Liv Strömquist

 4.7 Sterne bei 88 Bewertungen
Autor von Der Ursprung der Welt, Der Ursprung der Liebe und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Liv Strömquist

Cover des Buches Der Ursprung der Welt (ISBN: 9783945034569)

Der Ursprung der Welt

 (35)
Erschienen am 01.03.2017
Cover des Buches Der Ursprung der Liebe (ISBN: 9783945034897)

Der Ursprung der Liebe

 (20)
Erschienen am 01.02.2018
Cover des Buches I'm every woman (ISBN: 9783964450012)

I'm every woman

 (19)
Erschienen am 01.03.2019
Cover des Buches Ich fühl’s nicht (ISBN: 9783964450289)

Ich fühl’s nicht

 (10)
Erschienen am 01.03.2020

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Rezension zu "Ich fühl’s nicht" von Liv Strömquist

Ich fühl's nicht
Aniyavor 2 Monaten

Liebe im Spätkapitalismus: wie funktioniert das? Und was ist heute anders als vor 100 Jahren? "Ich fühl's nicht" ist gewohnt witzig, informativ & augenöffnend.

Ich habe mich manchmal unangenehm erwischt gefühlt und mein erster Impuls war ein großes "Nein, ich bin nicht ihrer Meinung"... aber dann habe ich ein bisschen drüber nachgedacht, weil es mich auch einfach nicht losgelassen hat und ich konnte einiges doch auch in meinem Verhalten und meinem Umfeld erkennen.
Strömquist bezieht sich diesmal vor allem auf Eva Illouz* und zeigt auf, wie sich die Rollenverteilung in Sachen Liebe und Gefühle vom 19. Jahrhundert his heute komplett vertauscht hat. Wobei aber immer genau die Rolle, die Frauen erfüllen, schlechter wegkommt (schon praktisch für die Männer).

Das "Fallen" in "falling in love" ist heute nicht mehr so leicht möglich, weil wir Liebe rationalisieren und alle negativen und irrationalen Aspekte dieser Emotion nicht mehr gerne gesehen sind.
Und... ja. Irgendwie ja.
Ich sehe das auch in romantischen Büchern. Es ist immer verpönter, über eine Figur zu schreiben, die ein bisschen possessiv und eifersüchtig ist. Ich verstehe die Intention dahinter, immerhin hat das New Adult Genre Stalker und übergriffige Proleten zu romantischen Helden verklärt und das finde ich auch überhaupt nicht gut.
Aber nun geht der Trend zu "super healthy" Beziehungen (Liv spricht in ihrem Buch auch von Gesundheitsfetischisierung und Therapie-Kultur, alles muss ergründet und analysiert werden, nichts darf mehr einfach unerklärlich bleiben).
In diesen Büchern wird die ganze Zeit geredet und es darf keine Missverständnisse geben, blinde und überwältigende Liebe oder gar Eifersucht schon gar nicht.
Manchmal mag ich sie ja auch, diese zuckrigen Bücher mit den super "gesunden" Beziehungen (was ist überhaupt "gesund" und wer entscheidet das?) und ich finde es so wichtig, dass Consent immer größer geschrieben wird.
Aber mir fehlen ein bisschen die Grautöne und die negativen Aspekte der Liebe oder von Beziehungen, die es ja nun mal auch gibt. Darum passt der Titel des Buches so gut, denn ich denke mir bei vielen Romanzen immer häufiger: schön, dass ihr die ganze Zeit redet, es keine Missverständnisse gibt, niemand eifersüchtig ist, aber... ich fühl's nicht.
Manchmal darf es eben auch um dysfunktionale Beziehungen gehen, um Leidenschaft, die mich an den Nägeln kauen lässt und um eine Liebe, bei der ich nicht weiß, ob ich nun will dass die beiden zusammen sind oder nicht (am Ende will ich es, weil es eben nur fiktive Figuren sind). Solange das nicht als super romantisches Liebesbuch vermarktet wird, sondern eindeutig ist, dass es so im echten Leben eher nicht laufen sollte (außer man steht drauf), bin ich dabei!

Ich lese außerdem tatsächlich meistens Romanzen, die im 19. Jahrhundert spielen und Strömquist hat mir die Augen für den Grund geöffnet. Ich dachte immer, es geht um meine Abneigung gegen Instagram und Facebook und Starbucks und diese ganzen nervigen popkulturellen Anspielungen (Harry Potter hier, Star Wars da, Oreos sind soooo lecker, hast du mir 'nen Soja Latte mitgebracht, blabla) und ja, das spielt natürlich auch eine Rolle. Tatsächlich scheint der Hauptgrund aber eben die Rollenverteilung zu sein und ich mag einfach diese emotionalen Männer, die so gerne heiraten/zusammen sein möchten, Briefe und Tagebuch schreiben, schick angezogen sind, den Hof machen, zu ihrem Wort stehen (müssen) usw.
Das war für mich alles wieder so eine Offenbarung!

Es geht außerdem darum, dass wir uns Partner:innen mittlerweile nach bestimmten Eigenschaften und Kriterien aussuchen wie eine Ware. Früher hatte man nur ganz wenig Menschen zur Auswahl (was auch blöd war), heute kann man dank Internet und Mobilität aus den Vollen schöpfen. In heutigen Beziehungen geht es eher um uns selbst als um die andere Person. Wir möchten von dieser gespiegelt werden. Geliebt werden ist wichtiger als lieben und "zu sehr" lieben ist auch nicht gerne gesehen. Grade Frauen dürfen nicht "needy" rüberkommen, sondern müssen immer cool, lässig und unabhängig sein - auch dann, wenn sie das so vielleicht nicht fühlen.

Das Tolle ist, dass Strömquist nicht behauptet, alles zu wissen. Sie schreibt immer wieder, dass sie sehr stark verallgemeinert, dass es auch Ausnahmen gibt, dass auch alles ganz anders sein kann etc. Es geht eben nur um Theorien. Und sie macht deutlich, dass "damals" natürlich trotzdem nicht alles besser war, weil Frauen eben kaum Rechte hatten. Sie gibt einfach nur Denkanstöße, die ich super interessant finde. Und dafür gibt es fünf Sterne!

*Ich bin nicht unbedingt immer der Meinung von Eva Illouz. Ich mag ihre Kritik am Wellness-, Achtsamkeits- und Therapiewahn, stimme ihr aber zum Beispiel überhaupt nicht in dem zu, was sie über "50 Shades of Grey" geschrieben hat. Da lag sie für mich meilenweit daneben und auch genrell: in Sachen Liebe bin ich wirklich nicht immer bei ihr. Aber ich finde Liv Strömquists Interpretationen ihrer Ansichten spannend!

Kommentare: 4
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Rezension zu "I'm every woman" von Liv Strömquist

Einfach genial
Elenchen_hvor 3 Monaten

Welche Adjektive mir sofort einfallen, wenn ich an "I'm every woman" denke? Humorvoll, sarkastisch, kreativ und vor allem: provokant! Liv Strömquist hat es auch mit diesem Comic wieder geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen und meinen Horizont um ein paar wichtige Aspekte zu erweitern.


Dieses mal geht es um das männlich Genie oder besser gesagt darum, dass die meisten Menschen bei diesem Wort nur an männliche Persönlichkeiten denken. Aber wer hätte gedacht, dass Albert Einstein seine Frau Mileva Marić, die mit ihm zusammen die meiste Forschung betrieben hat, einfach mal aus seinen Aufzeichnungen strich und so alleine die ganzen Lorbeeren eingesackt hat? Oder dass der ach so gefeierte Elvis Presley seine jugendliche Frau Priscilla Presley auf seinem riesigen "Graceland"-Anwesen isoliert und fast schon wie eine Gefangene hielt? Diese beiden Genies reihen sich ein in ein Ranking der schlechtesten Liebhaber aller Zeiten.


Strömquist beleuchtet in "I'm every woman" aber nicht nur die Frauen vermeintlicher männlicher Genies sondern setzt sich auch mit den Kindern als angeblich größte Bereicherung der Frau sowie der Verdrängung frauenzentrier Religionen durch die großen Religionen unserer Zeit (z. B. das Christentum) auseinander.


Sei es nun Yoko Ono oder Jenny Marx - in diesem Comic erhalten beeindruckende Frauen im Vergleich eher weniger beeindruckender Männer ihre Stimme. Dabei sind die Zeichnungen von Strömquist wieder gewohnt einfach und auch lustig gehalten, größtenteils schwarz-weiß, dieses mal aber auch mit einigen farbigen Abbildungen.


Ich bin mal wieder begeistert von Liv Strömquists Art, die Dinge darzustellen und auszudrücken und freue mich schon auf ihre anderen bereits erschienenen Comics. Es ist einfach ein riesen Vergnügen, ihre Werke zu lesen! (5 / 5 ⭐)

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Rezension zu "Ich fühl’s nicht" von Liv Strömquist

Einfach genial
Elenchen_hvor 3 Monaten

Leonardo DiCaprio hat in den letzten Jahren vor allem auch damit Schlagzeilen gemacht, dass er gefühlt alle paar Monate ein anderes Sports-Illustrated-Model datete. Ziemlich sprunghaft, unser Leo, oder? Aber wieso ist das überhaupt so? Warum flattert Leo wie ein Vögelchen von Frau zu Frau, ohne je sesshaft zu werden? Liv Strömquist nutzt dieses Beispiel als Aufhänger für ihren Comic "Ich fühl's nicht" - und ich sage ganz bewusst "Beispiel", denn mal ehrlich: Flatterhaftigkeit und Sich-nicht-festlegen-Wollen ist derzeit scheinbar tatsächlich ziemlich im Trend bei Beziehungen.


Um zu ergründen, weshalb die Liebe zu Zeiten des Spätkapitalismus und Individualismus oft mehr einem Konsum als einem leidenschaftlichen, alles über den Haufen werfenden Gefühl gleicht, zieht Liv Strömquvist gleichermaßen Persönlichkeiten wie die Soziologin Eva Illouz und den Philosophen Byung-Chul Han sowie Stars wie Beyoncé heran. Dabei mischt sie auf unvergleichliche Weise zum Schreien komische Zeichnungen mit dem ein oder anderen Zeitungsartikel. Dieser Mix hat mir richtig gut gefallen.


Die Autorin zeigt auf, dass auch heute mal wieder die Frauen die schlechteren Karten in der Beziehung haben, wenn auch auf eine verdrehte und ganz andere Weise als noch vor 150 oder gar 1000 Jahren. Die Vergleiche sind ihr sehr gut gelungen und ich konnte viele Denkansätze und neues Wissen aus dem Comic ziehen. Spannend fand ich auch die kurzen Auszüge aus der griechischen Mythologie.


Wissen und Information gepaart mit Witz und einer guten Prise (oder doch eher ein paar große Kochlöffel voll?!) Kritik ergaben für mich ein perfektes feministisches Comic-Erlebnis. Ich kann den Comic sehr empfehlen und mal ehrlich - wer auf die Idee kommt, Jabba The Hutt auf eine Seite mit Miraculix dem Druiden zu bringen, kann einfach nur genial sein! Ich vergebe 5 / 5 Sternen.

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