Lily King Vater des Regens

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Inhaltsangabe zu „Vater des Regens“ von Lily King

Lily Kings subtiler und herzzerreißender Roman über die tragischunverrückbare Liebe einer Tochter zu ihrem manipulativen Vater zeigt, wie unentrinnbar Bindungen in der Familie sind.

Daley Amory erlebt als Elfjährige die Trennung ihrer Eltern und wie vor allem der charismatische, aber weltanschaulich in den 50er Jahren stecken gebliebene und selbstzerstörerische Vater seine alte Familie schnell durch eine neue ersetzt. Daley gelingt es, ein eigenes Leben, eine Liebesbeziehung aufzubauen, und bleibt doch auf eine gefährliche Weise auf ihren Vater fixiert, auf die Vorstellung, ihm helfen zu müssen. Mühsam muss sie sich aus dieser Verstrickung befreien.
Lily Kings dritter Roman mit seinen faszinierenden und aufwühlenden Charakteren zeigt das ganze psychologische und sprachliche Können der Autorin, die es den Lesern unmöglich macht, sich dem Sog dieser Geschichte zu entziehen.

Ein intensives Leseerlebnis!

— schokoloko29

Mich hat diese Geschichte sehr berührt..und auch wütend gemacht ..Wirklich ein sehr lesenswertes Buch..!!

— orchidee25

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  • Schwierige Tochter- Vater- Beziehung

    Vater des Regens

    schokoloko29

    04. December 2017 um 12:41

    Die Protagonistin Daley Amory hat es nicht leicht. Ihre Mutter entscheidet sich, als Daley elf Jahre alt war, sich von ihrem Mann (nach 20 Jahren Ehe) zu trennen. Der Vater hat ein dickes Alkoholproblem. Leider zeigt er kein Problembewußtsein. Aus diesem Grund macht sie einen Schlußstrich. Nun lebt sie in der Woche bei ihrer Mutter und am Wochenende bei ihrem Vater. Ihr Vater hat die Familie gleich ausgetauscht. Er bändelt mit einer Frau an, die drei Kinder hat und auch exessiven Alkoholkonsum aufweist. Sie unterstützen sich gegenseitig in ihrer Sucht und ihre Kinder verwahrlosen.Daley emanzipiert sich von ihrem Elternhaus. Sie absolviert ihr Studium und hat nun eine Professur in Berkley und einen tollen Freund Jonathan, als sie einen Anruf von ihrem Bruder erhält. Ihr Vater ist in Schwierigkeiten und sie soll ihrem Vater helfen. Sie lässt ihre Liebe und die Professur in Berkley saußen, um sich für ihren Vater aufzuopfern und für ihn da zu sein. Sie ist fest der Meinung wenn sie ihm jetzt nicht beisteht, stirbt er.Doch nach und nach realisiert sie, dass sie ihren Vater nicht helfen kann und lässt ihren Vater hinter sich.In diesem Buch geht es um die schwierige Tochter- Vater- Beziehung und der Umgang der Protagonistin mit ihrem Vater. Das Buch nimmt einen mit auf eine Reise und es forderte mich heraus. Teilweise konnte ich die selbstzerstörerische Phasen der Protagonistin und des Vaters kaum ertragen.Ein Buch, welches mich sehr beeindruckt hat.Ich wünsche diesem Buch viele Leser!

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  • Traumata eines Lebens oder Wie man eine Kinderseele zerstört

    Vater des Regens

    Babscha

    02. March 2017 um 20:55

    Der Vater: Es ist Jahre her, dass ich bei meinem Vater den letzten Wutausbruch ausgelöst habe. Ich habe sie vor langer Zeit zu umschiffen gelernt. Ich lenke das Gespräch ... auf kein Thema, das sich, und sei es noch so entfernt, mit meiner Mutter in Verbindung bringen lässt. Ich stichle nicht und stecke Sticheleien mit einem Lächeln ein; ich behalte meine Gedanken und Meinungen weitestgehend für mich. Ich stelle Fragen. Ich mache mich nützlich. Ich rede nicht über meine Interessen, meine Beziehungen oder meine Ziele. So erkaufe ich mir meinen Frieden. Die Mutter: ... weil es für mich der leichtere Weg war, einfach den Rücken zu kehren, mitsamt all den Erinnerungen an sie, meine Mutter, die mich geliebt, aber nicht beschützt hat, die mich Wochenende für Wochenende beim meinem Vater verbringen ließ, jahrelang, obwohl ich hinterher jedes Mal wie ein wildes Tier war, und die nie wissen wollte, warum. Das Kind: Sie heißt Daley Amory und ist anfangs elf Jahre alt. Und so beschreibt sich in knappen Worten das Leben dieses unverstandenen Mädchens, das uns seine erdrückende Lebensgeschichte, startend Mitte der Siebzigerjahre, selbst hautnah erzählt. Der Vater ein neureicher, bornierter, emotional abgestumpfter Mensch, der sich einen Dreck um seine Kinder schert, sondern nur seinem Ego frönt und sich gerade mal für seine Hunde, Tennis, republikanisches Gedankengut und das gesellschaftliche Leben in seinem amerikanischen Ostküstenkaff interessiert. Und natürlich zuallererst für seine unzähligen täglichen Drinks, die er zelebriert und kippt und die ihn dann zu einem menschenverachtenden, cholerischen Monster mutieren lassen, das seine Familie terrorisiert. Bis dann eines Tages Daleys Mutter von jetzt auf gleich ihre Tochter und ihre Siebensachen schnappt und sich absetzt. Was der verletzten Kinderseele aber keinerlei Entlastung, sondern nur noch mehr Qualen bringt, denn nach der Scheidung beginnt ein jahrelanges Pendeln zwischen verfeindeten Elternteilen inklusive deren jeweils neuen Partnern. Hilfe ist da von keiner Seite zu erwarten, zumal der ältere Bruder schon lange weg gezogen ist und alle anderen Erwachsenen der Stadt konsequent weg schauen. Das Buch: Ist großartig! Meisterhaft und berührend die Sprache und die Personenzeichnungen des Romans, die den Leser sofort in Bann ziehen und bis zum Schluss nicht mehr los lassen. Die Autorin schafft es zum einen wohltuend, typisch süßlich-amerikanische Befindlichkeitsdokumentationen auf ein absolutes Mindestmaß zu beschränken , dafür bietet die Geschichte auch wahrlich kaum Anlässe. Viel überzeugender ist , wie man hier eine Frau aus ihren prägenden Kindertagen mit einem Alkoholiker heraus bis in ihr mittleres Alter hinein auf ihrem interessanten, verschlungenen wie problematischen Lebensweg begleiten darf (den man nicht erzählen kann, sondern einfach selbst lesen muss) und vor allem, wie ihre schlimmen familiären Erfahrungen unabdingbar ihre frühe wie spätere Persönlichkeitsentwicklung massiv beeinflussen. Und wie sie als Tochter einfach nicht anders kann, als ihrem berechnenden, vulgären und abstoßenden Vater immer weiter die Treue zu halten und sich von ihm trotz aller Beschränkungen ihres eigenen Lebens einfach nicht lösen kann. Da möchte man als Leser am liebsten manchmal einfach dazwischen gehen, so gut ist das gemacht. Ein bis zuletzt absolut überzeugendes Buch und echtes Lesehighlight 2017.

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  • Vater und Tochter

    Vater des Regens

    Petris

    21. February 2017 um 09:20

    Manchen Büchern kann man einfach nicht entkommen, die suchen einen richtig und im Nachhinein ist man froh, sie nicht verpasst zu haben. Vater des Regens ist so ein Buch. Obwohl mir der Vorgänger „Euphoria“ unglaublich gut gefallen hatte, war mir der neue Titel Lily Kings nie richtig aufgefallen. Vielleicht ja auch, weil das Cover so nach Jugendbuch aussieht und mich der Titel nicht wirklich begeistert. Ich verstehe auch jetzt noch nicht, was er mit der Geschichte zu tun hat. Daley Amory wächst recht privilegiert auf, Pool, Privatschule, ein Vater, den sie vergöttert,… Doch dann trennen sich ihre Eltern, das Alkoholproblem verschärft sich, er findet eine neue Partnerin und Daley wird in ihrem Streben nach Zuneigung und Anerkennung immer wieder zurück gewiesen und bricht fast völlig mit ihm. Jahre später kommt ein Anruf, sie eilt ihm wieder zu Hilfe und gerät erneut in die alte Abhängigkeit vom Vater. Kann sie sich befreien, findet sie doch noch ihr persönliches Glück, wird sich der Vater wirklich ändern? Lily King ist eine gute Beobachterin, die die Feinheiten der menschlichen Beziehungen mit all ihren Schwächen und Stärken wunderbar in eine Geschichte packen kann. Das Ende ist versöhnlich, ohne in Kitsch und Wunschdenken abzugleiten, sehr schön gelöst. Ein schöner, berührender Roman, der sich unaufgeregt und flüssig liest. Mir hat er sehr gut gefallen. Und ich bin froh, dass er mich am Ende doch noch gefunden hat!

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  • Unlösbare Bindung

    Vater des Regens

    serendipity3012

    24. October 2016 um 19:20

    Unlösbare BindungDie Familie, aus der man kommt, prägt für das ganze Leben. Auch, wenn man sich ein eigenes, erfolgreiches, ein erwachsenes Leben aufgebaut hat, so fassen dennoch oft die gleichen Mechanismen wie damals. In der Beziehung zu seinen Eltern bleibt man immer ein wenig der, der man damals war. Wenn diese Beziehung eine schwierige, eine unglückliche war, kann es einem so ergehen wie Daley Amory in Lily Kings Roman „Vater des Regens“. Das Verhältnis zu ihrem Vater ist ein schwieriges, doch obwohl er und sein destruktives Verhalten ihr zu schaffen machen und sie auch in der Lage ist, zu sehen, wie berechnend er ist, schafft sie es nicht, sich von ihm zu lösen.Der erste große Einschnitt in Daleys Leben passiert, als ihre Mutter eines Sommers, als Daley gerade elf Jahre alt ist, ihren Vater verlässt. Sie lässt ihm nur einen Zettel da, nimmt die Tochter mit zu ihren Eltern, wo sie die nächste Zeit verbringen, dann ziehen sie in eine neue Wohnung. Der vor vollendete Tatsachen gestellte Vater tobt. Daley wird in der nächsten Zeit hin- und hergereicht, weiß nicht recht, wo sie hingehört, versteht ihre neue Rolle nicht. Beide Elternteile finden schnell neue Partner. Daley verbringt viele Wochenenden bei ihrem Vater und dessen neuer Frau, die sie immer wieder herablassend behandeln, schlüpfrige und unangemessene Witze bzw. Sprüche reißen und ihr unterstellen, dass sie sich für etwas Besseres hält, weil sie gern und viel liest. Außerdem wird viel getrunken: Daleys Vater ist Alkoholiker und wenn er betrunken ist, unberechenbar.Daley erzählt ihre Geschichte in der Ich-Perspektive. In drei Teile gliedert sich der Roman, von denen der erste die Zeit zur und nach der Trennung der Eltern erzählt, als Daley noch sehr jung ist, und die anderen beiden spätere Zeiträume umfassen, als Daley erwachsen ist. Sie ist dabei stets sehr offen und ehrlich, sieht genau hin – auch wenn man als Leser nicht umhin kann, immer wieder zu denken, zu befürchten, dass sie sich selbst etwas vormacht. Der Vater ist eine sehr starke Persönlichkeit, der es versteht, sein Umfeld zu manipulieren: Er kann sehr charmant sein und die Aufmerksamkeit schnell auf sich ziehen, steht gern im Mittelpunkt und braucht stets jemanden, der sich um ihn kümmert. Ja, es ist selbstverständlich für ihn, dass sich jemand um sein Wohl sorgt und wenn es keine (Ehe-)Frau gibt, die diese Aufgabe übernimmt, so erwartet er dies ganz selbstverständlich von seiner Tochter, die er andererseits immer wieder sehr herablassend behandelt und die er in niederträchtiger Weise heruntermacht. Oft sind es kleine Spitzen, doch sie sitzen.Daley hat gelernt, wie sie mit ihrem Vater umgehen muss, damit seine Stimmung nicht plötzlich kippt, damit seine Aggressionen sich nicht plötzlich Bahn brechen. Sie hat ihn studiert, kennt die kleinsten Anzeichen, sie weiß, wann sie welches Wort sagen, wann welche Geste, welcher Blick angemessen sind. Ihr Vater ist, gerade auch, wenn er betrunken ist, wie ein Pulverfass. Und obwohl er ihr nicht guttut, sie immer wieder schlecht behandelt hat, gibt sie ihn nicht auf. Es ist eine schmerzhafte Tochterliebe, der Wunsch, einen Vater zu haben, wie sie ihn bei anderen sieht, eine Beziehung zu ihm zu haben, die von Zuneigung, Aufmerksamkeit und Respekt geprägt ist, eine Beziehung unter Erwachsenen.Lily Kings Roman „Vater des Regens“, der in den USA vor ihrem ebenfalls lesenswerten Roman „Euphoria“ erschien, erzählt eine völlig andere Geschichte – wenn es Gemeinsamkeiten zwischen den Büchern gibt, dann liegen diese vor allem im Können der Autorin, die Beziehungen zwischen Menschen darzustellen. Kings Dialoge, oft knapp, treffen auf den Punkt und liefern das Unausgesprochene stets mit. Das Unausgesprochene, das in diesem Roman oft so viel mehr Raum einnimmt, das groß und größer wird. Kings Protagonistin erzählt offen und ehrlich, reflektiert stets das eigene Handeln, sieht viel – und kann doch nicht aus ihrer Haut. Man liest mal atemlos, mal skeptisch, manchmal wütend. Der Roman braucht ein bisschen Zeit, bis er seine volle Kraft entfaltet, trifft dann aber mit Wucht.„Vater des Regens“ ist eine lesenswerte Geschichte über eine Frau, die versucht, einer der wichtigsten Beziehungen in ihrem Leben Positives zu geben und so auch letztlich bei sich anzukommen. Die Geschichte ihrer Entwicklung bis zu einem Punkt, an dem sie mit der Vergangenheit abschließen kann.

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  • Halbgott und Verhängnis gleichermaßen

    Vater des Regens

    TochterAlice

    12. October 2016 um 18:27

    Das ist ihr Vater für Daley Armory, sie kann nicht mit ihm und nicht ohne ihn. Ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter - die beschließt nämlich, als Daley elf Jahre alt ist, ihren egozentrischen und selbstherrlichen Mann Gardiner zu verlassen - Gardiner, der auch lustig sein kann und aufmerksam, charmant und einschmeichelnd - solange alles nach seiner Facon geht. Bald schon werden die Wochenenden mit seiner neuen Familie - denn keine Minute hat er es allein ausgehalten - für Daley zur Qual, zumal er das für alle offensichtliche leugnet: er ist Alkoholiker.Das Buch teilt sich auf in drei Teile, die drei verschiedene Phasen, unterschiedliche Altersstufen in Daleys Leben wiederspiegeln. Daley hat ihren Vater stets geliebt, aber hat er es zurückgegeben? Oder hat er am Ende nur sich selbst geliebt? Ein sehr komplexes Buch ist dies, in dem mit Sicherheit nicht nur gelegentlich Autorin Lily King aus ihrem eigenen Leben, ihren Erfahrungen spricht.Dass sie schreiben kann, weiß der deutsche Literaturfreund seit "Euphoria", dem grandiosen Roman über eine ménage à trois unter Ethnologen, die sich grob an der Biographie Margaret Meads orientiert  und mich begeistert hat - aber nicht so sehr wie dieses davor geschriebene, doch erst jetzt ins Deutsche übertragene, sehr persönliche Buch.Es erzählt von Bindungen und von Druck, von eigenem wie auch fremd verursachten, von zuviel und von zuwenig Liebe - und es hinterlässt den Leser nicht selten verwirrt und irritiert. Wie kann Daley sich selbst so wenig lieben, dass sie den einen oder anderen Weg geht? Es wurde ihr doch ganz anders vorgemacht vom Vater, der sich selbst stets der Nächste war. Ein Mann, der Daley und ihrem älteren Bruder viel mitgegeben und noch mehr genommen hat.Ein Mann, über den Daley - denn aus ihrer Perspektive ist der Roman geschrieben - nie anders als mit Liebe spricht, auch in den Momenten, in denen es ihr unendlich schwer fällt. Nein, dies ist keine Rechtfertigung, auch keine Begründung, am ehesten ist es eine Widmung. So war es und Daley ist - fast - durchs Fegefeuer gegangen. Ich persönlich kann sie verstehen und erkenne viele Parallelen in der eigenen Biographie, in der seitens des Vaters lange nicht so viel Schmerz, so viel Druck, so viel Selbstgerechtigkeit aufgebaut wurde. Aber dennoch - dieses Bedingungslose, das manchmal bei der Tochter durchblitzt, das kenne ich auch und es ist auch mir kostbar.Lily King hat ein kluges und ehrliches Buch geschrieben, in dem sie vieles offenbart und preisgibt - in Familien ticken die Uhren eben anders, man kann nicht alles logisch begründen. Einfach großartig, wie ich finde. Ich wünsche diesem Buch viele Leser!

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    • 4
  • Empfehlenswert!

    Vater des Regens

    storiesonpaper

    12. October 2016 um 13:51

    Nach „Euphoria“ ist nun mit „Vater des Regens“ der nächste Roman von Lily King als Übersetzung im C.H. Beck Verlagerschienen. Entführte die Autorin die Leser in ihrem letzten Buch in die Welt der Anthropologie und verknüpfte die exotische Welt Papua-Neugineas mit Beziehungsgeflechten, hat sie sich für „Vater des Regens“ eine bodenständige Kleinstadt an der amerikanischen Ostküste ausgesucht. Im Mittelpunkt steht eine Vater-Tochter-Beziehung, die in drei Teile eingeteilt ist und verschiedene Zeiten beleuchtet. So beginnt sie mit der Trennung der Eltern, die die elfjährige miterleben muss und endet über zwanzig Jahre später. Es ist der Pool im Garten der Familie, der der Mittelpunkt des Geschehens ist und den Gardiner extra für seine Tochter Daley gebaut hat. Hier versammelt sich die Nachbarschaft, hier werden Partys gefeiert und Schwimmstunden gegeben. Lily King eröffnet ihre Geschichte mit der sofortigen Gewissheit, dass diese Idylle ein Ende hat. Dass die Mutter sich trennen und den Sommer mit ihrer Tochter bei den Großeltern verbringen wird, ist bereits bewusst, nur der Vater ist ahnungslos. Gardiner ist ein lebenslustiger Mensch, den Daley vergöttert. Es ist erstaunlich, mitanzusehen bzw. zu lesen, wie schnell diese Beziehung im Folgenden auseinanderbricht. Schnell haben Vater und Mutter neue Partner kennengelernt und Daley steht plötzlich ohne Anker da. Es ist ausgerechnet die Mutter von Daleys bestem Freund, die sich von nun an mit ihren Kindern am Pool räkelt und die des Vaters neue Familie wird. Der Abstieg beginnt langsam. Daley fühlt sich immer weniger geliebt, Gardiner trinkt immer mehr, die Familien werden immer zerrütteter. Ihr einstiges Zuhause wird für Daley immer mehr zu einer Farce und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als die Anerkennung ihres Vaters zu bekommen. Es tut weh, diesen Abstieg mitzuerleben, der aus der Ich-Perspektive Daleys erzählt wird. Die Autorin hat es mit nur wenigen Situationen am Anfang geschafft, die Liebe des Vaters und der Tochter so darzustellen, dass ich mir wünschte, sie würde alles umkehren. Doch das Happy-End folgt nicht. Die Handlung springt nach dem erfolgreichen Studium Daleys. Ihren Vater hat sie schon lange nicht mehr gesehen, zu fremd sind sie sich geworden, als der Anruf ihres älteren Bruders Garvey sie erneut nach Hause holt. Ihr Vater hat erneut seine Frau verloren, die ihn verlassen hat und droht abzustürzen. Trotz der Differenzen und des Auseinanderlebens ist es Daley, die ihrem Vater zu Hilfe kommt und Struktur in sein Leben bringt. Angetrieben von der Hoffnung, aus ihrem Vater einen selbstständigen Mann zu machen, lässt sie alles zurück und gibt sich ganz für Gardiner auf. Die Passage ist geprägt von Misstrauen und Vorwürfen, dennoch wird das Band der beiden immer enger. Lily King schafft hier eine einzigartige Atmosphäre und zeigt erneut, wie gut sie mit Charakteren spielen kann. Es passiert nicht viel über die Seiten, aber zwischen den Zeilen steht so vieles – die Liebe zur Familie, die Aufgabe und Hoffnung, Verrat und Schuld. Als King dann einen erneuten Sprung wagt, ist es für mich beinahe unerträglich gewesen, die erneute Trennung Daleys und Garviners zu vernehmen. „Vater des Regens“ ist ein zutiefst bewegender Roman, in dem man sich an die kleinen Lichtblicke klammert. Lily Kings Erzählung ist nicht aufregend oder außergewöhnlich. Sie bedient sich eher den gängigen Formen, schafft es aber dabei, eine neue Gefühlswelt zu erwecken und die Leser zu damit beeindrucken. Ich habe mit den Charakteren mitgefiebert und fühlte mich mit ihnen verbunden, von mir gibt es dafür 4 von 5 Sternen.

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  • Unlösbare Bindungen

    Vater des Regens

    michael_lehmann-pape

    09. September 2016 um 16:41

    Unlösbare BindungenDaley Amory liebt ihren Vater. Normal, könnte man sagen. Vor allem, weil ihr Vater immer ein Zwinkern vorrätig hält, wie ein Kumpel mit ihr umgeht, in seiner Gegenwart immer was los ist und, als sie elf Jahre alt war (der Zeitpunkt, an dem das Buch beginnt), er noch nicht weiß, was Daley weiß.Das ihre Mutter innerlich auf gepackten Koffern sitzt. Dass die bevorstehende Reise zu den Großeltern bei der Rückkehr dann nicht im elterlichen Haus, sondern in einer neuen Wohnung enden wird.„Beim Autofahren singt er immer. Seine Stimme ist tief und verkratzt vom Rauchen und weil er oft so laut rumschreit“.Nicht, weil der Mann cholerisch wäre, sondern weil er Spaß zu haben gedenkt. Oder, genauer betrachtet, weil er gesehen und gehört werden will. Weil er sich nur merkt, wenn er laut ist. Weil er ein absoluter Narzisst reinster Güte ist, der durch die Augen der anderen, durch die Anerkennung, Bewunderung des Umfeldes seine Lebenskraft versucht, zu finden.Da springt man als erwachsener Mann beim „Wohltätigkeitstag“ der eigenen Ehefrau, die arme Kinder aus der Nachbarschaft in den eigenen Pool und zum Grillen eingeladen hat, auch schon mal splitterfasernackt um den Pool herum.Frei nach dem Spruch, besser einen guten Freund verlieren, als einen Witz zu verpassen.Ein Narzissmus, der jenes knuffen und zwinkern und „Hund kaufen gehen“ immer auch ein stückweit mit manipulativer Absicht vollzieht. Auch was die eigene Familie, die Tochter angeht.Und Daley steht ihm bei. Ist Teil dieses Beziehungsgeflechtes, das ans ich bereits nur schwer zu durchschauen ist. Weil Narzissten so charmant, lustig, nahe rückend sind. Weil sie das Spiel mit der Empathie beherrschen und wissen, was sie und wie sie es tun müssen, damit die anderen entsprechend reagieren.Ein Mann, der in jener „swingenden“ Zeit der 50er Jahre sich beheimatet fühlt, in der das Leben leichtgenommen wird, ein guter Witz die Krone der Unterhaltung darstellte und das „Rat Pack“ auf der Bühne mit dem Whisky in der Hand vorlebte, was man unter Lebensgenuss und Lebensfreude zu verstehen hatte. Als Mann zumindest.Was aber passiert, wenn man als Kind damit aufwächst und auch als erwachsene Frau immer und immer wieder daran festklebt? Spürt, dass das eigene Leben, die eigene, aufgebaute Beziehung an entscheidenden Punkten immer wieder in den Schatten des Vaters gerät und man merkt, dass man sich lösen müsste? Aber auch helfen will?Indem man die eigene Geschichte noch einmal Revue passieren lässt, auf die kleinen Zeichen im Nachgang dann achtet. Und dabei natürlich auch die eigene Geschichte mit den eigenen, kleinen und großen Verletzungen noch einmal vor Augen geführt bekommt.„Die Jungen wollten immer nur sie küssen“. Ihre beste Freundin, Mallory. Und immer wieder, gerade als Daley beginnt, das eigene, junge, erwachsene Leben anzugehen, taucht da dieser verdeckte Hilferuf des Vaters auf, der sich dramatisch noch steigern wird, der sich mehr und mehr im Lauf der Geschichte auf seine Tochter wie auf eine Krücke stützt.Lily King schreibt mit dichter Atmosphäre und als sehr genaue Beobachterin, die zu differenzieren weiß. Nicht schwarz-weiß Stereotypen bestimmen daher die Gedanken und Handlungen der Personen, sondern die gegenseitige Bindung hinter allen äußerlichen Verhaltensweisen sind es, die King in Dialogen und meisterhaft gestalteten inneren Monologen offenlegt.Bis zu einem Ende, an dem das Schicksal noch mit Hand anlegt.„Das Leben, so unfassbar das manchmal scheint, schlingert weiter“. Dann aber in ganz anderer Form für beide der Hauptpersonen.Trotz mancher Längen, eine interessante, genau beobachtete, dichte Lektüre, die den Leser mit hineinnimmt in die tiefen Bindungen, die das Leben letztlich einfach mit der Geburt schon setzt und die den Verlauf des Lebens maßgeblich mitbestimmen, oft auch ob man will oder nicht.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    27. December 2015 um 19:56

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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