Der Horror der frühen Medizin

von Lindsey Fitzharris 
4,5 Sterne bei80 Bewertungen
Der Horror der frühen Medizin
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Positiv (72):
K

wo Licht ist, ist auch Schatten - gilt gleichermaßen für das Buch

Kritisch (1):
Nadens avatar

Eher für Leser geeignet die großes Interresse an Medizin haben, keine Krimi/Thriller im üblichen sinne...

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Inhaltsangabe zu "Der Horror der frühen Medizin"

Grausig sind die Anfänge der Medizin: Leichenraub, blutige Operationen wie Kirmesspektakel, Arsen, Quecksilber, Heroin als verschriebene Heilmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unwissen der Ärzte sagenhaft, wie sie praktizieren, ein einziger Albtraum. Bis ein junger Student aus London mit seinen Entdeckungen alles verändert … Lindsey Fitzharris erzählt vom Leben dieses Mannes und vom Horror, den ein einfacher Arztbesuch damals bedeutete – schaurig, unterhaltsam, erhellend.
Als Joseph Lister 1844 sein Studium in London beginnt, ist die medizinische Versorgung der Bevölkerung desaströs: Die Krankenhäuser sind überfüllt und verseucht. Um aufgenommen zu werden, müssen Patienten genug Geld für die eigene Beerdigung mitbringen. In den Operationssälen arbeiten Chirurgen in Straßenklamotten vor schaulustigem Publikum. Warum fast alle Patienten sterben, wie sich Krankheiten ausbreiten, darüber herrscht nicht die geringste Einigkeit, nur hanebüchene Theorien. Joseph Lister wird dann Chirurg, er will ganz praktisch helfen. Und von Neugier und hellem Verstand geleitet, entwickelt er eine Methode, die das Sterben vielleicht beenden kann …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518468869
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:276 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:09.07.2018

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    Kattel82vor 2 Tagen
    Kurzmeinung: wo Licht ist, ist auch Schatten - gilt gleichermaßen für das Buch
    Gut, aber es ginge sicher noch besser

    Zum Inhalt:
    Grausig sind die Anfänge der Medizin: Leichenraub, blutige Operationen wie Kirmesspektakel, Arsen, Quecksilber, Heroin als verschriebene Heilmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unwissen der Ärzte sagenhaft, wie sie praktizieren, ein einziger Albtraum. Bis ein junger Student aus London mit seinen Entdeckungen alles verändert …

    Zur Umsetzung:
    Die Idee zum Buch fand ich sehr spannend und auch die ersten Seiten haben mich sehr eingenommen für die Thematik, aber je länger ich gelesen habe, desto unzufriedener mit dem Buch.
    Da ist der Titel, der für mich immer sperriger und unpassender wurde.
    Der Aufbau des Buches, weil es immer wieder Sprünge in der Zeit gab, die sich für mich nicht sinnvoll erschließen wollten.
    Tja und dann gab es noch Sätze, die ich gefühlt immer wieder gelesen habe, obwohl ich ein stringenter Lesetyp bin und nicht willkürlich vor und zurück springe. Somit muss ich wohl davon ausgehen, dass die Autorin oder der Übersetzer sich Wiederholungen bedient hat. Naja nicht ganz meins...

    Enttäuschend war für mich vielleicht auch der Umstand, dass es sich hierbei mehr um ein Sachbuch als um einen Roman handelt. Insgesamt war es ein sehr gut geschriebenes Sachbuch, aber eine deutlichere Kennzeichnung wäre wirklich angebracht gewesen.

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    albiorixvor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Quacksalber, Kurpfuscher und Knochenklempner
    Quacksalber, Kurpfuscher und Knochenklempner

              Inhalt und meine Meinung:
    Mitte des 19. Jahrhunderts steckt die Medizin noch in den Kinderschuhen. Leichenraub, öffentliche Operationen vor hunderten von Zuschauern, die Chirurgen operieren in Straßenkleidung, Hygiene ist damals noch ein Fremdwort. Viele Patienten sterben, weil sich Krankheiten rasant ausbreiten oder die mangelnde Hygiene schwere Entzündungen hervorruft. Der Leser begleitet den jungen Londoner Studenten Joseph Lister, der mit allen ihm verfügbaren Mitteln versucht die Sterberate in den Krankenhäusern zu senken. Die Ereignisse sind sehr detailreich und bildhaft beschrieben, ich fühlte mich oftmals als wäre ich als stiller Beobachter bei den Operationen dabei. Zimperlich darf man beim Lesen dieses Romans keinesfalls sein. Der erste Hinweis, dass die Lektüre recht blutig sein könnte, zeigt die rote Schrift auf dem Buchumschlag, dessen Gestaltung richtig gut zum Inhalt passt. Ein  interessantes Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und auch gerne weiterempfehle an Menschen, die einen Einblick in die Medizin Mitte des 19. Jahrhunderts bekommen wollen.
           

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    Miannavor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Eine spannende Dokumentation der Medizin im 19. Jahrhundert Englands und eine faszinierende Persönlichkeit.
    Ein atmosphärisches Stück Geschichte

    Lindsey Fitzharris beschreibt in ihrem Buch die Entwicklungen in der Medizin im 19. Jahrhundert in England. Ein düsteres Kapitel in der Geschichte der Medizin. Die Zustände zur Zeit der Industrialisierung London sind für viele Menschen tödlich: Dreck, Seuchen und Behandlungen ohne Betäubung. Bis Joseph Listers Forschungen alles veränderten.

    Das Buch entführt die Lesenden in ein London, in dem die Krankenhäuser den Patienten und Ärzten eher den Tod als Gesundheit brachten. Es geht um große Zuschauermengen in den Operationssälen, fehlende Desinfektion, Entfernung von Körperteilen bei vollem Bewusstsein, Dreck und gefährliches Unwissen über Erkrankungen. Fitzharris beschreibt die Zustände und die Entwicklungen der Medizin sehr atmosphärisch. Die Schreie der Patienten, die Blutlachen auf den Böden und der bestialische Gestank werden erlebbar. Schonungslos und mit viel Spannung lässt die Autorin die Anfänge der Medizin wiederaufleben.

    Dies ist ein ungewöhnlicher historischer Roman. Da sind einerseits die detaillierten und sehr atmosphärischen Beschreibungen, die das Geschehen im 19. Jahrhundert dokumentieren. Alles wirkt sehr realistisch und glaubwürdig. Die Erzählungen sind schockierend und faszinierend. Andererseits wird das Leben und die Forschungen des Joseph Lister gut nachvollziehbar beschrieben. Lister wird umfassend charakterisiert – in seiner Orientierungssuche, den Depressionen und seinem unbändigen Forschungsdrang. Eine wirklich spannende Persönlichkeit.

    Eine spannende Dokumentation der Medizin im 19. Jahrhundert Englands und eine faszinierende Persönlichkeit, die der Medizin große Fortschritte bringt.

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    OliverBaiers avatar
    OliverBaiervor 19 Tagen
    Kurzmeinung: Ausführliche Recherche machen diese historische Biographie Joseph Listers zu einem beeindruckenden Roman über die Zustände im 19.Jhdt.
    Lister- ein Hygienepapst!

    Klappentext/ Inhalt:


    Grausig sind die Anfänge der Medizin: Leichenraub, blutige Operationen wie Kirmesspektakel, Arsen, Quecksilber, Heroin als verschriebene Heilmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unwissen der Ärzte sagenhaft, wie sie praktizieren, ein einziger Albtraum. Bis ein junger Student aus London mit seinen Entdeckungen alles verändert … Lindsey Fitzharris erzählt vom Leben dieses Mannes und vom Horror, den ein einfacher Arztbesuch damals bedeutete – schaurig, unterhaltsam, erhellend.

    Als Joseph Lister 1844 sein Studium in London beginnt, ist die medizinische Versorgung der Bevölkerung desaströs: Die Krankenhäuser sind überfüllt und verseucht. Um aufgenommen zu werden, müssen Patienten genug Geld für die eigene Beerdigung mitbringen. In den Operationssälen arbeiten Chirurgen in Straßenklamotten vor schaulustigem Publikum. Warum fast alle Patienten sterben, wie sich Krankheiten ausbreiten, darüber herrscht nicht die geringste Einigkeit, nur hanebüchene Theorien. Joseph Lister wird dann Chirurg, er will ganz praktisch helfen. Und von Neugier und hellem Verstand geleitet, entwickelt er eine Methode, die das Sterben vielleicht beenden kann …


    persönliche Meinung:

    Lindsey Fitzharris Werk: Der Horror der frühen Medizin ist ein exzellent recherchiertes Buch. Es ist Biographie, Sachbuch, Roman und historisch- medizinisch in Kombination. In einer Bildreihen Sprache ohne sich zu viel im Fachjargon auszudrücken präsentiert die Autorin ein Stück Medizingeschichte. Die Orte und Figuren werden lebendig, man riecht förmlich den Krankenhausmief und die Fäulnis und nimmt teil an den alles verändernden Maßnahmen, die Wegbereiter unserer Hygienevorstellungen geworden sind.
    Joseph Lister war dabei ein Pionier und wenn man auf der Zeitachse nur ein klein wenig zurückdreht haben wir es u.a ihm zu verdanken, dass wir in einem System leben können, in dem ein eingewachsener Fußnagel nicht schon direkt unseren sicheren Tod bedeuten könnte.
    Die Autorin hat u.a einen YouTube Kanal " Under the Knife", den ich mir nach dieser Lektüre sicher zu Gemüte führen würde. 
    ERs liest sich so, als hätte sie im OP und bei den Sektionen dabei gestanden und wäre als Zeitzeugin in der Zeitmaschine eins Jetzt gereist, um uns davon zu berichten.
    Ein Lesemuss für alle Interessierten der Medizin, aber auch der Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts. Wir erfahren viel über die Lebenssituationen Englands und die unterschiedlichen Vorstellungen, wie Wundversorgung auszusehen hätte.
    wir erfahren auch, wie schwer es für Pioniere ist, neue Erkenntnisse in der konservativen Fachwelt zu propagieren.
    Joseph Lister hat es mit seiner Vehemenz geschafft, die von ihm errungenen Erkenntnisse für die Nachwelt zu einem Quell des Lebens zu nutzen.
    Man kann ihm nicht genug dafür danken und damit auch der Autorin, die die Geschichte und das schaffen dieses besonderen Mannes für uns festgehalten hat.

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    Miltoniavor 20 Tagen
    Ärzte und Krankenhäuser im 19. Jahrhundert

    Wenn das Buch als Biographie von Dr. Lister ausgewiesen worden wäre, hätte mir der Name nichts gesagt und ich mich vermutlich nicht dafür interessiert. So bin ich ganz offen an die Leseprobe herangegangen und war ganz schnell begeistert.

    Es beginnt mit einem kurzen und sehr deutlichen Abriss der medizinischen Zustände in der Mitte des 19. Jahrhunderts, zu der Zeit, als Joseph Lister geboren wurde und dann zum Medizinstudenten wurde.

    In den Krankenhäusern herrschte ein unglaublicher Schmutz und Gestank, hygienische Grundregeln gab es nicht, medizinische Geräte wurden kaum einmal gereinigt geschweige denn desinfiziert. Die meisten Kranken starben nicht an ihren Krankheiten oder Verletzungen bzw. an den Operationen, sondern an den Keimen und Entzündungen, die sie sich im Krankenhaus direkt eingefangen hatten.

    Zum Glück hat sich Dr. Lister mit den verheerend niedrigen Überlebensraten seiner Patienten nicht abgefunden, sondern nach genauen Beobachtungen, vielen Versuchen und Einbeziehung neuer Erkenntnisse aus anderen Wissenschaftsbereichen z. B. von Dr. Pasteur ein System zur Desinfektion und von hygienischen Grundregeln eingeführt. Dabei half ihm die Entdeckung, dass verdünnte Karbolsäure ein wunderbares Mittel zur Keimabtötung ist.
    Sein weiteres Leben war einerseits ein Kampf gegen seine zahlreichen medizinischen Kollegen und Rivalen, die seiner Methode lange Zeit sehr feindlich gegenüberstanden und andererseits ein Ringen um immer weitere Verbesserungen in der Desinfektionsmethodik. Da er glücklicherweise ein großes Talent und Geschick im Umgang mit seinen Studenten hatte, verbreitete sich durch sie seine Methode immer weiter, nicht nur in England, sondern auch in Europa und schlussendlich auch in den USA.

    Das alles wird sehr anschaulich, zum Teil auch recht deftig und deutlich erzählt, dabei mit vielen Anekdoten und durchaus humoristischem Unterton, so dass es für mich ein großes Vergnügen war, das Buch zu lesen. Und gleichzeitig habe ich große Dankbarkeit, in heutigen Zeiten zu leben, wo sowohl Betäubungsmittel, Desinfektion und aseptische Verhältnisse so viel weiterentwickelt sind.

    Für alle Medizinstudenten ein absolutes Muss, für alle anderen mit einem Faible für Historie und Medizin eine unbedingte Empfehlung – daher 5 Sterne von mir.

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    Inasbuecherregals avatar
    Inasbuecherregalvor 22 Tagen
    Kurzmeinung: Super Interessant, habe es verschlungen
    Szenen wie aus einem Horrorfilm, leider Realität für die Menschen damals

    Das Buch beginnt mit der Beschreibung einer Oberschenkelamputation im Jahr 1846, hunderte Männer strömten in den Saal um dabei zuzusehen, es ging zu wie in einem Theater. Es gab ein Gerangel um die besten Plätze, der Platz um den OP-Tisch musste sogar geräumt werden. Und dies alles in Strassenkleidung in denen der Dreck Londoner Strassen klebte. Das OP-Team inklusive des Chirurgen war allerdings nicht sauberer!
    Die Beschreibungen der Zustände damals erzeugen eine Gänsehaut: Operationen fanden statt mit blutverkrusteten Kitteln, die Hände wurden nur selten gewaschen, die Instrumente waren unsauber. Warum sauber machen wenn sie ja doch gleich wieder schmutzig wurden?
    Kein Wunder dass das Überleben dieser Operationen und des nachfolgenden Aufenthalts in einem Krankenhaus pure Glückssache waren. Bis Joseph Lister, ein junger Chirurg, begann die Ursachen der hohen Sterblichkeitsrate und deren Bekämpfung zu erforschen.

    Die Erklärungen der Autorin zu den verschiedenen Tätigkeitsfeldern von Ärzten und Chirurgen und die Entwicklung vom Chirurg, eines einfachen Handwerkers, bis zum angesehenen Facharzt waren sehr detailgenau und ausführlich, wie auch der Rest des Buches. Trotz dieser Auführlichkeit war das Buch sehr leicht zu lesen, alle Erklärungen sind leicht verständlich, auch für Laien die mit dem Thema ansonsten eher weniger zu tun haben.

    Die Autorin bedient sich einer sehr bildhaften Sprache, man kann den Gestank des Londons im 19.Jh förmlich riechen. Die Beschreibungen des Seziersaals in dem die Studenten lernten, könnten ebensogut aus einem Horrofilm stammen, waren aber erschreckende Realität für die Menschen damals. Immer wieder werden Zitate und Augenzeugenberichte eingefügt, somit ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild.

    Ich war sehr gefesselt von der Geschichte, von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.

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    Ambermoons avatar
    Ambermoonvor 23 Tagen
    Kurzmeinung: Dieses Buch über die Geschichte d. Medizin i. informativ wie ein Sachbuch, spannend wie ein Thriller und schaurig wie ein Horror ->Highlight
    Im Krankenhaus war einem der Tod sicher

    Grausig sind die Anfänge der Medizin: Leichenraub, blutige Operationen wie Kirmesspektakel, Arsen, Quecksilber, Heroin als verschriebene Heilmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unwissen der Ärzte sagenhaft, wie sie praktizieren, ein einziger Albtraum. Bis ein junger Student aus London mit seinen Entdeckungen alles verändert … Lindsey Fitzharris erzählt vom Leben dieses Mannes und vom Horror, den ein einfacher Arztbesuch damals bedeutete – schaurig, unterhaltsam, erhellend....(Klappentext)

    ✚✚✚✚✚

    "Alles war infrage gestellt, alles war unerklärt,
    alles war zweifelhaft, nur die große Anzahl der toten war eine unzweifelhafte Wirklichkeit."
    (Ignaz Semmelweis / S. 119)

    Der Titel des Buches könnte treffender nicht sein, denn es liest sich wie ein Roman im Sub-Genre Medizin-Horror.
    Leider war dies damals traurige Wirklichkeit - traurig vor allem für den Patienten, denn der Tod war ihm im Krankenhaus so gut wie sicher. Und doch wurde die Medizin durch ein paar Ärzte voran getrieben.
    Durch Ärzte die sich über Konventionen und andere Ärzte hinwegsetzten, Ärzte die nicht nur abhackten und rumschnippelten, sondern sich wirklich dafür interessierten ihren Patienten zu helfen, Ärzte wie Ignaz Semmelweis, Alexander Flemming, Robert Koch und eben auch Joseph Lister, den wir hier begleiten werden.

    Lister war nicht nur Arzt, sondern auch durch und durch Forscher und Wissenschaftler. Ihn begleitet man durch das kranke und tödliche viktorianische London.
    Doch auch andere Ärzte begegnen uns und auch an deren Leben und Geschichten darf man teilnehmen.
    Wie z. B. Robert Liston, dessen rohe Gewalt und Schnelligkeit schon vor der Erfindung der Äther-Anästhesie, sein Markenzeichen war. Diese Schnelligkeit war zwar vor allem bei Amputationen ein Segen, jedoch war er hierbei hin und wieder zu enthusiastisch. Zum Beispiel schnitt er dabei einem Patienten auch gleich noch den Hoden mit ab oder er hatte mit dem Messer so einen Zahn drauf, sodass er seinem Assistenten auch gleich drei Finger abtrennte.
    Oder Berkley Moynihan, der sich erinnerte, dass er und seine Kollegen in einem Kittel operierten, der vor lauter Blut und Dreck schon von alleine in der Ecke gestanden hätte. Dieser war übrigens auch der erste Chirurg der Gummihandschuhe verwendete.

    Man wohnt Amputationen, Ausschabungen und diversen äußerst ungewöhnlichen Behandlungsmethoden bei, die einem den Ekel ins Gesicht treiben. Und natürlich behandelt man auch Gangrän, Erysipel und Sepsis, welche Lister besonders interessierten.

    "Die Frau drohte an der Flüssigkeit in ihrer Lunge zu ersticken.
    Erichsen griff zu einer ungewöhnlichen Maßnahme:
    Er drückte den Mund auf die offene Wunde und saugte Blut und Schleim aus den Atemwegen.
    Dreimal musste er ausspucken, dann beschleunigte sich der Puls der Patientin wieder,...."
    (S. 81)

    Dies war der Ausgangspunkt seiner Forschungen über die Wundheilung und die Auswirkungen von Infektionen auf Körpergewebe und somit der erste Schritt in die Richtung der Wundhygiene. Hierbei kreuzen natürlich auch Ärzte wie Ignaz Semmelweis und Louis Pasteur unseren Weg.

    Dies alles erfolgt in einem flüssigen und klaren Schreibstil und der Erzählstil ist äußerst plastisch. Für schwache Nerven und sensible Mägen ist dieses geschichtliche Sachbuch der Medizin also definitiv nichts. Ich bin mir jedoch sicher, dass hauptsächlich Personen, welche im medizinischen Bereich tätig sind und Personen, welche ein allgemeines Interesse an Medizin und Geschichte haben, zu diesem Buch greifen. Und ich gehe davon aus, dass diese Personen keineswegs zimperlich sind.

    Jedes Kapitel wird mit einem Zitat eines Forschers, Wissenschaftlers oder Arztes eingeleitet und schon befindet man sich mitten in der Geschichte.

    So sehr ich das viktorianische Zeitalter bewundere, bin ich doch froh in der heutigen Zeit zu leben. Doch so schockierend es sich auch liest, so faszinierend und interessant ist es, in die damalige Zeit einzutauchen und damit die ersten Schritte in die Richtung der heutigen Medizin zu verfolgen.

    "Das begeisterte Publikum sah gebannt zu, wie der Anatom die aufgeblähten Bäuche verwesender Leichname aufschnitt,
    aus denen Blut und stinkender Eiter quoll.
    Manchmal wurde das makabre Schauspiel von lieblicher Flötenmusik begleitet."
    (S. 10)

    Dieses Buch besticht jedoch nicht nur durch interessante Fakten zur Geschichte der Medizin, sondern vor allem auch durch das Cover, wobei auch die Rückseite des Covers nicht zu verachten ist.
    Die Verarbeitung zeugt zusätzlich von guter Qualität...sonst hätte das Buch den Urlaub mit Strand, Meerwasser und Wind sicher nicht so gut überstehen können.

    Fazit:
    Ich bin von diesem Sachbuch über die Medizin und dessen Geschichte absolut begeistert und könnte es immer und immer wieder lesen. Es ist informativ wie ein Sachbuch, spannend wie ein Thriller und schaurig wie ein Horror.
    All diese Hürden, Fehler und auch Grausamkeiten, führten dazu, dass sich die Medizin weiterentwickelte.
    Mein Respekt und auch Dank gehört all den Ärzten von damals, die den Mut hatten sich gegen Kollegen, Konventionen und Aberglauben zu stellen, um ihr eigenes Ding durchzuziehen. Damals erforderte dies nämlich Mut und vor allem auch Bereitschaft eventuell mit seiner eigenen Forschung unterzugehen.
    Dies ist mein absolutes Lesehighlight, welches ich jedem der sich für Geschichte und Medizin interessiert, ans Herz legen möchte - Ihr werdet es lieben.

    © Pink Anemone (inkl. Bilder, Infos zu Joseph Lister, Leseprobe und Autoren-Info)

    Kommentare: 1
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    jawolf35s avatar
    jawolf35vor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Interessant und informativ. Eine Biographie die mir sehr gut gefallen hat
    Eine informative und spannende Biographie

              Biographien lese ich eigentlich  recht wenig meist nur dann wenn mich das Thema oder die Person wirklich  interessiert. 

    Dies war der Fall bei "der Horror der frühen Medizin " auf welche ich durch eine Leseprobe gestoßen bin .

    Zum Buch .
    Vorweg gesagt ,für zartbeseitete ist dieses Buch nichts ,den schon die ersten Seiten haben es in sich .
    Schildern Sie sehr genau und detailliert die gängigen Behandlungs und Operationspraktiken der damaligen Zeit .
    Einer Zeit ohne Narkosen und ohne Antiseptika.

    Erzählt wird hier der lange und mühevolle Weg des Chirurgen  Joseph Lister der es über die Jahre schaffte als einer der ersten die Leiden der Patienten zu lindern und Vorreiter in der Bekämpfung von Entzündungen war .

    Meine Meinung .
    Ich fand dieses Buch wirklich toll und kann es nur empfehlen .
    All jene die sich  ein wenig für die Geschichte  der Medizin interessieren dürften hier eine spannende und informative  Lektüre finden 
            

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    U
    Ute_Bolligvor einem Monat
    Erschreckend!

    Kirmesgeschehen oder Lehrveranstaltung? Die Operationen im 19. Jahrhundert waren beides. Die Kranken, die bei vollem Bewusstsein operiert wurden, überlebten diese Form der Qual selten und wenn, starben sie sehr häufig an den Folgen verschmutzter Instrumente, unsauberer Kleidung und Verbandstoffen oder Schock. Schmutz und Parasiten waren in den Krankenhäusern weit verbreitet. Unvorstellbar die Qualen bei der Amputation von Gliedmaßen ohne Betäubung. Was für ein Segen als die erste Äthernarkose in London von Liston durchgeführt wurde. Nach einigen sehr anschaulichen Begebenheiten der damaligen Zeit, wendet Lindsay Fitzharris sich Joseph Lister, einem jungen Medizinstudenten und späteren Chirurgen zu. Listers Karriere sowie seine herausragenden Erkenntnisse in Bezug auf die Asepsis und deren Zusammenhang zu den Infektionen die 10 von 11 operierten Patienten das Leben kosteten. Seine Erfolge stießen jedoch bei vielen Gegnern auf Widerstand und erschwerten das vorankommen Listers. Schließlich erkannte selbst die Queen die herausragende Leistung Listers und ließ sich von ihm behandeln.

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    Ylenias avatar
    Yleniavor einem Monat
    Kurzmeinung: Nicht abschrecken lassen vom etwas kitschigen Buchcover. Für alle die Interesse an kurzen Gänsehautpassagen und der Medizingeschichte haben.
    Schaurig & historisch Fortbildend

    Ich hatte anfangs die Befürchtung das dieses Buch meinen Erwartungen nicht ganz gerecht werden könnte. Aufgrund der etwas kitschigen Buchaufmache. Jedoch wurde ich eines besseren belehrt. Es folgt eine Menge Historik wie aber auch vielversprechend Gänsehautpassagen der Blutrünstigkeit. Es folgen teilweise Passagen die sich aufgrund einer Menge Angabe durch Jahresangaben, Namen und Ortschaften etwas in die Länge ziehen. Dies ist nur eine eigene Meinung und vollkommen vertretbar für all das was dieses großartige Buch sonst zu bieten hat. Für diese Menge an Information und Wissen ist es einfach und gut geschrieben man verstrickt sich nicht in zu viele parallel laufende Informationen und verliert keinesfalls die Lust am lesen. Im Ganzen ein lobenswertes Buch für alle Interessenten der Medizin.

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    Stefanie_Lickerts avatar
    Stefanie_Lickertvor 3 Monaten
    Was sich wohl hinter dem Horror der Medizin verbirgt? Ich bin neugierig und möchte das lesen!
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    .Steffi.s avatar
    .Steffi.vor 3 Monaten
    Die Anfänge der Medizin...Grausam aber doch faszinierend!
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