Liselotte Welskopf-Henrich

 4,5 Sterne bei 191 Bewertungen

Lebenslauf von Liselotte Welskopf-Henrich

Liselotte Welskopf-Henrich (1901-1979) war Schriftstellerin und Wissenschaftlerin. In den Jahren der Naziherrschaft war sie am antifaschistischen Widerstandskampf beteiligt. 1951 erschien die Urfassung ihres Indianerromans »Die Söhne der Großen Bärin«, den sie später zu einem sechsteiligen Werk erweiterte. 1966 erschien »Nacht über der Prärie«, der weltweit erste Gesellschaftsroman über Reservationsindianer im 20. Jahrhundert, der wesentlich auf in den USA und in Kanada gewonnenen Erfahrungen und Eindrücken der Autorin beruht. In den folgenden Jahren, bis zu ihrem Tod, entwickelte sie diese Thematik in vier weiteren Bänden fort. Darüber hinaus war sie seit 1960 Professorin für Alte Geschichte an der Berliner Humboldt-Universität und seit 1962 Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Sowohl als Wissenschaftlerin als auch als Schriftstellerin fand sie internationale Anerkennung. Die Stammesgruppe der Oglala verlieh ihr für ihre tatkräftige Unterstützung des Freiheitskampfes der nordamerikanischen Indianer den Ehren-Stammesnamen Lakota-Tashina, »Schutzdecke der Lakota«.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Rezensionen zu Liselotte Welskopf-Henrich

Cover des Buches Die Söhne der großen Bärin, 6 Bde. (ISBN: 9783866379770)
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Rezension zu "Die Söhne der großen Bärin, 6 Bde." von Liselotte Welskopf-Henrich

Kindheitserinnerung
Satovor 3 Jahren

Die Söhne der großen Bärin waren der "Indianerbuchklassiker" in der DDR, ich habe die Bücher verschlungen und die Verfilmung genossen - lang ist es her.

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Cover des Buches Das helle Gesicht (ISBN: 9783407788603)
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Rezension zu "Das helle Gesicht" von Liselotte Welskopf-Henrich

Ite ska wi geh spazieren
sKnaerzlevor 4 Jahren

In gewisser Weise war die Geschichte von Joe und Queenie und ihrer Ranch schon mit dem dritten Roman "Stein mit Hörnern abgeschlossen. Im 4. Teil nahm die Bürgerrechtsbewegung der Indianer einen wichtigen, wenn auch ungenau bestimmten Raum ein und folglich änderte sich die Handlung und die Figurenkonstellation stark. 


In "Das helle Gesicht" wollte Liselotte Weiskopf-Henrich wohl die Besetzung der Eine Ridge Reservation literarisch gestalten und das ging leider gründlich schief.

Die Figuren, die vorkommen, sind von hoher Zahl, aber man hat ein wenig das Gefühl, die Autorin interessiert sich nicht besonders für sie. Ein Beispiel: Hanska, der Held des Romans, nimmt von einer Reise nach Kanada den Schüler eines Medizinmanns als guten Freund mit. Dieser Freund verliebt sich in Hanskas Frau. (Das erfährt man durch den auktorialen Erzähler ziemlich überraschend, in der Handlung gab es kein Anzeichen dafür.) Es gibt dann ein bisschen hin und her die Liebeswirrnisse lösen sich auf, der Freund kehrt nach Kanada zurück und wird künftig nur noch als Eintrag in Listen von Besuchern bei Festen erwähnt. Aber warum taucht er überhaupt auf?

So geht es oft, die Handlung ist in Episoden aufgelöst, die nicht weiter führen und an ihrem Ende keinerlei Folgen für andere Handlungsstränge haben. Oft geht es darum, dass Ita-ska-wi mit größter Anstrengung von einem Ort an einen anderen gelangt, damit dort etwas wichtiges geschieht. Das Ergebnis ist aber immer sehr mager und die junge Frau muss sich bald auf den nächsten unheimlich wichtigen Weg machen.

Und der politische Hintergrund? Sehr mau. Wikipedia informiert uns, dass es ein Ziel der Proteste war, den brutalen Chief-President abzusetzen. Aber wieso wurde dieses Monster überhaupt gewählt? Wegen Gewalt, Drohungen und falschen Versprechen informiert uns der Roman. Aber können Wähler so doof sein, so gegen ihre eigenen Interessen vorzugehen? Diese Erklärung ist doch etwas zu platt.

Dann die Haltung der Aktivisten! Die radikalsten haben einen Hügel besetzt und werden von Bundespolizei belagert und sollen ausgehungert werden. Diese Helden gelten als diejenigen, die das richtige  tun, auch wenn man nicht erfährt, was sie erreichen wollen. Wer auch nur ein bisschen gemäßigter ist wird als Mitstreiter abgelehnt, gilt als Feigling oder sogar als Verräter. Aber so funktioniert politischer Kampf in einer Demokratie nicht, Da geht es darum, Mehrheiten zu organisieren und jeder, der mitmacht, ist willkommen.

Man merkt, der Roman hat mich genervt und gelangweilt. Ich stelle mir vor, "Das helle Gesicht" ist in dieser Form nur die Vorarbeit zu einem Roman, der später noch ausgearbeitet werden sollte, wozu es aber nicht mehr kam. 

Ich hätte  mir ein Nachwort gewünscht, wo die damalige Situation der Pine Ridge Reservation beschrieben wird und vielleicht auch etwas über die Entstehungsgeschichte dieses Romans.

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Cover des Buches Stein mit Hörnern (ISBN: 9783407788450)
S

Rezension zu "Stein mit Hörnern" von Liselotte Welskopf-Henrich

In der Mitte eine Art Wendepunkt
sKnaerzlevor 5 Jahren

Stein mit Hörnern ist der mittlere Band der 5-teiligen Serie und er scheint mir eine Art Wendepunkt zu enthalten.
Joe King wird in einem Kampf auf Leben und Tod noch einmal mit seiner Gangstervergangenheit konfrontiert, aber wichtiger ist, dass er danach monatelang schwerverletzt in einer Privatklinik liegt, wo er seine Meinung mit Bürgern der oberen Mittelschicht austauschen kann und Bekanntschaft mit einem hohen Beamten der Indianerbehörde schließt.

Ausführlich wird geschildert, wie es auf der King- und der Schulranch trotz vieler Rückfälle zu einigen Fortschritten kommt und der mühsame Kampf jetzt nicht mehr mit Pistolen und Gewehren geführt wird, sondern mit demokratischen Mitteln. Joe lässt sich bei den Wahlen als Kandidat für das Amt des Chief-President aufstellen, unterliegt knapp, hat aber inzwischen so ein hohes Ansehen, dass er bei wichtigen Entscheidungen gefragt wird.

Joe knüpft auch Kontakt zu politischen Organisationen, zunächst sucht er den Kontakt mit dem Gewerkschafter Edward Monture und dann mit Andy Tiger, von dem unklar ist, ob der Bund, den er vertritt jetzt eher ein Verband zur Durchsetzung von Indianerinteressen ist oder doch auch zum bewaffneten Kampf bereit ist.

Der zeitgeschichtliche Hintergrund wird sichtbar. Vor allem wird ein großes Treffen aller Häuptlinge geschildert, bei dem ein charismatischer Anführer sprach. Es ist ärgerlich, dass hier weder Zeit noch Ort noch Namen genannt werden.

Und wenn man denkt, allmählich geht es aufwärts in der Reservation, die Weichen sind jeztzt alle richtig gestellt, kommt der große Rückschlag und die weiße Verwaltung sieht ihr Ziel jetzt in Integration und Assimilierung der Indianer. die doch ihre Kultur bewahren wollen.

Hier stößt Lieselotte Welskopf-Henrich aber an die Grenzen ihres Könnens. Den zeitgeschichtlichen Hintergrund will sie nicht nennen, obwohl Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegung und die Reaktion der Verwaltung deutlich im Hintergrund stehen. Damit wird aber zumindest das Romanende, wo die gesellschaftliche Auseinandersetzung anfangen soll, ziemlich entpolitisiert.



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