Lisa Zeitz Der Mann mit den Masken

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Inhaltsangabe zu „Der Mann mit den Masken“ von Lisa Zeitz

Geboren 1913 als Sohn eines jüdischen Fabrikanten in Dortmund, wuchs Muens - terberger in die turbulenten Jahre der Weimarer Republik hinein, besuchte die Odenwaldschule, studierte Ethnologie und Kunstgeschichte und gelangte in die Künstlerbohème von Amsterdam und Monte Verità, die ihn für sein Leben prägen sollte. Eine Freundin rettete ihm das Leben, indem sie ihn jahrelang in ihrem Ams - terdamer Haus vor der Gestapo versteckte. Nach dem Krieg emigrierte er in die USA, arbeitete als Psychoanalytiker und lehrte als Professor für Ethnopsychatrie in New York. Dort begründete er nicht nur seine bedeutende Sammlung afrikanischer Kunst – er gehörte, bis zu seinem Tod 2011, zu den schillernden Figuren der intellektuellen Szene. Lisa Zeitz hat ihn über mehre re Jahre begleitet. Auf der Grundlage vieler Gespräche und bisher unveröffentlichter Dokumente zeichnet sie nun diese einmalige Lebensgeschichte nach. Eine Ausnahmegestalt – und ein faszinierendes Panorama des 20. Jahrhunderts.

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  • "Eigentlich bin ich ein Maskentier."

    Der Mann mit den Masken
    HeikeG

    HeikeG

    02. August 2015 um 13:41

    Im Oktober 2012 fand sich ein Buch in den Bestsellerlisten, das ein Jahr des letzten Jahrhunderts zum Titel und in seinen Betrachtungen hatte: Florian Illies "1913". Ein Jahr, in dem das Woolworth Building in New York Eröffnung feierte, der Reißverschluss erfunden, die gestohlene "Mona Lisa" wiederaufgefunden, das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig eingeweiht und die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft gegründet wurde. Sigmund Freuds "Totem und Tabu. Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker" erschien. Und: Werner Muensterberger wurde am 15. April 1913 geboren. Ein Mann, dessen Biografie sich wie die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts liest. Mitten hinein in die turbulenten Jahre der Weimarer Republik wuchs der Junge eines jüdischen Fabrikanten. Er besuchte die berühmte und mittlerweile berüchtigte Odenwaldschule, studierte Ethnologie und Kunstgeschichte und gelangte in die Künstlerbohème von Amsterdam und Monte Verità, die ihn für sein Leben prägen sollte. Eine Freundin rettete ihm das Leben, indem sie ihn in ihrer Amsterdamer Wohnung vor der Gestapo versteckte. 1947 wanderte er in die USA aus. Dort arbeitete er erfolgreich als Psychoanalytiker, lehrte als Professor für Ethnopsychiatrie in New York und entwickelte Theorien zu den Gründen, die manche Menschen zu leidenschaftlichen Sammlern machen und welche Bedingungen dazu führen, dass andere zu Fälschern werden. Bei Thomas Mann war er als junger Mann zu Gast. Picasso, Freud, Walt Disney, Andy Warhol, Max Beckmann, Meret Oppenheim, Erich Fromm oder Heinz Berggruen "liefen ihm zuweilen über den Weg". Mit Bruce Chatwin war er befreundet. James Dean gehörte ebenso zu seinen Patienten wie Marlon Brando. Zudem galt er zeitlebens als unangefochtener Experte für "primitive" Kunst. Seine Sammlung afrikanischer Masken gilt als bedeutend. "Wie die bunten Steine eines Kaleidoskops blitzten diese Figuren auf - ein funkelndes Muster, das plötzlich verschwimmt, um sich im nächsten Moment neue zusammenzusetzen", schreibt die Chefredakteurin der Zeitschriften "Weltkunst" und "Kunst und Auktionen" Lisa Zeitz, die zugleich als eine der besten Kennerinnen des internationalen Kunstmarkts gilt. 2005 traf sie Werner Muensterberger das erste Mal in seiner New Yorker Wohnung, um ihn für einen Artikel zu interviewen. Aus einem Treffen wurden in den folgenden Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 2011 mehrere hundert Besuche. "Aus dem Mann, der so alt war wie meine Großmutter, aus dem Analytiker und dem Experten für Stammeskunst wurde ein Freund.", so die Autorin. Und dies spürt man in dem mit Verve und Feinfühligkeit, mit Spannung und Einfühlungsvermögen, aber immer frei von jeglichem Pathos, geschriebenen Buch auf jeder Seite. Genau wie das auch mich in meiner Kindheit begleitende Spielzeug, das Gegenstände mehrfach spiegeln lässt, so dass ein symmetrisch farbiges Muster sichtbar wird, das sich beim Drehen verändert, offenbart auch Lisa Zeitz ein wunderbares "Mixtum compositum", das Puzzle des Lebens, um diesen Mann, der "sich mit Vorliebe immer wieder neu erfand und Teile seines Lebens am liebsten ganz für sich behielt." Im Anhang des Buches sind zudem die nicht mehr vollendeten sieben Kapitel zu einem Buch mit dem geplanten Titel "Fälscher auf der Couch" abgedruckt, deren Manuskripte von Lisa Zeitz nach Muensterbergers Tod gesichtet, sortiert, übersetzt und behutsam überarbeitet wurden. Zahlreiche Fotografien und sensible Zeichnungen von Christoph Niemann ergänzen dieses wunderbare Buch. Warum, so fragt man sich nach der überaus interessanten Lektüre, warum hat diesen Mann eigentlich noch nie jemand porträtiert, wo allerorts die Lebensbeichten von Stars und Sternchen aus dem Boden schießen wie Pilze nach einem warmen Sommerregen. Die von ihm so leidenschaftlich verehrten Masken verschweigen dem Fragenden ihre Antwort. Vielleicht sind sie in dem von Muensterberger besonders geliebten Gedicht von Rainer Maria Rilke zu finden: Eros Masken! Masken! Daß man Eros blende. Wer erträgt sein strahlendes Gesicht, wenn er wie die Sommersonnenwende frühlingliches Vorspiel unterbricht. Wie es unversehens im Geplauder anders wird und ernsthaft... Etwas schrie... Und er wirft den namenlosen Schauder wie ein Tempelinnres über sie. O verloren, plötzlich, o verloren! Göttliche umarmen schnell. Leben wand sich, Schicksal ward geboren. Und im Innern weint ein Quell.

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  • Biographie und kunstgeschichtliche Betrachtung eines „Jahrhundertlebens“

    Der Mann mit den Masken
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    23. April 2013 um 12:07

      Durchaus doppeldeutig zu verstehen ist der Titel des Buches. Zum einen war Werner Muensterberger ein ausgewiesener Kunstkenner und Kunstsammler, der schon in frühen Jahren seine Affinität zum „dunklen Kontinent“ Afrika und im Besonderen zu urtümlichen Masken, Ausdruck des Heiligen, der Verbindung mit der Geisterwelt. Für Muensterberger selbst war eine der ersten Masken, die er erwarb gar eine Form der Verbindung zu seiner früh verstorbenen Mutter.   Auf der anderen Seite war Muensterberger, emotional betrachtet, ein „klassischer Intellektueller“, der nicht einfach inneren Zugang zu anderen Menschen fand und sich selbst eher im Wesen als distanziert darstellt. Eine Persönlichkeit, die bereits zu seinen Schulzeiten auf der Odenwaldschule dem Gründer und damaligen Leiter der Schule,  Paul Geheeb, Kopfzerbrechen bereitet und diesen ein Programm für Muensterberger entwickeln ließ, das diesen vor allem „in Kontakt“ bringen sollte. Zumindest mit dem Erfolg einer lebenslangen Verbundenheit Muensterbergers zum Ehepaar Geheeb, das allerdings fast noch ein Stück mehr Edith Geheeb galt (vielleicht auch als eine Art Mutterersatz).   Ein Lebensweg allerdings auch, der prall gefüllt ist mit Besonderheiten, mit wechselnden Wendungen. Als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Dortmund zunächst beheimatet, Odenwaldschule, Studium in Berlin der Ethnologie und Kunstgeschichte, Teil der Boheme der späten 20er und beginnenden 30er Jahre, noch geprägt von der Idee der Entwicklung des Menschen durch die Schönheit der Kunst (wie Stefan Zweig), Verehrer Rilkes, früh bereits aber dem Reiz des damals Exotischen, Urkräfitgen und Urtümlichen nachgehend. Zudem ein, ebenfalls von früh an, psychologisch interessierter (Muensterberger hat wohl Freud noch einmal kurz vor dessen Tod getroffen).   1913 geboren, 2011 gestorben, wahrlich ein Jahrhundertleben. Der Verfolgung ausgesetzt, mit Schwierigkeiten 1939, sein Studium in Basel überhaupt beenden zu können. In Holland jahrelang versteckt vor der Gestapo. Eckdaten und äußere Ereignisse, die am Kern seiner Interessen nichts zu ändern vermochten.   Ethnologie und Psychologie, Kunst und Seele, brachte er im späteren Leben nach dem Krieg fast einzigartig in seiner Person zusammen in seiner Arbeit als Psychoanalytiker und Professor für „Ethnopsychiatrie“ in New York.   Durchgehend mit einem erkennbaren Schwerpunkt auf „Masken“ in ihrer ursprünglichen Form und Verwendungsweise bei den Stämmen Afrikas, fortgeführt auch in Bezug auf die „Lebensmasken“, hinter denen manche Menschen ihre eigentliche Persönlichkeit verbergen. Ein Ansatz im Übrigen, der hoch modern klingt, denn in einer Welt, in der immer mehr der „Schein“ statt das „Sein“ das Leben bestimmt und vielfach Menschen der modernen Zivilisation sich operativ ihre „Lebensmasken“ erstellen, ist Muensterbergers Haltung und Arbeit sehr interessant zu lesen.   Wobei Lisa Zeitz doch mit meist ebenso intellektuellem Ansatz aufwartet und als Kunstgeschichtlerin zwar vieles erläutern und nahebringen kann, was mit der Kunstsammlung und der intellektuellen Arbeit Muensterbergers zu tun hat, auf diese Weise aber erkennbare Schwächen in der Darstellung der „inneren“ Persönlichkeit ihres Themas aufzeigt. Gerade im ersten Teil macht sich dies bemerkbar, wenn der Leser feststellt, dass die im Buch dargestellten Aussagen Paul und Edith Geheebs als einzige zunächst ein Licht auf die innere Entwicklung und Befindlichkeit Muensterbergers, auf seine eigentliche Person werfen und Zeitz hier erkennbar zu distanziert und von außen beschreibend verharrt. Das innere  Verhältnis zum Vater, die Folgen des frühen Todes der Mutter werden z.B. zuwenig aufgegriffen, um dem Leser ein auch inneres Bild des jungen Mannes zu vermitteln. Die Peinlichkeit, offene Rechungen nicht zahlen zu können ist hier zu wenig und vermittelt eher ein indirektes, zu erschließendes inneres Bild der eigentlichen Persönlichkeit.   Alles in allem eine solide und kunstgeschichtlich hoch interessante Darstellung eines besonderen Lebens, dessen äußere Stationen und dessen Prägung und Verbundenheit künstlerischen Boheme detailliert dargestellt werden. Mit zu wenig empathischer Darstellung gerade im ersten Teil des Buches des inneren Wesens und der eigenen Persönlichkeit Muensterbergers.

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