Lindita Arapi Schlüsselmädchen

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 2 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(2)
(0)
(0)
(0)
(1)

Inhaltsangabe zu „Schlüsselmädchen“ von Lindita Arapi

In einer kleinen albanischen Stadt, in einer Mustergemeinde im Aufbau in kommunstischer Zeit, betrachtet das Mädchen Lodja Lemani die Welt vom Küchenfenster des kleinen Elternhauses aus. Sie darf nicht draußen mit anderen Kindern spielen, flaniert nicht, schön gekleidet wie ihre Freundinnen, auf dem ersehnten Abendgiro. Ihre Freizeit verbringt sie nur im kleinen Vorhof des Elternhauses. Und nachts setzt sich ein männlicher Schatten, finster und furchterregend auf ihre Bettkante. Die Familie Lemani lebt ausgegrenzt, weil sie eine 'schwarze Biografie' hat. Lodjas Großvater wird 1952 als Großbauer vor den Augen seiner Tochter von den neuen Machthabern gelyncht. Gesprochen wird darüber in der Familie nicht. Für Lodja ist alles undurchsichtig und geheimnisvoll. Nach der kommunistischen Zeit und nach Ende der Selbstisolierung Albaniens, verlässt Lodja ihr Land und lebt als junge Frau alleine in einer westeuropäischen Stadt. Die ungewohnte Freiheit ist verwirrend für sie, vertraut ist ihr nur die Selbstisolation, in die sie sich auch hier zurückgezogen hat. Sie reist nach Albanien, um das familiäre Geheimnis aufzudecken. Eine Reise in die Vergangenheit zu den Sippen ihrer Mutter und ihres Vaters beginnt. Die archaischen Strukturen auf dem Land haben sogar den Kommunismus überlebt. Lodja trifft auf große Ablehnung bei ihrer Spurensuche, aber auch auf Menschen, die ihr helfen, sich der dunklen Vergangenheit ihrer Familie zu nähern. Und danach bricht auch Lodjas Mutter ihr Schweigen. Ein berührender Roman, der nicht nur die ungleichzeitige Entwicklung in den Ländern Europas schildert, sondern auch zeigt, dass man ohne Wurzeln keine Flügel hat, um die eigene Zukunft frei zu gestalten.

Stöbern in Romane

Sieben Nächte

Das Werk schrammt an den Todsünden vorbei u ist purer Selbstmitleid eines Mannes, der denkt sein Leben ist mit 30 vorgefertigt u zu Ende!

Raven

Pirasol

Die Autorin besticht auch in diesem Roman wieder mit herrlicher Poesie und wunderschönen eigenen Wortschöpfungen.

buecher-bea

Der Frauenchor von Chilbury

Mit "Der Frauenchor von Chilburg" ist Jennifer Ryan ein gefühlvoller, abwechslungsreicher Roman gelungen.

milkysilvermoon

Sommerkind

Emotional aufwühlend, tiefgründig, traurig und hoffnungsvoll...

Svanvithe

Underground Railroad

Hier wird fündig, wer wissen will, wie das Böse seit Jahrhunderten in Köpfen und Herzen der Menschen überleben konnte.

Polly16

Der Sommer der Inselschwestern

Eine wunderschöne und dramatische Geschichte über drei Frauen, ihr Leben und ihrer Freundschaft.

AmyJBrown

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Schlüsselmädchen" von Lindita Arapi

    Schlüsselmädchen
    Tresckow

    Tresckow

    03. November 2012 um 12:38

    Lindita Arapi wurde in Albanien geboren, lebt aber schon lange im deutschsprachigen Raum. Ihren ersten Roman hat sie auf albanisch geschrieben. Arapi erzählt die Geschichte der heranwachsenden Lodja in einer ungenannten albanischen Kleinstadt. Albanien hatte in den 70er und 80er Jahren eine europaweite Sonderrolle inne. Als kommunistisches Land war es nicht im Bündnissystem der Sowjetunion integriert und schottete sich daher nicht nur wie üblich gegenüber dem "Westen" sondern auch gegen seine östlichen Nachbarn ab. Innerhalb dieser völlig abgeschotteten Gesellschaft wächst Lodja in einer politisch verfemten Familie auf. Der Grund dafür ist Lodja nicht klar und schwebt wie ein dunkles Geheimnis über der Familie. Die Auswirkungen dieser zweifachen Isolation und der Alltag einer gesellschaftlich deklassierten Familie im Albanien dieser Zeit fängt Lindita Arapi besonders beeindruckend ein. Nach dem Zusammenbruch auch des politischen Systems in Albanien 1990 wandert Lodja nach Westeuropa aus, wo sie sich zunächst aber auch weiterhin in einer Form der Isolation befindet. Bei ihrer ersten Rückkehr nach Albanien stellt sie erstmals bewusst fest, dass die archaischen Strukturen auf dem Lande sogar die kommunistische Zeit überlebt haben und dort weiterhin patriarchalische Strukturen die jungen Frauen in die Rolle des titelgebenden "Schlüsselmädchens" zwingen, womit gehorsame und duldsame junge Frauen gemeint sind. Lodja will in Albanien endlich das dunkle Geheimnis ihrer Familie ergründen und ist gegen starke Widerstände am Ende erfolgreich. Ein starkes, ein beeindruckendes Buch, dass die Demütigung des Individuums ins Zentrum stellt. Ein Buch, dass einem ein nahezu unbekanntes Land und eine schon fast vergessene Zeit nahebringt. Ein Buch mit viel Sympathie für die Protagonistin und die vielen Schlüsselmädchen, die es noch immer gibt. Das Buch war ein großer literarischer Erfolg in Albanien, was dafür spricht, dass die Themen des Romans von großer Bedeutung für die Gesellschaft sind. Lindita Arapi wurde zur "Schrifstellerin des Jahres" in Albanien gekürt!

    Mehr