Bret Easton Ellis und die anderen Hunde

von Lina Wolff 
4,0 Sterne bei3 Bewertungen
Bret Easton Ellis und die anderen Hunde
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Eine Schrifstellerin in Barcelona wird beobachtet, die Protagonistin aus ihrem Zimmer verdrängt und alle suchen irgendwie nach der Liebe ...

J

Gewinn für den Leser - die Erzählerin denkt über die Gründe seelischer Spannweitenverluste im Lebenslauf ihrer Nächsten nach.

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Inhaltsangabe zu "Bret Easton Ellis und die anderen Hunde"

Über die Grenzen der Liebe in einer gnadenlosen Welt: In Barcelona kreuzen sich die Wege der exzentrischen Schriftstellerin Alba Cambó und der unerschütterlichen Araceli, die alleine bei ihrer Mutter aufwächst. Wie ein Puzzle setzt Araceli die Biographie der geheimnisvollen, flüchtigen Alba zusammen, ein Strudel aus schillernden Geschichten über Menschen aus ihrer Vergangenheit und einen Hund, den eine Prostituierte auf den Namen Bret Easton Ellis getauft hat. Lina Wolff erzählt von Machtspielen zwischen Müttern und Töchtern, Schriftstellern und Lesern und – immer wieder und vor allem – Männern und Frauen, von Sehnsucht und Begehren, Liebe, Hass, Erotik, geplatzten Träumen und zerstörerischem Alltagstrott. Ein mal beißend komischer, mal poetischer Roman voller schonungsloser Zärtlichkeit, in dem hinter jedem Satz eine Überraschung lauert.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455001075
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Tempo
Erscheinungsdatum:18.07.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    blaustrumpfinevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Schrifstellerin in Barcelona wird beobachtet, die Protagonistin aus ihrem Zimmer verdrängt und alle suchen irgendwie nach der Liebe ...
    Ein Bilderbogen moderner Beziehungen in Barcelona

    Die schwedische Schriftstellerin Lina Wolff hat einen katalanischen Roman geschrieben, in dem es um die Irrungen und Wirrungen der Liebe heute geht. Araceli lebt mit ihrer Mutter in Barcelona und studiert an der Schule für Übersetzer und Dolmetscher in der Nähe des Park Güell. Sie verbringt ihre Zeit damit, die wechselnden Liebhaber ihrer Mutter zu typisieren – da gibt es den Jogginghosenmann, den Tatarmann und den Kanarienmann – und die unter ihnen wohnende exzentrische Schrifstellerin Alba Cambó mitsamt ihrer Haushälterin Blosom zu beobachten. Obwohl sie selbst außer dem Studium nicht viel erlebt, selbst ihren Sommerurlaub verbringt sie nur als Anhängsel ihrer Studienfreundin Muriel und deren Freunds, hat sie eine hervorragende Beobachtungsgabe und kann Personen scharfzüngig charakterisieren. 


     Als Alba Cambó, die an Krebs leidet, mit ihrem Freund zusammenzieht, sucht sie eine neue Bleibe für Blosom. Diese wird Aracelis Mutter als unersetzliche Haushaltsperle quasi aufgedrängt, obwohl sie sie gar nicht bezahlen kann, und verdrängt dann ihrerseits mit einer entschiedenen Ansage Araceli aus ihrem Zimmer. Blosoms Weg aus einer guatemaltekischen Kleinstadt nach Spanien, der Verfall der Ehe eines Bekannten von Alba Cambó und eine schräg-romantische Begegnung von Araceli mit einem „Candyman“ am Strand von Perpignan, der ihr einen ganzen Eiswagen organisiert, als es sie danach gelüstet, stellen weitere Episoden dar, die sich um die Leben von Araceli und Alba ranken. Wunderbar beschrieben sind außerdem die Übersetzungslehrerin Elaine Moreau und ihr Widersacher, der Schulwirt mit dem schönen Namen Camillo Pochintesta, die sich in Aracelis Schulalltag einen unterhaltsamen Kleinkrieg liefern. Madame Moreau biedert sich schließlich Alba Cambó als Freundin an und erklärt sich nach deren Tod zu ihrer Vermächtnisverwalterin.
     

    Am Ende rundet sich alles zu einem großen Bogen, der das Leben von Alba Cambó aus verschiedenen Perspektiven wiedergibt. Auf den letzten Seiten erfahren wir, dass Araceli nach einem erfolglosen Versuch, bei einer Escortagentur tätig zu werden, von Albas Geliebtem damit beauftragt wurde, einen Nachruf auf seine verstorbene Freundin zu verfassen – das Buch war also ein Versuch, deren Leben durch das Zusammensetzen vieler verschiedener Mosaiksteinchen zu beschreiben, in denen sich das Leben der Erzählerin gleichsam spiegelt. Ein lässiger, kunstvoll verschlungener Roman mit allerlei Bukowski-Zitaten, der sich auch auf Deutsch ausgezeichnet liest!

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    jamal_tuschickvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Gewinn für den Leser - die Erzählerin denkt über die Gründe seelischer Spannweitenverluste im Lebenslauf ihrer Nächsten nach.
    Die Befreiung der Sprache

    Der Park Güell in Barcelona dient einer verdämmernden Moderne als weltberühmtes Beispiel für urbanen Freiraum. Ein Magnat des 19. Jahrhunderts gab dem Park seinen Namen. Gestaltet wurde er von dem Architekten Antoni Gaudí. Markant sind großflächige Mosaike – ein keramisches Feuerschluckerkunstgewese zwischen Tierkreiszeichen und Fabelwesen. Salvador Dalí fand die Arrangements präsurrealistisch. Im Wirkungsschatten des Spektakels besucht Araceli Villalobos eine Schule für Übersetzer und Dolmetscher. Zu denken gibt ihr die Klugheit Muriels, die als alttestamentarisch-drakonische Freundin der Erzählerin im Roman auftaucht. Ihre Analyse einer Lehrerin namens Elaine Moreau ist so geistreich, dass sich an ihr alles aufhängen lässt, was sonst bemerkenswert erscheint im Leben einer an der Armutsgrenze kreuzenden, in einem Kosmos extravaganter Schicksalswendungen und psychologischer Unwahrscheinlichkeiten Heranwachsenden und schließlich erwachsen vor sich hin Trudelnden. Eine illegal eingewanderte Guatemaltekin übernimmt Aracelis Kinderzimmer und platziert die Tochter der Hausherrin mir nichts, dir nichts auf dem Sofa. Blosom kapert die Wohnung samt der Belegschaft. Ihre Unverfrorenheit ist nicht von dieser Welt. Lina Wolff schildert einen vitalen Zombie. Sie erkennt eine frei fluktuierende Zerstörungskraft im Wesenskern der lebenden Toten. Ihre Heldin spürt an den Rändern merkwürdiger Ereignisse kompakte Realität wie Seltene Erden auf. Als Kind ließ sie sich mit einem Eisberg beschenken, die Absichten des Spendablen durchschauend. Der Candyman warnte vor sich selbst. Als ein anderer Humbert Humbert wollte er nicht das Schwein sein, das ein verbotenes Begehren mit einer strafbaren Handlung verbindet. Trotzdem rührte er den Brei des Verderbens an. Araceli spielte nach Art der Blinden Kuh mit, bis ihr aufging, worin sich das Verhältnis in der Legalität erschöpfen musste – in einer Mesalliance der Erwartungen und der Vermögen.
    „Was, wenn ich bei ihm klingele, und wenn die Tür aufgeht, steht da ein klappriger Casanova … und vielleicht packt er dann mein Handgelenk und flüstert: Endlich, Araceli, endlich!”, so dass der volljährigen Lolita nur die Zuflucht eines abrupten Abschieds bliebe.
    Die Erzählerin denkt über die Gründe seelischer Spannweitenverluste im Lebenslauf ihrer Nächsten nach. Die Autorin isoliert Kristallisationen äußerster Souveränität. Sie schildert Prozesse im Geleit der Hochpunkte, das Nachlassen und Absinken und die Verirrungen. Araceli lebt lange in einer Hausgemeinschaft mit der Schriftstellerin Alba Cambó, die den männlichen Körper als Missbrauchsdomäne literarisch besetzt und so allen antwortet, die den weiblichen Körper als Gegenstand männlicher Sensationen in einer Endlosschleife der Redundanz halten. Vermutlich wird sich jede Gesellschaft bis zu ihrem Ende über die Verwendung des Weiblichen definieren und entgegengeschlechtlichen Gleichungen den Vorschub der Plausibilität verweigern. Das begreift man im Begreifen der Erzählerin. Sie legt sich einen Hund zu, der nach einer Nachttischlektüre Bret Easton Ellis heißt. Die Namensfindung entspricht einer Lektion in der feministischen Grundschule. Andere Hunde hören auf die Schriftstellernamen Chaucer und Dante. Sie kriegen verdorbenes Fleisch vorgesetzt, wenn ihre Herrinnen das Vergnügen der Zufriedenheit entbehren. Wolff verhandelt die Ungerechtigkeit auf einer Schaukel der Ambivalenz. Eindeutig fallen die Charakterisierungen der Lehrerin Moreau aus, laut Muriel „der größte Witz, den das weibliche Geschlecht je hervorgebracht hatte. Eine Laune, eine Parenthese, ein punktiertes Soufflé, etwas, das man zurück in den Kühlschrank stellt, um es schleunigst zu vergessen.“

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    Frau_Hemingways avatar
    Frau_Hemingwayvor einem Jahr

    Gespräche aus der Community zum Buch

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