Lionel Shriver Wir müssen über Kevin reden

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Inhaltsangabe zu „Wir müssen über Kevin reden“ von Lionel Shriver

Kurz vor seinem sechzehnten Geburtstag richtet Kevin in der Schule ein Blutbad an. Innerhalb weniger Stunden ist das Leben seiner Familie nicht mehr, wie es war. – Lionel Shriver erzählt aus der Sicht einer Mutter, die sich auf schmerzhafte und ehrliche Weise mit Schuld und Verantwortung, mit Liebe und Verlust auseinandersetzt. Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können? Ein höchst aktueller Roman von erschütternder Klarheit und stilistischer Brillanz.

Eine wahrlich große Geschichte, mit der alles-überschattenden Frage nach dem warum.

— Buchperlenblog

Ein wichtiger Roman, der den Leser sehr mitnimmt.

— sternenbrise

Ein nachdenklicher und zutiefst beunruhigender Roman über eine Mutter. Sie können es nicht genießen, aber Sie werden die Dinge anders sehen.

— JulesBarrois

Sehr spannend, krass und supergut geschrieben.

— johannes_quinten

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  • ‚Heute halte ich Leute, die kaum eine oder gar keine Geschichte zu erzählen haben [...].'

    Wir müssen über Kevin reden

    sabatayn76

    30. September 2017 um 19:16

    ‚Heute halte ich Leute, die kaum eine oder gar keine Geschichte zu erzählen haben, für schrecklich glücklich.‘Eva Khatchadourian schreibt Briefe an ihren Mann Franklin, in denen sie die gemeinsamen Jahre mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren lässt. Sie spricht von ihrem Leben vor Franklin und vor der Geburt ihres Sohnes Kevin, von ihrer Karriere und von ihren vielen Reisen. Und sie erzählt von ihren Zweifeln, ob sie ein eigenes Kind möchte, und von den Gefühlen, die sie nach Kevins Geburt hatte. Evas Verhältnis zu ihrem Sohn Kevin ist von Anfang an distanziert und unterkühlt. Eva bemerkt, dass er gerne andere tyrannisiert und quält, und sie ahnt schon früh, dass er gefährlich ist. Und doch traut sie ihm nicht zu, was im April 1999 passiert, als Kevin kurz vor seinem 16. Geburtstag in seiner Schule ein Blutbad anrichtet, mehrere Kinder und eine Lehrerin tötet. In ihren Briefen berichtet sie ihrem Mann minuziös, was passiert und was in ihr vorgegangen ist, welchen Anfeindungen und Schmähungen sie nach Kevins Amoklauf ausgesetzt war, wie sie durch hohe Gerichtskosten und Ausgrenzung sozial abgestiegen ist. Beim Lesen von Lionel Shrivers Roman ‚Wir müssen über Kevin reden‘ weiß man von Anfang an, wohin die Geschichte um Kevin führt, und deshalb habe ich mich in den ersten Kapiteln oft gefragt, ob daraus trotzdem ein spannendes Buch resultieren kann, das den Leser über so viele Seiten hinweg fesselt und fasziniert. Doch Shriver gelingt dies mit Bravour, und das Buch ist so packend, dass man die 559 Seiten meist atemlos liest und immer mehr über Kevin und seine Familie erfahren möchte. Zwischen den Zeilen kann man zudem viel über die USA und das Leben im Land erfahren. Shriver erzählt von den Tagen der USA als Weltmacht, von einem Land im Wandel und von einem Land am Abgrund. Die Protagonisten sind allesamt unsympathisch, und man versteht die gegenseitige Ablehnung und den Hass, der zwischen ihnen schwelt. Charakterisiert wurden die Figuren durchweg detailgenau und überzeugend, man sieht den blauäugigen, geradezu naiven Vater, die distanzierte Mutter und den kaltschnäuzigen, sadistischen Kevin regelrecht vor sich und lässt sich so mit den Ereignissen treiben, die ebenso faszinierende wie erschreckende Einblicke in den Alltag einer zerrütteten Familie bieten. Sprachlich ist das Buch anspruchsvoll, lässt sich aber flüssig lesen, so dass ich es auch in dieser Hinsicht voll und ganz empfehlen kann.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte eilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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  • Aufwühlend, Fragen stellend, heftig.

    Wir müssen über Kevin reden

    Buchperlenblog

    12. July 2017 um 08:59

    „Ein kleines Mädchen hat sich also gekratzt. Was hat das mit meinem Sohn zutun?“ „Er war dabei! Dieses kleine Mädchen zieht sich bei lebendigem Leib die Haut ab, und er unternimmt nichts!“ (S. 264) Inhalt Kevin Khatchadourian ist fast 16 Jahre alt, als er mit einer Schusswaffe die Turnhalle seiner Schule betritt und neun Leben einfordert. Er erschießt sieben seiner Mitschüler, eine Lehrerin und einen Angestellten der schulischen Cafeteria. Doch seine Familie zerstört er schon früher. Nun sitzt er in der Jugendstrafanstalt. Seine Mutter besucht ihn nach wie vor regelmäßig, auch wenn sie eigentlich nicht weiß, warum. In unzähligen Briefen an ihren Mann Franklin rollt sie ihr gemeinsames Leben mit ihrem Sohn auf, angefangen bei ihrem zweisamen Leben, über die verstörende Geburt ihres Sohnes bis hin zum großen Finale, dem Amoklauf. Sie schildert ihr Leben im festen Griff dieses Sohnes, der von Geburt an bösartig zu sein scheint und fragt sich immer wieder: Hätte ich etwas anders machen sollen? Rezension Dieses Buch besitzt Macht. Es stellt sich die Frage, wie sehr die Eltern dafür verantwortlich sein können, dass aus Kindern wird, was sie sind. Wie viel Bösartigkeit besitzt ein Mensch von Natur aus und wie viel ist der Umgebung, dem familiären Umgang geschuldet? Bindungsängste und Blindheit Lange Jahre waren Eva und Franklin glücklich, ihnen reichte das Leben so wie es war. Doch irgendwann sehnten sie sich nach einem Kind. Sie ist Ende 30, als Eva schließlich schwanger wird. Doch bereits während der Schwangerschaft wächst in ihr ein Widerwillen gegenüber dem Kind. Die Geburt verläuft für sie nicht so, wie gedacht, die Bindung zum eigenen Kind ist von Beginn an nicht gegeben. Er verweigert die Brust, sie versucht, es nicht persönlich zu nehmen. Doch je älter Kevin wird, umso schwächer wird die Verbindung der beiden. Immer wieder versucht sie, auf ihren Sohn und seine kaum vorhandenen Bedürfnisse einzugehen, ihn zu verstehen. Er scheint von Anfang an wütend zu sein. Wütend auf sich, seine Mutter, die Welt, seine pure Existenz. Er schreit, er verjagt die Babysitter der Umgebung, er beginnt mit den ersten bösartigen Streichen. Doch anstatt eine seelische Unterstützung zu sein, wirft ihr Franklin immer wieder mangelndes Gefühl vor. Er weiß noch nicht, was er tut und Das bildest du dir doch nur ein sind noch die harmloseren Dinge, die sich Eva im Lauf der Jahre immer wieder anhören muss. Der Vater ist getrieben von überbordenden väterlichen Gefühlen und sieht nicht, wie aus seinem Kind ein Monster wird. Er spielt alle alarmschlagenden Signale herunter. Kevin wirft Ziegelsteine von einer Autobahnbrücke? Nein, das war die Idee seines Freundes. Er wusste doch gar nicht, wie gefährlich so etwas ist. Die Flasche mit dem Rohrreiniger? Die hast du sicherlich nicht weggeräumt. Was sollte Kevin damit wollen? Die Blindheit Franklins trieb mich mehrfach dazu, das Buch frustriert zur Seite zu legen und mir zu wünschen, ihn nur einmal an den Schultern packen und schütteln zu dürfen. Natürlich ist auch Eva nicht frei von aller Schuld, wenn man denn von Schuld sprechen kann. Sie hat sich bemüht, Kevin eine gute Mutter zu sein, doch ihre innere Angst, ihr Zurückschrecken vor seiner Andersartigkeit hat bewirkt, dass sie ihn nur halbherzig betrachtete. Natürlich merkt ein Kind, dass man das Interesse nur vorspielt. Auch hält sie sich im Grunde ihres Herzens für besser als ihre Mitmenschen. Doch damit ist sie nicht allein. Von oben herab auf andere zu blicken, ist um so vieles leichter, als sich die eigenen Unzulänglichkeiten einzugestehen. Wir sehen uns schließlich alle gern als kleine Götter, den anderen überlegen. Wunsch nach Aufmerksamkeit? Kevin dagegen scheint einen tatsächlich bösen Zug zu besitzen. Von innen heraus angetrieben, verbringt er seine Jahre damit, seine Umwelt bewusst zu drangsalieren. Er trägt Windeln, bis er sechs Jahre alt, obwohl er es längst anders könnte. Er schraubt an dem Fahrrad eines Nachbarjungen herum, damit dieser einen Unfall verursacht. Er verspottet alles um sich herum, hat an nichts Interesse. Scheint von allem über- und unterfordert zugleich zu sein. Sucht er die Aufmerksamkeit seiner Umwelt oder will er sich genau dieser entziehen? Die Geschichte spielt in den späten 90er Jahren. In Amerika eine gefährliche Zeit. Amokläufe in den Schulen des Landes häufen sich, es scheint eine Welle der Nachahmer zu geben. Auch Kevin wird zu einem von ihnen. Vielleicht wurde er von diesen Gräueltaten beeinflusst, vielleicht sah er darin endlich einen Sinn für sein Leben. Einmal sagt er, dass es beängstigend sein kann, seine eigene Zukunft zu kennen. „Vielleicht kann er sich seine Zukunft vorstellen“, sagte Kevin. „Vielleicht liegt genau da sein Problem.“  (S. 439) Der Link hinter dem Bild zeigt eine Weltkarte, die die gesammelten Amokläufe darstellt. Erschreckend, wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten, erschreckend, wie viele davon in unserem eigenen Land. Auch wenn in Amerika das Waffengesetz eindeutig zu lasch gehandhabt wird, auch hierzulande gibt es Jugendliche, die in ihrer Schule bewaffnet auftauchten. Immer wieder erinnert sich Eva Khatchadourian an Taten, die der ihres Sohnes vorangingen. Und an die, die daraufhin folgten. Wohl einer der bekanntesten ist der Fall in Columbine, bei dessen Verlauf 15 Menschen ihr Leben verloren. Die letzten Szenen der Geschichte werden mir wohl noch lange im Gedächtnis eingebrannt sein. Geahnt? Ja. Verarbeitet? Nein. Und immer wieder diese bohrenden Fragen einer Mutter: Hätte ich ihn mehr lieben müssen? Hätte ich es verhindern können, hätten wir irgendetwas anders machen können? Oder war es Kevins Schicksal, zu werden, wer er schließlich war? Fazit Es wird immer Menschen geben, die nicht in ihrem Leben zurecht kommen, die sich ausgeschlossen, falsch oder verletzt fühlen. Die es nicht mehr in der eigenen Haut aushalten und ausbrechen. Die Rache wollen. Oder die einfach an eine Waffe gelangen und damit unschuldige Leben nehmen. Doch dieses Buch ist ein kleiner Blick hinter die Kulisse. Wie geht das Leben der Mutter dieser Menschen weiter? Von wie vielen Zweifeln ist sie zerfressen, wie viel Schuld lädt sie auf ihre eigene Schultern – und trägt sie wirklich Schuld? Das Buch erklärt nichts, aber es hinterfragt.

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    • 3
  • Die Frage nach dem "Warum"

    Wir müssen über Kevin reden

    Nelly87

    10. July 2017 um 14:48

    Als Eva und Franklin sich entschließen, ein Kind zu bekommen, ist Eva schon fast 40. Doch beide wünschen sich noch ein Kind, vor allem für Franklin bedeutet ein Kind alles. Doch bereits einige Minuten nach der Geburt von Kevin, merkt Eva, dass ihr Sohn anders ist. Der Säugling scheint voller Wut und Zorn zu sein und lehnt seine Mutter von der ersten Minuten an ab. Er entwickelt sich nicht wie ein normaler Junge, muss bis zu seinem sechsten Lebensjahr gewickelt werden. Doch je älter er wird, desto mehr beginnt Eva zu glauben, das personifizierte Böse zur Welt gebracht zu haben. Das führt dazu, dass sie zu ihrem eigenen Fleisch und Blut auch keinerlei Bindung aufbauen kann und es sogar als Zumutung empfindet, dass sie zuhause bei ihrem Kind bleiben muss. Über Jahre hinweg will Evas Ehemann nicht glauben, welche Bösartigkeiten sich Kevin alles ausgedacht haben soll. Kevin sei ein normaler Junge und dieser selbst bringt seinen Vater dazu, dies zu glauben. Doch am 8. April 1999 treibt Kevin acht Mitschüler und eine Lehrerin in der Turnhalle zusammen und eröffnet mit einer Armbrust das Feuer auf sie. Kevin wird zum Amokläufer und verändert innerhalb weniger Stunden das Leben seiner Familie. Seit dem Amoklauf von Winnenden, bei dem mein Vater als Polizeibeamter selbst vor Ort war, verschlinge ich alles, was irgendwie mit diesem Thema zu tun hat. Was treibt einen Jugendlichen dazu, in der Schule teilweise fremde Mitschüler niederzuschießen und damit innerhalb von Minuten das Leben mehrerer Familien zu zerstören? Die Frag nach dem „Warum“ kommt nach einem solchen Massaker immer wieder auf und nie erhält man eine richtige Antwort. Und ehrlich gesagt hatte ich mir von diesem Roman erhofft, dass dieses „Warum“ am Ende geklärt wäre. Und irgendwie hat Shriver das auch geschafft. Diesen Vorwurf kann man der Autorin also nicht machen… Warum also nur eine durchschnittliche Bewertung? Eva, Kevins Mutter, erzählt ausführlich über ihr eigenes Leben alleine mit ihrem Ehemann und auch über ihr Leben als Mutter. Sie verpackt ihre Geschichte in Briefform. Franklin wird immer wieder ganz persönlich angesprochen, was dem ganzen Buch ein wenig das Flair einer privaten Unterhaltung gibt, in die man mal reinhorchen darf. Somit erhält man einen dermaßen intimen Einblick in Evas Gedanken, wie ich es selten in einem Buch erleben durfte. Das kommt nicht nur daher, dass man Evas Gedanken und Gefühle aus erster Hand erhält, sondern, dass sie auch unfassbar ehrlich und offen ist, auch wenn diese sie nicht immer ins beste Licht rückt. Eva schönt ihre eigenen Verfehlungen und Gefühle nicht, sondern spricht offen darüber, dass auch sie nicht alles richtig gemacht hat. Sehr hart empfand ich die Stellen, an denen sie über ihre Gefühle gegenüber ihrem eigenen Sohn spricht. Denn eigentlich hat sie solche gar nicht. Von der ersten Seite an begleitet den Leser ein unheimliches beklemmendes Gefühl. Dass es durch Kevin schließlich zum Amoklauf kommt, ist kein Geheimnis und man sollte meinen, dass dieser Umstand allgegenwärtig ist. Doch gerade der Beginn des Buches wiegt den Leser in trügerischer Sicherheit. Eva erzählt von ihrem Leben mit Franklin, der Ehe und ihren Reisen. Man spürt, dass sie ihren Mann liebt und ihn wirklich glücklich machen will. Sie weiß außerdem, dass Franklin auf „die große Frage“ nur eine Antwort kennt: Kinder! Als Leser wird man durch ein Gefühlschaos geworfen, wie ich es selten in einem Buch vorgefunden habe. Während man noch Mitleid mit Eva hat, kommt plötzlich eine Stelle, an der man sie fast verachtet. Wie kann man einem Säugling, der nur wenige Wochen alt ist, unterstellen, er würde nur dann schreien, weil er einen Machtkampf gegen seine Mutter ausficht? Als Kevin heranwächst kommt es allerdings immer wieder zu Situation, in denen man sich als Leser tatsächlich fragt, ob da nicht wirklich was dran sein könnte. Kevin hat keinerlei Interessen, keine wirklichen Freunde, keine Hobbys (abgesehen vom Bogenschießen), verbringt seine Zeit damit, einfach nur zu atmen und aus dem Fenster zu schauen… Hinzu kommen immer wieder Vorfälle, in denen nicht ganz klar wird, ob er an diesen tatsächlich mitgewirkt hat, doch der Verdacht ist da…. Die große Schwäche dieses Buches bestand für mich allerdings genau in dieser Charakterzeichnung. Lange habe ich nicht mehr so krass klischeehaften Charaktere in einem Buch gefunden. Kevin ist einfach nur böse. Und das von Beginn an. Das geht dann aber leider zum Nachteil der Glaubwürdigkeit. Mal ehrlich, welcher 4-Jährige hält denn mit Absicht seinen Stuhlgang zurück, nur um seine Mutter zu ärgern. Und das nur aus reiner Boshaftigkeit. Und Eva ist quasi noch mitten in der Geburt, da unterstellt sie ihrem Sohn schon das Schlimmste. Es war einfach viel zu überzogen. Dass der Junge mit 15 dann Amok läuft, verwundert nur insofern, als man sich fragt, warum er so lange gewartet hat. Ich habe mir auch Ausschnitte aus der Verfilmung angesehen, die mir da wesentlich besser gefallen haben. Evas Resignation kam darin viel besser zum Vorschein als dies das Buch konnte. Und Kevin ist zwar immer noch gruselig und hat diesen bösen Einschlag. Aber er kam als Mensch herüber und nicht wie der Teufel persönlich. Auch mit dem Schreibstil von Lionel Shriver tat ich mir schwer. Dies mag bestimmt Geschmackssache sein und schreiben kann sie auf jeden Fall, daran besteht kein Zweifel. Sie bedient sich langer Sätze mit zahlreichen adjektiven, gerne auch verschachtelt. Locker flockig runter lesen ist da nicht. Vielmehr gibt es immer wieder Stellen, an denen man konzentriert bei der Sache sein muss, um Evas Erzählung weiter folgen zu können. Wie gesagt, das mag man mögen, bei mir hat es eher dazu geführt, dass ich Eva manchmal gerne geschüttelt hätte, um ihr zu sagen: „komm endlich mal zum Punkt“. Wenn man ganz ehrlich zu sich ist, dann hätte man wissen können, dass die Frage nach dem „Warum“ auch dieses Mal nicht ganz zufriedenstellend geklärt werden kann. Doch etwas differenzierter hätte es gerne sein dürfen. Der Amoklauf und seine Folgen finden immer nur zweirangig ihren Platz. Die Familie steht im Mittelpunkt der Erzählung, doch eine Identifikation mit einem der Mitglieder wird einem schwierig gemacht. Ein seltenes Beispiel für den Fall, dass die Verfilmung die Romanvorlage toppt. © Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumenVielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

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  • Die Frage nach dem "Warum"

    Wir müssen über Kevin reden

    Nelly87

    10. July 2017 um 14:48

    Als Eva und Franklin sich entschließen, ein Kind zu bekommen, ist Eva schon fast 40. Doch beide wünschen sich noch ein Kind, vor allem für Franklin bedeutet ein Kind alles. Doch bereits einige Minuten nach der Geburt von Kevin, merkt Eva, dass ihr Sohn anders ist. Der Säugling scheint voller Wut und Zorn zu sein und lehnt seine Mutter von der ersten Minuten an ab. Er entwickelt sich nicht wie ein normaler Junge, muss bis zu seinem sechsten Lebensjahr gewickelt werden. Doch je älter er wird, desto mehr beginnt Eva zu glauben, das personifizierte Böse zur Welt gebracht zu haben. Das führt dazu, dass sie zu ihrem eigenen Fleisch und Blut auch keinerlei Bindung aufbauen kann und es sogar als Zumutung empfindet, dass sie zuhause bei ihrem Kind bleiben muss. Über Jahre hinweg will Evas Ehemann nicht glauben, welche Bösartigkeiten sich Kevin alles ausgedacht haben soll. Kevin sei ein normaler Junge und dieser selbst bringt seinen Vater dazu, dies zu glauben. Doch am 8. April 1999 treibt Kevin acht Mitschüler und eine Lehrerin in der Turnhalle zusammen und eröffnet mit einer Armbrust das Feuer auf sie. Kevin wird zum Amokläufer und verändert innerhalb weniger Stunden das Leben seiner Familie. Seit dem Amoklauf von Winnenden, bei dem mein Vater als Polizeibeamter selbst vor Ort war, verschlinge ich alles, was irgendwie mit diesem Thema zu tun hat. Was treibt einen Jugendlichen dazu, in der Schule teilweise fremde Mitschüler niederzuschießen und damit innerhalb von Minuten das Leben mehrerer Familien zu zerstören? Die Frag nach dem „Warum“ kommt nach einem solchen Massaker immer wieder auf und nie erhält man eine richtige Antwort. Und ehrlich gesagt hatte ich mir von diesem Roman erhofft, dass dieses „Warum“ am Ende geklärt wäre. Und irgendwie hat Shriver das auch geschafft. Diesen Vorwurf kann man der Autorin also nicht machen… Warum also nur eine durchschnittliche Bewertung? Eva, Kevins Mutter, erzählt ausführlich über ihr eigenes Leben alleine mit ihrem Ehemann und auch über ihr Leben als Mutter. Sie verpackt ihre Geschichte in Briefform. Franklin wird immer wieder ganz persönlich angesprochen, was dem ganzen Buch ein wenig das Flair einer privaten Unterhaltung gibt, in die man mal reinhorchen darf. Somit erhält man einen dermaßen intimen Einblick in Evas Gedanken, wie ich es selten in einem Buch erleben durfte. Das kommt nicht nur daher, dass man Evas Gedanken und Gefühle aus erster Hand erhält, sondern, dass sie auch unfassbar ehrlich und offen ist, auch wenn diese sie nicht immer ins beste Licht rückt. Eva schönt ihre eigenen Verfehlungen und Gefühle nicht, sondern spricht offen darüber, dass auch sie nicht alles richtig gemacht hat. Sehr hart empfand ich die Stellen, an denen sie über ihre Gefühle gegenüber ihrem eigenen Sohn spricht. Denn eigentlich hat sie solche gar nicht. Von der ersten Seite an begleitet den Leser ein unheimliches beklemmendes Gefühl. Dass es durch Kevin schließlich zum Amoklauf kommt, ist kein Geheimnis und man sollte meinen, dass dieser Umstand allgegenwärtig ist. Doch gerade der Beginn des Buches wiegt den Leser in trügerischer Sicherheit. Eva erzählt von ihrem Leben mit Franklin, der Ehe und ihren Reisen. Man spürt, dass sie ihren Mann liebt und ihn wirklich glücklich machen will. Sie weiß außerdem, dass Franklin auf „die große Frage“ nur eine Antwort kennt: Kinder! Als Leser wird man durch ein Gefühlschaos geworfen, wie ich es selten in einem Buch vorgefunden habe. Während man noch Mitleid mit Eva hat, kommt plötzlich eine Stelle, an der man sie fast verachtet. Wie kann man einem Säugling, der nur wenige Wochen alt ist, unterstellen, er würde nur dann schreien, weil er einen Machtkampf gegen seine Mutter ausficht? Als Kevin heranwächst kommt es allerdings immer wieder zu Situation, in denen man sich als Leser tatsächlich fragt, ob da nicht wirklich was dran sein könnte. Kevin hat keinerlei Interessen, keine wirklichen Freunde, keine Hobbys (abgesehen vom Bogenschießen), verbringt seine Zeit damit, einfach nur zu atmen und aus dem Fenster zu schauen… Hinzu kommen immer wieder Vorfälle, in denen nicht ganz klar wird, ob er an diesen tatsächlich mitgewirkt hat, doch der Verdacht ist da…. Die große Schwäche dieses Buches bestand für mich allerdings genau in dieser Charakterzeichnung. Lange habe ich nicht mehr so krass klischeehaften Charaktere in einem Buch gefunden. Kevin ist einfach nur böse. Und das von Beginn an. Das geht dann aber leider zum Nachteil der Glaubwürdigkeit. Mal ehrlich, welcher 4-Jährige hält denn mit Absicht seinen Stuhlgang zurück, nur um seine Mutter zu ärgern. Und das nur aus reiner Boshaftigkeit. Und Eva ist quasi noch mitten in der Geburt, da unterstellt sie ihrem Sohn schon das Schlimmste. Es war einfach viel zu überzogen. Dass der Junge mit 15 dann Amok läuft, verwundert nur insofern, als man sich fragt, warum er so lange gewartet hat. Ich habe mir auch Ausschnitte aus der Verfilmung angesehen, die mir da wesentlich besser gefallen haben. Evas Resignation kam darin viel besser zum Vorschein als dies das Buch konnte. Und Kevin ist zwar immer noch gruselig und hat diesen bösen Einschlag. Aber er kam als Mensch herüber und nicht wie der Teufel persönlich. Auch mit dem Schreibstil von Lionel Shriver tat ich mir schwer. Dies mag bestimmt Geschmackssache sein und schreiben kann sie auf jeden Fall, daran besteht kein Zweifel. Sie bedient sich langer Sätze mit zahlreichen adjektiven, gerne auch verschachtelt. Locker flockig runter lesen ist da nicht. Vielmehr gibt es immer wieder Stellen, an denen man konzentriert bei der Sache sein muss, um Evas Erzählung weiter folgen zu können. Wie gesagt, das mag man mögen, bei mir hat es eher dazu geführt, dass ich Eva manchmal gerne geschüttelt hätte, um ihr zu sagen: „komm endlich mal zum Punkt“. Wenn man ganz ehrlich zu sich ist, dann hätte man wissen können, dass die Frage nach dem „Warum“ auch dieses Mal nicht ganz zufriedenstellend geklärt werden kann. Doch etwas differenzierter hätte es gerne sein dürfen. Der Amoklauf und seine Folgen finden immer nur zweirangig ihren Platz. Die Familie steht im Mittelpunkt der Erzählung, doch eine Identifikation mit einem der Mitglieder wird einem schwierig gemacht. Ein seltenes Beispiel für den Fall, dass die Verfilmung die Romanvorlage toppt. © Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumenVielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

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  • Ein Buch, das einen lange nicht loslässt

    Wir müssen über Kevin reden

    dominona

    23. June 2017 um 22:37

    Ich habe mir viele Stellen aus dem Buch als Zitate aufgeschrieben und bin fasziniert, wie ein Buch so viele verschiedene Facetten von Leben aufgreifen kann. Überrascht hat mich der Hergang des Buches nicht, weil ich den Film schon kannte, aber das Buch ist in seiner diffusen Klarheit noch verstörender als der Film. Es wird eine mir völlig neue Seite einer leider immer aktuelleren Problematik beleuchtet. Jeder - mit oder ohne Kinderwunsch, sollte sich dieses Buch anschauen. Es zeigt Möglichkeiten und sucht nach Antworten, die es nicht immer findet, aber vielleicht ist gerade das die Antwort.

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  • Der Alptraum eines jeden Elternteils

    Wir müssen über Kevin reden

    JulesBarrois

    08. May 2017 um 08:47

    Wir müssen über Kevin reden - Lionel Shriver (Autorin), Christine Frick-Gerke (Übersetzerin), Gesine Strempel (Übersetzerin), 560 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (2. Mai 2017), 11 €, ISBN-13: 978-3492310512 Eva wollte nie wirklich eine Mutter sein, und sicherlich nicht die Mutter dieses Jungen, der sieben seiner Mitschülern, einen Cafeteria-Arbeiter und einen vielverehrten Lehrer ermordet hatte Das Buch erzählt die Geschichte eines High-School-Massakers. Dieses Szenario, nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland bekannt und gefürchtet, fordert die Frage nach dem „Warum?“ geradezu heraus. Die einen sehen die Ursachen in zu laschen Waffengesetzen, während die andere seite die explizite Gewalt im Fernsehen, Videospiele, Filme und Musik anprangern, die die Grenze zwischen Täuschung und Realität aufhebt. Doch Kevin benutzte keine Pistole und hatte auch keinen Zugang zu gewalttätigen Medien. Er war auch nicht der gemobbte Ausgestoßene, der nach Rache dürstete  und er war auch nicht irgendein unüberwachtes Schlüsselkind. Jetzt, zwei Jahre später, ist es Zeit für Eva Khatchadourian, sich mit Ehe, Karriere, Familie, Elternschaft und Kevins schrecklichem Amoklauf in einer Reihe von überraschend direkten Briefen mit ihrem getrennt lebenden Ehemann Franklin auseinander zu setzen. Eva befürchtet, dass ihre Abneigung gegen den eigenen Sohn dafür verantwortlich sein könnte, ihn so aus der Bahn zu werfen. Lionel Shriver schreibt eine tiefe und kühne Untersuchung des Elternseins, indem uns zeigt, wie viel (oder wie wenig) Eltern dafür verantwortlich gemacht werden können, was aus ihren Kinder wird. Das Buch erforscht die Anforderungen durch eine Mutterschaft und die traumatischen Auswirkungen, die es auf eine Ehe haben kann. Evas Gefühl der Niederlage bei der Geburt ihres Sohnes Kevin, ihr Versagen zu stillen und die vielfältigen Schwierigkeiten, die sie mit dem schlaflosen, schreienden Kind erlebt, sind vielen vertraut. Doch Shriver schreibt nicht über gewöhnliche Mutterschaft oder einen gewöhnlichen Jungen. Kevin ist ein Monster. Eva findet keine Antworten, nur Schuld, viel davon auf sich selbst gerichtet. Nur ein schwarzes Loch, das sie langsam in einen unerklärlichen Wirbel zieht. Ein nachdenklicher und zutiefst beunruhigender Roman über eine Mutter. Ein durchaus schreckliches Buch. Sie können es nicht genießen, aber Sie werden die Dinge anders sehen, und das ist genau das, was ein gutes Buch tun sollte. Deshalb müssen Sie es unbedingt lesen.   Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages https://www.piper.de/buecher/wir-muessen-ueber-kevin-reden-isbn-978-3-492-31051-2 Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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  • Ein Buch, das lange nachhallt.

    Wir müssen über Kevin reden

    veronika_lackerbauer

    07. April 2016 um 15:21

    Dieses Buch ist keine sommerliche Lektüre für den Baggerweiher. Schon das Thema hat es in sich. Und die Art der Darstellung erleichtert einem den Zugang nicht gerade.In Briefen an ihren Ex-Mann erzählt die verzweifelte Mutter eines jugendlichen Amokläufers fragmentarisch den Weg in die Katastrophe.Kevin ist von klein auf auffällig, die Familie leidet darunter, schließlich scheitert die Ehe der Eltern, das Ganze gipfelt in Kevins Amoklauf an seiner Schule, bei dem er mehrer Schüler und eine Lehrerin ermordet. Diese Chronologie halten die Briefe nicht ein. Der Leser muss sich selbst Stück für Stück das Bild zusammensetzen. Das fordert Konzentration und Durchhaltevermögen. Aber nach einer Weile zieht einen dieses Portrait einer kaputten Gesellschaft doch in seinen Bann.Ungefähr ab der Hälfte kam mir dann eine grausige Vermutung, die sich immer mehr bewahrheitet hat, bis sie am Ende im ganzen Ausmaß der Katastrophe gipfelte. Diese Erkenntnis schlägt mit so einer Wucht ein, dass es einen buchstäblich aus den Socken schockt.Empfehlenswert für hartnäckige Leser!

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  • Buch gelesen und auch den Film danach gesehen.

    Wir müssen über Kevin reden

    Knubbel79

    13. February 2016 um 11:33

    Schockte mich, was der Junge mit seiner Umwelt treibt. Und plötzlich läuft er Amok, schließt seine Mitschüler, Lehrer in die Turnhalle und zielt gekonnt, weil er ja lange eine Armbrust besitzt und damit übte, auf die armen Leute ein. Der Film ist Mist. Man kennt es, dass nicht alles verfilmt werden kann, also muss man sich das Buch dazu holen, dann wird die Fantasie angeregt und es wird fies.  An manchen Stellen zu langatmig, so dass ich vorblätterte. Tat der Geschichte keinen großen Abbruch.  Aber auf jeden Fall ist das Buch zu empfehlen. 

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  • Verstörend

    Wir müssen über Kevin reden

    Wortklauber

    07. March 2015 um 11:47

    Möglicherweise ist die Namenswahl für den deutschen Markt etwas unglücklich – eilt dem Namen Kevin hierzulande doch ein gewisser Ruf voraus. Im Roman der Autorin Lionel – bis zu ihrem 15. Lebensjahr Margaret Ann – Shriver geht es nicht um einen Jungen mit ein paar Problemen. Kevin Khatchadourian ist verstörend, in jeder Hinsicht. Als Eva zum ersten Mal Mutter wird, ist sie sich nicht sicher, ob sie wirklich ein Kind will. Ihre Ehe mit Franklin ist glücklich, eigentlich fehlt es ihnen beiden an nichts. Als Autorin und Verlegerin einer erfolgreichen Reiseführer-Reihe jettet sie um die Welt, immer auf der Suche nach neuen Tipps für ihre Leser. Ansonsten ist sie glücklich in ihrem chaotischen New Yorker Loft, in das ein Kind so gar nicht passen will. Abgesehen von diesen – oberflächlichen – Gründen, hat Eva allen Grund, dem Kinderkriegen zumindest skeptisch gegenüberzustehen, war ihr eigene Kindheit, vaterlos, die Mutter von Ängsten geplagt, die sie schließlich daran hinderten, ihr Haus zu verlassen, doch alles andere als leicht. Dann entscheidet sie sich doch für ein Kind – und mit einem Schlag ändert sich alles. Von dem Augenblick an, als die Ärztin ihr ihren neugeborenen Sohn auf die Brust legt, deutet sich an, dass diesen beiden Menschen ein harter Weg bevorsteht. Nicht nur Eva weiß mit ihrem Kind nicht viel anzufangen, auch das Baby scheint seine Mutter abzulehnen. Stillen ist komplett unmöglich, die Flasche verweigert er auch, er schreit, exzessiv, lächelt nicht wie andere Kleinkinder, spricht nicht, brabbelt nicht einmal, sucht keinen Augenkontakt, obwohl kein Arzt eine gesundheitliche Beeinträchtigung feststellen kann. Je älter Kevin wird, desto ausgefeilter wird sein Wüten gegen seine Mutter. Von rein instinktiv wirkender Ablehnung hin zu manipulativen Manövern, mit denen er seine Eltern gegeneinander ausspielt, entwickelt sich sein Repertoire von Jahr zu Jahr. Grauenvoller Höhepunkt: Wenige Tage vor seinem 16. Geburtstag richtet er in der Turnhalle seiner Schule ein Blutbad an. Kevin geht ins Gefängnis – und Eva, geächtete Mutter eines der berüchtigten School-Shooter, die zu dieser Zeit in den USA gerade Hochkonjunktur zu haben scheinen, besucht ihn alle zwei Wochen. Nun könnte man folgern: die Mutter lehnt ihr Kind ab, das Kind gerät automatisch auf einen katastrophalen Weg, überhaupt ist die Mutter immer schuld, und dieses Klischee vom dämonischen Kind kennt man doch spätestens seit Damian – und das wäre viel zu leicht! Der Roman – 2005 ausgezeichnet mit dem Orange Prize, einem renommierten britischen Literaturpreis, der jährlich an Schriftstellerinnen für den besten englischsprachigen Roman vergeben wird – ist großartig geschrieben, stilistisch ausgesprochen gekonnt. Evas Tonfall ist nie übertreibend, dafür eindringlich, manchmal voller bitterem Humor, einem Humor, der aus totaler Hilflosigkeit erwächst, was die geschilderten Ereignisse umso bedrückender wirken lässt. In Briefen an ihren Mann – und damit in der selten in Romanen verwendeten dritten Person – versucht Eva, dem Unfassbaren auf die Spur zu kommen. Was ist schiefgelaufen? Hätte sie Kevin nur mehr lieben müssen? Hätte irgendjemand das Massaker verhindern können? Das Ende des Romans ist – nur folgerichtig – grausam, die Konsequenz verblüffend.

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  • Puuuh!

    Wir müssen über Kevin reden

    dorisliebtbuecher

    19. November 2014 um 13:14

    Kurz vor seinem sechzehnten Geburtstag richtet Kevin in der Schule ein Blutbad an. Innerhalb weniger Stunden ist das Leben seiner Mutter Eva nicht mehr wie es war. In Briefen an ihren Mann versucht Eva, vielen quälenden Fragen auf den Grund zu gehen. Selten ist mir ein Buch so unter die Haut gegangen wie dieses. Ist jetzt schon einige Jahre her, daß ich es gelesen habe und empfehle es nach wie vor uneingeschränkt weiter. Auch unbedingt sehenswert ist der Film mit grandiosen Darstellern, der allerdings gute Nerven braucht. Beides, Buch und Film, läßt einen verstört zurück

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  • Die Fortsetzung von "Rosemarys Baby"?

    Wir müssen über Kevin reden

    Holden

    06. June 2014 um 19:37

    Nachdem der tolle Film (Europäischer Filmpreis für Tilda Swinton!) vor kurzem auf arte lief, konnte ich mir das Buch natürlich nicht entgehen lassen: Eva und Franklin sind ein kinderloses Ehepaar in den 30ern in New York, und beide sind sehr unterschiedlich: Eva ist eine armenischstämmige Reiseführerautorin und immer auf Achse, Franklin ist ein Durchschnittsamerikaner, der für Bruce Springsteen und Barbecues schwärmt. Die beiden entschließen sich (irgendwie), ein Kind zu bekommen, und der kleine Kevin erweist sich von Anfang an als Alptraum (zumindet für die Mutter), Wie der Leser ziemlich früh erfährt, hat er als 15jähriger an seiner High school ein Schulmassaker begangen und Schüler und Lehrer getötet. In Briefen an Franklin rekapituliert Eva ihre gemeinsame Zeit und wie ihre Ehe und Kevin sich entwickelten. Obwohl man also das schreckliche Geschehen schon zeimlich bald kennt, ist die Sicht Evas auf Amerika imemr noch fesselnd, v.a. im Hinblick auf die umstrittene Präsidentenwahl 2000 und wie diese das Land veränderte. Über manche Formulierung, die mir nicht gefiel, habe ich hinweggesehen.

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  • Ein Roman und doch so gegenwärtig ....

    Wir müssen über Kevin reden

    carpe

    28. February 2014 um 22:48

    Kurzbeschreibung: Kurz vor seinem sechzehnten Geburtstag richtet Kevin in der Schule ein Blutbad an. Innerhalb weniger Stunden ist das Leben seiner Mutter Eva nicht mehr, wie es war. Von allen verurteilt, findet sie den Mut, sich in aller Öffentlichkeit quälenden Fragen auszusetzen: Hätte sie ihre Ehe retten können? Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können? Das Thema des Buches ist leider sehr gegenwärtig und könnte auf Tatsachen beruhen. Es ist aber "nur" ein Roman, geschrieben aus der Sicht der Mutter des Täters. Lionel Shriver benutzt aber nicht den herkömmlichen Romanstil. Sie schreibt in Form von Briefen, die an den Ehemann und Vater des Jungen gerichtet sind. In diesen erinnert sich die Mutter Eva an ihr Leben. Sie schreibt ihre Gefühle, Gedanken und Erlebnisse alle in die Briefe. Der Stil der Briefe ist gewöhnungsbedürftig. Die Autorin wechselt oft zwischen Gegenwart, Vergangenheit und kurzen Ausblicken in die Zukunft. In der Gewöhnungsphase hatte das Buch auch die eine oder andere Länge. Vorallem, weil man sich als Leser nur sehr schwer in die Personen hineinversetzen kann. Das hat aber eher weniger mit dem Schreibstil zutun hatte, als eher mit den Charaktereigenschaften der Personen selbst. Es gibt einfach viele Gedankengänge und Gefühle, die ich nicht nachvollziehen konnte. Bei vielen beschriebenen Gedanken und Gefühlen musste ich schlucken. Dennoch ist das Buch von Anfang bis Ende sehr emotional. Der Leser ist gewillt ständig, die Handlungen zu überdenken, hätte man genauso oder anders reagiert, etc. Mehr kann ich zu dem Buch leider nicht schreiben, denn wenn ich genauer darauf eingehen würde, würde ich wohl zuviel verraten. Fazit: Es ist kein Buch für zwischendurch. Man sollte sich dafür sehr viel Zeit nehmen und ab und an auch mal eine Auszeit. Das Buch regt sehr stark zum Nachdenken an und ist wirklich nichts zum "einfach mal so weglesen" Ein sehr bewegendes Thema, was durchaus empfehlenswert ist.

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  • Amoklauf

    Wir müssen über Kevin reden

    Kattro

    30. August 2013 um 10:43

    Ein zum Großteil überzogen wirkendes Resumée einer Kindheit und Jugend, die aufzeigen soll, wie Kevin zum Amokläufer wurde. Dennoch spannend und aus psychologischer Sicht lesenswert.

  • Keine einfachen Antworten

    Wir müssen über Kevin reden

    Annaka

    06. August 2013 um 16:03

    Mich hat das Buch wohl deshalb sehr gefesselt, weil es zu keinem Zeitpunkt einfache Erklärungen oder Lösungen anbietet. Es wird kaum möglich sein festzulegen, wer alleinig Schuld an der Katstrophe dieses Donnerstags trägt: Eva weil sie vielleicht nie Mutter werden hätte sollen? Franklin weil er sich blindlings von seinem Sohn vereinnahmen ließ? Kevin, vielleicht schon böse geboren oder doch erst böse geworden? Oder doch wie Kevin uns einreden möchte: eine Welt in der es besser ist eine monströse, unfassbare Tat zu begehen anstatt für immer ein Niemand zu bleiben? Am Ende bleiben mehr Fragen als Antworten und das macht das Buch für mich authentisch, wenn auch in Stellen drastisch überzeichnet. Für keinen der drei Protagonisten (nicht mal für Kevin selbst) passte von Anfang bis Ende die gängige Schablone von gut versus böse. Mitgefühl und Abscheu gingen zumindest bei mir Hand in Hand. Außerdem gelang es Lionel Shriver eines der letzten "Tabuthemen" unserer Zeit auf differenzierte Art und Weise darzustellen: was, wenn Mutterschaft/ Vaterschaft doch nicht das versprochene Lebensglück in sich birgt, sondern im Gegenteil zur Quelle des Unglücks mehrer Menschen wird? Ehrlich, schonungslos, überzeugend. Bleibt in Erinnerung.

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