Inhalt: Eine junge Frau verschwindet mitten in der Nacht - ohne jede Spur. Hübsch, blond, liebevolle Ehefrau und Mutter, Lehrerin, beliebt bei ihren Schülern. Als Detective Sergeant Warren das Haus in der idyllischen Vorstadtsiedlung Bostons betritt, scheint der Fall klar: Intakte Schlösser, keine Spuren eines Kampfes oder Einbruchs, Sandra Jones hat ihre Familie verlassen. Die Medien stürzen sich auf den Fall. Und schon bald sieht alles anders aus: Der Ehemann benimmt sich höchst verdächtig, die Tochter hütet ein Geheimnis, Nachbarn und Bekannte verstricken sich in Widersprüche. Und auch Sandra Jones' Fassade bröckelt ...
Meinung: "Ohne jede Spur" war mein erstes Buch der Autorin - und wahrscheinlich auch mein letztes. Die Story klang für mich vielversprechend, leider besticht der Roman durchwegs mit unsympathischen Charakteren, die nur selten logisch handeln.
!!! Achtung, Rezension enthält Spoiler !!!
Sergeant D.D. Warren (wo ich schon den Vornamen nervig fand) ist höchst unsympathisch, maßlos von sich selbst überzeugt und zudem selbstverliebt und voller Vorurteile. Die Ermittlungen in ihrem Team gehen schleppend voran, dieses Tempo zieht sich durch das ganze Buch. Auf einen Thriller war ich eingestellt (wie auch angepriesen), bekommen habe ich einen Roman, wo auf über 500 Seiten endlos Gedanken der Charaktere durchgekaut werden. Bei jedem neuen Kapitel hatte ich den Eindruck, aufgrund zahlreicher Wiederholungen keinen Zentimeter voran zu kommen. Das Gefühl der Ermittler hat sich hierbei wohl auf mich übertragen.
Jason ist als Ehemann der Vermissten äußerst kühl und nicht kooperativ. Was ich absolut nicht nachvollziehen kann, denn immerhin hat er mit dem Verschwinden seiner Frau nichts zu tun. Gefühle lässt er kaum zu - außer gegenüber seiner Tochter, bei der ein Rätsel darum gemacht wird, wer denn nun ihr Erzeuger ist, denn Jason kann es nicht sein. Tja, diese Frage wird leider nicht beantwortet.
Clarissa "Ree" Jones ist die vierjährige Tochter von Sandra und Jones und benimmt sich nicht ihrem Alter entsprechend. Die Sätze, die sie formuliert, ähneln eher der Sprache einer Achtjährigen. Außerdem fragt Sandra ihre Tochter, wie es in der Schule war. Zwischendurch wird erwähnt, wie schlau Ree für eine Vierjährige ist. Bis zum Schluss hatte ich nicht das Gefühl, es mit einem so jungen Kind zu tun zu haben. Sie hat eine Auseinandersetzung mit jemandem unmittelbar vor Sandras Verschwinden mitbekommen, doch Jason ist gegen eine Befragung und sabotiert die laufenden Ermittlungen. Was ich überhaupt nicht verstehe, denn immerhin wäre es ja auch in seinem Interesse, zu erfahren, was mit seiner Frau geschehen ist?! Sein Verhalten lässt vermuten, dass er etwas damit zu tun hat, was ja nicht der Fall ist. Absolut dämlich (entschuldige für die Wortwahl).
Aidan Brewsters Geschichte ist ganz interessant, doch überflüssig.
Ethan Hastings ist der nächste unsympathische Charakter, wobei ich hier den Ausflug in die Welt der Technik sehr gelungen fand. An dieser Stelle wurde genauestens recherchiert und ich wollte unbedingt wissen, was gewisse Protagonisten auf ihren Computern zu verstecken versuchten.
Die Auflösung war nicht mein Fall. Im Endeffekt war Sandra wegen einer Sache untergetaucht, die bei Weitem nicht so dramatisch war wie angenommen. Auf mich wirkte sie generell sehr unreif und heuchlerisch. Sie sah in allem stets das große Drama und ehrlich: Innerhalb eines Abends von Begierde zu Liebe zu Todesangst vor dem eigenen Mann zu wechseln, obwohl er sie mit einem Urlaub überraschen will, ist schon etwas übertrieben dargestellt. Es entstanden Fragen über Fragen, die nur teilweise beantwortet wurden.
Zu guter Letzt wurde noch ein Unschuldiger erstochen, um eine falsche Fährte zu legen und jemand in die Luft gesprengt, ohne näher darauf einzugehen. Das half der Spannung jedoch auch nicht auf die Sprünge.
Ich vergebe 3 von 5 Sternen für "Ohne jede Spur", weil gewisse Details sehr gut recherchiert waren und die Idee an sich Potenzial hat. Dass ich keinen Charakter ins Herz schließen konnte, ist kein Minuspunkt, denn wenn der Rest passt, komme ich auch mit unsympathischen Protagonisten klar. Aber das Verhalten, das entweder nicht nachvollziehbar, überstürzt und dem Alter nicht gerecht ist, hat das Leseerlebnis negativ beeinflusst. Vermutlich werde ich kein weiteres Buch der Autorin lesen.