Ich liebe Dialekte und spreche selbst einen. Wien und seine Bewohner üben auf mich eine starke Faszination aus. Bei der altertümlichen Grußformel "Habe die Ehre!" geht mir das Herz auf. Da verwundert es nicht, dass ich Lisa Krammers Sachbuch zum Wiener Dialekt regelrecht verschlungen habe. Hier stimmt einfach alles. Das Layout ist ein Traum. Die enthaltenen Illustrationen sind super witzig und die farblich unterschiedlich abgegrenzten Kapitel sehr ästhetisch und lesefördernd. Auch die Gestaltung des Textes hat mir ausnahmslos gefallen. Die einzelnen Kapitel sind kurzweilig angelegt und widmen sich immer genau einen Thema (wie z. B. Wiener Küche, Opernball, Zentralfriedhof, Bim oder Kaffeehaus). Nun könnte man meinen, die Klischees der österreichischen Metropole werden erfüllt. Aber ge! Ich habe mich während der Lektüre super unterhalten und unterrichtet gefühlt. Von der ersten Erwähnung Wiens um 881 bis zu Astropop-Bands wie Wiener Blond habe ich viel Neues über die Stadt erfahren. Die multiethnischen und multilingualen Einflüsse sind überall, vor allem in Sprache und Musik, zu spüren. Kurzum, Wienerisch als mittelbairischer Dialekt ist einfach ur leiwand und hat Schmäh. Lisa Krammer hat vorzüglich recherchiert und den Leuten aufs Maul geschaut. Die Momentaufnahme des Wienerischen hat mich überzeugt.
Wienerisch am Puls der Zeit


