59

    Der Roman "Euphoria" von Lily King hat mich mit voller Wucht in meine Jugendzeit katapultiert. Ich habe vor nunmehr 35 - 40 Jahren fast ausschließlich Bücher, meist Biographien, über Entdecker, Anthropologen, Ethnologen. Der roman Euphoria handelt von einem jungen Ehepaar, die als Entdecker ferne Länder bereisen und Naturstämme beobachten und deren Verhalten und Sitten und Riten protokollieren und analysieren. Sie hat ein Buch veröffentlicht, weniger sachlich als eher allgemein-popularistisch über frühere Besuche bei sogenannten "Wilden" und landete einen "Bestseller". Sehr zum Unmut des Ehemannes, der unter der eigenen Erfolglosigkeit leidet, dafür nahezu fanatisch gewissen rituellen Gegenständen anhängt, die er unbedingt besitzen möchte. In ihrem Erforschungsgebiet befinden sich viele relativ unerforschte Stääme und auch andere Forscher, die oft aus ganz individuellen Gründen aus einem recht reichen und angenehmen Leben in den wilden Busch fliehen, um dort unter der endlosen Einsamkeit inmitten unbekannter Kulturen zu Grunde zu gehen. Der Roman ist gut geschrieben, spannend und sehr dramatisch, was mich nur so zu nehmend störte, die Handlung, die Figuren und auch die beschriebenen Völker sind rein fiktiv erfunden. Ich hatte auf dem Klappentext gelesen, dass der Plot "in Anlehnung an Margaret Mead" geschrieben sei, im Anhang findet man auch eine beachtliche Auflistung an Büchern, die die Autorin in Vorbereitung zu diesem Roman las, aber leider hat sie nichts von der Biographie oder der damaligen Erkenntnisse einfliessen lassen. Das hat mich frustriert. Ich hätte es mir anders gewünscht. Wer sich daran nicht stört, der liest eine Art Fantsy-Roman über die Dramatik der menschlichen Psyche, in der Menschen nicht fähig sind, die richtigen Dingen zur rechten Zeit zu tun. Für mich eine Art Mogelpackung, bei der der Wunsch bleibt, die erlesenen Fakten möglichst schnell wieder zu vergessen. Schade.

    Mehr
  • Der schmale Grat zwischen Zivilisation und Wildnis

    Euphoria

    Ginevra

    05. October 2015 um 18:43

    Es ist ein schwülheisser Sommer im Jahr 1932 am Sepik-River in Neuguinea. Drei Anthropologen treffen aufeinander: Andrew Bankson (angelehnt an Gregory Bateson), Schuyler Fenwick und Nell Stone (alias Margret Mead). Die Autorin weist eingangs darauf hin, dass sich ihre Charaktere stark von der realen Vorlage wegbewegt haben und ein Eigenleben entwickelten. Wissenschaftliches Interesse an den Eingeborenenstämmen und ihrer Lebensweise verbindet die drei Forscher, doch ihre Persönlichkeiten sind so unterschiedlich, dass es zu starken Emotionen und enormen Spannungen kommt. Bankson ist ein überzeugter Einzelgänger, der jahrelang unter Eingeborenen gelebt hat - und stark an Sinn und Zweck seiner Arbeit, dem Kolonialismus und der Anthropologischen Forschung überhaupt zweifelt. Die Gesellschaft des Forscherehepaars Fenwick/Stone weckt starke Gefühle nach Gemeinschaft, die er längst in sich vergraben hatte. Er verliebt sich in die spröde Nell, die ihrerseits eine seelische Verbundenheit zu dem sensiblen Melancholiker verspürt. Dazwischen steht Alpha-Macho Fen, der den Rivalen mit allen Mitteln aus dem Weg räumen will - und Nell den aufsehenerregenden Erfolg ihrer Berichte in aller Welt neidet. Die Erforschung eines Stammes mit matriarchalischen Strukturen betreibt Fen äußerst aggressiv, indem er die Ureinwohner wie Sklaven behandelt. Nell dagegen versucht, Freundinnen zu gewinnen, um an die Tabus und Geheimnisse des Stammes heranzukommen. Bankson steigert sich immer mehr in seine Liebe zu Nell hinein. Es beginnt eine Phase der Euphorie: während der Stamm im Drogentaumel die Rückkehr eines verschollenen Mitglieds feiert, hat Bankson im Traum eine Erleuchtung - zu einer bahnbrechenden wissenschaftlichen Idee. Doch auf die Euphorie folgt unweigerlich der Absturz... Lily King hat mit ihrem ersten Roman in den USA für Aufsehen gesorgt - wie ich meine, zu Recht! Ich fand das Thema hochinteressant, da ich mich schon immer für fremde Kulturen und Anthropologie interessiert habe, und sowohl von Bateson als auch von Margret Mead Schriften gelesen hatte. Doch das ist nicht nötig, um dieses Buch zu geniessen. Mir hat am besten gefallen, wie die drei "zivilisierten" und anfangs hochdisziplinierten Forscher im Dschungel immer mehr zu "Wilden" werden. Ihre unterdrückten Gefühle, Ängste, Triebe brechen plötzlich durch - besonders Fenwick geht plötzlich auf Alleingang und verhält sich immer grausamer. Daneben leben die sogenannten "Wilden" relativ friedlich ihr wohlgeordnetes Leben. Bis zum Ende hält sich der emotionale Spannungsbogen - einfach faszinierend! Fazit: wer sich auf eine intensive Reise durch den Dschungel, auf der Suche nach dem "Wilden in uns", begeben möchte, ist bei diesem einzigartigen Roman bestens bedient! Von mir 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung.

    Mehr
  • Tolle Sprache und ebenso toller Erzählstil....

    Euphoria

    unclethom

    23. September 2015 um 13:09

    Der Klappentext: Von realen Ereignissen im Leben der berühmten Ethnologin Margaret Mead inspiriert, erzählt Lily King in diesem grandiosen, spannenden und sinnlichen Roman ebenso anschaulich wie klug von Besitz und Begierde, Entdeckung und Macht, Liebe und Herrschaft. Neuguinea, Anfang der 1930er Jahre. Drei junge Ethnologen – die schon berühmte und faszinierende Amerikanerin Nell Stone, ihr Mann Fen und der Brite Andrew Bankson – stoßen nach Jahren einsamer Feldforschung aufeinander und entwickeln eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung. Erschöpft von den Versuchen, etwas Verwertbares über die Stämme am Sepikfluss herauszufinden, gelangen die drei Forscher zu den Tam, einem weiblich dominierten Stamm mit ungewohnten Ritualen. Während sie immer tiefer in das Leben der Tam eindringen, werden auch ihre unterschiedlichen Wünsche und Interessen immer deutlicher, die erotische Anziehung zwischen Nell Stone und Andrew Bankson immer intensiver. Schließlich schreitet Fen zu einer dramatischen Aktion mit tragischem Ausgang für alle. Quelle: http://www.chbeck.de/King-Euphoria/productview.aspx?product=14858542 Die Autorin: Lily King wurde 1962 geboren, wuchs in Massachusetts auf und studierte Englische Literatur und Creative Writing an der University of North Carolina at Chapel Hill und an der Syracuse University. Sie hat diese Fächer an verschiedenen Universitäten und High Schools in den USA und im Ausland unterrichtet. Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in Maine. Sie erhielt u.a. ein McDowell Fellowship und ein Whiting Writer’s Award. Ihr erster Roman "The Pleasing Hour" (1999) erhielt den Barnes und Noble Discover Award, war ein New York Times Notable Book und war der Gegenkandidat für den PEN/Hemingway Award. Ihr zweiter Roman "The English Teacher" (2005) war ein Publishers Weekly Top Ten Book of the Year, ein Chicago Tribune Best Book oft he Year und erhielt den Maine Fiction Award. Ihr dritter Roman "Father of the Rain" von 2010 war ein New York Times Editors Choice, eine Publishers Weekly Best Novel of the Year und gewann den New England Book Award for Fiction und den Maine Fiction Award. Er wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Quelle: http://www.chbeck.de/trefferliste.aspx?action=author&author=327954119 Die Rezension: Bei preisgekrönten Büchern bin ich zunächst etwas kritischer als normalerweise. Denn oftmals war es leider so dass meine Erwartungen an das Buch zu hoch waren. Hier jedoch gelang es der Autorin mich gleich in den Bann des Buches zu ziehen. Sprachlich wie auch vom Erzählstil holte mich die Autorin gleich auf den ersten Seiten ab und es gelang ihr mich zu fesseln bis zum Ende. Die Figuren ebenso wie die Schauplätze sind so plastisch und so schön beschrieben, dass es für mich eine wahre Freude war, den Protagonisten durch die Geschichte zu folgen. Es ist aber nicht nur eine einfache Liebesgeschichte, auch die damals wie heute aktuellen Themen wie Ausbeutung und Rassismus sind wichtiger Bestandteil des Buches. Vor dem Hintergrund Neuguineas zeichnet die Autorin ein farbenfrohes Bild des Landes, der Figuren und der Menschen dort. Besonderes Schmankerl für mich waren die Tagebucheinträge, die die innere Zerrissenheit der Protagonisten aufgezeigt haben. Es entstand bei mir dabei das Gefühl, als würden diese Einträge deutlich zum Verständnis beitragen. Im Großen und Ganzen konnte mich das Buch sehr gut unterhalten und so vergebe ich 4 von 5 Sternen. Einen Sterne Abzug, weil ich das Gefühl hatte, dass trotz der tollen Lektüre noch mehr möglich gewesen wäre, mir kam es so vor als wenn zum Ende hin Seiten gefehlt hätten.

    Mehr
  • Ein leichtfüßig erzählter Roman

    Euphoria

    WinfriedStanzick

    18. August 2015 um 12:53

    Ob sich einzelne Szenen so oder ähnlich tatsächlich zugetragen haben, wie sie in dem vorliegenden mit dem Kirkus Preis ausgezeichneten Roman der Amerikanerin Lily King beschrieben werden, ist möglich, aber für die literarische Beurteilung des Buches nicht wichtig. Wenn die New York Times ein Buch unter die fünf besten literarischen Bücher wählt, wie sie es mit „Euphoria“ im Jahr 2014 getan hat, als das Buch im Original erschien, dann ist das eine große Ehre. Die Geschichte, die Lily King erzählt, hat nicht nur wegen ihres leidenschaftlichen Stils all diese Auszeichnungen verdient. Offenbar seit langem von der berühmten Ethnologin Margaret Mead, ihrem Leben und ihren Forschungen fasziniert und mit der im Anhang des Buches aufgelisteten Literatur wohl vertraut, hat sich Lily King inspirieren lassen zu einem spannenden und schönen Roman, der sich nicht nur mit den fantastisch beschriebenen Beziehungen und dem von ihrer jeweiligen Geschichte geprägten Innenleben ihrer Protagonisten beschäftigt, sondern auch einen hervorragenden Einblick gibt in das Leben und Arbeiten führender Ethnologen Anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Lily King konstruiert eine Begegnung und Beziehungsgeschichte zwischen der schon durch Veröffentlichungen berühmten amerikanischen Ethnologin Nell Stone, ihrem Ehemann Fen und dem Briten Andrew Bankson in Neuguinea in den Siedlungsgebieten verschiedener eingeborener Stämme im Flussgebiet des Sepik. Eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung entwickelt sich, gepaart mit professionellen Konkurrenzen, insbesondere zwischen Nell und ihrem Mann. Andrew Bankson, in dem man unschwer Margaret Meads späteren zweiten Ehemann Gregory Bateson erkennen kann, ist nicht nur von Nells Arbeit und ihrer wissenschaftlichen Leidenschaft und Stringenz begeistert, sondern er nutzt auch eine Abwesenheit Fens, die noch dramatische Folgen haben wird, sich Nell sexuell zu nähern. Die erwidert sein Begehren, doch ob all das eine Zukunft haben kann und wird in dem Buch, soll hier offen gelassen werden. Wenn man sich irgendwann gelöst hat nach einigen Dutzend Seiten von dem dauernden Vergleich mit den Menschen, deren Leben Lily King zu diesem leichtfüßig erzählten Roman inspiriert hat, taucht man ein in eine sinnliche Geschichte von drei Menschen, die aufbrachen, die Fremde zu erkunden auf den Spuren nach den Ursprüngen der Menschheit und des Menschseins, und dabei ohne es wirklich zu wollen, in den „Dschungel ihres eigenen Inneren eingedrungen“ (Ilija Trojanow) sind. Ein Roman, in dem es neben der Ethnologie und ihren Methoden hautsächlich geht um Begierde, Liebe und um unterschiedliche Lebensformen und Herrschaft.

    Mehr
  • Wunderbar erzählt

    Euphoria

    michael_lehmann-pape

    17. August 2015 um 12:44

    Wunderbar erzählt Von den ersten Worten an gelingt es Lily King mit fast spielerischer Leichtigkeit, den Leser mitten hinein zu ziehen in die exotische Welt der Handlung, in die beteiligten Personen, die King jeweils kraftvoll ganz eigen skizziert. Mittels ihrer sehr klaren, verständlichen, bildkräftigen Sprache vermittelt King durch kleine Wendungen, einzelne Worte klare Emotionen, Grundhaltungen und zieht den Leser ebenso emotional mit hinein. „An den kleinen Aussetzern zwischen Wahrnehmung und Begreifen merkte sie, dass das Fieber wieder stieg“. Gepaart mit dem Schlafanzug als Kleidung und den kurzen Hinweisen auf Wunden, offenen Stellen, belasteten Gelenken ist umgehend klar und erlebbar, wie es Nell Stone im Augenblick geht. Mitgenommen. Unzufrieden. Krank. Die letzte Zeit als Ethnologin bei einem Stamm, zu dem sie mit ihrem Mann wenig Zugang gefunden hatte, tut ihr Übriges hinzu, um sie nach unten zu ziehen. Das King neben diesen kleinen und treffenden Beschreibungen, so nötig, auch deftig und heftig „zur Sache“ zu kommen versteht, findet sich einige Seiten weiter bei der ersten, völlig unromantischen erotischen Szene, in der ebenso am Rande klar wird, wie wenig Nell´s Mann sich um ihr leibliches Wohlergehen kümmert, als auch, wie direkt Lily King sich den erotischen Seiten des Romans zuzuwenden versteht. Denn neben den vielfachen Eindrücken der Ethnologie und der Atmosphäre der Zeit Anfang der 30 Jahre, wird die Erotik, die Leidenschaft eine große Rolle spielen. Ein zweiter Mann, Konkurrent eigentlich, ebenfalls Ethnologe, der familiär ein hartes Schicksal erlebt hat und der eigenen „dunklen Seite“ sich hier und da ausgeliefert sieht, wird näher bekannt. Mit dem Ehepaar Stone, mit einem leidenschaftlichen Gefühl für Nell. So vermischen sich im Laufe der temporeichen Geschichte exotische Eindrücke, Forscherhingabe und Liebe, erotische Leidenschaft und Gefahr, eine gelangweilte „Gesellschaft“ und der abenteuerliche Ausbruch aus einem solchen Dasein hinein in „unbekanntes Gebiet“, hin zu „Urvölkern“, bei denen der Kannibalismus in Teilen noch recht lebendig ist. Und wenn ein Ethnologe einen Jagdausflug begleitet, wer weiß, was er dann für Erfahrungen gezwungen ist, zu machen? Ein Blick der Ethnologie, den King, auch zu Beginn in einer treffenden und prägnanten Sprache durch die Augen ihrer Protagonistin Nell Stone einfach auf „die Zivilisation“ wirft, nicht die „Schwarzen“, sondern „die Weißen“ mit kühlem wissenschaftlichem Blick in wenigen Zeilen auseinanderbaut. Dieser Blick für das Wesentliche begleitet die Perspektiven, Etappen und Personen des Buches stringent und schafft eine dichte, spürbare, knisternde, Teils auch spannende Atmosphäre, die Abenteuerroman, Liebesgeschichte, (fiktive) Wissenschaftsgeschichte miteinander verbindet, vor allem aber die innere Entwicklung der drei Hauptpersonen auf den Punkt bringt, lebendig hält und nahtlos in die äußeren Ereignisse im Buch einbettet. Bis das der Leser die „Euphoria“ des Forschers, der einen Durchbruch erzielt, ebenso nachvollziehen kann, wie die „trunkene Euphoria“ des Liebeslebens im Buch.

    Mehr
  • weitere
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks