Liselotte Welskopf-Henrich

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Rezension zu "Stein mit Hörnern" von Liselotte Welskopf-Henrich

In der Mitte eine Art Wendepunkt
sKnaerzlevor 4 Monaten

Stein mit Hörnern ist der mittlere Band der 5-teiligen Serie und er scheint mir eine Art Wendepunkt zu enthalten.
Joe King wird in einem Kampf auf Leben und Tod noch einmal mit seiner Gangstervergangenheit konfrontiert, aber wichtiger ist, dass er danach monatelang schwerverletzt in einer Privatklinik liegt, wo er seine Meinung mit Bürgern der oberen Mittelschicht austauschen kann und Bekanntschaft mit einem hohen Beamten der Indianerbehörde schließt.

Ausführlich wird geschildert, wie es auf der King- und der Schulranch trotz vieler Rückfälle zu einigen Fortschritten kommt und der mühsame Kampf jetzt nicht mehr mit Pistolen und Gewehren geführt wird, sondern mit demokratischen Mitteln. Joe lässt sich bei den Wahlen als Kandidat für das Amt des Chief-President aufstellen, unterliegt knapp, hat aber inzwischen so ein hohes Ansehen, dass er bei wichtigen Entscheidungen gefragt wird.

Joe knüpft auch Kontakt zu politischen Organisationen, zunächst sucht er den Kontakt mit dem Gewerkschafter Edward Monture und dann mit Andy Tiger, von dem unklar ist, ob der Bund, den er vertritt jetzt eher ein Verband zur Durchsetzung von Indianerinteressen ist oder doch auch zum bewaffneten Kampf bereit ist.

Der zeitgeschichtliche Hintergrund wird sichtbar. Vor allem wird ein großes Treffen aller Häuptlinge geschildert, bei dem ein charismatischer Anführer sprach. Es ist ärgerlich, dass hier weder Zeit noch Ort noch Namen genannt werden.

Und wenn man denkt, allmählich geht es aufwärts in der Reservation, die Weichen sind jeztzt alle richtig gestellt, kommt der große Rückschlag und die weiße Verwaltung sieht ihr Ziel jetzt in Integration und Assimilierung der Indianer. die doch ihre Kultur bewahren wollen.

Hier stößt Lieselotte Welskopf-Henrich aber an die Grenzen ihres Könnens. Den zeitgeschichtlichen Hintergrund will sie nicht nennen, obwohl Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegung und die Reaktion der Verwaltung deutlich im Hintergrund stehen. Damit wird aber zumindest das Romanende, wo die gesellschaftliche Auseinandersetzung anfangen soll, ziemlich entpolitisiert.



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Rezension zu "Licht über weißen Felsen" von Liselotte Welskopf-Henrich

Bessere Fortsetzung
sKnaerzlevor 7 Monaten

 Der Roman besteht aus mehreren Teilen.  Zunächst wird geschildert, wie der kleine Wakiya-Knaskiya in derReservation als Halbwaise in einer ärmlichen Hütte aufwächst. Er hat eine schwere Aufgabe zu bewältigen: die Tradition der Indianer zu bewahren und sich gleichzeitig in einer Welt der weißen Sieger behaupten. Aber erst als ihn der bewunderte Joe King bei sich aufnimmt, kann er sich in beiden Welten bewähren. Dieser Teil ist aus der Sicht Wakiyas geschrieben, der nicht immer versteht, was um ihn vorgeht, aber mit der Sicherheit eines Kindes weiß, was richtig und was falsch ist. Diese Geschichte ist halb verträumt - insgesamt sehr schön.


Im nächsten Teil geht es um die Fortsetzung der Geschichte des Joe Kings, der sich vom verachteten Sohn eines Alkoholikers zum Erfolgsrancher entwickelt. Noch einmal holt Joe seine Gangster-Vergangenheit ein und er muss vor Gericht um sein Leben kämpfen, aber jetzt hat er Freunde, die ihn unterstützen.

Wichtiger aber ist, dass es mit der Reservation aufwärts geht, dass eine Schulranch gegründet wird und der Chief-President des Stammesrats mit dem dem Trinken aufhört. Und bei diesem Kampf hat Joe einen wahrhaftig schlimmen Gegner gegen sich: die Bürokratie!

Die Sprache ist nüchtern, die Personen sind eher oberflächlich charakterisiert, deshalb sticht das Einfühlungsvermögen der Autorin im ersten Teil so besonders positiv heraus. Eine längere Passage (die Eröffnung eines Schwimmbads) schildert sie sehr ironisch und damit sehr rasant. Insgesamt  also ein wirklich guter Roman.

Einen dicken Wermutstropfen gibt es aber noch - ohne geht es ja nie. Die Art, wie Joe mit seiner Frau umgeht, ist aus heutiger Sicht schwer erträglich. Und manchmal würde es schon helfen, einfach mal miteinander zu reden.



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S

Rezension zu "Nacht über der Prärie" von Liselotte Welskopf-Henrich

Begegnung mit einem alten Freund
sKnaerzlevor 10 Monaten

Dem Roman kann man ohne überlegen 5 Sterne geben. Die Handlung ist spannend, die Charaktere sind interessant, man lernt etwas über Geschichte und bekommt an einem Beispiel vorgeführt, wie mühsam der Kampf für Gerechtigkeit ist. 


Wenn man allerdings anfängt zu überlegen, bekommt man doch Bedenken. Die Spannung bezieht der Roman vor allem aus Autojagden, Polizeikontrollen und wilden Schießereien. Klar, die Hauptperson Joe King ist ein ehemaliger Gangster und muss sich aus den Fängen der Banden und der Polizei befreien, aber mit dem Freiheitskampf der Dakota hat das wenig zu tun. Man kann vielleicht entschuldigend sagen, dass die Autorin die Vorgeschichte braucht, um den widersprüchlichen Charakter ihrer Hauptperson zu erklären, aber mir scheint doch, der Schwerpunkt des Romans liegt nicht da, wo ihn der Klappentext anpreist.


Durch zu viel Gangster-Roman gerät ein wichtiger Teil der Geschichte zu sehr in den Hintergrund. Die Selbstbefreiung der Reservationsindianer geht über Bildung, die man aber nur in der Schule der weißen Beamten und gegen vielfältige Diskriminierung erhält und über Wohlstand, dessen Gewinnung aber gegen indianische Traditionen verstößt. Die Frage nach der Identität einer Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft wird schon an den unterschiedlichen Namen deutlich, die man ja nach dem "weißen" oder "indianischen" Kontext verwendet. Aber solche Themen gehen leider etwas unter


Wahrscheinlich ist es nur eine Privatmarotte von mir, dass ich Überarbeitungen nicht mag. Trotzdem: warum muss man die Wortwahl ändern, weshalb Doc Eivie in der Ausgabe des Palisanderverlags nicht mehr fraternisieren, sondern Partei ergreift 


Sagen wir es so: "Nacht über der Prärie" wiederrzulesen war wie die Begegnung mit einem alten Freund. Ich mochte ihn immer noch sehr gern, aber inzwischen sehe ich seine Fehler deutlicher.



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