Lindsey Fitzharris

 4.5 Sterne bei 108 Bewertungen

Neue Bücher

Der Horror der frühen Medizin: Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner

Neu erschienen am 07.06.2019 als Sonstige Formate bei Lübbe Audio.

Neue Rezensionen zu Lindsey Fitzharris

Neu

Rezension zu "Der Horror der frühen Medizin" von Lindsey Fitzharris

Schaurig und faszinierend zugleich
Kagalivor einem Monat

Ich bin eigentlich durch und durch Fantasyleserin. Dennoch schaue ich hin und wieder gerne über meinen Tellerrand hinaus, was sich auch häufig schon gelohnt hat, so auch in diesem Fall. Ich kann gar nicht genau sagen warum, aber sobald ich dieses Buch erblickte und den Inhaltstext las, wollte ich es lesen. Die positiven Meinungen, die sagten es lese sich mehr wie ein Roman, als wie eine Biografie, verstärken diesen Wunsch nur noch.

Meine Meinung:

Die Biografie, die sich nicht wie eine solche liest
Als Erstes kann ich den bereits erwähnten Stimmen nur zustimmen. Der Horror der frühen Medizin ist das ideale Buch für all diejenigen, die Biografien eigentlich nicht mögen, es aber trotzdem mal mit einer probieren möchten. Lindsey Fitzharris versteht es meisterlich Spannung und Gänsehaut selbst bei trockneren Themen zu erzeugen. Ihr Stil ist locker, leicht sarkastisch und an manchen Stellen fast schon reißerisch, aber nicht so weit, dass es zu inszeniert wirkt. Man merkt, sie will nicht nur informieren, sondern vor allem auch unterhalten und das gelingt ihr mit ihrem Stil ausgesprochen gut.

Wie ein Besuch im Horrorhaus
Für die erwähnte Gänsehaut, sorgt in erster Linie das Thema. Der Titel des Buches ist nicht verfehlt und die Autorin beschreibt alle Gräuel der frühen Medizin überaus detailliert. Wenn gärende offene Wunden, Operationen bei vollem Bewusstsein und sich ausbreitende Seuchen detailliert beschrieben werden, ist das nichts für schwache Nerven, übt für den Leser dennoch eine makabrere Faszination aus, der auch ich mich nicht entziehen konnte.
Wenn man dann noch liest wie die damaligen Ärzte es nicht für nötig hielten sich oder ihre Instrumente zu waschen und den Zusammenhang von schlechter Hygiene und Seuchen kaum begreifen konnten, schüttelt es sich einem nur noch. Dazu reagierten die damaligen Ärzte auf neue Ansätze, wie Drachen, denen man ihren Schatz wegnehmen will: starrköpfig und pampig nach dem Motto "Mimimi, ich habs aber immer schon so gemacht und ändere das jetzt nicht". Der Untertitel suggeriert, dass Lister sich mit Quacksalbern auseinandersetzten muss, aber eigentlich sollte der Titel lauten: Joseph Listers Kampf gegen starrköpfige, stolze, alte Männer. Alles in allem ist man bei der Lektüre des Buches heilfroh in der heutigen Zeit mit Antibiotika und Desinfektionsmittel zu leben.

Überhaupt entzaubert Fritzharris die romantisierte Darstellung des 19. Jahrhunderts gewaltig.  Nichts mit dem idyllischen Landleben oder der aufregenden Stadt, wie man sie z.B. in Austens Romanen findet. Die Autorin sagt wie es ist: Dreckig, und zwar gewaltig. Dabei zeichnet sie fast schon nebenbei nicht nur das faszinierende Portrait eines Mannes, der sich diesem Bedingungen entgegenstellt, sondern gleich auch noch das einer Gesellschaft, die buchstäblich in ihrem eigenen Dreck versinkt.

Das einzige kleine Manko, dass ich habe ist, das die Autorin hin und wieder dazu tendiert abzuschweifen. In 99% der Fälle sind es interessante Ergänzungen, aber wenn dann Joseph Listers neue Möblierung genau unter die Lupe genommen wird, fragt man sich schon, ob das jetzt so wichtig ist.  

Fazit:

Dieses Buch ist schaurig und faszinierend zugleich. Es gleicht einem Besuch im Horror Haus, bei dem man sogar noch Etwas lernt. Die Autorin versteht es Informationen interessant und spannend zu verpacken und sich eine Biografie, wie einen Roman anfühlen zu lassen.

Diese und andere Rezensionen (mit zusätzlichem Coververgleich Deutsch/Original) findet ihr auch auf Miss Page-Turner

Kommentieren0
3
Teilen

Rezension zu "Der Horror der frühen Medizin" von Lindsey Fitzharris

Literarische Zeitreise in das 19.Jahrhundert - erlebt den Werdegang von Joseph Lister
Buchraettinvor 2 Monaten

Vorweg, ich finde das Cover suggeriert ein wenig anderes Bild vom Buch, als der Inhalt einem Leser erzählt.
Es geht um die Zeit Mitte – ca. Ende des 19 Jahrhundert. Vorwiegend in den Krankenhäusern in Schottland und England und es handelt sich im Kern um eine Biographie von Lister und dessen wissenschaftliche Forschungen.
Dieses Cover und auch der Titel sollen wohl die Sensationslust wecken- wie damals, als in den OP Sälen Publikum zugelassen wurde.
Es hat durchaus auch Momente mit Gruselfaktor, Ekelszenen und es lässt beim Leser schon ein ungutes Gefühl zurück, wenn man liest, wie die nicht vorhandenen hygienischen Maßnahmen in den Krankenhäusern aussahen und auch die erst  ca. ab 1846 eingeführte Narkose dazu führte, dass OPs nicht mit vollem Bewusstsein erlebt werden mussten.
Das Inhaltsverzeichnis vorn im Buch bietet den Lesern einen guten Überblick über das Buch. Sehr gelungen fand ich auch das Detail, dass über dem Kapitel kleinen Zitate wie z.B. vom Autor Arthur C. Clarke erscheinen. Ich liebe dessen SF Romane. Allerdings würde ich nach dem Lesen dieses Buches Zeitreisen eher in die Zukunft bevorzugen.
Im Kern erzählt dieses Buch auch immer wieder anhand von Briefen die Geschichte von Lister. Seinen Werdegang in der Medizin, die Kindheit, die wissenschaftliche Neugier. Ich mochte das Lesen des Buches sehr gern.
Es fesselt die Aufmerksamkeit des Lesers, weil es liest sich wie eine Art Roman, aber dennoch ist wissenschaftliche fundiert und hinten im Literaturverzeichnis klar mit Quellenangaben versehen.
Die Autorin, das erfährt man im Klappentext hinten auf der Buchinnenseite, hat in Medizingeschichte promoviert.
Um die Geschichte um Lister herum baut sie nun auch Begegnungen mit anderen medizinischen Größen und auch Forschern der damaligen Zeit auf. Sie beschreibt die Zustände der Menschen vor Ort. Hygiene ist hier unbekannt. Ich mochte auch, dass sie die Entwicklung Listers sehr gut darstellt.
Auch die Zweifel, ob der Beruf des Chirurgen wirklich das richtige ist. Aber auch seine Passion was die Forschungsarbeit und auch den ambitionierten Umgang mit seinen Studenten angeht, das wurde sehr lebendig dargestellt.

Fundiert- spannend- gruselig und absolut fesselnd wie ein wissenschaftlicher Roman geschrieben.
Medizingeschichte hautnah und doch wissenschaftliche fundiert erzählt.
Hier bietet das Buch die Möglichkeit eine literarische Zeitreise in das 19.Jahrhundert zu unternehmen und den Werdegang von Joseph Lister und der Entdeckung der Antisepsis in der Chirurgie hautnah mitzuerleben.

Kommentieren0
23
Teilen

Rezension zu "Der Horror der frühen Medizin" von Lindsey Fitzharris

Sehr Spannend
AnnkaWunderlandvor 2 Monaten

Klappentext:
Grausig sind die Anfänge der Medizin: Leichenraub, blutige Operationen wie Kirmesspektakel, Arsen, Quecksilber, Heroin als verschriebene Heilmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unwissen der Ärzte sagenhaft, wie sie praktizieren, ein einziger Albtraum. Bis ein junger Student aus London mit seinen Entdeckungen alles verändert … Lindsey Fitzharris erzählt vom Leben dieses Mannes und vom Horror, den ein einfacher Arztbesuch damals bedeutete – schaurig, unterhaltsam, erhellend.
Als Joseph Lister 1844 sein Studium in London beginnt, ist die medizinische Versorgung der Bevölkerung desaströs: Die Krankenhäuser sind überfüllt und verseucht. Um aufgenommen zu werden, müssen Patienten genug Geld für die eigene Beerdigung mitbringen. In den Operationssälen arbeiten Chirurgen in Straßenklamotten vor schaulustigem Publikum. Warum fast alle Patienten sterben, wie sich Krankheiten ausbreiten, darüber herrscht nicht die geringste Einigkeit, nur hanebüchene Theorien. Joseph Lister wird dann Chirurg, er will ganz praktisch helfen. Und von Neugier und hellem Verstand geleitet, entwickelt er eine Methode, die das Sterben vielleicht beenden kann …

Meinung:
Es war eine tolle Überraschung von meinem Freund als er mir das Buch geschenkt hat. Alleine der Titel hat mich super neugierig gemacht. Da ich momentan Charité gucke, passte es perfekt. 

Das Cover passt perfekt. Es ist einfach gruselig gestaltet und macht das Buch umso interessanter. Die Spannung ist durch das Cover schon geben.

Der Schreibstil von Lindsey Fritzharris ist teilweise angenehm aber auch anstrengend. Es ist kein Buch für zwischendurch und man fliegt nicht durch die Seiten. Manches muss man auch googlen, wenn man sich in der Medizin Welt nicht auskennt. Trotzdem schafft es die Autorin, die Biografie spannend zu Gestalten. 

Es geht um Joseph Lister der 1884 sein Medizin Studium anfängt. Zu diesem Zeitpunkt war es gefährlich Menschen zu operieren. Viele starben an den Folgen, weil es keine Hygiene im Op-Saal gab aber Lister wollte sich das nicht länger anschauen und fing an zu forschen. Sein Leben war nicht immer einfach, weil viele Ärzte ihm nicht glaubten. 

Die geht aber auch auf andere Ärzte ein. Die sie gut darstellt aber immer noch das Hauptmerkmal auf Lister steht. 

Viel kann man zu dem Buch nicht sagen, da es eine Biographie ist. 

Fazit:
Perfekt schaurig umgesetzt, weil man sich teilweise ekelte. Zur heutigen Zeit kann man sich das nicht Vorstellen kann. Eine tolle Biographie über Joseph Lister und die Chirurgie damals. 

Kommentieren0
2
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 198 Bibliotheken

auf 67 Wunschlisten

von 4 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks