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Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt

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Neu erschienen am 09.11.2018 als Hardcover bei Ullstein Buchverlage.

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Rezension zu "Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt" von Lina Muzur

Weiterschreiben!
Kathrin_Schroedervor 5 Tagen

Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt

Literarische Begegnungen mit Autorinnen und Autoren aus Krisengebieten

Erscheinungsdatum: 04.11.2018 gelesen dank netgalley als ebook, leider epub, daher auf tablet

Genre: Politische Literatur, Belletristik, Lyrik

Klappentext:

Weitermachen, Weiterreden, Weiterschreiben. Das ist der dringliche Appell, den die Texte dieses Bandes senden. Sie bilden einen Dialog über künstlerisches Schaffen im Exil ab, den die Autorinnen und Autoren mit namhaften deutschen Schriftstellerinnen und Schriftstellern — unter ihnen Nino Haratischwili, David Wagner und Saša Stanišić — führen.

Alle hier genannten Autorinnen und Autoren haben eines gemein: Sie alle leben in Krisengebieten oder mussten ihre Heimat verlassen. Nun wollen sie vor allem eins: weiterschreiben. In ihren Gedichten und Prosatexten geht es um Erinnerung und Vergegenwärtigung, Häuser und Wolfsherzen, Verlust und Identität, Liebe und Begehren, Kühlschränke und Küchentische, Hoffnungen und Enttäuschungen. Alle Texte bieten berührende Einblicke in die Biografien der Autorinnen und Autoren und ihre Vorstellungswelten, die sie mit ihren Tandempartern diskutieren.

Mit Beiträgen von Ali Al-Kurdi, Martin Kordić, Mariam Meetra , Antje Rávic Strubel, Widad Nabi, Annett Gröschner, Samuel Mágó, Rasha Habbal, Nora Bossong, Souad Alkatheeb, Fady Jomar, David Wagner, Yamen Hussein, Lena Gorelik, Noor Kanj, Svenja Leiber, Galal Alahmadi, Tanja Dückers, Ramy Al-Asheq, Monika Rinck, Omar Al Jaffal, Kristine Bilkau, Lina Atfah, Nino Haratischwili, Karoly Mágó, Rabab Haidar, Ulla Lenze, Salma Salem, Saša Stanišić, Ahmad Katlesh und Michael Krüger

Deutsche oder deutschsprachige Autoren sind für dieses Projekt mit Autoren aus Krisengebieten zu Tandems zusammengefaßt, die sich im Entstehungsprozess des Buchs austauschen, entweder in persönlichem Gespräch, Telefonaten oder über Chats u.ä.

Manche der Autoren aus Krisengebieten sind aktuell in Deutschland, andere sind in der Heimat oder in anderen Ländern.

Der "deutschsprachige" Tandempartner stellt jeweils vor, wie der Kontakt bisher abläuft, was ihn/sie mit dem anderen Autoren verbindet. Diese Texte reichen von Beschreibungen der Begegnungen bis hin zu Überlegungen, was die Texte des anderen Autoren mit ihm/ihr gemacht haben. Dann folgen Texte des nicht deutschschreibenden Autoren in Übersetzung.

Für mich ist dieses Buch auf zwei Ebenen unterwegs. Die Begegnungsebene und politische Ebene, auf der es um das Schreiben, Weiterschreiben, Austausch von Erfahrungen und Berührungspunkte geht und die literarische Ebene. Zusätzlich enthält das Buch noch Illustrationen, meist Bilder von Kunstwerken, die die literarische Ebene ergänzen.

Das Buch als Ganzes zu bewerten fällt mir sehr schwer. Von der Begegnungsebene habe ich mich angesprochen gefühlt und nur bedauert, dass hier immer nur eine Seite des Tandems zu Wort kam. Ich hätte sehr gern von beiden Seiten des Austauschs gelesen.

Die literarische Ebene hat mich leider weniger angesprochen. Dies ist aber ein sehr persönlicher Eindruck. In diesem Teil sind sehr viele Gedichte, Verse, Lyrik enthalten und so gut diese auch sein mögen, fehlt mir aktuell leider die Muße und der Zugang zu dieser literarischen Ausdrucksform. Teile habe ich übersprungen, weil ich einfach nicht schaffte, mich genug darauf einzulassen. Ich hatte eher Kurzgeschichten erwartet und konnte diese Erwartung hier nicht erfüllt bekommen.

Das Buch eignet sich eher dazu häufiger einmal kleine Stücke daraus zu lesen, als es in einem durchzugehen.
#DasHerzVerlässtKeinenOrtAnDemEsHängt #NetGalleyDE

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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Sagte sie. 17 Erzählungen über Sex und Macht" von Lina Muzur

Sagte sie.
miss_mesmerizedvor 3 Monaten

Kurzgeschichten sind keine einfache literarische Form; sie sind oft zu kurz, um eine Entwicklung einer Figur zu zeigen, müssen sich beschränken auf den entscheidenden Moment, was davor war und was danach kam, muss notgedrungen ausgeblendet werden. Wenn sie dann noch von unterschiedlichen Autoren sind, deren Schreibstil sich stark unterscheidet, sind sie geradezu ein Wagnis. Zugegebenermaßen bin auch ich kein ausgewiesener Fan von diesen Sammlungen kurzer Episoden, denen schon aufgrund des Rahmens vieles nicht möglich ist, was ich an Romanen schätze. Und wie soll man als Leser und Rezensent erst diesen kurzen pointierten Ausschnitten des Lebens gerecht werden?

Nichtsdestotrotz gibt es die Ausnahmen, für die Form und Inhalt genau passend sind. Lina Muzur hat in dem Band „Sie sagte“ 17 Autorinnen versammelt, die rund um das Thema Sex und Macht die verschiedenen Sichtweisen, wenn auch immer die weibliche, in kurze Texte umsetzen, die gerade alles ausblenden, was nicht zu dem Kulminationspunkt gehört. Schlag auf Schlag folgen Erniedrigungen, Scham und Selbstzweifel. Kristine Bilkau, Hanna Katharina Hahn, Helene Hegemann, Heike-Melba Fendel und Julia Wolf sind nur einige der Autorinnen, die Kurzgeschichten geliefert haben und hier eine starke weibliche Seite der Literatur zeigen.

Die Geschichten sind so verschieden wie die Frauen dieser Welt und so spricht einem die eine mehr, die andere weniger an. Besonders beeindruckend fand ich Antonia Brauns „Setzen Sie sich!“, dem Bericht einer Frau, die von einem Mann genötigt und bedrängt wird und als sie dies berichtet damit konfrontiert wird, dass man ihr eine Mitschuld gibt, weil sie sich nicht viel früher gewehrt hat und jetzt in der Opferrolle Mitleid einfordert. In Julia Wolfs „Dickicht“ ist eine junge Mutter alleine Zuhause und die hereinbrechende Nacht bringt auch das ungute Gefühl mit sich, beobachtet zu werden und die diffuse Gefahr, die von der Situation ausgeht, bereitet Ängste, die sie kaum zugeben mag. Auch Fatma Aydemirs Geschichte „Ein Zimmer am Flughafen“, in der eine Studentin erst eine Vergewaltigung erlebt und dann einen Vertrauensmissbrauch, nachdem sie davon erzählt, beleuchtet den Zwiespalt zwischen den widersprüchlichen Gefühlen, denen Frauen in dieser Situation ausgesetzt sind, sehr drastisch. „Maria im Schnee“ von Annett Gröschner wurde bereits 1988 veröffentlicht und löste eine Debatte aus, da zu diesem Zeitpunkt das öffentliche Reden über Vergewaltigungen ein Tabu darstellte – was die Rolle der Frau, die ihr dabei von der Gesellschaft zugeschrieben wurde, verdeutlicht.

Ja, man kann sich an der #metoo Debatte sattgelesen haben. „Sagte sie“ ist sicherlich thematisch nicht weit davon entfernt, aber ganz sicher keine Anklageschrift gegen Männer, auch wenn diese hier vielfach als Täter auftreten. Es ist die literarische Bearbeitung von Grenzsituationen, die zwar fiktiv, aber keineswegs utopisch sind, sondern genau so tagtäglich in der Realität vorkommen. Darüber soll man reden, darüber muss man reden. Vielleicht hilft diese literarische Form insbesondere dabei, Worte für das Unsagbare zu finden und doch darüber ins Gespräch zu kommen.

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