Die Unruhigen

von Linn Ullmann 
4,1 Sterne bei60 Bewertungen
Die Unruhigen
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Helena89s avatar

Eine tiefgehende Reflexion auf das eigene Leben und das der berühmten Eltern

Himmelfarbs avatar

Großartig, nicht nur für Bergman Fans! Ein tiefsinniges Buch über Eltern, Kinder, Paare, das Altern und das Leben an sich.

Alle 60 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Die Unruhigen"

Sehen, sich erinnern, verstehen. Alles hängt davon ab, wo du stehst.
Als sie zum ersten Mal nach Hammars kam, war sie ein knappes Jahr alt und ahnte nichts von der großen und umwälzenden Liebe, die sie dorthin geführt hatte. Im Grunde waren es drei Lieben.
Vater und Tochter sitzen mit einem Aufnahmegerät zwischen sich zusammen. Ihr Plan lautet, das Altern in einem Buch zu dokumentieren, das sie gemeinsam schreiben wollen. Als sie ihn endlich in die Tat umsetzen wollen, hat das Alter ihn in einer Weise eingeholt, die ihre Gespräche unvorhersehbar und unzusammenhängend macht.
"Die Unruhigen" ist ein genreüberschreitender Roman über ein Kind, das es nicht erwarten kann, erwachsen zu werden, und Eltern, die am liebsten Kinder sein wollen, über Erinnerungen und Vergessen und die vielen Geschichten, die ein Leben ausmachen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783630874210
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:416 Seiten
Verlag:Luchterhand
Erscheinungsdatum:11.06.2018

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,1 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne20
  • 4 Sterne27
  • 3 Sterne13
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Helena89s avatar
    Helena89vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine tiefgehende Reflexion auf das eigene Leben und das der berühmten Eltern
    Ein Erinnerungsbuch der besonderen Art

    Linn Ullmann, die Tochter Ingmar Bergmanns und Liv Ullmanns, erinnert sich in ihrem Buch „Die Unruhigen“ an ihren Vater, ihre Mutter und an sich selbst als Kind, Heranwachsende und schließlich als Ehefrau und Mutter. Auslöser für dieses Werk sind die im letzten Lebensjahr Ingmar Bergmanns auf Tonband aufgenommenen Gespräche zwischen Vater und Tochter. Ursprünglich sollte aus den Fragen der Tochter und den Antworten des Vaters ein gemeinsames Buch entstehen, was jedoch nicht mehr in dieser ursprünglichen Konzeptform umgesetzt werden konnte. Neun Jahre später entschließt sich Linn Ullmann die Tonbandaufnahmen aufzuarbeiten. Sie sind jedoch nicht nur der Anlass dafür, das Buch zu schreiben, sie durchziehen das gesamte Werk und bestimmen damit dessen Duktus insgesamt. Endergebnis ist ein äußerst facettenreiches, anrührendes Erinnerungswerk, dessen zeitliche Spanne sich von den frühesten Erinnerungen der Autorin bis in die jüngste Vergangenheit erstreckt. 

    Besonderes Charakteristikum ihres Romans ist es, nicht nur sich selbst sprechen zu lassen, sondern auch die Stimmen anderer Personen miteinzubinden, vor allem die ihres Vaters, sowie in Dialog mit anderen Texten zu treten. So positioniert sich Linn Ullmann oftmals bezüglich eines Themas durch den Einsatz von literarischen Texten: „»Die autobiografische Arbeit beginnt mit dem Gefühl, vollkommen allein zu sein«, schreibt John Berger. Ich wollte sehen, was geschehen würde, wenn ich uns in einem Buch sichtbar werden ließ, als wären wir an keinem anderen Ort daheim.“ 

    Auch thematisiert Linn Ullmann in ihrem Werk oft die Grenzen des Gedächtnisses sowie die Konstruiertheit der Erinnerungen: „Gäbe es ein Teleskop, das man auf die vergangene Zeit richten könnte, würde ich sagen: Sieh her, da sind wir, so hat es sich abgespielt. Und jedes Mal, wenn wir unsicher gewesen wären, ob das, woran ich mich erinnere, wahr ist, oder ob das, woran du dich erinnerst, wahr ist, oder ob das, was geschah, auch wirklich geschah, oder ob wir überhaupt existieren, wären wir in der Lage gewesen, uns nebeneinanderzustellen und zu schauen.“

    Sie beobachtet sich selbst stets höchst aufmerksam beim Prozess des Schreibens. „Ich schrieb: »Ich erinnere mich«, und mir war sofort unwohl dabei, da ich begriff, wie viel ich vergessen hatte. Ich besitze ein paar Briefe, ein paar Fotos, ein paar verstreute Zettel, die ich aufbewahrt habe, ohne dass ich zu sagen wüsste, warum ich ausgerechnet diese Zettel aufbewahrte und andere nicht, ich habe sechs Gesprächsaufnahmen mit meinem Vater, aber als wir die Aufnahmen machten, war er so alt, dass er den größten Teil seiner eigenen und unserer gemeinsamen Geschichte vergessen hatte. Ich erinnere mich an das, was geschah, ich glaube, ich erinnere mich an das, was geschah, aber manches habe ich mit Sicherheit auch erfunden, mir fallen Geschichten ein, die immer wieder erzählt wurden, und Geschichten, die nur einmal erzählt wurden, manchmal hörte ich zu, und manchmal hörte ich nur mit halbem Ohr zu, ich lege das alles nebeneinander, lege es aufeinander, lasse es gegeneinander stoßen, versuche, eine Richtung zu finden.“

    Linn Ullmann verdeutlicht, dass autobiographische Arbeit in der Literarisierung und Deutung des Geschehens bestehe, dass es nicht darum gehe, den Gegensatz zwischen Fakt und Fiktion aufzulösen: „Um über wirkliche Personen zu schreiben wie Eltern, Kinder, Geliebte, Freunde, Feinde, Onkel, Brüder oder zufällige Passanten, ist es notwendig, sie zu fiktionalisieren. Ich glaube, dies ist der einzige Weg, ihnen Leben einzuhauchen. Sich erinnern heißt, sich umzuschauen, immer wieder jedes Mal von Neuem erstaunt.“ 

    Die Sprache und das Gedächtnis sind für die Erzählerin untrennbar miteinander verbunden. So thematisiert sie auch den lebenslangen Sprachkampf des Vaters und seinen allmählichen Sprachverlust in den letzten Lebensjahren: „Die Stille im Schreibzimmer ist nicht ungetrübt freundlich. Die Worte kommen nicht, oder sie kommen in der falschen Reihenfolge. Die Sätze winden sich und haben weder Anfang noch Ende. Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt, schrieb Wittgenstein, doch was geschieht jetzt, fragt der Fårökauz, was geschieht jetzt, da ich dabei bin, die Sprache zu verlieren. Bald sind nur noch Scherben übrig.“

    Das Werk besitzt zwar eine chronologische Grundstruktur, die sich in der Kapiteleinteilung zeigt: Der erste Teil ist ihrer Kindheit auf Fåro gewidmet, der zweite ihrem Vater und ihrem gemeinsamen Projekt, der dritte ihrem Aufenthalt in Amerika mit ihrer Mutter, und die letzten beiden Teile wieder ihrem Vater in seinen unterschiedlichsten Lebensphasen, wobei sie auch das Verhältnis ihrer Eltern zueinander im vorletzten Teil näher beleuchtet. Und doch kann man von einer Chronologie im engeren Sinn nicht sprechen, da die Erzählung, teilweise mehrmals innerhalb eines Absatzes, zwischen verschiedenen Zeitebenen wechselt. Die geschilderte Vergangenheit wird sozusagen reflektierend von der Gegenwart eingeholt. Umgekehrt passiert dasselbe auch mit der Gegenwart, die durch Rückgriff auf Vergangenes überprüft wird. Die Gegenwart und die Vergangenheit stehen somit in einem ständigen Dialogverhältnis. Eine mosaikartige Konstruktion ist das Ergebnis, Gesprächs- und Gedankenbruchstücke aus unterschiedlichen Zeiten im Leben der Erzählerin werden miteinander vermischt. Wo oberflächlich eine Chronologie herrscht, wird sie durchbrochen und wo wiederum chronologisch eigentlich ein Bruch besteht, wird der Leser mit unerwarteten Zusammenhängen konfrontiert. Die erlebte Vergangenheit wird stets von der Gegenwart eingeholt, Erzählgegenwart und reflexive Betrachtungen spannen sich lückenfüllend über die gesamte geschilderte Vergangenheit. 

    Linn Ullmann verbindet in ihrem Werk „Die Unruhigen“ Literarizität und Reflexivität miteinander, sie lässt es zu einem Stimmen- und Textkonglomerat werden, das den Leser unwillkürlich in seinen Bann zieht und nachhaltig prägt.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 2 Monaten
    Erinnerungen

    "Um über wirkliche Personen zu schreiben wie Eltern, Kinder, Geliebte, Freunde, Feinde, Onkel, Brüder oder zufällige Passanten,ist es notwendig, sie zu fiktionalisieren. Ich glaube, dies ist der einzige Weg, ihnen Leben einzuhauchen."
    (S. 287)

    Dies ist das Leitmotiv dieses Buches. Linn Ullmann schreibt über ihr Leben, ihre Erinnerungen, ihre Eltern, die Schauspielerin Liv UIlmann und der Regisseur Ingmar Bergman. Das alles soll fiktiv sein und doch kommt man den Personen näher als jede Biographie das vermocht hätte.
    Vater und Tochter möchten eine Reihe Tonbandaufnahmen machen, um Gespräche über das Leben und das Altern festzuhalten und daraus ein Buch zu machen. Doch als es soweit ist, ist es eigentlich zu spät, dem Vater sind Worte und Erinnerungen abhanden gekommen. Später wird er seine Tochter nicht mehr erkennen. Das erste Mal aufgefallen ist ihr die schleichende Veränderung des Vaters, als er zu einer Verabredung zu spät kommt und sich nicht entschuldigt. Er, der auf Pünktlichkeit zeitlebens bestand und für den eine verspätete Minute ein Vergehen war, kommt zwanzig Minuten nach der vereinbarten Zeit und merkt es nicht einmal. Es sind diese Kleinigkeiten, die nur Angehörige wissen können, die plötzlich eine große Bedeutung bekommen.
    Und mit solchen Momenten ist das Buch gefüllt. Erinnerungen an die Besuche beim Vater, die Eltern hatten sich früh getrennt, an die Ferien in Hammars, dem Landsitz des Vaters. Erinnerungen an die Jahre mit der schmerzhaft bewunderten Mutter, der Schauspielerin, die ihre Tochter bei der Oma und wechselnden Kindermädchen parkt und sich doch selbst so sehr nach heiler Welt und Geborgenheit sehnt. Erinnerungen, die so wunderbar klug und feinfühlig niedergeschrieben wurden, dass man die Autorin stellenweise einfach umarmen möchte. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mich so berührt hat, und das ganz ohne Pathos oder Rührseligkeit.  Linn Ullmann erinnert sich liebend an ihre Eltern, sie stellt nicht bloß, auch nicht da, wo sie es könnte und vielleicht sogar Grund dazu hätte. Und beschreibt dabei Momente, in denen man Schmerz und Trauer hautnah spüren kann, Momente, in denen mir die Tränen einfach herunterliefen und ich trotzdem lächeln musste, weil Bücher solche Emotionen bei mir nur selten hervorrufen.
    Und die ganze Zeit habe ich mich gefragt, wieso ich diese ja durchaus nicht unbekannte Autorin erst jetzt entdecke, die so schreiben kann, dass ich hilflos meinen eigenen Gefühlen ausgesetzt bin, dass ich ein vierhundert Seiten starkes Buch über die Vergangenheit anderer Menschen in anderthalb Tagen lese und dabei alles stehen und liegen lasse, was mir vorher wichtig erschien.
    "Die Unruhigen" ist ein ungeschminktes, sehr ehrliches Buch, eines, das auf sehr leise Art unter die Haut geht und eines, das mich unglaublich beeindruckt hat. aber das hat wohl inzwischen jeder Leser dieser Besprechung schon gemerkt.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    I
    Ivonne_Gerhardvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Vergangenheit und Gegenwart
    Vergangenheit und Gegenwart

    Das Cover wirkt alt und der Titel verwirrt im ersten Eindruck. Bei genauer Betrachtung des Textes klingt es aber sehr interessant zu lesen , was aus den Jahren , Menschen , Plänen geworden ist und was wirklich passiert ist ,.. kennt ja jeder selbst - als Kind will man unbedingt schnell groß sein und wenn man groß bzw, alt genug ist für etwas , will man es nicht mehr und sehnt sich manchmal zurück in eine glückliche Kindheit ,... Das Buch fand ich sehr schön geschrieben , Teile des Buches erinnern an das Kind berühmter Eltern und dessen anstrengendes (viele Schulwechsel, reisen und getrennte Eltern) und dennoch schönes Leben ;) Rückblicke, Zeitsprünge, hin und her , Wahrheit und Fiktion , gemischt in eine tolle und sehr interessante Geschichte ,... eine Familie mit Menschen die sehr unterschiedlich sind ,.. eine Mutter die Karriere will , ein Vater der anders lebt und eine Tochter , welche Hin und Her schwankt und am Ende die Story des Lebens schreiben will ,.....

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    OliverBaiers avatar
    OliverBaiervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Eine späte Aufarbeitung der Vater- Tochter Beziehung , ruhig und etwas für lange Lesephasen
    Die Tochter eines berühmten Vaters

    Klappentext:


    Sehen, sich erinnern, verstehen. Alles hängt davon ab, wo du stehst. 

    Als sie zum ersten Mal nach Hammars kam, war sie ein knappes Jahr alt und ahnte nichts von der großen und umwälzenden Liebe, die sie dorthin geführt hatte. Im Grunde waren es drei Lieben.

    Vater und Tochter sitzen mit einem Aufnahmegerät zwischen sich zusammen. Ihr Plan lautet, das Altern in einem Buch zu dokumentieren, das sie gemeinsam schreiben wollen. Als sie ihn endlich in die Tat umsetzen wollen, hat das Alter ihn in einer Weise eingeholt, die ihre Gespräche unvorhersehbar und unzusammenhängend macht. 

    "Die Unruhigen" ist ein genreüberschreitender Roman über ein Kind, das es nicht erwarten kann, erwachsen zu werden, und Eltern, die am liebsten Kinder sein wollen, über Erinnerungen und Vergessen und die vielen Geschichten, die ein Leben ausmachen.

    "Es ist eine fiktive Geschichte. Das macht sie aber nicht weniger wahr.“
    Für alle LeserInnen von Joan Didions "Das Jahr magischen Denkens".
    Gewinner des Norwegischen Rundfunkpreises. Shortlist Nordischer Literaturpreis und Kritikerpreis. Unter den 10 besten Bücher des Jahres in allen großen norwegischen, schwedischen und dänischen Zeitungen. Übersetzt in 18 Länder. 

    Eigener Eindruck:

    Anders als erwartet, manchmal mühsam, einige Fragezeichen und viel Unerklärtes. Einiges dieser Beziehung bleibt offen, vielleicht auch, weil sich dieses Vater-Tochter Gespann immer ein wenig fern geblieben ist. Wie ist es in den Momenten der Aufarbeitung auf einen Menschen zu treffen, der sich vergisst und auch die Anderen. Wieviel der eigenen Identität der eigenen Eltern steckt ins uns fest, wer wollen wir sein- wollen wir gesehen werden von unseren Eltern, streben wir nach der Einheit von Vater und Mutter und wie ist es, wenn diese uns so bedeutenden Menschen eher als Einzelpersonen, denn als Paar auftreten und uns begegnen. Die selbst Kind geblieben sind und auch nicht auf der Suche nach dem Erwachsenensein sind. In der Mitte des Buches war ich etwas genervt und habe mich gefragt, warum lese ich dieses Buch eigentlich... dann habe ich bewusst wieder lange Lesephasen gewählt und gemerkt, das ist gut für die Erfahrung, die ich mit dem Buch machen kann. Da es leise ist und keine lauten Aha- Effekte hat. Am Ende hat es mich zufrieden gemacht dieses Buch, von dem ich immer noch nicht ganz genau weiß, was es eigentlich war, aber vielleicht muss ich dies auch gar nicht.

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    Dominikuss avatar
    Dominikusvor 3 Monaten
    Alles hat seine Zeit, alles hat seinen Ort


    Linn Ullmann ist eine bekannte skandinavische Autorin.

    Die Unruhigen ist ein Roman über ein Kind. Für den Roman bekommt die Autorin den Hörerpreis des norwegischen Rundfunk. Linn Ullmann lässt ihre Protagonistin Namenlos in dem Buch zurück.


    Das Kind erzählt ihre Geschichte. 1965 lernen ihre Eltern sich kennen und ein Jahr später kam das Mädchen zur Welt. Für 5 Jahre waren die Eltern ein Paar. Dann kommt das Mädchen immer wieder zu Besuch. Sie schreibt über ihren Vater, bis zu seinem Tod und dann über die Mutter. Der Vater ist ein berühmter Regisseur, er hatte 4 Häuser, 5 Frauen und 9 Kinder. Das Mädchen ist die Jüngste. Die Mutter ist Schauspielerin. Es war rührend das Altern mit zu erleben.

    Dann hat sie einen Mann und zwei Kinder. In ihrem Bericht geht es viel hin und her.


    Der Roman ist eine interessante Lebenserinnerung, mit detailgenauen Sätzen und etwas anderem Stil. Es liest sich wie eine Auflistung der Ereignisse. Eine liebevoll erzählte Geschichte, die ich genossen habe und empfehlen kann.






    Kommentieren0
    2
    Teilen
    S
    Stephan_Michelvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Literarischer Blick auf das Leben, Sterben und Altern in einer prominenten und doch skurillen Familie
    Über das Leben, das Altern und das Sterben

    Inhalt
    Linn Ullmann, die Tochter von Ingmar Bergmann, schreibt ein Buch über sich und ihren Vater, das Altern, das Leben und das Sterben. Von kindischen Erwachsenen (ihren Eltern) und schon früh erwachsenen Kindern (sich selbst).

    Schreibstil

    Die Autorin hat einen unglaublich schönen, literarischen Schreibstil. Dieses Buch ist definitiv kein Pageturner, aber man muss immer wieder mit der Autorin lachen, weinen und die skurrilen Momente des gemeinsamen Lebens genießen. Linn Ullmann lässt tief blicken, auch in ihreDie Kapitel sind oft mit zeitlichen Sprüngen versehen und manchmal verliert man hier als Leser ein wenig die Orientierung.

    Überraschungsfaktor

    Da es sich um ein (auto)biographisches Werk handelt, halten sich die Überraschungen in Grenzen.

    Lest dieses Buch wenn...

    ... ihr anspruchsvoll geschrieben Bücher mögt.
    ... ihr euch für Ingmar Bergmann interessiert.
    ... ihr etwas mit Biographien anfangen könnt.
    ... ihr mal etwas anderes für den Sommerurlaub sucht.

    Finger weg, falls...

    ... ihr eher auf leichte Kost steht.
    ... ihr einen klaren Handlungs- und Spannungsbogen braucht.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    mel0603s avatar
    mel0603vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wirklich fein durchdachtes und sehr ästhetisches Buch, für das man sich am besten ganz viel Ruhe und Zeit nimmt!
    Vom Leben und Lieben...


    "Wir waren immer geschickter darin gewesen, uns zu verabschieden, als uns zu begegnen.“



    Es ist die (Lebens-)Geschichte eines Mädchens/ einer jungen Frau/ einer Frau, die mit dem Vater, dem berühmten Filmregisseur, beschlossen hatte, gemeinsam ein Buch zu verfassen - ein Buch über das Alt-werden und über das Leben, während man alt wird. Und dann, ganz plötzlich, ganz unerwartet und gleichzeitig völlig vorhersehbar verstirbt der Vater. Und die Tonaufnahmen, bleiben eine lange, lange Zeit erst einmal ungehört…

    Unterschiedliche Erzählperspektiven sowie Formen des Erzählens mischen sich kunstvoll in einem literarischen Geflecht, das auch durchaus an die Unruhe des Lebens und des Er-lebens, an die Unruhe des Erwachsenwerdens und an die Unlinearität der Erinnerungen erinnert. Mal wird über „das Mädchen“ gesprochen, mal schreibt das Mädchen, das schon längst eine junge Frau geworden ist, von sich selbst; mal wird dies gebrochen von Dialogen zwischen ihr und dem Vater. Die Erzählpersepektiven wechseln sich ab, die Handlung bricht, wird an einer anderen Stelle fortgesetzt - als „Genre überschreitender Roman“, wird er auch im Klappentext bezeichnet, was - wie ich meine- ganz gut beschreibt, wie viele unterschiedliche Themen behandelt werden, die im Großen und Ganzen das Leben der Protagonistin ausmachen: Die Liebe zur Mutter, die Liebe zum Vater - die zwei getrennte Lieben sind, jeweils einer Person gelten, keine „Liebe zu den Eltern“, sondern aufgrund der Distanz immer eine Liebe zu jeweils einer Person - und schließlich auch die Liebe, die einst da war zwischen der Mutter und dem Vater. 

    Und dennoch ist es ein sehr ruhiges Buch, keine über-dramatischen Szenen, keine über-großen Ereignisse, auf die das Buch hinaus will. Zahlreiche detailvoll geschilderte Sätze, die so schön sind, dass man sie unterstreichen und hervorheben muss, sich am liebsten nochmals laut vorliest, weil sie so poetisch schön sind.
    Ein wirklich fein durchdachtes und sehr ästhetisches Buch, für das man sich am besten ganz viel Ruhe und Zeit nimmt, damit man es erst wirklich richtig fassen kann. 

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Nadl17835s avatar
    Nadl17835vor 3 Monaten
    Subtil und berührend

    Dieses Buch erzählt auf beeindruckende Art und Weise die Geschichte zwischen Vater und Kind und fängt dabei die besonderen und einzigartigen Momente ein, die lange in den Gedanken nachhallen. Einerseits war die Geschichte ergreifend und tiefgreifend, sodass sie mich begeistern konnte. Andererseits gibt es auch einige Passagen in denen es langatmig wurde und ich mich dazu durchringen musste weiterzulesen, da kaum Spannung aufkam. Dennoch hat es sich gelohnt durchzuhalten, da auch wieder interessantere Abschnitte folgten. Neben der Vater-Kind-Beziehung wird auch die Beziehung zwischen der bereits erwachsenen Tochter und den Eltern beschrieben, da diese in gewisser Weise Berühmtheiten sind und trotz „Familie“ keine sind, da die Eltern getrennt in ihren eigenen Welten leben. Zusätzlich wird auf einfühlsame Art und Weise die Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz beschrieben, die traurig und bedrückend sind. Nicht minder emotional ist die Beziehung zu ihrer Mutter, die teils amüsant, teils bekümmert ist.

    Ein lesenswertes Buch mit einigen langweiligen Passagen. Doch das Durchhalten lohnt sich.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    krimielses avatar
    krimielsevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Kunstvolles literarisches Geflecht über das Erwachsenwerden, Erinnern und Vergessen. Stilistisch leider nicht mein Fall.
    Kunstvolles Geflecht

    Der Roman „Die Unruhigen“ von Linn Ullmann, auf den ersten Blick sowohl fiktiv als auch autobiografisch, lässt sich nicht gleich und leicht in ein Genre einordnen. Es ist ein Buch über das Erwachsenwerden einer ungeduldigen Tochter, über das Kindseinwollen ihrer berühmten Eltern, über das Vergessen und das Erinnern.

    Linn Ullmann schreibt ihre unvollständige Lebensgeschichte über das Aufwachsen, über ihr berühmten und getrennt lebenden Eltern, die Schauspielerin Liv Ullmann und den Filmregisseur Ingmar Bergmann. Nicht gemeinsam erlebend und erzählend, sondern immer mit Erzählerblick von außen auf zwei Personen des getrennten Dreiergespanns: Vater-Tochter, Mutter-Tochter, Mutter-Vater. Jeweils einer führt Regie, hält die Linse auf das Geschehen, erzählt. Im Mittelpunkt des Buches stehen Gespräche, was dem ursprünglichen Plan der Autorin entspricht, nämlich das Altern ihres Vaters zu dokumentieren und ein gemeinsames Buch darüber zu schreiben. Umsetzen konnte Linn Ullmann dieses Projekt so nicht, das Alter ihres Vaters machen ihr einen Strich durch die Rechnung, und so kam dieser genreüberschreitende Roman heraus, bei dem die transkribierten Gespräche mit ihrem Vater zwar den roten Faden bilden, aber durch Momentaufnahmen, Detailreichtum und unruhige Suche verliert sich diese Linie wieder in fast cineastisch anmutenden Einzelszenen.

    Wenn man sich darauf einlassen kann fällt es nicht zuletzt durch den entspannten Erzählstil leicht, in diese Welt einzutauchen, und auch wenn etwas Unruhe im Buch entsteht durch immer wieder eingeschobene Briefe, Tagebuchauszüge, Momente mit Dialogauszügen, was hohe Aufmerksamkeit beim Lesen erfordert, wirkt die Atmosphäre insgesamt ruhig und gemütlich.

    Auch wenn ich die Idee zum Buch und die Umsetzung sehr gut finde, modern und ein bisschen gewagt, interessant und spannend, ist es einfach nicht wirklich die Art des Lesens für mich, und ich habe mich etwas schwer damit getan. Die Geschichten und Erinnerungen selbst sind aufschlussreich und fesselnd, aber das wirklich kunstvolle literarische Geflecht war mir stellenweise einfach zu viel.

    Kommentieren0
    37
    Teilen
    N
    Nela77vor 3 Monaten
    Berühmte Bande

    Es ist nicht leicht, als uneheliches Kind zweier Künstler aufzuwachsen. Die Mutter ist Schauspielerin, reibt sich zwischen Beruf und Kind auf, wodurch die Tochter an wechselnden Orten und mit verschiedenen Kindermädchen groß wird. Der Vater, inzwischen von der Mutter getrennt und mit neuer Familie, ist ein berühmter Regisseur, der Struktur und Regeln liebt.

    Linn Ullmann gibt uns einen Einblick in eine berühmte Familie, die dann doch in vielen Belangen völlig normal erscheint. Sie teilt ihre Erinnerungen, die nicht chronologisch, aber dadurch umso tiefgehender sind. Sie schreibt über Familie, Eltern und Kinder und das Altern. Auf Wunsch ihres Vaters trifft sie sich regelmäßig mit ihm, da er gerne ein Buch schreiben möchte. Tonbandaufzeichnungen sind stellenweise direkt wiedergegeben. Aufgrund seiner zunehmenden Demenz wird die Arbeit immer schwieriger. Für mich ist erstaunlich, wie versöhnlich der Ton des Buches ist. Die Autorin scheint den Eltern nichts nachzutragen. Unklar bleibt für mich nur, inwieweit das Buch autobiographische Züge trägt oder fiktiv ist, da dies auf der Rückseite explizit erwähnt wird. In jedem Fall ist das Buch empfehlenswert. 

    Kommentieren0
    0
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks