Linn Ullmann

 3.8 Sterne bei 144 Bewertungen
Autorin von Die Unruhigen, Das Verschwiegene und weiteren Büchern.
Linn Ullmann

Lebenslauf von Linn Ullmann

Leise Töne aus Norwegen: Die norwegische Autorin Linn Ullmann wurde 1966 in Oslo geboren und gehört heute zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen Skandinaviens. Ihre Eltern sind die norwegische Schauspielerin Liv Ullmann und der schwedische Filmemacher Ingmar Bergmann. Hineingeboren in eine Künstlerfamilie spielte sie als Kind in den Filmen ihrer Eltern mit. Nach der Schulzeit studierte sie Englische Literatur an der New York University. Anschließend kehrte sie nach Oslo zurück und schrieb für die Tageszeitung „Dagbladet“. Seit dem Erstlingswerk „Die Lügnerin“ im Jahr 1998 sorgt sie konstant mit ihrer feinfühligen Schreibweise für Furore. Ihre Romane „Wenn ich bei dir bin" (2002), „Gnade“ (2004), „Ein gesegnetes Kind“ (2006), „Das Verschwiegene“ (2013) oder „Die Unruhigen“ (2018) sind international erfolgreich und wurden in 30 Sprachen übersetzt. In ihren Romanen wandert sie auf dem schmalen Grat zwischen Liebe und Hass und zeigt die Abgründe menschlicher Beziehungen auf. Trotz leiser Töne und kleiner Gesten sind ihre Geschichten psychologisch raffinierte, fesselnde Unterhaltung. Das Talent von Linn Ullmann erkannte auch die Schwedische Akademie – diese verlieh ihr 2017 den Doubloug-Preis für ihr Gesamtwerk. Mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Niels Fredrik Dahl, lebt sie mit den gemeinsamen Kindern und einem Hund in Oslo.

Alle Bücher von Linn Ullmann

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Die Unruhigen

Die Unruhigen

 (60)
Erschienen am 11.06.2018
Das Verschwiegene

Das Verschwiegene

 (22)
Erschienen am 10.11.2014
Gnade

Gnade

 (16)
Erschienen am 01.02.2006
Ein gesegnetes Kind

Ein gesegnetes Kind

 (18)
Erschienen am 13.06.2017
Die Lügnerin

Die Lügnerin

 (18)
Erschienen am 13.05.2013
Wenn ich bei dir bin

Wenn ich bei dir bin

 (8)
Erschienen am 01.03.2004
Gnade

Gnade

 (2)
Erschienen am 14.10.2013

Neue Rezensionen zu Linn Ullmann

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Helena89s avatar

Rezension zu "Die Unruhigen" von Linn Ullmann

Ein Erinnerungsbuch der besonderen Art
Helena89vor 3 Monaten

Linn Ullmann, die Tochter Ingmar Bergmanns und Liv Ullmanns, erinnert sich in ihrem Buch „Die Unruhigen“ an ihren Vater, ihre Mutter und an sich selbst als Kind, Heranwachsende und schließlich als Ehefrau und Mutter. Auslöser für dieses Werk sind die im letzten Lebensjahr Ingmar Bergmanns auf Tonband aufgenommenen Gespräche zwischen Vater und Tochter. Ursprünglich sollte aus den Fragen der Tochter und den Antworten des Vaters ein gemeinsames Buch entstehen, was jedoch nicht mehr in dieser ursprünglichen Konzeptform umgesetzt werden konnte. Neun Jahre später entschließt sich Linn Ullmann die Tonbandaufnahmen aufzuarbeiten. Sie sind jedoch nicht nur der Anlass dafür, das Buch zu schreiben, sie durchziehen das gesamte Werk und bestimmen damit dessen Duktus insgesamt. Endergebnis ist ein äußerst facettenreiches, anrührendes Erinnerungswerk, dessen zeitliche Spanne sich von den frühesten Erinnerungen der Autorin bis in die jüngste Vergangenheit erstreckt. 

Besonderes Charakteristikum ihres Romans ist es, nicht nur sich selbst sprechen zu lassen, sondern auch die Stimmen anderer Personen miteinzubinden, vor allem die ihres Vaters, sowie in Dialog mit anderen Texten zu treten. So positioniert sich Linn Ullmann oftmals bezüglich eines Themas durch den Einsatz von literarischen Texten: „»Die autobiografische Arbeit beginnt mit dem Gefühl, vollkommen allein zu sein«, schreibt John Berger. Ich wollte sehen, was geschehen würde, wenn ich uns in einem Buch sichtbar werden ließ, als wären wir an keinem anderen Ort daheim.“ 

Auch thematisiert Linn Ullmann in ihrem Werk oft die Grenzen des Gedächtnisses sowie die Konstruiertheit der Erinnerungen: „Gäbe es ein Teleskop, das man auf die vergangene Zeit richten könnte, würde ich sagen: Sieh her, da sind wir, so hat es sich abgespielt. Und jedes Mal, wenn wir unsicher gewesen wären, ob das, woran ich mich erinnere, wahr ist, oder ob das, woran du dich erinnerst, wahr ist, oder ob das, was geschah, auch wirklich geschah, oder ob wir überhaupt existieren, wären wir in der Lage gewesen, uns nebeneinanderzustellen und zu schauen.“

Sie beobachtet sich selbst stets höchst aufmerksam beim Prozess des Schreibens. „Ich schrieb: »Ich erinnere mich«, und mir war sofort unwohl dabei, da ich begriff, wie viel ich vergessen hatte. Ich besitze ein paar Briefe, ein paar Fotos, ein paar verstreute Zettel, die ich aufbewahrt habe, ohne dass ich zu sagen wüsste, warum ich ausgerechnet diese Zettel aufbewahrte und andere nicht, ich habe sechs Gesprächsaufnahmen mit meinem Vater, aber als wir die Aufnahmen machten, war er so alt, dass er den größten Teil seiner eigenen und unserer gemeinsamen Geschichte vergessen hatte. Ich erinnere mich an das, was geschah, ich glaube, ich erinnere mich an das, was geschah, aber manches habe ich mit Sicherheit auch erfunden, mir fallen Geschichten ein, die immer wieder erzählt wurden, und Geschichten, die nur einmal erzählt wurden, manchmal hörte ich zu, und manchmal hörte ich nur mit halbem Ohr zu, ich lege das alles nebeneinander, lege es aufeinander, lasse es gegeneinander stoßen, versuche, eine Richtung zu finden.“

Linn Ullmann verdeutlicht, dass autobiographische Arbeit in der Literarisierung und Deutung des Geschehens bestehe, dass es nicht darum gehe, den Gegensatz zwischen Fakt und Fiktion aufzulösen: „Um über wirkliche Personen zu schreiben wie Eltern, Kinder, Geliebte, Freunde, Feinde, Onkel, Brüder oder zufällige Passanten, ist es notwendig, sie zu fiktionalisieren. Ich glaube, dies ist der einzige Weg, ihnen Leben einzuhauchen. Sich erinnern heißt, sich umzuschauen, immer wieder jedes Mal von Neuem erstaunt.“ 

Die Sprache und das Gedächtnis sind für die Erzählerin untrennbar miteinander verbunden. So thematisiert sie auch den lebenslangen Sprachkampf des Vaters und seinen allmählichen Sprachverlust in den letzten Lebensjahren: „Die Stille im Schreibzimmer ist nicht ungetrübt freundlich. Die Worte kommen nicht, oder sie kommen in der falschen Reihenfolge. Die Sätze winden sich und haben weder Anfang noch Ende. Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt, schrieb Wittgenstein, doch was geschieht jetzt, fragt der Fårökauz, was geschieht jetzt, da ich dabei bin, die Sprache zu verlieren. Bald sind nur noch Scherben übrig.“

Das Werk besitzt zwar eine chronologische Grundstruktur, die sich in der Kapiteleinteilung zeigt: Der erste Teil ist ihrer Kindheit auf Fåro gewidmet, der zweite ihrem Vater und ihrem gemeinsamen Projekt, der dritte ihrem Aufenthalt in Amerika mit ihrer Mutter, und die letzten beiden Teile wieder ihrem Vater in seinen unterschiedlichsten Lebensphasen, wobei sie auch das Verhältnis ihrer Eltern zueinander im vorletzten Teil näher beleuchtet. Und doch kann man von einer Chronologie im engeren Sinn nicht sprechen, da die Erzählung, teilweise mehrmals innerhalb eines Absatzes, zwischen verschiedenen Zeitebenen wechselt. Die geschilderte Vergangenheit wird sozusagen reflektierend von der Gegenwart eingeholt. Umgekehrt passiert dasselbe auch mit der Gegenwart, die durch Rückgriff auf Vergangenes überprüft wird. Die Gegenwart und die Vergangenheit stehen somit in einem ständigen Dialogverhältnis. Eine mosaikartige Konstruktion ist das Ergebnis, Gesprächs- und Gedankenbruchstücke aus unterschiedlichen Zeiten im Leben der Erzählerin werden miteinander vermischt. Wo oberflächlich eine Chronologie herrscht, wird sie durchbrochen und wo wiederum chronologisch eigentlich ein Bruch besteht, wird der Leser mit unerwarteten Zusammenhängen konfrontiert. Die erlebte Vergangenheit wird stets von der Gegenwart eingeholt, Erzählgegenwart und reflexive Betrachtungen spannen sich lückenfüllend über die gesamte geschilderte Vergangenheit. 

Linn Ullmann verbindet in ihrem Werk „Die Unruhigen“ Literarizität und Reflexivität miteinander, sie lässt es zu einem Stimmen- und Textkonglomerat werden, das den Leser unwillkürlich in seinen Bann zieht und nachhaltig prägt.

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Die Unruhigen" von Linn Ullmann

Erinnerungen
Giselle74vor 3 Monaten

"Um über wirkliche Personen zu schreiben wie Eltern, Kinder, Geliebte, Freunde, Feinde, Onkel, Brüder oder zufällige Passanten,ist es notwendig, sie zu fiktionalisieren. Ich glaube, dies ist der einzige Weg, ihnen Leben einzuhauchen."
(S. 287)

Dies ist das Leitmotiv dieses Buches. Linn Ullmann schreibt über ihr Leben, ihre Erinnerungen, ihre Eltern, die Schauspielerin Liv UIlmann und der Regisseur Ingmar Bergman. Das alles soll fiktiv sein und doch kommt man den Personen näher als jede Biographie das vermocht hätte.
Vater und Tochter möchten eine Reihe Tonbandaufnahmen machen, um Gespräche über das Leben und das Altern festzuhalten und daraus ein Buch zu machen. Doch als es soweit ist, ist es eigentlich zu spät, dem Vater sind Worte und Erinnerungen abhanden gekommen. Später wird er seine Tochter nicht mehr erkennen. Das erste Mal aufgefallen ist ihr die schleichende Veränderung des Vaters, als er zu einer Verabredung zu spät kommt und sich nicht entschuldigt. Er, der auf Pünktlichkeit zeitlebens bestand und für den eine verspätete Minute ein Vergehen war, kommt zwanzig Minuten nach der vereinbarten Zeit und merkt es nicht einmal. Es sind diese Kleinigkeiten, die nur Angehörige wissen können, die plötzlich eine große Bedeutung bekommen.
Und mit solchen Momenten ist das Buch gefüllt. Erinnerungen an die Besuche beim Vater, die Eltern hatten sich früh getrennt, an die Ferien in Hammars, dem Landsitz des Vaters. Erinnerungen an die Jahre mit der schmerzhaft bewunderten Mutter, der Schauspielerin, die ihre Tochter bei der Oma und wechselnden Kindermädchen parkt und sich doch selbst so sehr nach heiler Welt und Geborgenheit sehnt. Erinnerungen, die so wunderbar klug und feinfühlig niedergeschrieben wurden, dass man die Autorin stellenweise einfach umarmen möchte. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mich so berührt hat, und das ganz ohne Pathos oder Rührseligkeit.  Linn Ullmann erinnert sich liebend an ihre Eltern, sie stellt nicht bloß, auch nicht da, wo sie es könnte und vielleicht sogar Grund dazu hätte. Und beschreibt dabei Momente, in denen man Schmerz und Trauer hautnah spüren kann, Momente, in denen mir die Tränen einfach herunterliefen und ich trotzdem lächeln musste, weil Bücher solche Emotionen bei mir nur selten hervorrufen.
Und die ganze Zeit habe ich mich gefragt, wieso ich diese ja durchaus nicht unbekannte Autorin erst jetzt entdecke, die so schreiben kann, dass ich hilflos meinen eigenen Gefühlen ausgesetzt bin, dass ich ein vierhundert Seiten starkes Buch über die Vergangenheit anderer Menschen in anderthalb Tagen lese und dabei alles stehen und liegen lasse, was mir vorher wichtig erschien.
"Die Unruhigen" ist ein ungeschminktes, sehr ehrliches Buch, eines, das auf sehr leise Art unter die Haut geht und eines, das mich unglaublich beeindruckt hat. aber das hat wohl inzwischen jeder Leser dieser Besprechung schon gemerkt.

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I

Rezension zu "Die Unruhigen" von Linn Ullmann

Vergangenheit und Gegenwart
Ivonne_Gerhardvor 4 Monaten

Das Cover wirkt alt und der Titel verwirrt im ersten Eindruck. Bei genauer Betrachtung des Textes klingt es aber sehr interessant zu lesen , was aus den Jahren , Menschen , Plänen geworden ist und was wirklich passiert ist ,.. kennt ja jeder selbst - als Kind will man unbedingt schnell groß sein und wenn man groß bzw, alt genug ist für etwas , will man es nicht mehr und sehnt sich manchmal zurück in eine glückliche Kindheit ,... Das Buch fand ich sehr schön geschrieben , Teile des Buches erinnern an das Kind berühmter Eltern und dessen anstrengendes (viele Schulwechsel, reisen und getrennte Eltern) und dennoch schönes Leben ;) Rückblicke, Zeitsprünge, hin und her , Wahrheit und Fiktion , gemischt in eine tolle und sehr interessante Geschichte ,... eine Familie mit Menschen die sehr unterschiedlich sind ,.. eine Mutter die Karriere will , ein Vater der anders lebt und eine Tochter , welche Hin und Her schwankt und am Ende die Story des Lebens schreiben will ,.....

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