Linda Castillo Blutige Stille

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Inhaltsangabe zu „Blutige Stille“ von Linda Castillo

Sie töteten alle Mitglieder der Familie Plank. Die Leichen des Vaters und der beiden Söhne fand man im Wohnhaus, die der Mutter und des Babys auf dem Weg zur Scheune. Doch niemand war auf das vorbereitet, was sie in der Scheune fanden. Die beiden Mädchen, gefoltert und misshandelt. Die Familie gehörte zur amischen Gemeinde in Painters Mill, Ohio, sie lebten getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit, waren gottesfürchtige Leute. Fernab von den Verführungen der Zivilisation. Oder enthüllt das Tagebuch der ältesten Tochter eine andere Wahrheit? Spannungsgeladen und aufregend: Auch der zweite Thriller mit Polizeichefin Kate Burkholder ist Nervenkitzel pur. Ein Thriller, der Gänsehaut garantiert!

... am eigenen Anspruch gescheitert.

— Elmar Huber
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    Blutige Stille

    Elmar Huber

    04. November 2016 um 13:52

    „Er registriert sofort Planks ungefesselte Hände, die kurze Entfernung zwischen Waffe und Leiche, die Austrittswunde im Hinterkopf. Wie jeder gute Polizist zieht er Schlüsse daraus. […] Dem Augenschein nach ist Plank durchgedreht, hat seine Familie ermordet und sich dann den Pistolenlauf in den Mund gesteckt und abgedrückt. Der amische Teil meiner selbst, der fest in mir verwurzelt ist, auch wenn ich mich noch so weit vom Amischsein entfernt habe, kann sich nicht vorstellen, dass ein amischer Mann, ein amischer Vater, seiner Familie so etwas antut.“ Inhalt Kate Burkholder, die Polizeichefin von Painters Mill, Ohio wird mit der bestialischen Ermordung der siebenköpfigen Amischfamilie Plank konfrontiert. Neben den Leichen gibt es eindeutige Anzeichen dafür, dass die beiden pubertierenden Töchter der Familie vor ihrem Tod brutal gefoltert wurden. Mary Plank, eine der Töchter, war darüber hinaus offenbar schwanger. Von dem Fötus fehlt jede Spur. „Er hoffte, dass Zimmerman sich in der Anzahl der Opfer geirrt hatte und dort hinten auf dem Boden Wäsche zum Flicken lag; oder Futterbeutel, die jemand aus der Scheune hereingeholt hatte. Doch die Hoffnung wurde zunichtegemacht, als im Schein der Lampe zwei weitere leblose Körper sichtbar wurden. Ein Halbwüchsiger, der schwarze Hosen mit Hosenträgern trug. Und ein kleiner, rothaariger Junge, der in einer so großen Lache Blutes lag, dass sie unmöglich aus diesem schmächtigen Kinderkörper stammen konnte.“ MEINUNG In Painters Mill, Ohio leben die Amischen, die sich unter anderem den Errungenschaften der modernen Technik verweigern, in nächster Nachbarschaft zu den „Englischen“. Der zweite spektakuläre Fall, den Kate Burkholder dort zu lösen hat, konfrontiert die Polizeichefin von Painters Mill nicht nur mit der bestialischen Auslöschung der amischen Familie Plank, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. Denn auch sie wurde als Amische geboren, hat sich aber als Heranwachsende von dem Glauben und der einfachen Lebensweise losgelöst und ist aus dieser eingeschworenen Gemeinschaft ausgetreten. Eine Entscheidung, die allen heranwachsenden Amischen frei steht. Trotzdem lässt ihre Vergangenheit sie oft noch als Bindeglied zwischen den Amischen und den „Englischen“ funktionieren. Ein Umstand, der ihr bei diesem Fall sehr von Nutzen ist. So weit, so gut, so absehbar. Leider gestaltet sich auch die Polizeiarbeit in Sachen Familienexekution alles andere als überraschend. Schon nach den ersten Ermittlungsschritten konzentrieren sich die Nachforschungen auf die 15-jährige Mary Plank und ihr Umfeld. Die Tatsache, dass Mary schwanger war und der oder die Mörder ihr den Embryo aus dem Leib geschnitten haben, lässt Kate Burkholder verständlicherweise nach einem möglichen Vater als dringend Tatverdächtigem suchen – nicht zuletzt auch aufgrund der Einträge in Marys Tagebuch. Ein anderes Mordmotiv wird ab da gar nicht mehr in Betracht gezogen. Vorhersehbar hangeln sich Kate Burkholder und ihre Kollegen bei ihren Befragungen an den Verdächtigen entlang. Das Ganze entspricht dabei der Standarddramaturgie einer Fernsehserie, nur wesentlich aufgeblähter. Mit den bestialischen Morden und der angeschnittenen Snuff-Thematik will BLUTIGE STILLE irgendwie hart und modern sein; die Beteiligung der Amischen könnte das reizvoll kontrastieren. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte vorhersehbar, langatmig und ohne erzählerische Kniffe. Unwichtige Details werden kleinlich aufgezählt, während andererseits ganze Ermittlungsschritte einfach übersprungen werden wie z.B. die Befragung eines Amischen, der jungen Mitgliedern hilft, die Gemeinschaft zu verlassen. Das Wiedersehen von Kate Burkholder mit dem CIB-Agenten John Tomasetti, mit dem sie seit dem Vorgängerband DIE ZAHLEN DER TOTEN ein loses Verhältnis pflegt (nicht zuletzt durch den räumlichen Abstand bedingt) erweist sich  als absolut unnötig und bringt weder die Krimihandlung, noch die Figur Kate Burkholder am Ende weiter. DAS HÖRBUCH Schauspielerin, Sängerin, Sprecherin Tanja Geke (Synchronstimme von Zoe Saldana) gefällt als „Stimme“ von Kate Burkholder; der Roman ist in der „Ich-Form“ verfasst. Die weiteren Personen werden sehr gut unterscheidbar durch überzeugende Anpassungen ihrer Intonation. Lediglich John Tomasetti erscheint in Fr. Gekes Interpretation eher als durchgehend grummeliger Teddybär, denn als stets gut gekleideter ebenbürtiger Partner für Kate. Das stark verschliffene „Pennsylvaniadeutsch“ der Amischen und sogar der noch mehr verstümmelte Dialekt eines geistig zurückgebliebenen Jungen gelingt ihr dagegen ausgesprochen gut. Das Hörbuch ist produziert vom Argon Verlag, doch nur als Download über Audible zu beziehen. Durch die Audible-Politik, vorwiegend ungekürzte Hörbücher anzubieten, muss der Hörer wieder einige verzichtbare Längen in Kauf nehmen. FAZIT BLUTIGE STILLE will mehr sein, als es eigentlich ist. Man wird das Gefühl nicht los, dass Linda Castillo gerne einen kompromisslosen Thriller mit Anspruch und Romantik geschrieben hätte und am eigenen Anspruch gescheitert ist.

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