Linda Arndt Jahre ohne Namen

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Inhaltsangabe zu „Jahre ohne Namen“ von Linda Arndt

Die junge, willensstarke Klara, Tochter eines ostpreußischen Aufsteigers, geb. 1889 in Radzymin, Warschauland, wächst in einem sehr wohlhabenden Elternhaus auf. Sie und ihre vier Geschwister müssen sich strengen familiären Sitten und Gebräuchen unterordnen. Ehepartner werden von den Eltern bestimmt. Klara weigert sich, sich diesem Zwang zu beugen und kämpft für ihre Selbstbestimmung. 1910 wird Klara mit dem Gutsbesitzersohn Adolf Petz aus Dziekanow zwangsverheiratet. Sie besteht auf einen Ehevertrag, der ihre Mitgift absichern soll. Was sie nicht ahnt, ihr Zukünftiger ist fast mittellos. Von der blasierten Familie ihres Mannes wird sie wie eine billige Dienstmagd behandelt. Adolf ist ein wortkarger Zeitgenosse, trinkt zu viel, legt Hand an Klara. Nach zwei Jahren Ehe setzt Klara ihrem Mann ein Ultimatum; sie verlässt ihn, wenn er nicht umgehend seinen Lebenswandel ändert und seine Schwestern vom Hof schickt. Er fügt sich. Ende September 1914 werden sie von den Russen nach Samara deportiert. Zuvor treffen sie in Lemberg, auf Adolfs unselige Schwestern. Erneut muss Klara sich um die ganze Sippe kümmern. Drei Monate unter unvorstellbar grausamen Bedingungen hausen sie in einem Viehwaggon, erleben auf ihrem Transport durch Russland unbeschreibliche Dinge. Ende Dezember 1914 erreichen sie Samara mehr tot als lebendig. Anfangs lernen sie die Russen als liebevolle, gütige Menschen kennen. Aber auch die andere Seite der Russen bleibt ihnen nicht verborgen, und sie beginnen sie alsbald zu fürchten. Brutalität und Hinrichtungen wie im Mittelalter gehören zu ihren Erlebnissen. Klara bekommt zwei weitere Kinder, die im Jahre 1917 binnen sechs Monaten versterben. Ihr unermüdlicher Fleiß verschafft ihnen schnell Respekt und Ansehen bei den reichen Russen, man lädt sie zu Festlichkeiten ein. Adolf eilt auch hier der Ruf eines Pferde- und Kuhheilers voraus. Das verschafft der Familie Zutritt in hochherrschaftliche Häuser. Sie kommen schnell zu Vermögen und leben geradezu fürstlich in Samara. Im September 1918 wendet sich das Blatt, denn nun müssen sie erneut um ihr Leben fürchten. Gegen Ende des 1. Weltkriegs gehören Pogrome gegen Deutsche, Polen und Juden zum täglichen Geschehen. Die Bolschewiken drohen in die Stadt einzufallen. Die Familie wird von den „Weißgardisten“ erneut in Viehwaggons verladen und Richtung Warschau transportiert. Klara ist im fünften Monat schwanger. Der Rücktransport dauert vier Monate, ist von Folterung, Wahnsinn und Tod geprägt. Von Überfällen der Bolschewiken, die sie ausrauben, ihre Nahrungsmittel und Kleidungsstücke beschlagnahmen und die die Weißen hemmungslos auf grauenhafteste Weise foltern und ermorden. Erneut Eiseskälte, Schneeberge, Hunger, Wolfsrudel, die an den Waggons hochspringen, weil sie menschliche Nahrung wittern. Ende Januar 1919 erreichen sie Warschau und geraten unter Beschuss. Noch in derselben Nacht, bei dreißig Grad unter Null, machen sie sich auf den Weg nach Ciemno, zu ihrem Besitz. Doch Polen haben den Hof übernommen. Angesichts Klaras Zustands - sie befindet sich wenige Tage vor der Niederkunft - zeigt der Pole Herz, lässt die Familie im Stall kampieren. Am 10. Februar 1919 bringt Klara im Stall einen Sohn zur Welt. Viele Tage leben sie unter erbärmlichen Bedingungen beim Vieh. Klara bricht mit ihrer Familie nach Westpreußen auf. In Klammer erwirbt Adolf eine kleine Kate mit einigen Hektar Land. 1921 beginnen die Unruhen in Polen. Fortan gestaltet sich das Leben schwierig. Mord und Totschlag sind an der Tagesordnung. Deutsche Schulen werden zerstört. Ein Leben in Polen ist unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Klara und Adolf sind sich einig, verkaufen den Hof an einen Polen. Das Deutsche Reich soll endlich zum ersehnten Ruhepol ihres unsteten Wanderlebens werden. Eine Cousine, die in Schleswig-Holstein lebt, bürgt für die Familie, so dass sie ins Reich einreisen dürfen. Ein Güterwaggon wird angemietet, das gesamte Hab und Gut der Familie darauf verladen. Dann verplombt man den Waggon und schickt ihn nach „Schneidemühl“. Der Waggon wird ausgeraubt. Außer ihren Fahrkarten, das Hemd, das sie auf dem Leibe tragen und das Geld im Gehstock, besitzen sie nichts mehr. Es ist das dritte Mal, dass sie alles verlieren. Sie setzen sich in den nächsten Zug. Die Inflation greift um sich. In Brekendorf angekommen, machen sie sich sogleich auf die Suche nach einem passenden Objekt. Das Geld wird jeden Tag weniger wert. In Brodersby an der Schlei finden sie eine herunter-gekommene Gastwirtschaft. Nun haben sie wieder ein Dach über dem Kopf, mehr nicht. Das Geld ist verbraucht, sie schlafen auf Stroh, und zu essen gibt es Schrotsuppe, die sie mit einer halbverhungerten Kuh teilen. Klara pflegt die Kuh gesund, so dass sie bald etwas Milch gibt. Als Melkerin erbittet sie Klara Arbeit bei den Bauern, damit sie etwas Abwechslung auf den Tisch bekommen. Adolf geht kellnern. Adolf beginnt in der Wirtschaft sein bester Kunde zu werden. 1925 bekommt Klara eine Tochter, bereits eine Stunde nach der Entbindung muss sie in den Stall, um die Kühe zu melken und das Vieh zu versorgen, weil ihr Mann völlig betrunken in der Wirtschaft liegt. Ihr platzt der Kragen. Sie stellt Adolf vor die Wahl. Entweder die Wirtschaft wird verkauft und ein Bauernhof erworben, oder sie verlässt ihn. Im gleichen Jahr kaufen sie in Jübekfeld eine kleine Bauernkate mit Reetdach und 15 ha Land. Im Dezember 1931 trifft sie der nächste Schicksalsschlag. Auf dem Weg ins Backhaus verliert sie Glut aus dem Aschenkasten. Binnen weniger Minuten entzündet sich das Reetdach des Haupthauses und der ganze Hof brennt lichterloh. Fortan droht Klara an ihrer Schuld zu zerbrechen. Sie hat das Feuer zu verantworten und wird vor Gericht gestellt. Durch Fürsprache der Nachbarn, Schilderungen, was die Familie alles hat durchmachen müssen, spricht man Klara frei, so dass auch die Versicherung dem Neubau eines Hofes zustimmt. Aber sie schafft es nicht, sich von ihrer Schuld zu befreien, ist nur noch krank, der Lebensmut hat sie verlassen. 1945 verliert Klara ihren erstgeborenen Sohn Edmund. Ein Geburtstaggruß von der Wilhelm-Gustloff erreicht Klara, in dem er ihr mitteilt, dass er verletzt ist und nach Hause kommt.

Ein bedrückendes, beeindruckendes Buch, sehr zu empfehlen!

— CarenL
CarenL

Sehr gute Lebensgeschichte aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts, die mich begeistert hat.

— claudi-1963
claudi-1963

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    Jahre ohne Namen
    CarenL

    CarenL

    28. October 2016 um 16:00

    Vorab: ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar über "ebookwatcher" erhalten. Erst war ich wenig begeistert von dem Thema. Der Anfang des Buches war auch etwas "trocken", das hat sich aber bald gegeben. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, das Buch ist leicht und flüssig zu lesen, obwohl es "schwere Kost" ist! Linda Arndt erzählt das Leben ihrer Großmutter Klara Petz, das sie aus Erzählungen und Tagebüchern kennt. Klara wurde 1889 in Nowominsk geboren. Sie ist aus "gutem Hause" und wächst behütet auf. Was sie alles erlebt und mitmachen muss, ist einfach nur grausam. Sie er- und überlebt zwei Weltkriege. Die Erzählung in diesem Buch endet 1932. Klara ist eine bewundernswerte, starke Frau, die über sich selbst hinauswächst in der Liebe für ihr Kinder. Ich kann nur jedem empfehlen, diese bedrückende, aber wunderbar geschriebene Buch zu lesen! Nach der Lektüre ist man dankbar, in der heutigen Zeit zu leben!

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  • Aus dem Leben meiner Großmutter Klara

    Jahre ohne Namen
    claudi-1963

    claudi-1963

    Anfang 20. Jahrhundert in der Nähe von Warschau lebt die Abdeckerfamilie Nojak, Vater Emil, Mutter Augusta und die Kinder Ida, Theresa, Klara, Fritz und Nesthäkchen Natalja. Wir begleiten das Leben und die Erinnerungen von Tochter Klara. Zu dieser Zeit war es üblich das die Eltern den geeigneten Ehemann für die Töchter aussuchten. Klara die nach der schrecklichen Ehe ihrer Schwester Ida nicht heiraten will, versucht alles, um ihre eigene Vermählung zu verhindern. Als jedoch der Vater 1907 verstirbt, sucht Schwager Heinrich nach einem Mann für Klara. In dem Gutsbesitzer Adolf Petz findet sie einen Ehemann der jedoch sehr armselig ist und nur mit Klaras Mitgift seinen Hof erhalten kann. Fortan muss Klara schwer anpacken, den Haushalt, die Tiere versorgen und auch noch die verwöhnten Schwestern Adolfs. Doch Klara jammert nicht ist sie doch Arbeiten von zu Hause gewöhnt. Sie bekommt die Kinder Edmund, Olga, müssen ihren Hof verkaufen und Adolfs Trunksucht wird nicht weniger. Sie erleben Krieg, Vertreibung, Hunger, Tod, Krankheit und sie bekommt weitere Kinder. Erleben die Deportation von Russland nach Polen um von dort nach Westpreußen und später nach Schleswig. Meine Meinung: Linda Arndt hat hier die bewegende Lebensgeschichte ihrer Großmutter verfasst. An Hand Tagebuchaufzeichnungen und Erzählungen gibt sie uns ein Bild wieder wie diese Frau am Anfang den 19. Jahrhunderts lebte. Durch die örtlichen Gegebenheiten erlebte Klara ein sehr einfaches und hartes Leben und mich hat es beeindruckt zu sehen wie sie dieses gemeistert hat. Viele Schicksalsschläge und Elend musste sie ertragen und trotzdem hat sie sich nie unterkriegen lassen. Eine beeindruckende Frau die sich nicht alles gefallen ließ und eine Familiengeschichte die unter die Haut geht, ich habe mit Klara mitgelitten und mitgefiebert. Der Schreibstil ist sehr gut, teils in Erzählform, teils in Tagebucheinträge. Die habe mich gefreut dieses kostenlose Rezensionsexemplar lesen zu dürfen. Eine grandiose Autobiografie die ich nur weiterempfehlen kann und der ich 5 von 5 Sterne gebe.

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