Linus Reichlin In einem anderen Leben

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Inhaltsangabe zu „In einem anderen Leben“ von Linus Reichlin

Kennen Sie die Sehnsucht danach, aus Ihrer Familiengeschichte auszubrechen?
Als er noch ein Kind war, kamen ihm seine Eltern oft wie Richard Burton und Liz Taylor vor. Sie waren das schillernde Paar in einer spießigen Umgebung: schön, erfolgreich, voller Leidenschaft – und ständig flogen die Teller durch die Luft. Der Ehekrieg tobte, bis ein tragischer Unfall ihm ein Ende setzte. Und mittendrin: er, Luis. Zwanzig Jahre später lässt ein Zufall die Erinnerung an seine Jugendjahre wieder aufleben: Luis, ein Meister der Verdrängung, hatte damals alle Familienbande radikal gekappt. Er nutzt den Wink des Schicksals, sich endlich der Vergangenheit zu stellen, die ihn, seine Beziehungen und vor allem ihr Scheitern stärker bestimmt, als er sich eingestehen will. Und so beginnt für Luis eine Erinnerungsreise zu seinen Anfängen, zu seinen drei wichtigen Beziehungen und seinen Versuchen, den richtigen Rhythmus für sich in der Welt zu finden. Eine Reise, an deren Ende er – vielleicht – den richtigen Takt finden wird …

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  • Zahnlos, aber emotional.

    In einem anderen Leben

    Iudas

    31. May 2015 um 08:20

    Luis Maiwald wird Zeit seines Lebens von einem Gespenst heimgesucht. Dieses Ge­spenst hat seinen Ursprung in seiner Kindheit und taucht in Form seines trunksüchtigen Vaters, der sich immer wieder auf’s Heftigste mit seiner temperamentvollen Mutter strei­tet, auf. Früher, als Kind, konnte er während dieser Schreckensmomente immer unter die dämp­fende Decke huschen, doch im Alter geht das nicht mehr und Luis lernt, zu verdrängen und zu mißtrauen. Er versucht sich in der Musik, die er aber nie beherrschen kann, wird Wer­bezeichner und findet sich in einigen Liebschaften wieder, die allesamt scheitern. Erst nach seinem Umzug in die deutsche Landeshauptstadt findet er die Frau, bei der er trotz seines seelischen Ungleichgewichts bleibt. Aber gerade hier holt ihn seine Vergangenheit mit voller Wucht ein, als er im Schaufenster eines Berliner Galeristen das Bild der Winter­lichen Landschaft des niederländischen Malers Jan van Os sieht. Aber nicht das Original, sondern die einst von ihm für seine seit einem Schlaganfall und dem darauf folgenden Au­tounfall an einen Rollstuhl gefesselte Mutter nachgemalte Kopie. Eine so perfekte Kopie, daß Luis’ Vater sie trotz des vehementen Widerspruches – das Bild war für seine gelähmte Mutter quasi die einzige Verbindung zum Leben – kurz nach dem Verkauf des Originals gewinnbringend weitergab. Seine Mutter starb, er kappte alle Verbindungen zu seiner Fa­milie und vergaß den Vater. Aber als Gespenst ist er immer da und Luis droht zunehmend in seine Fußstapfen zu treten. Linus Reichlins vor kurzem bei Galiani (zu Kiepenheuer & Witsch gehörend) neu erschienener Roman trägt den Titel »In einem anderen Leben« und es ist ein Titel, der griffig ist, könnte doch Luis’ Leben das von einem jeden sein. Vielleicht auch das des Auto­ren? Parallelen sind jedenfalls erkennbar, Namensähnlichkeit, Alter, Nationalität und Wahlheimat. Und so bekannte sich Reichlin kürzlich dazu, sein Roman habe durchaus au­tobiographische Züge. Daß das der Erzählung und im Besonderen der Person Luis’ nicht immer gut tut, zeigt sich aber rasch. Chronologisches, stringentes Erzählen liegt dem Ich-Erzähler Luis nicht, aber er beginnt doch immerhin bei seiner Kindheit. Immer zwischen den Episoden hin- und herspringend erfährt der Leser zunehmend das Ausmaß der Tragödie, an der seine Familie zerbricht. Luis’ Leben­sprotokoll gleicht dabei einer Schilderung, den er so auch dem Zuhörer an ei­nem langen Abend darlegen könnte. Er gibt nur seine Gefühle, Sichtweisen, Schilderun­gen, Erinnerun­gen wider und wird so auch immer wieder zu einem sehr unzuverlässigen Erzähler, dem man nicht zur Gänze über den Weg traut. Man fragt sich, ob das Bild, das er meint, gemalt zu haben, wirklich existiert, ob alle Gewalt in der Familie nur vom Vater ausging und in­wieweit er tatsächlich so schuldlos an einigen seiner Taten ist. Denn obwohl er immer wieder beteuert, daß »es […] meine Schuld [ist]. Es liegt alles in meiner Verant­wortung.« (S. 337), scheut er sich vor Verantwortung und seine Schritte in die Richtung sind marginal. Viel mehr ergeht er sich in Ursachenforschungen und Schuldverschiebun­gen hin zu seinem gespensterhaften Vater, kann nicht von der Musik, die er aus dem auch metaphorisch zu sehenden Bild der Takttaubheit nicht erfolgreich ausübt, lösen und teilt mit erbitterten Klagerufen gegen seine Umwelt aus. Umso erstaunlicher und auch un­glaubwürdiger wirkt seine plötzliche Läuterung am Ende der Erzählung, als sich die Ge­schichte mit dem Schlüsselereignis, das Luis’ Schicksal schon in der frühen Kindheit präg­te, sich auch bei seinem Kind zu wiederholen droht. Luis ist ganz ergriffen von seinen eigenen Gedankengängen, er ist stolz darauf, neue Be­deutungen erschlossen zu haben und zu neuen Erkenntnisse zu gelangen, reagiert aber auf Denkanstöße und Kritik seiner wenigen Bekannten und Liebschaften gereizt und mit großem Unverständnis. »Die ausschließliche Konzentration meiner Mutter auf das Bild: war das am Ende ein Si­gnal? Ihr Versuch, sich mit uns zu verständigen, über die gemeinsame Betrachtung des Bildes? Wie sonst hätte sie noch Gemeinsamkeiten herstellen können? Nur über das Bild war es möglich. Ihre Fixiertheit auf die Winterliche Landschaft diente vielleicht nur die­sem einen Zweck: mit uns Gemeinsamkeit herzustellen. Schaut euch mit mir gemeinsam das Bild an! Ich bin jetzt überzeugt: So war es.« (S. 237) Man merkt Luis seinen Heureka-Moment und seine Freude über sein eigenes Erkennen deutlichst an. Fragen, die sich aber notwendigerweise stellen, werden von ihm nur am Rande, wenn überhaupt, formuliert. Warum zum Beispiel mußte es die bestmöglichst ko­pierte Version von Luis sein, der seine Mutter so lange keine Beachtung schenkte, bis auch die letzte Firnisschicht trocknete? Reichlin arbeitet mit starken, emotionalen Bildern, kann sie aber dem Leser nicht immer plausibel erklären, wenn sich Luis’ Mutter nach dem Entfernen des Bildes stundenlang, in immer wiederkehrenden Intervallen übergeben muß. Aber wenn Luis eines kann, dann ist es das Erklären seiner Lage und das Sezieren eines Al­koholikerlebens. Dabei bedient er sich bekannter Lebensweisheiten und einfacher Seelenk­undlereien, die eingängig und verständlich sind, und dem Leser gerade durch diese Simpliz­ität einleuchtend erscheinen. »Die Angst zu überwinden aus Liebe sei das eine, sage ich. Aber was, wenn man mit Lie­be Angst verbinde? Wenn man sich vor jemandem fürchten, den man liebt? […] Am Ende verbinde man möglicherweise die Liebe zu allem stets mit Furcht. Alles, was man liebe, jage einem dann möglicherweise Angst ein.« (S. 210) Dabei verfängt er sich aber auch hin und wieder in selbstbemitleidenden, nur im ersten Moment klug wirkenden Aussagen, wie sein Kommentar, es sei Unsinn, daß die Menschen, die er liebt, ihn in Bedrängnis bringen, sondern daß dem Leben dieser Part zukäme. Dafür, daß er hier eine Binsenweisheit mit großen Worten von sich gibt, hält er sich erstaunlich wenig daran und sieht gerade in den Menschen, die er liebt, auch seine ihn einengenden Grenzen. Der Roman beginnt stark und kann den Leser durch seine authentische, lebensnahe Art fesseln; viele werden sich in seinen Schilderungen eines Jugendlebens wiedererkennen. Schon allein der Einstieg ist nachdenklich und trotzdem federleicht. Der hypotaktische Schreibstil fördert den erzählenden Charakter und läßt sich flüssig und einfach lesen. Doch schon nach wenigen Seiten werden signifikante, erzählerische Schwächen sichtbar. Reich­lins Hang zu Wiederholungen ist auffällig und auch nicht dramaturgisch erklärbar, wenn auf S. 234 von ihm gesagt wird »Ich stehe noch keine fünf Minuten in der Galerie, und schon hat er diese mir bekannte Bewegung dreimal ausgeführt.«, auf der gegenüberlie­genden Seite etwa auf gleicher Höhe zu lesen steht: »Noch keine fünf Minuten stehe ich hier, und schon empfinde ich es als grotesk, dass dieser Mann […] der Besitzer meines Bildes sein soll.« (S. 235) Auch sein fast zwanghafter Hang zu Korrekturen, Verbesserungen seiner Aussagen ist im negativen Sinne auffällig, sein »oder besser: […]« wird derart häufig bemüht, daß es schon eine unfreiwillige Komik bekommt. Einige Wortbilder, und sei es nur, daß Luis bei strö­menden Regen sagt, er »werde aus Eimern begossen« (S. 278), sind so einfach nicht stim­mig. Man kann zwar dem Kriminalelement um das gefälschte Gemälde zugute halten, daß es eine gewisse Dynamik in den sonst so schon von vornherein starren Roman bringt, aber es ist eben nicht alles. Reichlins lebensnahe Analysen der zerstörten Seelen sind scharf und treffend, aber es wirkt doch trotz allem zu ausgelutscht, von großmütterlichem Seelengeplau­der durchzogen und vorhersehbar. Luis redet viel und gern und lauscht auch mit Vorliebe seinen eigenen Gedanken, aber er bewegt sich nicht. Streitgespräche mit seiner Lebensge­fährtin – als Analogie zu den Zankereien seiner Eltern – sind überdramatisiert und kurz­fristige Wandlungen seines Zustandes willkürlich gesetzt. »In einem anderen Leben« bleibt so ein Roman, der auf soliden Grundfesten steht, der sich eines heiklen Themas annimmt und es allgemeinverständlich und lebensnah aufarbei­tet, aber dem auch der Feinschliff fehlt. Es ist der Roman eines Mannes, der versucht, die Probleme mit seinem Leben aufzuarbeiten, dabei aber von vornherein weiß, daß er festge­fahren ist. Weder der Erwerb seines Bildes noch die Geburt seines Kindes können ihn vor dem Gespenst bewahren, das Du sein Leben geistert. Es bleibt ein zahnloser Roman, einer, der zu viel sagt, zu wütend abrechnet und um sich schlägt.

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  • Reichlings erster wirklicher Entwicklungsroman, der unter die Haut geht.

    In einem anderen Leben

    Monsignore

    01. May 2015 um 23:00

    Erster Eindruck: Bitte nicht! Nicht schon wieder ein Erzähler jenseits der Vierzig, der Kindheitstraumata ausgießt, von der schweren Belastung durch Herzlosigkeit, Alkoholismus und Lebensunfähigkeit seiner Eltern schwadroniert. Und bitte nicht wieder die sattsam bekannte Chose von der genetischen Verkorksung, von der unausweichlichen Vorbelastung beim Umgang mit dem eigenen Kind ... früher ging man mit einem solchen Lattenschuss ins Kloster oder wurde Priester, heute wird man Psychologe oder Schriftsteller ... Doch nein, das Buch ist gänzlich anders. Es geht tiefgründig, authentisch, wohl überlegt und höchst emotional mit dem tatsächlich vorhandenen Problem um, von kaputten Eltern nachhaltig geschädigt worden zu sein. Wunderbare Sätze, klare Gedankengänge und Lebensweisheit stecken im Text. Die Figuren lassen sich mit viel Leben erlesen, in der Handlung steckt ernst gemeinte Energie. Nicht zuletzt durch einen klugen Kunstgriff: Ein Gemälde eines flämischen Meistern rückt ins Zentrum des Geschehens, der betrügerische Verkauf einer Kopie. Damit wird ein geschickter Spannungsbogen erzeugt. Kein Wühlen in verlorener Kindheit, sondern klare Analyse, die allerdings am entscheidenden Punkt stecken bleibt: Es fehlt das Erwachsenwerden, es fehlt der echte Bruch mit den Eltern, die heilende Distanz, das Isolieren des Bösen, das berechtigte Zurückschlagen. Der Protagonist bleibt gefangen, feige, wird zum billigen Nachfahren seines Vaters, kann sich nicht befreien. In der Schlussszene gaukelt er sturzbesoffen seiner kleinen verängstigten Tochter Vaterliebe vor und sollte sich eigentlich den Magen leer kotzen. Ganz schlimm: Das verunglückte Cover des Buches (grob verpixelt wird eine Wassersportszene dargestellt), es suggeriert einen leichten Sommer-Sonne-Strand-Roman. Voll daneben: Der Text auf der Rückseite. Es geht nicht um die "Sehnsucht danach, aus Ihrer Familiengeschichte auszubrechen". Es ist pure Not und Überlebensnotwendigkeit, der Familiengeschichte den Todesstoß zu versetzen. Zudem sind viele Rechtschreibfehler im Buch. Der Autor hat an diesem Text sicherlich hart gearbeitet, der Verlag hat schlampig gearbeitet. Aus Sicht eines Buchhändlers, der diesen Text schreibt, hat der Verlag die Verkaufschance des Buch damit beträchtlich gesenkt. Und das ist sehr schade, denn das Buch ist lesenswert und bemerkenswert, es hat mich, immer abends gelesen, intensiv in mehrere Tage hinein begleitet.

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  • Leserunde zu "In einem anderen Leben" von Linus Reichlin

    In einem anderen Leben

    GalianiBerlin_Verlag

    Liebe Lesefreunde, in diesen Tagen erscheint Linus Reichlins neuer Roman In einem anderen Leben bei Galiani Berlin, und wir möchten euch zu einer Leserunde einladen – an der wir auch selbst teilnehmen und für Diskussionen zur Verfügung stehen werden. »Man kann nicht auf dem neuen Schiff die Segel hissen, wenn am Ufer jemand steht und ruft, erinnerst du dich noch, wie du letztes Mal gekentert bist?« Als er noch ein Kind war, kamen ihm seine Eltern oft wie Richard Burton und Liz Taylor vor. Sie waren das schillernde Paar in einer spießigen Umgebung: schön, erfolgreich, voller Leidenschaft – und ständig flogen die Teller durch die Luft. Der Ehekrieg tobte, bis ein tragischer Unfall ihm ein Ende setzte. Und mittendrin: er, Luis. Zwanzig Jahre später, Luis lebt schon lange in einem anderen Land und einem anderen Leben, lässt ein Zufall die Erinnerung an seine Jugendjahre wieder aufleben: In einer Berliner Galerie sieht er das von ihm gefälschte Gemälde, das auf fatale Weise mit dem Tod seiner Mutter verknüpft war. Luis, ein Meister der Verdrängung, hatte damals alle Familienbande radikal gekappt. Sein Vater war eine Enttäuschung, einer, der sich am Whiskyglas festhielt und von der Bärenjagd träumte. Die unerwartete Wiederbegegnung mit dem Gemälde wirkt wie ein Wink des Schicksals, sich endlich der Vergangenheit zu stellen, die ihn, seine Beziehungen und vor allem ihr Scheitern, stärker bestimmt, als er sich eingestehen will. Und so beginnt für Luis eine Erinnerungsreise zu seinen Anfängen, zu seinen drei wichtigen Beziehungen und seinen Versuchen, den richtigen Rhythmus für sich in der Welt zu finden. Eine Reise, an deren Ende er – vielleicht – den richtigen Takt finden wird … Mitreißend und berührend – Linus Reichlins großer Roman über Familienbande und die Fallstricke der Erinnerung. Einen kleinen Vorgeschmack bietet dieser Buchtrailer, der vom Autor selbst stammt: Wir suchen neugierige Leserinnen und Leser, die In einem anderen Leben gerne lesen und eine Rezension dazu schreiben möchten. Hierfür verlosen wir 10 Exemplare des Buches bzw. eBooks - je nachdem, wie ihr lieber lesen möchtet. Wir freuen uns auf die gemeinsame Lesezeit. Natürlich sind auch diejenigen herzlich eingeladen, die sich das Buch selbst beschaffen und mit uns mitlesen wollen. Linus Reichlin, geboren 1957, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Für seinen in mehrere Sprachen übersetzten Debütroman Die Sehnsucht der Atome erhielt er den Deutschen Krimi-Preis 2009. Sein Roman Der Assistent der Sterne (2010) wurde zum "Wissenschaftsbuch des Jahres 2010 (Sparte Unterhaltung)" gewählt. Zuletzt erschien Das Leuchten in der Ferne (2012), ein Roman über einen Kriegsreporter in Afghanistan – »das ist große Literatur, und dann auch noch spannend erählt« (FAZ). Autorenfoto: © Susanne Schleyer

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  • „Man kann ein Leben nicht ändern, das einem nicht gehört.“

    In einem anderen Leben

    serendipity3012

    10. March 2015 um 19:35

    „Man kann ein Leben nicht ändern, das einem nicht gehört.“ Wie sehr prägt uns unsere Kindheit? Können wir das, was wir im Elternhaus erlebt haben, in diesen wichtigen Jahren, komplett abschütteln und so leben, als seien uns gewisse Wunden nicht zugefügt worden? Linus Reichlins Roman „In einem anderen Leben“ kreist um diese Frage. Sein Held Luis wuchs als Kind zweier alkoholsüchtiger Eltern auf, die sich irgendwann nur noch stritten und bekämpften. Lautstark. Luis versuchte, dieser Stimmung zu entkommen, konzentrierte sich stattdessen auf das Zusammensein mit seiner ersten großen Liebe. Ein schwerer Unfall machte dem Ehekrieg ein Ende. Jahre später, als Luis sich schon längst von der Vergangenheit gelöst zu haben glaubt (oder hofft?), erkennt er plötzlich ein Gemälde wieder, das mit jenem Unfall verknüpft ist. Die Vergangenheit holt ihn ein. „In einem anderen Leben“ sind Luis Dinge passiert, an die er sich nicht erinnern möchte, sich aber immer wieder erinnern muss und so ist der Roman eine Art Aufarbeitung der Kindheit des Protagonisten. Wir lesen von seiner Jugend, davon, wie er der vergifteten Atmosphäre des Elternhauses entflieht. Wir lesen vor allem von seinen Beziehungen, die alle irgendwann scheitern, bis er eine Frau kennenlernt, bei der alles anders ist, da ihre Vergangenheit Parallelen zu der seinen aufweist. Die Beziehung scheint unter einem guten Stern zu stehen… Der Roman, der völlig aus der Sicht des Protagonisten Luis erzählt wird, lebt denn auch ganz von seiner Art, diese Geschichte zu erzählen. Über weite Strecken liest sich der Roman fesselnd, man will unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht, vor allem als es um das wieder entdeckte Gemälde geht. Im Laufe des Romans aber wird das ständige Kreisen um den Vater und die Schatten, die er über Luis’ Leben immer noch wirft, obwohl er ihn seit vielen Jahren nicht gesehen hat, leider ein wenig mühsam. Luis neigt dazu, die Schuld – vor allem bei Problemen in seinen Beziehungen – beim anderen zu suchen und sieht sich schnell als missverstandenes Opfer. Die Erzählweise Luis’ habe ich als durchaus charmant empfunden, der oft durchblitzende leichte Humor gibt dem Roman eine Leichtigkeit, die ihm in seinem schweren Thema gut tut. Die manchmal verschachtelten Sätze, in denen er mit zwar vielen Worten trotzdem geschickt auf den Punkt zu kommen weiß, haben den Schönheitsfehler, dass sich der Erzähler hier leider oft wiederholt. Sicherlich ein mit Bedacht gewähltes Stilmittel, aber mit der Zeit ermüdet es, den gleichen Sachverhalt doppelt und dreifach serviert zu bekommen, zumal man durch das immer wieder eingeschobene „wie gesagt“ wieder und wieder direkt darauf gestoßen wird. Das ist sicher Geschmackssache. So verliert Reichlins Roman leider im Laufe der Geschichte ein wenig an Kraft. Da fehlt eine gesunde Distanz zum Geschehen, Luis kreist sehr um sich selbst. Dagegen ist nicht unbedingt etwas einzuwenden, denn es geht schließlich um die Aufarbeitung seiner Vergangenheit. Eine sicherlich nötige Aufarbeitung, das wird im Roman klar, denn Luis muss mit der Vergangenheit seinen Frieden schließen, um in der Gegenwart ankommen zu können. „In einem anderen Leben“ liefert eine gute, interessante Geschichte, und man will unbedingt wissen, wie sie ausgeht, auch wenn manchmal etwas weniger mehr gewesen wäre.

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  • Ein Winterbild und eine kühle Kindheit

    In einem anderen Leben

    Corsicana

    05. March 2015 um 13:44

    Dieses Buch von Linus Reichlin beschreibt sehr anschaulich eine schwierige Kindheit und die Auswirkungen dieser Kindheit auf das spätere Leben. Anscheinend ist das Buch autobiographisch geprägt - aber doch eine Fiktion. Der Protagonist Luis wächst als Einzelkind in der Schweiz der 60er und 70er Jahre auf. Seine Eltern heiraten früh und interessieren sich mehr für den äußeren Schein als für die Wirklichkeit. Zunächst eifern die Eltern Elizabeth Taylor und Richard Burton nach - in mehr als dem Aussehen - auch Alkohol und Streitereien spielen bei den Eltern eine große Rolle und treiben die Eltern immer mehr ins Verderben. Der Vater ist ein erfolgreicher Zahnarzt und zunächst können sich die Eltern ihr Glamourleben noch leisten - und so kommt ein recht  wertvolles Gemälde ins Haus, eine Winterlandschaft eines niederländischen Malers - und dieses Bild wird im späteren Leben von Luis noch eine große Rolle spielen - nämlich dann, als er viel viel später das Bild in einer Berliner Galerie wiedersieht. Bis dahin geschehen tragische und traurige Dinge - und so sehr Luis auch versucht, vor den Gespenstern der Vergangenheit zu fliehen, so sehr hat ihn die Vergangenheit doch im Griff. Eine Kindheit ohne Wärme, Rückhalt und Geborgenheit prägt eben für das gesamte Leben und hat Einfluss auf alle späteren Beziehungen.  Dies wird eindringlich und gut und sogar spannend erzählt, als Leser fiebert man quasi mit, ob und wie Luis sich lösen kann. Und die Geschichte mit dem Bild (das es übrigens wirklich gibt)  ist ebenfalls spannend. Gleichzeitig ist die Geschichte jedoch auch traurig. Aber es gibt Hoffnungsschimmer und die Aussicht auf Erlösung. Sicher kein reines Wohlfühlbuch - aber eine gut geschriebene Geschichte über eine Kindheit. Alle Eltern, die das Buch lesen, werden sicherlich die Bürde spüren, die diese Geschichte auslöst - so wichtig ist die Kindheit - aber es kann auch so einfach sein, einem Kind Geborgenheit zu vermitteln - wie heißt es  so schön im Buch: "Mir sagte einmal ein Arzt, ein gesundes Herz spürt man nicht. Wenn man Glück hat, verhält es sich mit den Eltern genauso..."

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  • Schicksalhafte Lebenszwänge.

    In einem anderen Leben

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    "Man kann nicht auf dem neuen Schiff die Segel hissen, wenn am Ufer jemand steht und ruft, erinnerst du dich noch, wie du letztes Mal gekentert bist?“ So war es auch Luis Maiwald nicht vergönnt, Altes hinter sich zu lassen, zu neuen Ufern zu gelangen und sein Herz unbefangen dem Lichten zu öffnen, nachdem die langen Jahre seiner Kindheit es in Schatten und Verzweiflung gehüllt hatten. Die Ehe seiner Eltern, die dem Einzelkind Vertrauen und Geborgenheit hätte bieten sollen, war von Unruhe, Streit,Vorwürfen und Verantwortungslosigkeit geprägt. Das glamouröse Parallel-Leben, das sie beide in ihren Träumen führten, das aus ihnen Richard Burton und Elisabeth Taylor machte, scheiterte an der engen, für sie nahezu unerträglichen Realität. Die impulsive, unbeherrschte Beziehung, welche Höhen und Tiefen des weltberühmten Traumpaares bestimmt hatte, war das Einzige, was mit dem Leben der Eltern übereinstimmte, ihre lautstarken Auseinandersetzungen folgten dem Kind bei Tag und Nacht, brachten Furcht wo Sicherheit hätte sein müssen, schufen Albträume wo sonst die Ruhe eines behüteten Kinderlebens geherrscht hätte, und ihre Alkoholexzesse ängstigten und verstörten Luis über Jahre. Bis eines Tages eine unvorhergesehene Wende sein Leben von Grund auf veränderte. Seine Mutter wurde nach einem Unfall mit ihrem Wagen gelähmt und hilflos nachhause gebracht, kein Wort kam mehr über ihre Lippen und eigentlich lebten nur noch ihre Augen. Und die waren es auch, die eine unerklärliche Verbindung zu einem Ölgemälde hielten, das seitlich über ihr an der Wand hing. Es war das Werk des holländischen Künstlers „Jan van Os“ und hieß „Winterliche Landschaft“ - ein Bild, das sie nie gemocht hatte, seit ihr Mann es vor langer Zeit als Wertanlage gekauft hatte – und nun schien es, als hänge ihr Leben davon ab. Aber Luis Vater brauchte Geld, viel Geld, denn in seinem kostspieligen Leben musste nicht nur der reichlich benötigte Alkohol bezahlt werden, den er in seinem „Miller Chair“ zu sich nahm. Sein Entschluss, das Gemälde zu veräußern, würde für die Mutter lebensbedrohlich sein, das spürte Luis und suchte mit ungewöhnlichen Mitteln nach einem Ausweg. „In einem anderen Leben“ ist ein eindrucksvolles Werk des Autors, das eine Vielfalt von Gedanken in mir geweckt hat. Wie viele „andere Leben“ gibt es eigentlich? Leben wir nicht alle irgendwie in einem Leben, das anders ist? Es ist vielleicht anders als wir es uns gewünscht haben, deshalb anders, weil seine Möglichkeiten und Regeln in unserer eigenen Vergangenheit geboren wurden und wir auf der Flucht davor sind, oder es läuft in Bahnen, die der Realität geschuldet sind und Wünsche und Neigungen missachten. Vielleicht merken wir auch nach einer Zeit nicht mehr, dass wir in einem „anderen“ und nicht unserem „eigenen“ Leben Heimat gefunden haben, wo nur noch hin und wieder Zweifel aufkeimt, ob es eigentlich so sein sollte. Linus Reichlin schreibt seinen Roman in der Ich-Form, so dass man recht intensiv etwas Biographisches dadurch empfindet. So wird auch über weite Strecken die Erzählung zur Selbstanalyse, zur Aufarbeitung der eigenen Befindlichkeiten, zur immer wiederkehrenden Selbstreflexion, was den Leser meiner Meinung nach in die Position eines Psychologen drängt, dem – ganz lapidar gesagt – „Seelenmüll“ vor die Füße gekippt wird. Das schmälert meines Erachtens nach die Wertigkeit der Geschichte. Reichlin verwöhnt allerdings in gewohnter Manier den Leser mit seiner angenehmen Sprache und interessanten Protagonisten, mit klugen Gedanken und einer Intelligenz, die sich teilweise sogar recht humorvoll zeigt. Den Spuren dieses Jungen zu folgen, in dessen Leben schon so früh statt Liebe und Wärme Egoismus und Verantwortungslosigkeit eine führende Rolle gespielt haben, ist erschreckend authentisch und beschäftigt die Gedanken, auch das ist ein maßgeblicher Eindruck, den das Buch bei mir hinterlässt. Auf alle Fälle ist dieser Roman interessante Lektüre.

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    • 2
  • Autobiografisch und doch frei erfunden

    In einem anderen Leben

    Buecherschmaus

    "Mir sagte einmal ein Arzt, ein gesundes Herz spürt man nicht. Wenn man Glück hat, verhält es sich mit den Eltern genauso.(...) Manche Leute, wenn sie Pech haben, verbringen ein Leben damit, ihre Eltern kennenzulernen. Ein Prozess, der nicht immer zu einem Ende kommt". Liest man den neuen Roman von Linus Reichlin, erkennt man sehr bald, dass der Ich-Erzähler Linus genau dieses Pech hat. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in der Schweiz, Einzelkind, der Vater gut verdienender Zahnarzt, spürt er von Klein auf seine Eltern sehr deutlich. Beides schwache Menschen, die von dem glamourösen Leben der Stars wie Richard Burton und Liz Taylor, von Partys, schönen Kleidern und dem Duft der weiten Welt vergeblich träumen, aneinander und ihrem vermeintlich engen Leben verzweifeln und verbittern, sich bald nur noch bekriegen und Trost im Alkohol suchen. Zwischen den Fronten steht der kleine Luis, haltlos, ohne das, was ein Kind so dringend braucht: Stabilität, Verlässlichkeit, Wärme, Vertrauen. Die Lage spitzt sich zu, als die Mutter einen Schlaganfall, Folge oder Ursache eines Verkehrsunfalls unter Alkohol, erleidet und zum schweren Pflegefall wird. Allein in einer Winterlandschaft des Holländischen Malers Jan van Os aus dem 18.Jh. findet sie in Zukunft ein wenig Ruhe. Der Vater, mittlerweile schwerster Alkoholiker, völlig haltlos und egozentrisch, gerät in finanzielle Nöte und verkauft das Bild, einst als Wertanlage gedacht. Ein für die Mutter und die sie umgebenden Personen, nicht zuletzt Luis, verheerender Schritt. So weit, so spannend, gut geschrieben und berührend. Besonders die Geschichte um das kleine Gemälde - Luis wird es für die Mutter kopieren und ihm lange Zeit später unverhofft wiederbegegnen- ist wunderbar. Leider ist aber bis hierhin nur ein Drittel des Romans erzählt und der Autor blickt von nun an nur noch durch seinen Ich-Erzähler auf die Verheerungen, die diese unglückliche Kindheit bei ihm hinterlassen hat, auf die Schattern besonders des Vaters, die ihn verfolgen, auf die vielen gescheiterten Beziehungen zu Frauen, zu seiner Angst, mit einer von ihnen, Nora, ein Kind zu haben. Zu nah rückt da der Autor dem Ich-Erzähler, sicher auch bedingt durch die autobiografischen Bezüge. Da fehlt jede Distanz oder andere Perspektive, da arbeit sich einer an seiner Vergangenheit ab, da wird das Buch zu einer Art Selbsttherapie, ständiger Selbstreflexion, schließlich beim versöhnlichen Ende zur Selbstvergewisserung, aus familiären Mustern ausbrechen und die Schatten abwerfen zu können. Das ist durchaus legitim, raubt dem Roman aber manches an Kraft, die er im ersten Teil durchaus hatte, mir letzten Endes gänzlich das Interesse und die Empathie. Schade, denn die Geschichte selbst ist stark und berührend und Linus Reichlin kann wirklich schreiben.

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    • 4
  • Winterliche Landschaft

    In einem anderen Leben

    TochterAlice

    27. February 2015 um 09:39

    Eine "Winterliche Landschaft" als Balsam für die Seele? Nun, in diesem Roman von Linus Reichlin ist es in der Tat so, denn nachdem die Mutter des Protagonisten Luis nach einem schweren Unfall jahrelang im Wachkoma dahinvegetiert, scheint ihr der Anblick dieses Bildes eine gewisse Stabilität, eine Ruhe zu bescheren, die sie sonst nicht hat.  Doch auf Dauer ist ihr diese nicht vergönnt. Luis wächst als Sohn eines Zahnarztes in zunächst nach außen hin stabil wirkenden Verhältnissen auf, doch bröckelt dieses Bild bereits nach dem ersten Hinsehen - und bald auch schon davor, denn es ist der Vater, der aufgrund seines Verhaltens die Familie endgültig zerstört, ja Luis kurz vor den Abgrund bringt, noch bevor sein Leben eigentlich begonnen hat. Die "Winterliche Landschaft"  wird hier gewissermaßen zum Dreh- und Angelpunkt eines Lebens, eigentlich sogar mehrerer Leben. Wer wissen möchte, was es damit auf sich hat, dem sei dieses Buch empfohlen. Ein Buch in dem die Symbolik eine große Rolle spielt - eine so große, dass es mir ab und an ein bisschen viel wurde - dieses Offensichtliche hätte aus meiner Sicht nicht ganz so stark im Vordergrund stehen müssen. Doch insgesamt hat mich das Buch in seiner ganzen Zerrissenheit der Darstellung und in der Kraft der Aussagen, die trotzdem in ihm steckt, dergestalt berührt, dass ich sicher noch oft daran denke - nicht ohne Schmerzen, nicht ohne ein gewisses Unwohlsein, ohne das es jedoch manchmal einfach nicht geht. Beim vorliegenden Buch beispielsweise ganz sicher nicht, denn es ist ein Buch über Traumata, die so niemand erleben will, die es aber sicher gibt - und zwar mehr,als uns lieb ist: gerade in den sogenannten unbescholtenen, tadellosen Familien. Alkoholismus, Despotismus, Egoismus und Ignoranz  - das alles kommt hier zum Tragen und zwar nicht gerade in geringem Ausmaß. Doch zeigt Reichlin auch einen Weg auf, diese Grauen zu überwinden  - ich sollte eher sagen, einen Weg, sie hinter sich zu lassen, denn vergessen wird Luis sie nie - und leider lässt auch er selbst auf dem Weg zu einem - einigermaßen - geläuterten Leben unterwegs zahlreiche Trümmer zurück. Reichlin schreibt spannend - und auch in diesem Buch zeigt sich mal wieder seine besondere Begabung, die die Gestaltung seiner Figuren betrifft. Der Leser muss sich ein wenig gedulden, bis er die Meisterleistung des Autoren - den Berliner Galeristen Sternberg - genießen darf, doch auch davor darf er schon den ein oder anderen interessanten Charakter kennenlernen. Reichlin zeigt einmal mehr, warum man immer wieder gespannt sein darf auf seine neueste Kreation - es gibt immer wieder Neues, immer wieder Anderes. Kein Buch für jeden, aber ein Gewinn für diejenigen, die bereit für eine durchaus schmerzhafte Lebensgeschichte nicht ohne Humor sind.

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  • Von Gespenstern, Dunkelmännern und der Schwärze

    In einem anderen Leben

    freiegedanken

    25. February 2015 um 18:58

    Es gibt Situationen im Leben, da bleibt einem nur die Flucht. Luis wächst in den 60er Jahren in einer Kleinstadt in der Schweiz auf. Sein Alltag wird enorm beeinträchtigt durch die Streitigkeiten seiner Eltern, die völlig unerwartet und heftig über Luis herein brechen. Er hält es oft nicht aus und zieht es dann vor, im Keller zwischen Spinnen und Ratten zu nächtigen. Sein Vater ist Zahnarzt und dem Whiskey erlegen, seine Mutter Zahnarztgattin. Beide träumen irgendwie von einem anderen, glamourösen Leben – als Liz Taylor und Richard Burton beispielsweise Als die Mutter einen Schlaganfall erleidet und zum Pflegefall wird, bekommt das Gemälde „Winterliche Landschaft“ von Jan van Os eine besondere Bedeutung für die Mutter. Sie braucht den Anblick des Bildes, um gesund zu bleiben, wie die Luft zum Atmen. Die Familie hatte es einst als Wertanlage erworben. Unterdessen eskaliert der Vater immer mehr. Er ist sich keiner Verantwortung bewusst, wird zum Alkoholiker und schon bald hat die Familie keine finanziellen Rücklagen mehr. Es kommt wie es kommen muss, zum Verkauf des kostbaren, unersetzlichen Gemäldes. Luis hat zu diesem Zeitpunkt bereits Selbstständigkeit erlangt und er flieht, lässt seine Eltern ein für alle mal hinter sich. Wir begleiten ihn nun auf seinen Wegen, sehen ihn vorrangig in Beziehungen scheitern und die beklemmenden Bilder seiner Kindheit durchziehen alles wie ein schwarzer Faden. Mir fiel es sehr schwer in die Geschichte hinein zu kommen. Das lag vor allem daran, dass ich die ersten Kapitel als zu kurz und oberflächlich abgetan empfand. Erst als Luis dann von seinem Leben 20 Jahre später an der Seite seiner großen Liebe Nora erzählt, wurde ich warm mit diesem ungewöhnlichen Roman, der sich stellenweise wie ein Seelenstriptease las. Reichlin beschäftigt sich mit der Frage, wie eine derart lieblose Kindheit mit einem Vater, der als solcher völlig versagt hat, im Leben nachhallt. In einer nüchternen und eher sachlichen Sprache versteht er es dem Leser nach und nach das Innerste des Protagonisten aufzudröseln. Für Luis wird es zur Lebensaufgabe sich seiner Familie immer wieder zu stellen und das Erlebte aufzuarbeiten, denn er stellt fest: „Letztendlich war er schon immer ein Gespenst gewesen, früher außen, dann in mir, jetzt wieder außen und gleichzeitig in mir, er ging durch Wände. Wenn ich dachte, er ist weg, taucht er wieder auf, er kroch unter den Türritzen durch.“ (S.338) Als Leser ist die Stimmung im Buch öfter bedrückend und es fiel mir nicht immer leicht Geduld für Luis´ Reflektionen aufzubringen. Sie wurden für mich jedoch in eine gelungene Story eingebettet, besonders die Geschichte um besagtes Gemälde hat mir gut gefallen.

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  • die Gespenster der Vergangenheit

    In einem anderen Leben

    Tsubame

    22. February 2015 um 23:35

    Wenn die eigene Familiengeschichte so unerträglich ist, dass sie einem im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlägt, dann bleibt manchmal nur die Flucht in ein anderes Leben. So geht es in Linus Reichlins Roman Luis, der seine Eltern mit Richard Burton und Liz Taylor vergleicht - dem glamourösen Hollywood-Paar der '60er Jahre, das nicht nur durch seine Filme, sondern auch durch zu viel Alkohol und zerfleischende Ehekriege von sich Reden machte. Die erste Erinnerung, die Luis an seinen Vater hat, ist eine schwankende Gestalt, die spätnachts im Dunkeln der Toilette steht und sich zu ihm umdreht. Dieser Vater, der von der Nashornjagd träumt und sich allabendlich in seinem Miller Chair vollaufen lässt, wird Luis auch in seinem anderen Leben als 'Gespenst' begleiten. Luis' Mutter, eine zierliche Tessinerin, verguckt sich in diesen Mann im Strandbad. Doch auf den 7. Himmel folgt bald die Ehehölle.Während zwischen den Eltern oben die Fetzen fliegen, versteckt Luis sich unten im Keller. Als Luis 18 ist und seine ersten Liebeserfahrungen sammelt, schenkt sein Vater seiner Mutter einen Mini Cooper, mit dem diese Ausflüge in die Berge unternimmt, wo sie nicht nur Sonne tankt, sondern auch Weisswein in großen Mengen. Nach einem schweren Unfall wird sie zum Pflegefall und findet nur in der „Winterlichen Landschaft“ - dem Bild eines holländischen Malers - ihren Frieden. Während sich Luis mit Schuldgefühlen plagt, verkommt sein Vater mehr und mehr, entzieht sich jeder Verantwortung und bringt die Situation durch eine unverzeihliche Tat schließlich zum Eskalieren. Doch das Buch erzählt nicht nur die Geschichte einer lieblosen Kindheit und einer Flucht, es erzählt auch von den Schatten, die Luis immer wieder heimsuchen, seine Beziehungen beeinflussen und ihn zwingen, sich mit dem 'Gespenst' seines Vaters auseinanderzusetzen. Das alles liest sich nicht nur spannend, sondern ist auch sehr bewegend. Doch während ich während der ersten Hälfte des Buches komplett von der Geschichte gefesselt war, verlor sie in der zweiten Hälfte deutlich an Fahrt, wurde langatmig und für meine Begriffe etwas wirr. Dennoch ist das Buch sehr lesenswert und macht deutlich, dass man seiner Familiengeschichte nicht einfach entfliehen kann, man muss sich ihr stellen und sie aufarbeiten. Wenn man allerdings Glück hat, so begegnet einem vielleicht jemand im Leben, der einem hilft, den inneren Teufel auf einen Berg zu tragen, so wie es die Aborigines in Australien machen. Und das ist doch eigentlich ein schönes happy end, oder?

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  • Die LovelyBooks Themenchallenge 2015

    Das Schloss der Träumenden Bücher

    Daniliesing

    Ihr lest gern Bücher aus den verschiedensten Genres? Ihr sucht nach einer Leseherausforderung für 2015? Dann seid ihr hier genau richtig! Der Ablauf ist ganz einfach: Bei der Themen-Challenge geht es darum, passend zu 40 vorgegebenen Themen mindestens 20, 30 oder 40 Bücher aus 20, 30 oder 40 unterschiedlichen Themen zu lesen. Ihr könnt euch selbst als Ziel stecken, ob es 20, 30 oder 40 Bücher werden sollen. Bitte gebt dieses Ziel bei der Anmeldung mit an. Bitte sammelt alle eure gelesenen Bücher mit den passenden Themen in einem einzelnen Beitrag, den ich oben in einer Teilnehmerliste bei eurem Namen verlinken werde. Schickt mir dazu eine Nachricht mit dem Link zu eurem Sammelbeitrag! Wenn ihr ein Thema erfüllt habt, schreibt in diesem Sammelbeitrag, mit welchem Buch ihr das geschafft habt und postet einen Link zu eurer Rezension oder aber verfasst eine Kurzmeinung auf der Buchseite und teilt dann den Link zur Lesestatus-Seite, auf der auch die Kurzmeinung zu finden ist, mit uns. Diese Challenge läuft vom 1.1.2015 bis 31.12.2015. Alle Bücher, die in diesem Zeitraum und passend zu den Themen gelesen wurden, zählen. Es zählen Bücher aus allen Genres und mit allen Erscheinungsjahren, sofern sie die Themen erfüllen. Sie dürfen gern vom SuB (= Stapel ungelesener Bücher) oder neu gekauft, geschenkt bekommen oder geliehen sein. Man kann jederzeit noch in die Challenge einsteigen und auch passende Bücher zählen, die man zuvor im Jahr 2015 gelesen hat. Zu diesen Themen wollen wir passende Bücher lesen: Für jedes Thema gibt es ein extra Unterthema, in dem ihr euch über eure gelesenen oder eventuell dazu geplanten Bücher austauschen könnt. Ein Buch, in dem es um Bücher, Literatur und / oder das Lesen geht. Ein Buch, dessen Cover hauptsächlich (am besten ausschließlich) Schwarz und Weiß ist. Ein Buch, dessen Titel aus genau 2 Wörtern besteht. Ein Buch mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3 oder weniger Sternen auf LovelyBooks. (Das Buch muss mindestens 3 Bewertungen haben, es gilt der Zeitpunkt, zu dem du zu lesen beginnst.) Ein Buch von einem Bestsellerautor, von dem du selbst noch nie etwas gelesen hast. Ein Buch, das gedruckt bisher ausschließlich als Hardcover erschienen ist. Ein Buch, das in Asien, Südamerika oder Afrika spielt. Ein Buch mit mehr als 650 Seiten. Ein Buch mit einer jungen und einer älteren Hauptfigur, mindestens 40 Jahre Altersunterschied. Ein Buch, zu dem es auf LovelyBooks noch keine Rezension sowie keine Kurzmeinung gibt. (Es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns.) Ein Buch mit einen elektrischen Gegenstand auf dem Cover. Ein Buch, in dessen Buchtitel gegenteilige Wörter / Dinge genannt werden. Ein Buch von einem Autor, der bisher ausschließlich dieses eine Buch veröffentlicht hat. Ein Buch, das durch seinen Titel & sein Cover auf eine ganz bestimmte Jahreszeit hindeutet. Ein Buch, in dem mindestens 3 unterschiedliche fantastische Wesen vorkommen. Ein Buch das, egal ob im Original oder in der Übersetzung, einen Literaturpreis gewonnen hat. (Bitte den Namen des Preises mit angeben.) Ein kunterbuntes Buch. Ein Buch, dessen Buchtitel eine Aufforderung ist. Ein Buch, bei dem die Initialen des Autors 2 aufeinanderfolgenden Buchstaben im Alphabet entsprechen. Ein Buch, das erstmalig 2015 in dieser Sprache erschienen ist. Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast. (Bitte verrate auch von wem und zu welchem Anlass.) Ein Buch, in dem ein Tier von großer Bedeutung ist. Ein Buch mit Streifen auf dem Cover. Ein Buch, das eine Buchreihe abschließt. Ein Buch, das kein Roman ist. Ein Buch, das in einem Verlag erschienen ist, dessen Verlagsname mit dem selben Buchstaben beginnt oder endet wie dein Vor- oder Nickname. Bitte den Vornamen ggf. mit angeben ;) Ein Buch, in dessen Titel das Wort "Liebe" vorkommt. Eines der 5 Bücher, die schon am längsten ungelesen in deinem Regal stehen. (Falls du es weißt, verrate doch, wie lange du es schon besitzt.) Ein Buch, das für dich ein außergewöhnlich schönes Buchcover hat. Ein Buch, das verfilmt wurde oder sicher verfilmt wird. Ein illustriertes Buch. Es sollten richtige Zeichnungen und nicht nur Verzierungen am Seitenrand sein. Ein Buch, das zuerst auf Deutsch erschienen ist und ins Englische übersetzt wurde. Ein Buch, dessen Autor bereits verstorben ist. Ein Buch, das einen Monat im Buchtitel hat. Bitte lies das Buch auch in dem Monat, der im Titel vorkommt. Ein Buch, in dem es um Musik geht. Ein Buch, von dem du dachtest, du würdest es niemals lesen, weil es z.B. nicht deinen Lieblingsgenres entspricht. Ein Buch mit Blumen / Blüten auf dem Cover. Ein Buch, das eine Krankheit oder Behinderung thematisiert. (Bitte gab auch an welche!) Ein blutiges Buch. Ein Buch, in dessen Titel mindestens ein Wort aus einer anderen Sprache vorkommt. (Es darf nicht im deutschen Duden stehen.) Ich wünsche uns allen ganz viel Spaß & ich bin gespannt, welche Themen sich am leichtesten und welche als am schwierigsten heraustellen! Wer ist dabei? Ein paar zusätzliche Informationen: * Bezieht euch bei der Zuordnung des Buches zu einem der Themen immer auf die Ausgabe des Buches, die ihr selbst besitzt! * Sprache, Format etc. sind egal - auch Hörbücher gelten, außer es ist für das Thema von Bedeutung * Man kann diese Challenge mit anderen kombinieren, also auch Bücher hierfür und gleichzeitig für andere Challenges zählen. * Die Zuordnung der Bücher zu bestimmten Themen kann auch nachträglich noch geändert werden. * Wichtig ist, dass man das Buch 2015 beendet. Wann man es angefangen hat, ist egal. * Falls Bücher, die eine ISBN haben, noch bei LovelyBooks fehlen, geht in eure Bibliothek und sucht es oben unter "Bücher hinzufügen". Dort wählt ihr für deutschsprachige Bücher die Suche bei Amazon.de aus, für fremdsprachige alternativ Amazon.co.uk oder .com Die Challenge wird im Januar 2016 ausgewertet! Wer vorher sein Jahresziel erreicht hat, kann mir eine kurze Nachricht schreiben. Teilnehmer: 0VELVETVOICE0 19angelika63 (1/40) 78sunny (40 / 40) AberRush (30 / 30) Aduja 1(2/20) Aglaya (40 / 40) Agnes13 (40/40) Ajana (14/20) Alchemilla (1/40) Aleida (30 / 30) allegra (20 / 20) Alondria (22 / 20) Amaryllion (13/20) Amelien (19/20) ANATAL (31/30) andymichihelli (40/40) angi_stumpf (40 / 40) Aniday (36 / 30) Annilane (0/30) Anniu (16/30) anra1993 (33/40) Anruba (33/40) anybody (13/40) apfel94 (0/40) Arachn0phobiA (40 / 40) Aria_Buecher (15/40) Arizona (22/20) Ascheflocken (12/40) AuroraBorealis (14/20) Ayda (3/20) baans (8/30) Backfish (7/20) Bambi-Nini (25/20) ban-aislingeach Belicha (2/20) Bella233 (40 / 40) Bellis-Perennis (40 / 40) BethDolores (0/40) BiancaWoe (8/20) Bibliomania (32 / 30) Birgit1985 (20 / 20) black_horse (40 / 40) blauerklaus (24/20) Bluebell2004 (35/20) BlueSunset (36/30) bookgirl (30/40) Bookling (0/20) bookscout (33/30) Bookwormy (3/20) Bosni (21/20) buchfeemelanie (18/30) Buchgeborene (1/40) Buchgespenst (30 / 30) Buchhandlung_am_Schaefersee (36/30) Buchrättin (31 / 30)  Buecherschmaus (0/40) Buecherwurm1973 (16/40) Cadiya (20/20) Caillean79 (30 / 30) Calypso49 (17/20) Caroas (16/30) Ceciliasophie (7/20) Chiara-Suki (7/20) ChrischiD (29 / 20) Coconelle (6/20) Code-between-lines (36/30) creativeartless (11/20) crimarestri (3/20) Cuchilla_Pitimini  Cuileuni (1/20) CupcakeCat (18/30) Curin (4/30) czytelniczka73 (34 / 30) daneegold (27/40) DaniB83 (14/40) Daniliesing (21/40) Danni89 (24/20) danzlmoidl (2/20) darigla (5/20) DarkChocolateCookie (12/20) Darkshine (3/20) DaschaKakascha  Deengla (25/40) Deli (21/40) dieFlo (4/40) digra (30 / 30) disadeli (20 / 20) divergent (36 / 30)  Donata (24/20) Donauland (5/20) DonnaVivi (23 / 20) Dorina0409 (12/20) Dreamworx (40 / 40) Dunkelblau (15/40) eifels  eldora151 (10/40) Elektronikerin (14/20) Elke (21/20) el_lorene (32/40) EmilyThorne (0/40) EmmaBlake (4/30) Eternity (30/30) Evan (20 / 20) fairybooks (20/20) Finesty22 (4/20) Fornika (40/30) Fraenzi (0/20) 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    • 8480
  • Die Eindrücke der Kindheit wurzeln am tiefsten

    In einem anderen Leben

    MissErfolg

    22. February 2015 um 20:00

    Die Erzählung „In einem anderen Leben“ von Linus Reichlin hat mir und meiner Kindheit sehr eindrücklich den Spiegel vorgehalten. Nach der Lektüre weiß ich einmal mehr, wie glücklich und unbesorgt ich meine Kindheit verleben durfte. Und ich bin ausgesprochen dankbar dafür – auch dieses Gefühl hat der Roman in mir bestärkt. Es bringt keinen „Spaß“, den neuen Roman von Linus Reichlin zu lesen. Darauf ist er aber auch nicht angelegt. „Mein Leben war ein Rückwärtsfahren aus einer Sackgasse, und dann wieder ein Vorwärts in die nächste.“ Der Protagonist Luis wächst als Kind zweier Eltern auf, die nicht nur optisch eine frappierende Ähnlichkeit zu Elizabeth Taylor und Richard Burton aufweisen. Auch, wenn sich die beiden streiten, erinnern sie an das glamouröse Paar. Es wird zwar nie handgreiflich zwischen den beiden, dafür aber laut und beleidigend – manchmal fliegt sogar Geschirr durch die Wohnung. Luis lernt recht schnell, nicht zwischen die Fronten zu geraten. Manche Nacht verbringt er sogar in einem staubigen Regal im Keller, um der angsteinflößenden Geräuschkulisse zu entkommen. Und während sein Vater eine immer engere Beziehung zum Whiskey aufbaut, flüchtet Luis Mutter regelmäßig in die Schweizer Berge, wo sie stundenlang in der Sonne sitzt und Weißwein trinkt. Die Wärme tut ihr Übriges und lässt den Alkohol noch schneller in das Blut seiner Mutter übergehen. Eines Tages kommt es, wie es kommen muss: In einer der steilen Kurven kommt die Zahnarztgattin von der Straße ab und verunglückt mit ihrem Wagen. Tot und doch nicht tot – sondern als Pflegefall – kehrt Luis Mutter nach diesem Unfall in die Familie zurück. Das ohnehin schon strapazierte Familienleben entgleist daraufhin vollkommen und Luis Vater – ein einst angesehener Zahnarzt – beschäftigt sich nunmehr ausschließlich mit sich selbst und seinem Whiskey. Luis Mutter, die seit ihrem Unfall in einem schweigsamen, vegetativen Zustand lebt, findet allein in einem Gemälde innere Ruhe. Das Werk „Winterlandschaft“ des holländischen Künstlers Jan van Os war von seinem Vater einst als Wertanlage für schwierige Zeiten gedacht. Und als sein Alkoholismus zusehends die Geldvorräte aufbraucht, will Luis Vater ausgerechnet das Gemälde verkaufen... „Ich bin ein Vorgewarnter: Es kann jederzeit alles geschehen, und wenn es geschieht, bin ich gewappnet. Du schläfst in deinem Bettchen und träumst, in einem Schokoladenhaus zu wohnen, in dem selbst deine Bettdecke schokoladen ist. Du knabberst gerade die Bettdecke an, und im nächsten Moment reißt dich die Mutter aus dem Schlaf, sie schreit etwas und weint.“ Linus Reichlin setzt sich in seiner Erzählung mit der Frage auseinander, was von einer schwierigen Kindheit im Menschen zurückbleibt – ob er sich überhaupt jemals von diesen „Geistern“ befreien kann. Der Leser begleitet den – inzwischen erwachsenen – Protagonisten auf dem Weg durchs Leben. Wird Zeuge, wie seine Beziehungen scheitern und wie ihn die „Altlasten“ seiner Kindheit immer wieder einholen. Einfühlsam und doch nicht kitschig, selbstreflektiert, aber nicht wehleidig gelingt Linus Reichlin die Auseinandersetzung mit dieser zweifelsohne schwierigen Frage. Dabei leidet die Erzählung zuweilen unter gewissen Längen und einem Ende, das im Vergleich zum Rest des Romans seltsam abrupt wirkt. Nichtsdestotrotz eine Leseempfehlung für Reichlins neuen Roman!

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  • Ein Buch über uns

    In einem anderen Leben

    Lealiest

    07. February 2015 um 19:59

    "Ein Buch über uns", las ich in einer Beschreibung des Buchs. Zuerst fand ich das ein wenig seltsam. Aber dann begann ich zu lesen, und vom ersten Satz an ließ mich das Buch nicht mehr los. Das lag nicht einmal daran, dass es sehr spannend zu lesen ist, sondern es ist spannend, weil einen die Figur, Luis so interessiert, seine Geschichte, seine Kindheit, und wie er mit den Schatten dieser Kindheit später fertig wird. Obwohl meine eigene Kindheit ganz anders verlief, fühlte ich mich trotzdem "mitgemeint" und konnte sehr gut nachvollziehen, was ihn bewegt. Wie er die "Schatten" in seine Beziehungen mitträgt und wie sie deswegen scheitern, das ist großartig beschrieben und leider nur allzu wahr. Es ist eines dieser Bücher, die man lange nicht vergisst, eben weil sie etwas Wahres auf den Punkt bringen. Von mir deshalb fünf Sterne!

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