Asymmetrie

von Lisa Halliday 
4,8 Sterne bei5 Bewertungen
Asymmetrie
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Joachim_Tieles avatar

Gute Chancen auf den Titel "Roman des Jahrhunderts", auch wenn das Jahrhundert erst an seinem Anfang steht...

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Inhaltsangabe zu "Asymmetrie"

Es beginnt mit einer Eiswaffel, auf einer Bank im Central Park. Hals über Kopf stürzt sich Alice in eine Lovestory mit dem berühmten Schriftsteller Ezra Blazer. Sie ist 25, er in seinen Siebzigern. Ein erotisches, tragikomisches Kammerspiel – doch dann setzt eine ganz andere Erzählung ein. Amar, ein amerikanisch-irakischer Doktorand auf dem Weg nach Nahost, wird am Londoner Flughafen in Gewahrsam genommen. Und landet im Vakuum von Wartesälen und endlosen Verhören. Subtil verwebt Lisa Halliday die zwei so ungleichen Geschichten zu einem kühnen, provokanten Roman. Sie schreibt über die Machtgefälle, die unsere Welt durchziehen, zwischen Jung und Alt, Glück und Talent, dem Persönlichen und Politischen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446260016
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Hanser, Carl
Erscheinungsdatum:23.07.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    michael_lehmann-papevor 21 Tagen
    Herausforderndes Debüt

    Herausforderndes Debüt

    „Ezra Blazer, bedauern Sie irgendetwas“?
    Dass wir beide uns nicht früher kennengelernt haben…..Ich finde, Sie sind eine sehr attraktive Frau….ich darf nur eine einzige Frau mitnehmen und wünsche mir, dass Sie diese Frau sind….“.

    Klar ist das Radio Interview am Ende dieses fulminanten Debütromans erfunden, aber in bester Weise lässt Lisa Haliday ihre Figur des alternden Schriftstellers Ezra Blazer noch einmal funkeln und glänzen und schließt damit den Kreis zum Anfang des Werkes, in dem jener Blazer der 27-jährigen Alice ebenso klar und direkt den Hof macht. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ein „Nein“ folgen könnte, ohne „seinen Rücken zu schonen“ im Bett dann, ohne an sich selbst allein schon ob das Altersunterschiedes zu zweifeln.

    Und auch wenn die Moderatorin verheiratet ist und zwei Kinder hat, wenn gerade das Interview in Echtzeit über den Äther geht, Blazer kennt da nichts, wenn seine Lenden sich regen.

    Ebenso, wie er zu Zeiten Alice zu jeder Zeit angerufen hat, mit unterdrückter Nummer. Und Alice umgehend immer den Hörer abhob. Bis, Ja bis……. Auch hier eine Entwicklung einsetzt. Erkannt wird, dass man nicht einfach Opfer der Umstände oder von Zwängen ist, sondern in seinem „so sein, wie man nun mal ist“ eigene Farbtupfer und andere Richtungen einbauen kann.

    Denn das Leben ist zu kostbar, um es von einem anderen dauerhaft alleine bestimmen zu lassen, gerade wenn jener andere so ungreifbar, so nicht festgezurrt, so nur auf sich selbst fixiert eine Beziehung gestaltet, eben ohne sie zu gestalten.

    Eine Erkenntnis, die auch Amar in ganz anderer Form für sich auf dem Flughafen in London bewegen wird. Aufgrund unglücklicher Umstände kann er dort nicht, wie geplant, umsteigen auf dem Weg in den Irak und auch nicht das Land betreten. Über ihn bestimm kein alternder Schriftsteller, sondern ein britischer Zollbeamter, aber dennoch wird über ihn bestimmt.

    So wie scheinbar alle Beziehungen nicht „symmetrisch sind“.

    Was Halliday spielerisch (wie so vieles im Roman) wunderbar als Thema einbringt.

    „Über ihrem Pullover legte er Alice eine Hand auf jede Brust, als wollte er sie zum schweigen bringen. „Die hier ist größer“…. „Nein, nein, das ist kein Makel, es gibt kein völlig gleiches Paar““. Was eben nicht nur Brüste angeht.

    Was auch Amar betrifft. Und seine Beziehung zu seiner Freundin, die in Auflösung begriffen ist. Und seine Familiengeschichte, im Irak, wo zerschossene Augen und tote Besucher (einfach so getötet) genauso im Raum stehen, wie unmotiviert entführte Familienmitglieder, weil Entführung eine gangbare Form des Geldverdienens wohl dort geworden ist.

    Da kann der Mann noch so sehr seine Doktorarbeit über „Risikoaversion“ schreiben, die Asymmetrie des Lebens lässt so etwas einfach nicht zu. Wohl aber, und das hat Amar erkannt, kann er selbst gläubig verbleiben und dennoch auch als Moslem an eine Ebene freier Entscheidungen glauben, die nicht als Schicksal festgelegt sind. Auch nicht, was seine Stellung als Migrant in Amerika angeht. Wo er auf nun Symmetrie hofft, da ein „Schwarzer Präsident werden wird“.

    So kreist der Roman, sprachlich dicht und überaus anregend und flüssig zu lesen, zwischen den Polen der „Gebundenheit“ und der „eigenen Freiheit zum eigenen Leben“ mit einem intensiven Ausflug in die Welt zwischen diesen Polen, die nicht umsonst an einem Flughafen stattfindet. Der zwischen den Zielen in der Regel liegt und eine Etappe darstellt.

    Eine hervorragende Lektüre. 

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    Claris avatar
    Clarivor 3 Monaten
    Hommage an einen toen Dichter

    Eine junge Frau und ein viel älterer Herr begegnen sich. Alice sitzt alleine auf einer Parkbank in New York, als sich ein älterer Herr mit einem Eishörnchen neben sie setzt. Sie erkennt ihn schon bald als den Schriftsteller Ezra Blazer alias Philip Roth, den sie bewundert.

     

    Eine ganz zarte aber stetige Liebe zwischen Alice und Ezra nimmt den Leser mit zu einer ganz und gar ungewöhnlichen Freundschaft. Alice ist Assistenzlektorin bei einem renommierten Verlag, Ezra eingetragener Schriftsteller bei demselben Verlag. Sie lesen sich zum gegenseitigen Vergnügen Texte aus bekannten Werken vor. Was ganz harmlos beginnt, endet schon bald im Bett. Die ganze Zeit bleibt die Beziehung offen, denn man weiß nie, ob sie weitergehen wird. Je länger sie dauert, desto mehr zeichnet sich die Gebrechlichkeit des 40 Jahre älteren Mannes gegenüber der jungen Alice ab. Man weiß, dass diese Beziehung irgendwann ein Ende nehmen wird. Aus Liebe wird eine lebenslange Freundschaft im wahren Leben der beiden, wie man in einem Porträt über Lisa Halliday in der FAS vom 22.07.2018 nachlesen kann. In diesem Artikel wird ihre Liebesaffäre und spätere Freundschaft zu dem um viele Jahre älteren Schriftsteller Philip Roth beschrieben, wenn es auch heißt, der Roman sei Fiktion.   

     

    Halliday hat eine ganz eigene Art der Auffassung von ihrer Beziehung zu dem Schriftsteller. 

    Die Begegnungen sind von beiden Seiten eng und zugleich distanziert. Man bemerkt, dass jeder Tag des Zusammenseins der erste und der letzte sein kann. Alice wünscht sich, auch schreiben zu können. Die alltäglichen Ereignisse treten ganz zurück hinter die Beziehungsgeschichte, die in ihrem Äquivalent zwischen Nähe und Distanz, Freiheit und Gleichheit ungewöhnlich beeindruckend ist. Als bindendes Glied gilt sicher für Ezra und Alice die Leidenschaft für die Literatur und das Schreiben.

     

    In einem zweiten Teil des Romans geht es um die „Asymmetrie“ zwischen West und Ost.

    Der in Los Angeles lebende Doktorand und Wissenschaftler Amar will seine Eltern im Irak besuchen und nach seinem verschwundenen Bruder suchen helfen. Auf dem Flug dahin wird er in London festgehalten, weil seine Papiere und er selbst endlosen Untersuchungen unterzogen wird. Inzwischen erinnert er sich an seine Kindheit, Jugend, Freunde und Lieben.

    Hier geht es um die Unterschiede zwischen West und Ost. Familienzusammenhalt und Nähe wird hier wie dort aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Dieser Teil liest sich nicht so geschmeidig wie der erste, weil sich einem der Zusammenhang zum ersten Teil nicht erschließt. Er entspricht jedoch sehr den literarischen Vorgaben von Philip Roth.

     

    In einem letzten Teil lässt Lisa Halliday Ezra nochmals während eines Interviews zu Wort kommen.

    Welche Musik liebte er? Wie war sein Leben, wie hat es sich verändert?

     

    Lisa Halliday hat eine liebevolle Hommage an den verstorbenen Dichter Philip Roth geschrieben. Die Zuneigung zu dem Menschen Roth wird in jeder Zeile deutlich.

     

    Sie schreibt so locker, leicht und unangestrengt und doch voller Tiefe und Teilnahme, auch von ungewöhnlich künstlerischem Niveau beseelt, dass man das Buch hingerissen verschlingt.

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    Joachim_Tieles avatar
    Joachim_Tielevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Gute Chancen auf den Titel "Roman des Jahrhunderts", auch wenn das Jahrhundert erst an seinem Anfang steht...
    Kommentare: 1
    *Arienette*s avatar
    *Arienette*vor einem Monat
    Phiinchens avatar
    Phiinchenvor 2 Monaten

    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Pressestimmen

    Zwei ungleiche Geschichten: eine Liebe in New York, Verhöre in London. Lisa Halliday schreibt über Liebe und Leiden, Macht und Ehrgeiz.

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 4 Monaten
    Klingt sehr gut und nach großer Themenvielfalt. Hoffentlich ist die Geschichte dem gewachsen.
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