Liv Winterberg

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Interview mit Liv Winterberg

Interview zwischen LovelyBooks und Liv Winterberg // Juni 2011

1) „Vom anderen Ende der Welt“ ist ihr Debütroman! Wie kam es denn von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung beim dtv-Verlag?

Schon immer fand ich den Gedanken reizvoll, selbst zu schreiben - aus diesem Grund habe ich auch Germanistik studiert, um zu erfahren, eben aus wissenschaftlicher Sicht, wie andere Autorinnen und Autoren ihre Texte verfassen. Nach dem Studium habe ich bei einer Filmproduktionsfirma gearbeitet und habe mich dort, in der Praxis sozusagen, mit der Stoffentwicklung befasst. Begleitend habe ich eine Drehbuchfortbildung gemacht, und mir noch weiteres praktisches Handwerkszeug zugelegt. Kaum war diese beendet, habe ich die Arbeit am Roman begonnen. Natürlich hatte ich mich schon eine Weile mit der Frage befasst, worüber ich gern schreiben würde und merkte, dass mich Themen interessierten, die einen realen historischen Hintergrund haben. Bei meinen Recherchen stieß ich dann zufällig auf Jeanne Baret und war sofort von ihrem Mut beeindruckt, davon, welchem Risiko sie sich für ihre Berufung ausgesetzt hat. Insgesamt hat es dann gut drei Jahre in Anspruch genommen, aus der Idee einen Roman entstehen zu lassen. Als das Manuskript fertig war, hat die Agentin es angeboten und dtv war sofort interessiert.Wenn ich dann endlich am Schreibtisch sitze, darf der Kaffee nicht fehlen. Das Schreiben an sich ist mit einer hohen Konzentration verbunden, zumindest für mich, so dass ich immer wieder kleinere Pausen einlege. Und auch hier, in diesen kleinen wunderbaren Momenten des Nichtstun, mache ich das, was die meisten in solchen Situationen gern machen: im Internet herumsurfen, telefonieren oder noch eine weitere Tasse Kaffee holen. Natürlich gibt es ergänzende Rechercheausflüge, die meine Arbeit am Schreibtisch unterbrechen und in Bibliotheken, Museen oder zu Treffen mit Experten führen, aber alles in allem ist das Schreiben eine sehr unaufgeregte Tätigkeit, was ich sehr schätze.

2) Die junge Mary Linley bereist in ihrem Buch die ganze Welt. Sind Sie an all diesen Orten selbst gewesen oder kommt Ihnen hier Ihr Beruf als Rechercheurin zugute?

Leider war es mir nicht möglich, für „Vom anderen Ende der Welt“ einmal um die Welt zu reisen, was ich aber sehr gern getan hätte. Dementsprechend habe ich für meine Recherchen alles zur Informationsbeschaffung herangezogen, was denkbar war. Da das Themenspektrum im Roman sehr breit ist, habe ich beispielsweise zu den Themen der Entdeckungsfahrten, Botanik, Heilkunde und des Schiffsbau regelrechte Bücherberge gelesen. Ich bin in Museen und den Botanischen Garten gegangen, hier in Berlin haben wir ja eine große Auswahl, habe Filme und Dokumentationen angeschaut, Reiseführer verschlungen und Zeitungen durchforstet, die das eine oder andere Thema aufgriffen. Hierbei war es mir wichtig, ergänzend Experten zu Rate zu ziehen, die mir Fragen beantworteten, zum Teil haben sie den ganzen Roman gegengelesen. Ich hatte unter anderem eine Expertin für Botanik, eine für Medizin und einen Experten für die Seefahrt im 18. Jahrhundert. Für einzelne Spezialfragen habe ich dann oft herumtelefoniert, um diese zu klären: Um beispielsweise zu erfahren, wie ein Mensch aussieht, der sich erhängt hat, habe ich einen Freund befragt, der bei der Kriminalpolizei arbeitet. Um zu erfahren, wie man eine Schulter seinerzeit eingerenkt hat, musste wiederum ein Chirurg Frage und Antwort stehen. Das, was ich jetzt hier beschreibe, ist die Spitze des Eisberges. Um es nach dieser Ausführung kurz zu fassen: Ja, ich denke, dass mir meine Erfahrungen als Rechercheurin bei der Arbeit am Roman zu gute kamen, vor allem, weil ich einfach leidenschaftlich gern in mir unbekannte Themen eintauche und so „neue Welten“ erschließe.Insgesamt glaube ich, dass ich wenig Schwierigkeiten mit kritischen Anmerkungen habe. Schon während ich den Roman geschrieben habe, begleiteten mich viele Testleser, die mir Feedback zu den unterschiedlichsten Arbeitsständen gegeben haben. Das war ein sehr ehrlicher Austausch, der den Roman, mein Schreiben und auch mein Verständnis davon, wie ich mit Kritik umgehe, erweitert bzw. weitergebracht haben.

3) Wie dürfen sich die Leser Ihren Alltag als Autorin vorstellen?

In jedem Fall sehr unspektakulär und sehr viel normaler als vielleicht so mancher annimmt, denn mein Alltag unterscheidet sich wenig von dem anderer. Das Kind will in den Kindergarten, der Einkauf muss erledigt werden und das Steuerbüro benötigt Unterlagen, die ich noch zusammensuchen muss. Wenn ich dann endlich am Schreibtisch sitze, darf der Kaffee nicht fehlen. Das Schreiben an sich ist mit einer hohen Konzentration verbunden, zumindest für mich, so dass ich immer wieder kleinere Pausen einlege. Und auch hier, in diesen kleinen wunderbaren Momenten des Nichtstun, mache ich das, was die meisten in solchen Situationen gern machen: im Internet herumsurfen, telefonieren oder noch eine weitere Tasse Kaffee holen. Natürlich gibt es ergänzende Rechercheausflüge, die meine Arbeit am Schreibtisch unterbrechen und in Bibliotheken, Museen oder zu Treffen mit Experten führen, aber alles in allem ist das Schreiben eine sehr unaufgeregte Tätigkeit, was ich sehr schätze.

5) Sie haben sich für Ihre Hauptdarstellerin das 18. Jahrhundert ausgesucht. Würden Sie mit ihr tauschen wollen oder wann und wo hätten Sie vielleicht gerne mal gelebt?

Dafür bin ich viel zu neugierig. Wenn ich die Möglichkeit hätte, vergangene Zeiten zu besuchen, würde ich gern alles sehen, auch wenn das dauern würde. Sei es die Steinzeit, ein Besuch bei den Ägyptern, ein kleine Visite im Römischen Reich oder ein Ausflug zu den Wikingern, bevor ich mich dem Frühen Mittelalter zuwenden und durch die einzelnen Epochen gehen würde, wobei ich dann hier noch die Kontinente und in Europa zumindest die einzelnen Länder bereisen müsste. Eine Präferenz hätte ich da nicht, auch nicht für das 18. Jahrhundert und leben möchte ich ohnehin in der Gegenwart.

4) Bei Portalen wie LovelyBooks wird den Lesern die Möglichkeit gegeben direkt mit den Autoren Kontakt aufzunehmen und sich auszutauschen. Dies bietet Platz für Lob, aber auch für Kritik – wie gehen Sie damit um?

Wichtig ist es, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn meiner Meinung nach gibt es zwei Möglichkeiten, Kritik zu äußern: konstruktiv und destruktiv. Eine Rezension, die gut argumentiert und erläutert, was gelungen ist und was vielleicht auch nicht, ist sehr wichtig. Hieraus kann ich Anregungen für den weiteren Schreibprozess mitnehmen. Insgesamt glaube ich, dass ich wenig Schwierigkeiten mit kritischen Anmerkungen habe. Schon während ich den Roman geschrieben habe, begleiteten mich viele Testleser, die mir Feedback zu den unterschiedlichsten Arbeitsständen gegeben haben. Das war ein sehr ehrlicher Austausch, der den Roman, mein Schreiben und auch mein Verständnis davon, wie ich mit Kritik umgehe, erweitert bzw. weitergebracht haben.

6) Was lesen Sie denn selbst gerne bzw. gibt es ein aktuelles Lieblingsbuch, das Sie den Lesern empfehlen würden?

Derzeit sitze ich an einem Krimi, auf den ich mich schon lange gefreut habe: Das neue Buch von Jussi Adler-Olsen. Mir gefallen seine ersten beiden Bücher sehr, und „Erlösung“ ist bisher, ich bin noch im vorderen Drittel, wieder arg spannend. Meiner Meinung nach braucht ein Buch die richtige Stimmung, um gelesen zu werden: Will ich jetzt Spannung, möchte ich in andere Zeiten abtauchen, will ich intellektuell angeregt werden oder ist mir nach einer romantisch unterhaltenden Lektüre. Danach entscheide ich, was ich lese und im Stapel ungelesener Bücher findet sich meist das passende Werk. Insofern lässt sich die Frage, was ich generell gern lese, schwer beantworten.

7) Gibt es schon Pläne für einen weiteren Roman?

Ja, ich sitze bereits an einem zweiten Roman, seit über einem Jahr. Es wird wieder ein Historischer Roman, und er wird im 15. Jahrhundert in der Bretagne spielen. Sehr viel mag ich dazu aber noch nicht sagen, weniger aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich weiß, wie sehr sich ein Projekt bei aller Vorplanung doch im Arbeitsprozess noch verändern kann.