Linus Reichlin Er

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Inhaltsangabe zu „Er“ von Linus Reichlin

Die schwarze Schwester der Liebe. Der Brügger Kriminalist Hannes Jensen lernt in Berlin Lea, eine so hübsche wie eigenwillige Frau kennen und verliebt sich – zu seiner eigenen Überraschung – Hals über Kopf in sie. Er fühlt sich von der Aura des Rätselhaft- Verschlossenen angezogen, die sie umgibt. Doch Lea gibt sich nicht ohne Grund so verschlossen. Diverse Menschen suchen nach ihr. Als Neueinsteiger in der Liebe ist Hannes Jensen ganz schnell auch der Schattenseite der Leidenschaft ausgesetzt. Überall meint er Indizien dafür zu sehen, dass noch ein zweiter Mann in Leas Leben eine Rolle spielt. Jensen steigert sich dermaßen in seine Verdächtigungen hinein, dass er, der einst ein guter Ermittler war, nicht in der Lage ist, das eigentliche Geheimnis zu lüften, das Lea umgibt. Schlimmer noch: Jensen ist so blind vor Eifersucht, dass er die Frau, die er liebt, nicht schützen kann ...

4.5 Sterne - sehr außergewöhnlich mit eigenwilligen Charakteren und einem sensiblen und doch ruppigen Charme :D

— Aleshanee

Naja...

— Maja93

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    Er

    Maja93

    15. August 2015 um 22:26

    Dieses Buch hat mich nicht wirklich beeindruckt. Ich hatte es aufgrund des Klappentextes ausgesucht, den ich ganz interessant fand. Außerdem brauchte ich irgendwie mal was anderes zwischendurch. Tja der Klappentext war sehr vielversprechend und schien eine Liebesgeschichte miteinzubeziehen. Letztendlich sprang man aber zwischen den beiden Hauptpersonen hin und her und konnte zunächst nicht miteinander verknüpfen. Nach und nach erst wurde deren Beziehung deutlicher. Da es ja ein Krimi ist, hatte ich mir Spannung und etwas Verzwicktes erhofft, doch leider empfand ich beides nicht wirklich. Ich hab das Buch immer weiter gelesen in der Hoffnung, doch noch meine Erwartungen erfüllt zu bekommen, doch leider war dies nicht der Fall. Die Geschichte irritierte mich teils und im Nachhinein musste ich erst noch einmal überlegen, was ich da jetzt eigentlich gelesen hatte. Dies zeugte leider von nicht wirklich leidenschaftlicher Art des Lesens. Ich hoffe, es gibt auch Menschen, die diese Art des Schreibens mögen, so hin und her geschickt zu werden und irgendwie bis zum Schluss doch nicht so ganz durchblicken zu können. Für Krimi- Liebhaber ist es warscheinlich nicht das Gelbe vom Ei (wie man so schön sagt). So richtig schlecht ist es auch nicht, deshlab fiel es mir schwer, die richtigen Sterne zu vergeben. Man kann es mal lesen, aber ein Knaller der

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  • "Seine Zuneigung war kein Gebiet für Worte, hier herrschte die reine Empfindung ..."

    Er

    R_Manthey

    01. July 2015 um 11:48

    Gibt es in dieser Welt für jeden Menschen genau einen anderen, der nur ihm "ein Gefühl der Unmittelbarkeit, der Heimat" vermittelt, wie es der Autor nennt? Und was passiert, wenn sich zwei solche Menschen begegnen, ihre Körperintelligenz die einzigartige Situation versteht, der Verstand aber nicht folgen kann oder die Umstände die seelische und körperliche Vereinigung nicht dauerhaft zulassen? Zwischen Lea und Hannes entsteht eine solche Unmittelbarkeit. Er tritt in Leas Blumenladen, und sie nimmt ihn unter einem Vorwand mit zu sich. Doch die Wege, die sich hier so intim kreuzen, haben eine völlig unterschiedliche Geschichte. Lea lässt sich mit vielen Männern ein, und Hannes hat erst kürzlich begriffen, dass er jahrelang völlig ahnungslos nur einer von zwei Männern seiner Freundin war, die sich nun für den anderen entschieden hat. Verwundert es da, dass Hannes die geheimnisvolle Vergangenheit Leas ergründen will? Ist es Eifersucht, wenn er diesmal sicher sein möchte, der Einzige zu sein? Es ist doch jeder auf der Suche nach diesem einzigartigen und unteilbaren Gefühl von Heimat und Unmittelbarkeit, das Hannes bei Lea so plötzlich und unerwartet gefunden hat. Während er Leas geheimnisvolle Vergangenheit zu ergründen versucht, kommt diese in einem zweiten Erzählstrang direkt zu ihr. Lea stammt von einer dieser unwirtlichen kalten und baumlosen Hebrideninseln, wo noch jeder jeden kennt und wo Regeln gelten, die andernorts längst in der Anonymität verschwunden sind. Zwei Männer aus Leas schottischer Vergangenheit suchen sie, weil sie unbedingt etwas von ihr zurückhaben wollen. Als Lea von ihrer eigenen Geschichte eingeholt wird, gerät Hannes noch mehr in den Strudel der Ereignisse um die Geheimnisse einer Frau, die ihm ein Gefühl schenkt, das er so noch nie empfunden hatte. Egal, in welche Kategorie kluge Menschen dieses Buch nun unbedingt stecken müssen - es ist von einer faszinierenden Intensität und Dichte, weil der Autor offenbar über etwas schreibt, was er, in welcher Form auch immer, selbst erlebt und mit seiner eigenen Körperintelligenz verstanden haben muss. Glücklicherweise verfügt er dann auch noch über außergewöhnliche erzählerische Fähigkeiten. Reichlin baut seine Geschichte so geschickt auf, dass die langsam erzeugte Grundspannung, die nicht aus einer dem Leser offenbarten Tat, sondern aus einem Geheimnis entsteht, sich stetig steigernd bis zum Ende erhalten bleibt. Wie nebenbei und fast unbemerkt schildert Reichlin, während sich die Erzählstränge aufeinanderzubewegen, die ganze Bandbreite der Beziehungen zwischen Mann und Frau. Lea ist auf der Suche nach einem Zustand, den sie einst kurz kennengelernt hatte und danach nicht wieder finden konnte. Hannes wurde tief verletzt, weil er sich durch seine geflüchtete Freundin um das Gefühl von Intimität betrogen sieht. Und dazwischen erleben wir bei anderen Beziehungen Langeweile, Frust oder Hass, weil in ihnen nicht das wahr wurde, was jeder sucht und was so selten funktioniert, wenn man nicht auf seinen Gegenpart traf, sondern auf einen Menschen, der einem immer irgendwie fremd bleiben wird. Fazit. Ein Buch, das von einer eigenartigen Faszination ist, die sich erst langsam ergibt, aber dann sich steigernd bleibt. Kein Kriminalroman im engeren Sinne, auch keine Liebesgeschichte, sondern eine spannende Erzählung über die Suche nach dem einen Menschen, der genau in die Form passt, die wir selber sind. Wunderbar geschrieben und sehr geschickt aufgebaut.

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  • Rezension zu "Er" von Linus Reichlin

    Er

    walli007

    20. May 2012 um 19:48

    Späte Einsicht Der belgische Ex-Polizist Hannes Jensen ist von seiner Freundin Annick verlassen worden. Mit der erst zweijährigen gemeinsamen Tochter ist sie zu ihrem Geliebten nach New York abgehauen. Als ob das nicht Unglück genug wäre, muss Jensen auch noch nach Berlin zur Beerdigung seiner Schwester. Annicks Blindenhund, der ihn an alles erinnert, im Schlepptau. Und den armen Hund vergisst er dann vor dem Blumenladen, in dem er den Strauß für die Beisetzung gekauft hat. Später fällt ihm wieder ein, wo er das Tier gelassen hat. Die Ladenbesitzerin Lea hat sich des Hundes angenommen und so kommen sich Lea und Hannes fast unfreiwillig näher. Mit Spannung und Vorfreude habe ich dieses Buch erwartet, sind doch die anderen beiden Romane um Hannes Jensen doch mit einer ordentlichen Portion kriminalistischem Lesevergnügen gespickt. Doch diesmal bin ich schwer enttäuscht. Dieses Buch ist kein Krimi und spannend war es für mich auch nicht. Hannes Jensen hadert mit seinem Schicksal. Er wurde verlassen, ihm wurde die Tochter genommen, er war nie der Einzige in Annicks Leben und geblieben ist ihm nur der blöde Hund. Und so ist er seiner neuen Freundin gegenüber sehr misstrauisch, was zwar verständlich ist, aber doch übertrieben. Den Hund will er loswerden, Leas Tochter soll ihn haben. Doch die mag das Tier nicht. Den Teil der Geschichte fand ich am nervigsten, der bedauernswerte von keinem gewollte Hund. Bestimmt gäbe es einen Blinden, der sich über das Tier gefreut hätte. Aber Jensen kümmert sich nicht, mag das Tier nicht und gibt ihn doch nicht ab. Er schwelgt wahrscheinlich in der Erinnerung an Annick, schließlich hält der Hund gerade die wach. Er suhlt sich im Selbstmitleid und projiziert seinen Unmut auf den Hund. Und auch seiner neuen Freundin macht es Jensen nicht leicht, immer wieder fragt er nach ihrer Vergangenheit, die sie jedoch nicht offenlegen will. Natürlich ist da etwas der Kriminalist gefordert und Jensen gibt diesem Drang nach, ohne den offensichtlichen Wunsch Leas zu respektieren. Und Leas Geheimnis, tja, das hat seine Wurzeln auf einer schottischen Insel und ist wahrscheinlich auch nur aus der dörflichen Inselsicht heraus zu verstehen und selbst da könnte man sich denken, dass die heutige Zeit etwas moderner sein könnte. Nee, ganz ehrlich, hier gab es nichts und niemanden, der für mich interessant oder sympathisch gewesen wäre. Ein Psychogramm über ein paar Menschen, auf das ich für einen ordentlichen Krimi locker verzichtet hätte. Zum Glück bin ich nur ein Laienleser, ein wahrhaft beschlagener Kritiker kann diesem Buch ganz sicher wesentlich mehr abgewinnen.

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  • In der Ruhe liegt die Kraft

    Er

    Stefan83

    07. November 2011 um 17:13

    „Liebe war nichts anderes als wunderbare, köstliche, schreckliche Schwäche. Man wurde erpressbar, verführbar und war leicht zu täuschen. Beide mussten sich vor den Konsequenzen des Verrats im selben Maß fürchten. Einseitigkeit war lebensgefährlich.“ Dieses Zitat prangt nicht nur auf Klappentext und Rückendeckel des neuen Linus Reichlin-Romans „Er“, sondern gibt auch in wenigen Worten wieder, worum es sich im dritten Band der Serie mit dem Ex-Polizisten Hannes Jensen dreht. „Liebe“ ist das Stichwort. Und damit all seine Begleiterscheinungen wie Verrat, Verdächtigungen und Eifersucht. Ein beliebtes Thema für einen Krimi, wenngleich sich der in der Schweiz gebürtige Autor mit seinem aktuellen Werk noch weiter vom Genre der Spannungsliteratur entfernt und damit eine Entwicklung, welche bereits in „Der Assistent der Sterne“ ihren Anfang nahm, fortgeführt hat. Wenn Reichlin, der bereits im Jahre 2009 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet worden ist, beim nächsten Mal dennoch wieder zu den Nominierten zählt, so darf sich aber niemand wundern. „Er“ ist zwar kein Krimi im klassischen Sinne – in Punkto Spannungserzeugung muss er sich hinter der namhaften Konkurrenz jedoch trotzdem nicht verstecken. Ganz im Gegenteil: Reichlin erweist sich einmal mehr als Meister der Fabulierkunst und überzeugt mit einer eleganten und kunstvollen Geschichte, welche keinerlei Leichen, Schießereien oder manisch-depressiver Ermittler bedarf. Nein, das Leben hat es mit Hannes Jensen in letzter Zeit wirklich nicht gut gemeint. Seine Schwester ist vor kurzem gestorben und Annick, seine langjährige blinde Geliebte, hat ihn für jemand anderen verlassen. Das wäre an sich zu verkraften, wäre sie mit diesem anderen nicht schon seit Beginn ihrer Beziehung in die Kiste gestiegen. Nun ist sie kurzerhand nach New York durchgebrannt und hat ihm einzig ihren Blindenhund hinterlassen. Der weicht ihm jetzt, wie ein letztes bewegliches Mahnmal des Verrats, nicht mehr von der Seite und nagt an Jensens mittlerweile hauchdünnen Geduldsfaden. Welche Ironie, dass es dann ausgerechnet der beste und in diesem Fall ungeliebte Freund des Menschen ist, der das Leben des Verlassenen in schönere Bahnen lenkt. Als Jensen auf dem Weg zur Beerdigung seiner Schwester in Berlin einen Blumenladen aufsucht und nach dem Kauf den Hund vor der Eingangstür „vergisst“, kommt er nach seiner Rückkehr erneut mit der schönen, aber auch eigenwilligen Verkäuferin Lea ins Gespräch. Ihr Verhalten gibt ihm Rätsel auf, übt jedoch gleichzeitig eine enorme Anziehungskraft aus und bewegt Jensen schließlich dazu einen Wohnungswechsel in Erwägung zu ziehen. Schließlich hält ihn in seiner alten Wohnung in Brügge eigentlich nichts mehr. Nach und nach kommen sich bald Jensen und Lea näher, wenngleich deren Tochter Toni alles daran setzt, seine Bemühungen zu torpedieren. Mit Erfolg, denn die wechselnden Liebschaften in Leas Vergangenheit heizen Hannes' Eifersucht an und trüben das bis dahin so unkomplizierte Liebesglück. Was verbirgt Lea vor ihm? Was ist Schlimmes in ihrer Kindheit, welche die gebürtige Schottin auf der Hebrideninsel Lewis verbracht hat, geschehen? Und wer ist der Mann auf ihren Zeichnungen, der Hannes zum Verwechseln ähnlich sieht? Als sich Hannes daran macht, mehr über Leas früheres Leben zu erfahren, ahnt er noch nicht, dass sich ein Teil davon bereits auf dem Weg nach Berlin gemacht hat … Zerrissene Notizzettel. Zerbrochene Bleistifte. Abgewetzte Radiergummis. Alles Dinge, die Linus Reichlin fremd sein dürften, da es an keiner Stelle seines Buches so scheint, als wäre die Niederschrift von „Er“ in irgendeiner Art und Weise zeitraubende Arbeit gewesen. Von der ersten bis zur letzten Zeile behält die Geschichte dieses magische, rhythmische Tempo bei, das den Leser packt und nicht mehr aus seinen Fängen lässt. Hier sitzt jeder Satz, jedes Komma und jeder Punkt am richtigen Platz. Fast hat man den Eindruck, als wäre ein Aquarellmaler und kein Schriftsteller am Werk gewesen, derart stimmig und intelligent hat Reichlin die zwei verschiedenen Erzählstränge, welche dazu noch zwischen den Zeiten wechseln, in Einklang miteinander gebracht. Bewundernswert, wie er die Kunst des Weglassens beherrscht und kein Wort zu viel gebraucht, um selbst der alltäglichsten Situation noch einen gewissen Zauber zu verleihen. Beeindruckend, wie gewollt beiläufig er in den Bann zieht und aus einer völlig banalen Ausgangssituation ein mitreißendes und berührendes Rätsel meißelt. Das hat in diesem Fall seinen Ursprung auf einer sturmumtosten Insel der Äußeren Hebriden, auf der die Moderne äußerst langsam Einzug hält und Tradition, zum Beispiel in Form der jährlichen Tötung hunderter Baßtölpelküken, noch groß geschrieben wird. Hier beginnt „Er“ im ersten Kapitel, nur um dann gleich im Anschluss aus der Sicht eines Blindenhundes Hannes Jensen in die Geschichte einzuführen, der dabei ist eine Berliner Straße zu überqueren. Ein Schauplatzwechsel zwischen zwei Orten, der deutlich macht, dass Reichlin zwar einfach drauflos schreibt, aber dennoch nicht den einfachsten Weg wählt. Stattdessen muss der Leser lange Zeit durch die Wirrnisse des Alltags rudern, um außer der Spitze auch den darunter treibenden Rest des Eisbergs zu erblicken. Wer dabei dann auf blutüberströmte Leichen oder soziopathische Mörder nicht verzichten kann, ist bei „Er“ völlig fehl am Platz, denn gerade das Unausgesprochene und die Lücken nach den Fragezeichen machen diesen Roman so besonders. Wo sonst Lärm, Bewegung und Adrenalin den Plot in den roten Bereich treiben, liegt hier in der Ruhe die Kraft, beschreibt die Stille die Folgen zerstörerischer Gewalt besser, als es ein markerschütternder Schrei an dieser Stelle je könnte. Reichlins unterschwellige, ziselierte Spannung ist sicherlich genauso wenig jedermanns Sache, wie sein literarisch-satirischer Humor. Der ist nicht selten so feinsinnig, dass man zweimal nachlesen muss, um erst dann wissend zu grinsen und setzt ohne Zweifel einen gewissen Intellekt voraus. Nicht nur deshalb mutet „Er“ im großen Becken der heutigen Krimilandschaft wie ein spöttelnder Streber an, der sich zu fein für dieses Genre ist. Eine Außenwirkung, für die Reichlin allerdings wenig kann und die lediglich ein Beleg für den derzeitigen niedrigen Qualitätsstandard der vielen Alpen-, Hinterhof- und Dorf-Krimis ist, von denen die meisten, trotz ihrer heimatlichen Gemütlichkeit und regionalen Nähe, mit der Realitätsnähe dieses fein gesponnenen Plots in keinster Weise konkurrieren können. Linus Reichlins dritter Wurf ist, wie schon seine beiden Vorgänger, Feinschmecker-Kost und nur bedingt massentauglich. Ein kleines Juwel für Krimi-Kenner, das leider auch wegen dem wenig passenden Titel und dem pottenhässlichen Covermotiv den Weg in wohl nur wenige heimische Bücherregale finden wird. Auf die Bewertung hat dies letztlich keinen Einfluss - „Er“ war für den Rezensenten schon jetzt eines der Highlights des Jahres 2011.

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  • Rezension zu "Er" von Linus Reichlin

    Er

    WinfriedStanzick

    28. July 2011 um 17:01

    Der vorliegende Roman ist der nunmehr dritte mit dem mittlerweile dreiundfünfzigjährigen Hannes Jensen, dem ehemaligen Inspecteur der Polizei von Brügge, leidenschaftlichem Hobbyphysiker und Privatermittler. Hatten die beiden ersten Bücher „Die Sehnsucht der Atome“ und „Der Assistent der Sterne“ noch den Charakter eines Kriminalromans, geht es im vorliegenden Buch nicht um die Lösung eines Falles, sondern es geht um Verrat und vor allem um Eifersucht. Seine langjährige blinde Freundin Annick hat ihn verlassen und ihm ihren Blindenhund zurückgelassen. Mit einem anderen Mann ist sie nach New York gegangen. Hannes Jensen muss erfahren von einer Frau, der er vertraut hat, wie kaum einem anderen Menschen zuvor, dass sie ihn all die Zeit mit diesem anderen schon betrogen hat. Entsprechend kann man sich den Zustand Jensens zu Beginn des Buches vorstellen, als er zur Beerdigung seiner Schwester nach Berlin reist. Als er in einem Blumenladen einen Strauß für den Friedhof kaufen möchte, lernt er Lea kennen. Er verliebt sich in sie. Doch Jensen scheint nicht in der Lage zu sein, Frauen kennen zu lernen ohne bewegte und rätselhafte Vorgeschichte. Die von Lea kennt er zunächst nicht, aber er spürt durch die starke Anziehungskraft, die Lea auf ihn ausübt hindurch, an ihrem Wesen und ihrem Verhalten etwas Tragisches. Denn Lea, so stellt sich heraus, ist nicht in Berlin geboren. Sie stammt von einer Insel in den Äußeren Hebriden, einem Flecken Erde, wo die Zeit stehen geblieben scheint, die Menschen seit Jahrhunderten sich durch die Schafzucht am Leben erhalten und mehr oder weniger freiwillig sich einer streng-religiösen Ordnung unterwerfen. Als ihr Vater sie zwangsverheiraten will, flieht Lea als Siebzehnjährige nach Berlin und bricht alle Kontakte ab. Linus Reichlin hat die Vorgeschichte Leas auf der schottischen Insel und die Jetztzeit in Berlin meisterhaft im Wechsel erzählerisch komponiert. Zwei Stränge und zwei Welten, die zunächst noch gar nichts miteinander zu tun haben, bewegen sich aufeinander zu. Die Spannung, die es ihm gelingt aufzubauen, könnte in einem Krimi nicht prickelnder sein. Eine Geschichte aus der Vergangenheit wird immer aktueller, als Jensen bei aller Verliebtheit – noch ganz unter dem schmerzhaften Eindruck eigenen Verlassenwerdens – zu suchen beginnt. Und er findet immer mehr Indizien, dass im Leben von Lea noch ein zweiter Mann („Er“) eine wichtige Rolle spielt. Während dem Leser langsam durch den permanenten Perspektiven- und Zeitenwechsel langsam Andeutungen von Zusammenhängen klar werden, verstrickt sich Hannes Jensen immer mehr in eine Eifersucht, die am Ende für beide gefährlich wird. Ein spannender, psychologisch tiefgehender Roman über Eifersucht, Verrat und die Schwierigkeit, sich wirklich für die Liebe zu öffnen. Auch für dieses Buch gilt, was Reichlin so ausdrückt: „Liebe war nichts anderes als wunderbare, köstliche, schreckliche Schwäche. Man wurde erpressbar, verführbar und war leicht zu täuschen. Beide mussten sich vor den Konsequenzen des Verrats im selben Maß fürchten, Einseitigkeit war lebensgefährlich.“ Man wird sehen, ob und wie diese komplizierte Beziehung im nächsten Buch weiter geht.

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  • Rezension zu "Er" von Linus Reichlin

    Er

    Greta

    die "krimis" von linus reichlin las ich in folgender reihenfolge sehr kurz nacheinander: 1. der assistent der sterne. 2. die sehnsucht der atome. 3. er. die reihenfolge war chronologisch gesehen falsch, man hätte der chronologie der handlung nach zuerst "die sehnsucht der atome" lesen müssen, dann "der assistent der sterne", dann "er". in der reihenfolge würde ich auch die liste "schönheit der buchtitel" aufzählen, "er" ist zweifellos der dümmste der drei buchtitel, die anderen beiden titel sind ungefähr gleich schön. auch das geht: die "schönheit der cover"-reihe: "er" hat ohne frage das blödeste cover der drei bücher. und, tadaa: genauso funktioniert auch die reihenfolge "welches buch von reichlin gefiel mir persönlich am besten". "er" gefiel mir am wenigsten. . "der assistent der sterne" und "die sehnsucht der atome" waren ähnlich stark, beeindruckend! beide las ich gefräßig, bis spät in die nacht, da war das, was die kunden im buchladen immer kaufen wollen: ein buch, das bedingungslos fesselt, das aber auch noch gut geschrieben ist. zwei tage nach dem lesen hatte ich die handlungen jeweils schon fast wieder vergessen, verblüffend ausgeklügelt waren die aber, ich verstehe nicht, wie ein mensch sich so etwas ausdenken kann. man konnte trotzdem überall hin folgen. es ging immer um hannes jensen, der mann lebte in brügge (brügge... da wollte man dann sofort hin, das kannte man noch nicht). in "die sehnsucht der atome" war jensen noch offiziell kommissar, in "der assistent der sterne" schon mit ungültiger dienstmarke unterwegs, das tat nichts zur sache. jensen interessierte sich im stillen sehr für die physik, das war wichtig und etwas besonderes, ich las das gern, von neuronen und anderen teilchen und wie man diese sachen, von denen man als leser nichts verstand, zur metapher für ein menschenleben oder den lauf der welt im allgemeinen machen kann. mächtiger war aber noch die handlung: jensen war ein kapierbarer, in manchen belangen vermeintlich gescheiterter mensch, der unabsichtlich in spannende geschichten geriet, zu denen er sich gut dosierte gedanken gemacht hat. gedanken über "liebe" wurden kaum geäußert, die betreffende frau war viel zu weit weg, und als sie näher kam, blieb sie immer noch ziemlich weit weg, das war einfach so angelegt und vernünftig. ansonsten ging es eben um kuriose seminare auf island, von denen jensen sich gerade noch so lebend davon fliehen konnte, oder darum, was jensen machte, als die blinde frau, die er im mexikanischen hochland begleitete, von einer klapperschlange gebissen wurde. . in "er" wird vieles anders. jensen bleibt zwar erstmal jensen. aber: der titel wird kürzer und dümmer. das cover wird hässlich. im buch drin: jensen wurde gerade von der blinden frau verlassen. jensen macht das, was alle machen: er zieht nach berlin um (meine enttäuschung: nicht mehr brügge!). in berlin, der stadt der neurotischen singles, in der alles möglich ist (ui), trifft er lea, eine unwiderstehliche blumenverkäuferin, die mit ihrer hochbegabten tochter im prenzlauer berg wohnt und nur einen bestimmten joghurt von der bio company mag. er ist total verliebt in lea, die über die maßen schön, aber kompliziert ist, sie hat nämlich eine vergangenheit, zu der sie jedoch schweigen befiehlt. der leser weiß mehr, weil parallel zum berlinplot der lea-vergangenheits-plot erzählt wird. der beginnt auf der schottischen insel lewis und nähert sich bedrohlich berlin, für den leser macht das einen spannungsbogen, nervt aber auch, weil man sich dauernd wieder in die jensen-geschichte zurückwünscht, wenn man in der lea-vergangenheits-geschichte drin steckt, die aber immerhin mit einer schottischen inselgruppe zu tun hat, auf der man sofort vier wochen urlaub machen möchte. der jensen-plot fällt dann ja auch zunehmend auf den geist, weil jensen in berlin so stark verliebt ist, dabei immer eifersüchtiger wird, auf alle männer, die lea hatte (und sie hatte viele) oder unter umständen noch hat. und da scheitert es dann, spätestens ab der mitte, denn: da ist zu viel liebe in dem buch. zu viel theorie über liebe und beziehungsgeflechte. zu viele sätze mit "die liebe" oder "wenn man liebt" oder "sowas in der art". mich hat das zunehmend geplagt, geärgert, die schieflage des romans, das kippen in den nahezukitsch, jensens reflektiertheit ging dann auch peinlich zu weit, ein paar dieser szenen waren sogar widerlich, die will man gar nicht aufschreiben hier, jensen reflektiert auf einmal über seine schambehaarung, das sollen doch bitte menschen, die keine romanfiguren sind, zu hause machen und darüber schweigen, dann kriegt man davon nichts mit, aber bitte keine romanfiguren, das muss man dann ja lesen, was die machen und denken! und das ist alles schade. aber auch ok, vielleicht sogar mutig, nur mir allein gefiel das nicht. ich will mehr solche sätze: "jemand hatte venedig erfunden, und da es ein erfolg war, konnte man damit nicht aufhören." oder andere sätze. mehr physik auch meinetwegen, gerne wieder. aber nicht dieses zebröseln des beziehungsthemas über eine romanlänge. . andere sagen: reichlin verabschiedet sich jetzt ganz vom krimiregal, in das man "die sehnsucht der atome" und "der assistent der sterne" immer noch getrost mit dem elitären hinweis auf "aber literarisch!" einstellen konnte. nur wie nennt man das jetzt, einen "spannungsgeladenen beziehungsroman"? nagut, die genre-einordnung ist nebensache, wie schön, dass der autor darauf keinen wert legt, bloß das: "die sehnsucht der atome" und "der assistent der sterne" haben mir, verdammt und zugenäht, einfach viel besser gefallen!

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  • Rezension zu "Er" von Linus Reichlin

    Er

    Karin1970

    24. February 2011 um 09:56

    "Das Zentrum des Glücks war die Angst. Unter dem Strich war die Liebe immer Leiden, denn dem Leben verzieh man, das es endlich war, der Liebe nicht." Nach 2 Jahren wird Hannes Jensen von seiner geliebten Annick verlassen. Es gab von Anfang an einen Anderen. Sie liebt beide, doch der andere würde den Verlust nicht ertragen und er, Jensen, ihm wäre es doch egal. Und so geht sie mit der gemeinsamen Tochter nach New York. Ein anderer wird nun die ersten Worte seines Mädchens hören. Hinterlassen hat sie ihm den Blindenhund, der wie ein Mahnmal des Verrats an Jensen nagt. Und so verzweifelt nicht nur Jensen, sondern auch der Hund. Dann lernt er Lea kennen, sie arbeitet in dem Blumenladen in Berlin vor dem er den Hund anbindet und ihn dann vergisst. Als er nach Stunden wiederkommt hat sie den Hund abgebunden und füttert ihn im Laden. Lea und Jensen kommen sich näher. Jensen überlegt nach Berlin zu ziehen, möchte nicht zurück nach Brügge in das gemeinsame Haus von Annick und ihm. Lea möchte ihm den hund abkaufen für ihre Tochter Toni, und so kommen sich Lea und Jensen schnell näher. Doch irgendwas stimmt nicht, es scheint noch einen anderen Mann zu geben. Und so verzettelt sich Jensen immer mehr in einen Sog aus Eifersucht. Der Roman wird in zwei verschiedenen Erzählsträngen und verschiedenen Zeiachsen erzählt. Auf der anderen Seite Leas Vergangenheit "Angus", er sollte mit Lea zwangsverheiratet werden. Lea war mit 17 Schwanger und alle dachten er wäre der Vater. Lea flieht nach Berlin, lässt das Kind abtreiben und kommt erst Jahre später zurück, als ihr Vater schon schwer krank ist. Zusammen gehen sie zum Guga Cull - Lea soll als Akt der Versöhnung mit auf die Jagd und einen Fotoband machen um die Tierschützer zu überzeugen. Doch auf dieser Jagd kommt alles anders. Angus erkennt, wer damals der Mann war der Lea geschwängert hatte. Angus wird getrrieben von Eifersucht und Scham, so entsteht ein Foto das niemals gezeigt werden darf und es gibt einen Unfall. Jahre Später laufen die Stränge zusammen und ein weiterer Unfall geschieht. Linus Reichlins neuer Roman ist noch weniger ein Krimi, als seine Vorgänger "Sehnsucht der Atome" und "Der Assistent der Sterne". Im Zentrum des Buches geht es um Angst, Liebe, Vertrauen und Eifersucht. Anders als im vorgängerbuch hat es Linus Reichlin nicht geschafft mich mit der gleichen Intensität ins Buch zu ziehen. Die Sprache ist eher beiläufig, die gewählten Sätze spärlich ausgeschmückt, es gibt weniger Wortspielereien als man es gwohnt ist. Die Figuren und Characktere wirken eher nüchtern. Sie wirken alles etwas zu verängstigt, zu verliebt, zu gewollt. Jensen in ständiger Eifersucht, Angus in ständiger Angst, für mich einfach to much. Alles in allem eher ein schlechter dritter Teil. Nach dem doppelt prämierten Roman "Der Assistent der Sterne" sicher kein leichtes unterfangen so daran anzuknüpfen. Das Cover trifft für mich keine Aussage, keine Ahnung was das bedeuten soll. Un der Buchtitel "Er" ist für mich mit Abstand der schlechteset des Jahres. Dennoch solltet ihr unbedingt die Vorgänger lesen!!!

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