Liv Strömquist

 4.8 Sterne bei 17 Bewertungen

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Liv StrömquistDer Ursprung der Welt
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Der Ursprung der Welt
Der Ursprung der Welt
 (10)
Erschienen am 01.03.2017
Liv StrömquistDer Ursprung der Liebe
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Der Ursprung der Liebe
Der Ursprung der Liebe
 (7)
Erschienen am 01.02.2018

Neue Rezensionen zu Liv Strömquist

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Rezension zu "Der Ursprung der Welt" von Liv Strömquist

Eine Kulturgeschichte zum Aufwachen
MadameFlamussevor 7 Monaten

Dieses Buch ist ein echtes Wunder und ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich hab mich mit Weiblichkeit schon viel beschäftigt, auch mit dem biologischen Wissensstand, aber in diesem Buch habe ich soviel neues aus der Geschichte erfahren, soviel Wissenswertes und wie ich finde sehr wichtiges für das Selbstverständnis von uns Frauen Menschen mit Vulvas. Was nicht heißt das dieses Buch nur für Frauen  Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen wäre, ganz im Gegenteil.

Im Ursprung der Welt geht es um das weibliche Geschlechtsorgan, vordergründig.

Vagina, Vulva, Vulvina… usw. Es geht um viele durchgedrehte Männer die leider viele Unwahrheiten und Märchen verbreitet haben. Es geht um wissenschaftliche Entdeckungen, Machtverhältnisse, Sprache, Biologie, historisches und so vieles mehr. Und natürlich ganz explizit auch um das weibliche Geschlechtsorgan bis ins Detail. einfach wunderbar. Ich liebe dieses Buch.

Die Autorin und Illustratorin Liv Strömquist hat wirklich aus den hintersten Ecken Wissen zusammengetragen und ganz wunderbar in Szene gesetzt, witzig, auf den Punkt, schräg, extrem unterhaltsam und aufklärend. Kauft dieses Buch – Ihr werdet staunen, lest es und verschenkt es an Alle, unbedingt.

Da hat der Avant-Verlag wirklich ein Händchen gehabt. Im Anhang wird Frau Strömquist als feministische Comiczeichnerin dargestellt. Das würde ich jetzt gar nicht so unbedingt hervorheben, nicht alles was sich mit Themen der Weiblichkeit auseinandersetzt ist gleich feministisch. Allerdings kannte ich die Künstlerin bisher auch nicht, naja sie ist auch aus Schweden, ich kann also nicht allzuviel dazu sagen.

Mir gefällt diese Kulturgeschichte aufjedenfall extrem gut, auch das daß Thema Menstruation ein Kapitel bekommen hat finde ich Klasse, und ebenso die Hinterfragung unserer zweigeschlechtlichen Welt. Ziemlich spannend das Ganze. Und eine große Freude. Selten hat mich ein Comic dermaßen begeistert.

Was ich mich frage ist, wie ist das mit einer Übersetzung bei Comics? Die ganzen Texte müssen ja neu formatiert werden. Ob die Handschrift der Künstlerin dann als Schrift angelegt wird…?


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MadameFlamusses avatar

Rezension zu "Der Ursprung der Liebe" von Liv Strömquist

Liv Strömquist zum Zweiten
MadameFlamussevor 7 Monaten

Nach dem wunderbaren, einzigartigen und extrem empfehlenswerten Comic „Der Ursprung der Welt“ zur Kulturgeschichte der Vagina legt Liv Strömquist nach! „Der Ursprung der Liebe“ heißt der neue Titel. Hammerharte Lektüre. Mir blieb doch manches Mal die Luft weg beim Lesen, und ich brauchte echt Pausen um den Inhalt stückchenweise zu verarbeiten. Einfach phänomenal, wenn man Dinge liest, die man sich auch schon oft gedacht hat, oder jemand sehr ähnliche Fragen stellt, wo man sich sonst recht allein fühlt mit seinen Ansichten. Aber auch ganz schön heftig wie es zu rattern anfängt bei so mancher Theorie, über die Liebe, das Verhalten in Partnerschaften, also Beziehungen zwischen zwei Menschen, hier vornehmlich Mann und Frau.
Bekannte Paare müssen herhalten, was sehr schlau ist, denn sie geben wunderbare Beispiele ab für alle möglichen „Fehl“tritte, und Liv zeigt uns eine ganze Menge, was so schief laufen kann.
Wie ist das mit der Liebe? Alles Biologie? Oder soziale Konstruktion?
Wir treffen Diana und Charles, Britney Spears und ihren Ehemann, Mr Big und Carrie aus „Sex in the City“ und noch viele viele andere Paare. Bekannt und unbekannt.
Hier merke ich, wie sich meine Auffassung stark unterscheidet – je nachdem ob Bauch oder Kopf grad involviert sind.
Mehr als einmal bleibt einem der Mund offenstehen, denn Liv haut echt so einige krasse Punkte raus, über die sich, glaube ich, so zumindest noch keiner getraut hat zu reden. Wie z.B. die Thematik, daß selbst die furchtbarsten Männer, auch wenn sie Pflegefälle sind, viel jüngere und sehr liebevolle oder zumindest fürsorgliche Frauen bei sich haben. Was im Umkehrschluss kaum vorkommt. Wusstet ihr, daß Nancy Reagan ihren dementen Mann noch bis zum Ende pflegte? Oder auch Hemingway (sehr tragische Familie die Hemingways), der von seiner 4. Ehefrau lange Jahre betreut wurde. Was bringt nur all die Frauen dazu? Der krasseste hier aufgezählte Fall ist Oona Chaplin, viele Jahre (36) jünger als Charles, pflegte ihn über 30 Jahre lang… wow!

Das Buch ist 130 Seiten stark. Viel Inhalt, unterteilt in einige Kapitel, die aber recht fließend ineinander übergehen. Im ersten Kapitel geht es zuerst um Fernsehserien, die allen den gleichen Klischees folgen und so ein Rollenverständnis fabrizieren/wiederholen, was sich eben durch diese Serien und ihre Zuschauer extremst potenziert. Auch dadurch, daß darüber gelacht wird. Wenn man, gerade als Frau da mal genau hinschaut, sag ich nur: Wut ahoi!

Warum landen wir in solchen Arrangements? Sprich Paarbeziehungen und Ehen. Diese sind oft sehr sehr einseitig und immer wieder ähnlich aufgeteilt. In Frauen die Fürsorge geben und Beziehungsarbeit leisten und Männer, die da sind, aber weder das gleiche tun, noch groß etwas eigenes wirklich in die Beziehung einbringen, und nennen das dann Liebe? Ich denke wir werden es alle kennen. Auch wenn es natürlich positive Ausnahmen gibt.

Ich habe mich in den letzten Jahren oft gefragt was eigentlich Liebe wirklich ist. Heute sage ich: Echte Liebe gibt es für mich nur an ganz wenigen Stellen – die Liebe eines Kindes was seine Eltern bedingungslos liebt kann ich z.B. nur noch biologisch betrachten – es ist und bleibt ein hochabhängiges Verhältnis, denn das Kind ist  angewiesen auf die Zuwendung, um zu überleben -, …. denn das was wir gemeinhin Liebe nennen, hat meist viel mehr mit Erwartungen und Bedürfnissen zu tun. Oder, wie Liv eben auch aufzeigt, mit Biologie und Prägung, und nicht mit Freiheit.
Echte Liebe basiert aber auf Freiheit. Wir in unserem Zeitalter, die wir an die Liebesheirat glauben, und viele Menschen viel Energie und Geld investieren in dieses ominöse Liebesding – so von wegen „du bist mein ein und alles“ (Hilfe!), hören sowas natürlich nicht gern. Erst macht dich die Biologie schwach und dann springt deine soziale Konditionierung an. Wie oft geht es z.B. um Macht?
Wo mir das schon immer arg aufgestoßen hat, das ist die Popkultur – diese ganzen Songs und Bücher, in denen sich alles um die eine wahre Liebe dreht, sind für mich nur verstörende Versionen symbiotischer Abhängigkeiten. Und mir ging das schon in meinen 30ern mega auf den Senkel. Drama Drama und alle finden es toll. Auch darauf geht die Autorin ein. Und ja, na klar ist richtiger Liebeskummer total beschissen und schlimm, aber sehr wahrscheinlich gar nicht mal so wegen dieser anderen Person.

Liv Strömquist erklärt uns das alles, auch warum Mädchen auf Typen stehen, die sich nicht für sie interessieren und Jungs eher kein Interesse haben feste Beziehungen einzugehen. Nur kurz dazu: Drama bauscht schön auf – ich denke auch das kennt fast jede*r. Was das alles mit Sexualität zu tun hat? Auch das wird erklärt. Es geht um das Konstrukt der Ehe durch die verschiedenen Zeitalter, um Selbstbestimmung bzw. eben keine Selbstbestimmung, Eifersucht, Gewohnheitsrechte. Alte Freiheiten und neue Erfindungen. Liv erklärt uns kurz das Patriarchat und was Liebe mit Marktwirtschaft, Macht und Religion zu tun hat, sehr genial! Augenöffnend! Die Dekonstruktion dessen, was gemeinhin als Liebe verstanden wird …und findet dann doch zum Schluß etwas Versöhnliches. Und wünscht uns viel Glück.

Ja es gibt eine Menge zu bedenken, vieles zu hinterfragen und es heißt den vielleicht schon gespürten Zweifeln wirklich Raum zu geben und sich dann etwas Zeit zu nehmen das alles auch zu verdauen. Dieses Paarkonstrukt ist wirklich eine recht unglückliche Erfindung, vor allem für Frauen. Chuck Spezzano sagte schon so schön: „Wenns wehtut ist es keine Liebe!“ Also Achtung.

Wer weiß, vielleicht gehts ja dann im nächsten Buch um das Scheitern der Idee der Kleinfamilie, auch ein echt wichtiges Thema, das im Untergrund schon länger gärt. Wir werden sehen  Jetzt erstmal ran an den „Ursprung der Liebe“.

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liberiariums avatar

Rezension zu "Der Ursprung der Welt" von Liv Strömquist

Der Ursprung der Welt
liberiariumvor einem Jahr

PLOT


Das weibliche Geschlechtsorgan steht im Vordergrund der Kulturgeschichte: von der biblischen Erzählung von Adam und Eva bis hin zu Kontroversen aus der heutigen Zeit rund um die Menstruation. Was genau ist eigentlich „das weibliche Geschlechtsorgan“ und warum ist die Gesellschaft auch heute noch so verklemmt, wenn es um das Thema der Sexualität geht? Der Ursprung der Welt untersucht Mythen aus der Antike, der Steinzeit und lässt auch nicht die psychologischen Betrachtungen von Siegmund Freud aus.



MEINUNG


Ich habe Der Ursprung der Welt in der Verlagsvorschau des avant-Verlags entdeckt und war sofort hin und weg, nachdem ich den Klappentext näher betrachtet hatte. Weil ich mich auf einen neuen feministischen Comic sehr gefreut habe, durfte dieser natürlich nicht in meiner Sammlung fehlen! 

Anfänglich war ich beim ersten Blick in den Comic ziemlich erstaunt: so viele Worte, so wenig Bilder im Kontrast dazu. Für einen Comic nicht gerade typisch, möchte man meinen. Die Schrift ist handgelettert und hat damit einen ganz eigenen Charakter. Manchmal ist sie grob, manchmal ganz fein und zart, je nachdem, was das Panel ausdrücken möchte. 

Allerdings handelt es sich bei Der Ursprung der Welt auch nicht gerade um einen klassischen Comic. Liv Strömquists Werk wird auf den ersten Seiten von einer Erzählerin begleitet. Die Figur leitet den Leser in das Buch ein und präsentiert im ersten Abschnitt Männer, die sich viel zu sehr für das weibliche Geschlechtsorgan interessieren. So seien sie nämlich das Problem der Verklemmtheit in der Gesellschaft oder die Tatsache, dass alles rund um das weibliche Geschlechtsorgan unangenehm sei. Direkt zu Beginn wird der Leser durch diesen Fingerzeig auf der humoristischen Ebene angesprochen. 
In einem weiteren Kapitel wird das weibliche Geschlecht näher betrachtet. Dabei werden nicht nur Mythen aufgeklärt, das weibliche Geschlechtsorgan wird auch näher definiert. Wie wird es in der Kultur dargestellt? Was genau ist der Orgasmus, die Menstruation und die Schwangerschaft und warum gab es vor allem in der Medizin früher viel zu viele irreführende Antworten darauf?
Besonders gut gefiel mir die „Eva erzählt“-Episode, in der Eva Geschichten aus dem Alltag satirisch erzählt. Manchmal glaubt man, ihre Anekdoten stammen wahrhaftig aus einer Teenie-Zeitschrift oder dem Trash-TV, anders kann man sie sich oft gar nicht erklären. 

Dabei verwendet die Autorin wissenschaftlich belegte Fakten, Daten oder Informationen, die man sogar in angefügten Fußnoten entnehmen kann. Beim Lesen des Comics störten mich manchmal die Fußnoten, doch immerhin sind sie wichtig für die Quellenverweise. Ein Verzeichnis am Ende des Titels hätte vermutlich durch das Hin- und Herblättern den Lesefluss gestört. 

Gerade der wissenschaftliche Aspekt lässt sich wunderbar mit dem Humor im Comic verbinden. Dadurch habe ich nicht nur etwas Neues gelernt, sondern hatte auch noch unterhaltsame und wirklich lustige Lesestunden. Die Lektüre war für mich recht schnell beendet, obwohl das Text-Bildverhältnis nicht immer typisch comichaft war. 

Ich hätte mich gefreut, wenn der gesamte Titel koloriert worden wäre. So sind nur einige Seiten, wie beispielsweise die Eva-Auszüge farbig, die anderen Kapitel sind meist in Schwarz und Weiß gehalten, manchmal findet sich ein Tupfer Rot, beispielsweise um die Bedeutung der Menstruation oder ähnlichem Ausdruck zu verleihen. Das Farbspiel ist auf jeden Fall gelungen – und durch das Schwarz-Weiße konzentriert sich der Comic eher auf die Fakten als auf die Bilder. 



FAZIT


Der Ursprung der Welt ist ein humoristisches Abenteuer aus der Faktenwelt des weiblichen Geschlechtsorgans und hat dadurch Potential zur Schullektüre im Biologie-Unterricht. Ich habe nicht nur sehr oft über die raffinierte Sprache und die witzig in Szene gesetzten Bilder gelacht, denn ich habe auch einiges durch den Comic gelernt. Wer sich weiter in der Materie informieren will, hat auch gleich die zahlreichen Fußnoten zur Verfügung. Obwohl der Comic nicht vollständig koloriert ist und ich anfänglich erschrocken vom Bild-Text-Verhältnis war, hat mir die Lektüre unheimlich gut gefallen. Der Ursprung der Welt von Liv Strömquist aus dem avant-Verlag war für mich ein absolutes Lese-Highlight und hat daher von mir fünf von fünf möglichen Lesebrillen erhalten.

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