Lauter Fremde!: Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht

von Livia Klingl 
4,5 Sterne bei11 Bewertungen
Lauter Fremde!: Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht
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Der Inhalt des Buches: Viele verschiedenen Menschen werden befragt, was für sie "fremd" bedeutet. Ein oft sehr emotionales Potpourri!

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Ein Plädoyer für ein positives Miteinander. Ich hoffe, dass es viele Menschen lesen werden. Es hilft zu verstehen, sich selbst und andere.

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Inhaltsangabe zu "Lauter Fremde!: Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht"

Ein Riss geht durch das Land. Auf der einen Seite stehen jene, die für mehr Miteinander, mehr Solidarität, mehr Offenheit eintreten. Auf der anderen jene, die zurück möchten in die „gute, alte Zeit", als es noch keine Globalisierung gab, keine Flüchtlinge und keine Angst vor sozialem Abstieg. Die Bruchlinien gehen quer durch die Familien, sogar Freundschaften zerbrechen daran. Warum ist heute eine aggressionslose Kommunikation darüber kaum mehr möglich? Warum werden Flüchtlinge zum Sündenbock gestempelt für alles, was schiefläuft in diesem Land? In ihrer Analyse greift Livia Klingl die Vorurteile auf, sortiert sie und zeigt: Die Flüchtlingsfrage ist oft nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Problemen nicht beschäftigen zu müssen. Mit 21 Menschen hat Livia Klingl Interviews zum Thema Fremdheit und Fremdsein geführt. Entstanden sind 21 Porträts, die zeigen, welch vielfältiges Mosaik unsere Gesellschaft ist. Unter den Interviewten sind: Muna Duzdar, Lojze Wieser, Hannah Lessing, Nina Kusturica, Silvana Meixner, Klaus Oppitz, Johannes Voggenhuber.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783218010740
Sprache:Deutsch
Ausgabe:E-Buch Text
Umfang:208 Seiten
Verlag:Verlag Kremayr & Scheriau
Erscheinungsdatum:27.01.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    awogflis avatar
    awogflivor einem Jahr
    Fremdsein

    Die ersten 30 Seiten, die der Feder der Autorin entstammen, sind wirklich schwer zu ertragen, denn Livia Klingl geriert sich mit der Lanze der moralischen Rechtschaffenheit bewaffnet, auf die strohdumme männliche unmenschliche Landbevölkerung herabzublicken, nein noch schlimmer sie zu verunglimpfen.

    „Verkannt werden die tektonischen Linien entlang derer die Gesellschaft auseinanderbricht. Sie tut es nicht an der Linie Alteingesessene versus neu Hinzugekommene sondern eher entlang der städtischen und der ruralen Bevölkerung, zwischen jungen wenig gebildeten Männern und gebildeteren Frauen, zwischen weltoffenen Menschen und Abschottungswilligen, zwischen Humanisten und Egoisten, Menschenfreunden und Fremdenfeinden.“

    Dieses eine Beispiel von mehreren muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen, da wird einerseits larmoyant in einem Satz der Zusammenbruch des gesellschaftlichen Zusammenhalts beklagt und gleichzeitig der alleinige Schuldige identifiziert und gebasht, der männliche rurale dumme Höhlenmensch.

    Dass diese Sicht der Dinge, sofern man tatsächlich an der Lösung der Probleme interessiert ist, genauso wenig zielführend wie rechte Hetze ist, versteht sich für einen denkenden und ausgewogen formulierenden Journalisten, der ausnahmsweise gerade bei diesem Thema von billiger Polemik die Finger lassen sollte, von selbst, vorausgesetzt es ist nicht das einzige Ziel, sich selbst moralisch zu überhöhen und zu beweihräuchern. So eine tendenziöse, schlecht recherchierte Auslegung mag bei einem Kaffee in kleiner Runde mit Gleichgesinnten, durchaus noch diskutabel sein, denn weniger gebildete Menschen sind mitunter möglicherweise tatsächlich in jede Richtung leichter beeinflussbar, es ist aber einer Journalistin, die ein Buch mit Öffentlichkeitswirksamkeit schreibt, absolut nicht würdig.

    Vor allem weil diese Aussage auch noch von ihren Kausalitäten total falsch ist. Frau Klingl hätte sich mal weniger bei irgendwelchen Moralphilosophen aufhalten, sondern gleich einen Ausflug in die psychologische Wissenschaft machen sollen. Im Eugene Hartley-Experiment wurde empirisch bewiesen, dass bei der Bewertung von Menschen die Informationslage eine wesentliche Rolle in der Entstehung von Vorurteilen spielt und dies quer durch alle Klassen, sozialen Schichten, Hautfarben, religiösen Ausrichtungen, ethischen Erziehungen etc. Fazit dieses Experiments war: Je weniger wir über einen Sachverhalt oder eine Person wissen, desto kritischer stehen wir den unbekannten Inhalten oder Personen gegenüber. Dies bedeutet, dass die urbanen gut gebildeten Städter lediglich aufgrund ihrer Infrastruktur und der Gelegenheit, reale Erfahrungen in ihrem sozialen Umfeld mit Flüchtlingen zu sammeln, eine bessere Meinung von ihnen haben. Dies erklärt auch, dass jene am meisten Angst und Vorurteile haben, die noch nie einen Flüchtling gesehen haben. Die moralische Überlegenheit der Menschenfreunde, ist also nur in der Gelegenheit begründet, Flüchtlinge kennenzulernen, etwas Fremdes vorerst abzulehnen, ist nur zutiefst menschlich, in allen sozialen Gruppen. Was bedeutet dies aber für die Landbevölkerung?

    Ich möchte mal die aktuelle Situation mit einer Flüchtlingsintegrationswelle, die ich selbst erlebt habe und die sowohl zahlenmäßig ähnlich als auch weitaus erfolgreicher absolviert wurde, vergleichen. Ab 1991 haben wir in Österreich ohne viele Reibungsverluste sehr viele Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien aufgenommen. Was war damals anders?

    Die Flüchtlinge waren nicht gar so fremd, da schon viele Österreicher Erfahrungen mit Jugoslawen im Urlaub gemacht haben. Deshalb plädieren auch sehr viele anerkannte Migrationsexperten dafür, Flüchtlinge in Nachbarländern zu integrieren und dafür Gelder locker zu machen. Es ist schlicht und ergreifend einfacher. Die Kampagne damals lautete „Nachbar in Not“. Diese Formulierung nahm auch viel von der Fremdheit. Es gab tatsächlich damals auf dem Land eine bessere Flüchtlingsinfrastruktur, da die katholische Kirche sehr viele im Sinne der Nachbarschaft in die Klöster, Pfarrhäuser und Pfarrgemeinden geholt hat. Diesmal fühlt sich die Kirche durch die Muslime oft nicht zuständig und auch nicht mehr im Stande, da in den letzten Jahren viele Klöster zu Luxus-Management- oder Fastenunterkünften umgewandelt wurden.
    Was kann man daraus lernen?  Man muss die Landbevölkerung schon dort abholen, wo sie sich befindet. Und ich meine nun nicht emotional in ihrer Xenophobie und ihren Ressentiments, sondern am Ort an dem sie sich befinden, um sie mit Flüchtlingen in ihrem vertrauten Umfeld bekannt zu machen. In den Landdörfern gibt es eben keine Caritas und kein Rotes-Kreuz oder sonstige zivilgesellschaftliche Initiativen, sondern nur die Kirche, die Feuerwehr und die Bürgermeister, die aktiv etwas dafür tun könnten. In Landgemeinden, in denen sich die Bürgermeister aktiv um Integration kümmern, funktioniert es ja sogar teilweise ausgezeichnet. Es funktioniert ja sogar in Traiskirchen besser als in einigen Gemeinden des Waldviertels. Sowas ähnliches hätte Frau Klingl schreiben sollen, anstatt die männliche Landbevölkerung zu verteufeln, aber da mache ich ja grad ihre Arbeit.

    „Ähnlich unsachlich wie die Kopftuchdebatte verläuft jene, über die Gesichtsverschleierung der Frau beginnend mit dem Umstand, dass Burka genannt wird, was ein Niqab ist.“

    Ui ist das putzig, wenn man anderen Unsachlichkeit vorwirft und selbst überhaupt nicht unterscheiden will, dass es früher mehrere Möglichkeiten gab, als Muslima ein Kopftuch zu tragen, und man heute fast nur noch die Art des politischen Kopftuchs sieht, das jener der Wahabiten (Saudis) entspricht, und das wirklich sehr stark zugenommen hat. Alle jene Arten, bei denen man ein Fitzelchen von den Haaren sah, wurden in den letzten 20 Jahren massiv in der muslimischen Welt zurückgedrängt. Auch hier wird von der Autorin nicht auf die prinzipielle faire Diskussionsmöglichkeit der Abschaffung von allen religiösen Symbolen in der österreichischen Öffentlichkeit und im öffentlichen Dienst verwiesen, sondern das „Kopftuch" ist laut Frau Klingl auf jeden Fall von den Frauen freiwillig getragen, und sakrosankt - wer hier wagt, etwas anders zu behaupten, steht eh schon wieder im Eckerl der so verachteten Rechten oder der ängstlichen Dummköpfe. Ach ja und das Kopftuch ist laut ihrer Meinung ein Ausdruck von Tradition und nicht von Religion. Ich weiss nicht, ob sie in den 70er Jahren mal nach Ägypten, in den Iran oder nach Afghanistan geschaut hat - da gab es teilweise gar keine Kopftücher. So weit zur Tradition früherer Zeiten.

    Man kann dann richtig froh sein, dass ab Seite 50 nur mehr andere Personen durch Interviews zu Wort kommen, um sich als Österreicher mit Migrationshintergrund aber auch als Vorarlbergerin mit Oberösterreichhintergrund mit der eigenen Identität des Fremd-Seins auseinanderzusetzen. Hier wird das Buch richtig gut, sehr durchdacht meist sehr persönlich wertschätzend, um auf die Integrationsprobleme von vielen Menschen aufmerksam zu machen. Diese wohltuende Entwicklung ist aber den großartigen Interviewpartnern und nicht der Autorin zu verdanken.

    Leider kommt selbstverständlich die im Vorwort so gebashte Bevölkerungsgruppe der ruralen schlechter gebildeten Männer in den Interviews wieder nicht zu Wort. Und ich rede da nicht von rechten Hetzern, denen man keine Plattform geben darf, aber von Männern, die durchaus selbstkritisch und reflektiert ihre Ängste artikulieren können, denn auch die gibt es genauso zuhauf, wie nicht alle muslimischen Männer potenzielle Vergewaltiger sind. Leider ist die Frau Klingl da mal wieder nicht von ihrem hohen Ross der moralischen Überlegenheit heruntergestiegen und hat, wie sie es der Landbevölkerung bezüglich der Flüchtlinge oktruiert, ihren Allerwertesten aus Wien herausbewegt um sich ins Fremde zu begeben und die Landbevölkerung mit Ihren Infrastrukturproblemen und Ängsten kennenzulernen. Tja ändern müssen sich dann immer die anderen - gell? Und das Hartley-Experiment hat auch ihr Verhalten bestätigt.

    Fazit: Für wen soll das Buch überhaupt sein? Eine moralische Stütze für die moralisch überlegenen Menschenfreunde? Die sind eh schon überzeugt. Rechten Hetzern, die schon komplett in die Szene hineingekippt sind, ist nur mit breiter gesellschaftlicher Ächtung beizukommen, die sind für diese Informationen auch verloren. Also sollte sich das Sachbuch doch tatsächlich an die Ängstlichen wenden. Die hat Frau Klingl aber schon bereits ab Seite 20 das erste Mal zum dummen Sündenbock abgestempelt. Die werden hier sicher nicht mehr weiterlesen, denn so blöd, wie sie glaubt, sind sie dann auch nicht.
    Das ist sehr kontraproduktiv und bedauerlich, denn die Interviewpartner mit Migrationshintergrund in diesem Buch kennenzulernen, würde möglicherweise wirklich einiges von der Angst nehmen.

    Zu meiner Person, damit hier keine Missverständnisse auftreten, ich könnte mich irgendwie auf den Schlips getreten fühlen und deshalb so argumentieren:
    Ich habe großväterlicherseits keine Migrations- sondern sogar eine Flüchtlingsbiografie, aber das ist schon 102 Jahre her. Wenn Du mich in eine Gruppe Syrer stellst, kannst Du mich optisch nicht leicht rausfinden Ich bin sehr gut gebildet und weiblich, mein Mann ist auch Akademiker Ich wohne so richtig am tiefsten Land und weiß, wovon ich spreche, meine Freunde sind zwar nahezu alle gut ausgebildet, aber ich bin natürlich alltäglich, wenn ich nur 10 Meter rausgehe, mit dieser „pösen männlichen Landbevölkerung“ konfrontiert. Ich bin Österreicherin, Feministin, Links und selbstverständlich sehr gerne Teil der Zivilgesellschaft. Ich stehe dafür, dass wir die Pflicht haben, die Flüchtlinge zu versorgen. Ich stehe dafür, ängstlichen schlecht gebildeten Menschen auf dem Land, die nicht hetzen, ihre Angst zu nehmen und sie zu überzeugen, anstatt sie zu diffamieren und zu verspotten.

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    Bücherwurms avatar
    Bücherwurmvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Der Inhalt des Buches: Viele verschiedenen Menschen werden befragt, was für sie "fremd" bedeutet. Ein oft sehr emotionales Potpourri!
    Was ist "fremd"?

    "Lauter Fremde" lautet der Titel des Sachbuches von Livia Kling, das mich mit dem Untertitel "Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht" einen ganz anderen Inhalt vermuten ließ.
    Ich dachte an einen psychologischen Abriss darüber, wie sich die Kräfte einer Gesellschaft verhalten, was ist Gesellschaft?, welche Kräfte zerstören den Zusammenhalt und wann und wo ist geschichtlich ein Beispiel?
    Dies hatte ich erwartet, auch nach dem interessanten Vorwort.
    Aber, es ist doch ein ganz anderes Buch, sehr interessant und mit jedem Kapitel interessanter werdend: Die Autorin hat Politiker, Einwanderer, Verfolgte, Flüchtlinge und interessante Persönlichkeiten rund um und in Österreich gefragt, was für diese das Wort "fremd" bedeute.
    Die Antworten sind bunt, sehr persönlich, oft sehr emotional, stark subjektiv eingefärbt, aber immer bereichernd!
    Ausgehend von der sehr aktuellen neu entdeckten Ausländerfeindlichkeit aufgrund der "Massen" an Flüchtlingen, wie uns einschlägige Presse ja panisch fast täglich unterbreiten, hat das Buch sehr interessante Aspekte über unsere eigene Herkunft, unseren Mangel an Kompetenz und Selbstbewusstsein und unser Angstverhalten.
    Ich fürchte nur leider, auch dieses Buch wird vermutlich nicht von den Panikmachern und den kopflosen Hinterherschreiern gelesen, die ihre Inkompetenz auch gerne weltweit mittels Hasstiraden verbreiten.
    Dennoch oder gerade auch deswegen möchte ich Mut machen, dieses Buch zu lesen! 
    Ich fand es kurzweilig, interessant, durchaus spannend, emotional und wissenswert. Ich werde es sicherlich noch mehrmals lesen.
    Vielen Dank, für eine solche Idee!



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    saeskis avatar
    saeskivor 2 Jahren
    Wir müssen lernen, uns gegenseitig zu verstehen

    Klappentext:
    Ein Riss geht durch das Land. Auf der einen Seite stehen jene, die für mehr Miteinander, mehr Solidarität, mehr Offenheit eintreten. Auf der anderen jene, die zurück möchten in die „gute, alte Zeit", als es noch keine Globalisierung gab, keine Flüchtlinge und keine Angst vor sozialem Abstieg. Die Bruchlinien gehen quer durch die Familien, sogar Freundschaften zerbrechen daran. Warum ist heute eine aggressionslose Kommunikation darüber kaum mehr möglich? Warum werden Flüchtlinge zum Sündenbock gestempelt für alles, was schiefläuft in diesem Land? In ihrer Analyse greift Livia Klingl die Vorurteile auf, sortiert sie und zeigt: Die Flüchtlingsfrage ist oft nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Problemen nicht beschäftigen zu müssen. Mit 21 Menschen hat Livia Klingl Interviews zum Thema Fremdheit und Fremdsein geführt. Entstanden sind 21 Porträts, die zeigen, welch vielfältiges Mosaik unsere Gesellschaft ist.

    Die Autorin geht in diesem Buch dem Gefühl des „Fremd sein“ nach und analysiert auf nüchterne Weise, woher die Angst vor dem Unbekannten kommt und wie unterschiedlich Menschen mit diesem Thema umgehen.
    Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin die Gegenwart und wie die Flüchtlingskrise unsere Gesellschaft prägt. Sie bringt Beispiele von Hass Postings aus den sozialen Netzwerken, die wir alle in ähnlicher Form schon einmal gelesen haben und die mir persönlich wirklich Angst machen.
    Livia Klingl erklärt in klaren und nüchternen Worten, dass uns Dinge nur als bedrohlich erscheinen, weil sie uns nicht vertraut sind. Was der Mensch nicht kennt, ist meistens erst mal negativ. Das kennen wir alle, auch aus dem Alltag.
    Gleichzeitig verdeutlicht sie, welch sicheres und wohlhabendes Leben wir führen und dass Menschen fliehen, weil sie sich dieses Leben wünschen. Sie wünschen sich Freiheit, Demokratie und Sicherheit. Sie sind Menschen, wie wir, mit dem Unterschied, dass uns ihre Sitten, ihre Sprachen und vielleicht ihr Aussehen und Verhalten (noch) nicht vertraut sind.

    Der zweite Teil des Buches besteht aus 21 Portraits von in Österreich lebenden Personen, die ihre Geschichte erzählen. Der Begriff „Fremd“ wird somit ganz unterschiedlich definiert und bringt den Leser dazu, die eigenen Gedanken zu diesem Thema zu reflektieren. Die persönlichen Berichte sind unheimlich interessant und an manchen Stellen auch schwer zu fassen. Ich konnte sie nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern musste zwischendurch immer wieder innehalten, um über das Gelesene nachzudenken. Die Portraits sind in einem journalistischen Stil geschrieben.

    Ich bezeichne mich selbst als einen weltoffenen und sehr toleranten Menschen. Dieses Buch hat mir aber auch einen anderen Blickwinkel aufgezeigt und dazu geführt, dass ich bei negativen Kommentaren über „die Fremden in unserem Land“ nicht einfach wütend werde, sondern versuche die Gründe für dieses Verhalten und die Angst zu verstehen. Wie die Autorin auf S. 17 ganz treffend schreibt: „Eine indifferente Stellung zu den Fragen der Flüchtlingskrise ist fast nicht mehr möglich, Grautöne fehlen vollkommen im Diskurs, ebenso wie Fachwissen (...)“.
    Die Diskussion wird auf beiden Seiten sehr einseitig geführt, weshalb die Kluft größer wird und das Verständnis auf beiden Seiten immer mehr schrumpft. Toleranz ist in jeglicher Form wichtig. Ich glaube, dass wir alle nur noch in unserer eigenen Blase leben. Wir hören die Meinung, die wir haben, verfolgen Medien mit dieser Meinung und haben Freunde, die so denken wie wir. Wir wundern uns, warum Trump gewählt wurde, denn wir kennen niemanden, der das getan hätte. Wir glauben nicht, dass es in Deutschland starken Rassismus gibt und dann bin ich schockiert, wenn mir eine schwarze Bekannte erzählt, dass sie als Kind im Bus von älteren Jugendlichen auf den Boden getreten wurde.
    Unser Miteinander, egal in welcher Form, leidet in der heutigen Zeit enorm und der Fremdenhass wird dadurch nur verstärkt. Es kann nicht nur schwarz und weiß geben. Jeder Mensch ist anders. Verallgemeinerungen und Vorurteile bringen uns in keiner Weise nach vorn. Das muss uns allen klarwerden und dort müssen wir ansetzen. Wir müssen uns verstehen. Nicht nur das Unbekannte aus anderen Ländern, sondern auch das Fremde im eigenen Land. Wir müssen lernen, die Angst zu verstehen, denn nur so können wir sie bekämpfen. Ich denke dafür liefert das Buch einen sehr guten Beitrag.

    Ich kann es sehr empfehlen, dass Buch zu lesen. Mir haben die analytische Herangehensweise und das Beleuchten der Thematik aus verschiedenen Perspektiven sehr gefallen. Die Autorin schafft es, nüchtern und doch fesselnd Erklärungen für das Gefühl der Fremdheit zu geben. Der Schreibstil war flüssig zu lesen. Die Portraits zeigten ganz unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Erlebnissen und Meinungen. Dadurch hat sich ein sehr differenziertes Gesamtbild ergeben. Ich persönlich hätte mir aber einen anderen Stil bei den Portraits gewünscht. Die journalistische Beschreibung war für mich an einigen Stellen etwas zu distanziert.

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    MelaKafers avatar
    MelaKafervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Plädoyer für ein positives Miteinander. Ich hoffe, dass es viele Menschen lesen werden. Es hilft zu verstehen, sich selbst und andere.
    Ein Plädoyer für ein positives Miteinander

    Livia Klingl hat Interviews mit 21 Menschen geführt, die alle über ihr Empfinden von Fremdheit und Fremdsein berichten. 21 Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die auch das fremd sein völlig unterschiedlich bewerten. Sie kamen als Flüchtlinge, oder vor Jahren mit ihren Eltern in ein fremdes Land oder sie leben mit einer Behinderung.  Jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte, eigene Träume und Wünsche. Es gibt nicht den Flüchtling, den Fremden, den Behinderten. Jede einzelne Person ist ein Individuum. Jeder ist gleichwertig, aber nicht gleich.
    Was unsere Gesellschaft spaltet, ist die unterschiedliche Bereitschaft, sich auf neues einzulassen. Fremd ist nur, was man nicht kennt. Und das macht einem Angst. Parteien, wie z.B. der Front National in Frankreich und die AfD in Deutschland spielen mit den Unsicherheiten und Ängsten der Menschen, manipulieren sie mit Fehlinformationen und heizen so die Fremdenfeindlichkeit an.
    Livia Klingl analysiert sehr ausführlich, was in ihrem Land Österreich schief läuft und das ist auch 1:1 umsetzbar auf Deutschland und viele anderen europäische Länder.
    Ein wichtiges Buch, von dem ich hoffe, dass es viele Menschen lesen werden. Es hilft zu verstehen, sich selbst und andere.

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    pageturner211s avatar
    pageturner211vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Flüchtlinge sind nicht gleich Flüchtlinge, aber immer Menschen.
    Nichts ist so, wie es scheint.

    Lauter Fremde von Livia Klingl

    Der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht anscheinend an der Flüchtlingsfrage. Es ist noch gar nicht so lange her, als die Bundesregierungen bestritten, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei, obwohl die Bevölkerung es längst besser wusste. Weil es offiziell geleugnet wurde, konnten keine ausreichenden Strukturen personeller oder räumlicher Art aufgestellt werden.
    Erst auf Druck der Bevölkerung ist eine politische Debatte entstanden, die von der Schere zwischen armen und reichen Bürgern handelt, der ungerechten Steuerprogression, die exorbitanten Boni der oft auch illegal handelnden Manager, der abgehängten Bürger in den östlichen Bundesländern, die Bevorzugung der Stätde gegenüber den ländlichen Regionen, das Kaputtsparen sämtlicher Bereiche der Infrastruktur.

    Alles Probleme, die trotz Sonntagsreden wohl noch lange bleiben werden. Ausgerechnet die, die für den Zusammenhalt der Gesellschaft verantwortlich sind, vertreten genau das Gegenteil und zeigen, dass Solidarität immer nur für andere gilt. So wie z.B. das Land Bayern, nach Jahrzehnten der finanziellen Abhängigkeit von anderen Ländern, nun Klage gegen die Verteilung eingereicht hat, als es selbst auch einmal solidarisch werden sollte. Es gäbe noch weitere Beispiele.

    Von vielen Deutschen wird gerne verdrängt, dass es schon immer zur Erziehung von Mädchen gehörte, sie vor dunklen Ecken und Wegen zu warnen. Durch sachfremde Darstellungen werden Menschen verunsichert. Es wird nicht nur zugelassen, dass sich unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche in der Flüchtlingsfrage gegenüberstehen, sondern es wird durch fehlende Kommunikation der verantwortlichen Politiker weiterer Raum für immer neue spaltende Situationen gegeben. Rechte erschaffen sich durch Populisten eine Scheinwelt, um sich selbst quasi die Erlaubnis für Übergriffe zu geben. So, wie schon einmal in unserer Geschichte. Es wird die eigene Kultur, die Religion hoch gehalten, obwohl sich schon lange vorher die Zahlen der Austritte bei Parteien, Verbänden und Vereine erhöhten und sich die Abkehr von der Kirche generell beschleunigt hatte.

    Alles nahm ihren Anfang in den USA. Bei den unüberlegten Anweisungen der amerikanischen Regierungen an ihre Banken zur Absenkung der Bonitätsprüfungen, weil möglichst viele US-Bürger ein eigenes Haus besitzen sollten. auch wenn sie es sich überhaupt nicht leisten konnten. Daraus entwickelte sich die Immobilienblase, die der Bankenkrise zugrunde lag. Da manche europäische Staaten zur gleichen Zeit zu Sparhaushalten gezwungen wurden, konnten sie der Bankenkrise nichts mehr entgegen stellen. Sie rutschten in die Staatskrisen.

    Als letztes Rad in dieser Verkettung trifft es die Flüchtlinge. Sie haben mit all dem nichts zu tun, können sich aber nicht wehren und sind dadurch die idealen Sündenböcke.

    Der erste Teil des Buches stellt in gut gewählten Worten die allgemeine Flüchtlingssituation dar. Es ist so geschrieben, dass es für die, die sich erstmals mit der Thematik befassen, nicht zu schwierig ist und für die anderen nicht etwa langweilig wird. Im zweiten, größeren Teil, kommen Betroffene zu Wort.

    Es ist der Autorin gelungen, eine gute Mischung zu Wort kommen zu lassen. Unterschiedliche Flüchtlinge zu unterschiedlichen Zeiten mit unterschiedlichen Problemen. Manchmal Probleme, die so noch nicht thematisiert wurden.

    Auch wenn es aus österreichischer Sicht geschrieben wurde, braucht es bloß eine Änderung der Ortsnamen, um auch in Deutschland zu passen. Es ist ein Buch, das ich gerne überall empfehlen werde, denn es wiegelt nicht auf, sondern stellt dar und lässt Betroffene zu Wort kommen.

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    S
    Sanya03vor 2 Jahren
    Regt zum Nachdenken an

    Ein Buch, dass wirklich zum Nachdenken bringt. Ein Buch, dass man nicht einfach so am Stück lesen kann, weil man immer wieder hängen bleibt. An einem Schicksal, dass einen sehr berührt. An einer Weltsicht, die so klar und offen ist, dass man sich einfach nur freut, dass es Menschen gibt, die der Welt so begegnen können. Aber auch an einer Weltsicht, die einen sprachlos zurücklässt, weil man sie nicht nachvollziehen kann. Livia Klingl hat mit diesem Buch etwas geschaffen, was in letzter Zeit meiner Meinung nach zu kurz gekommen ist. Sie hat den Menschen eine Stimme gegeben, die wirklich betroffen sind, die selbst geflohen sind, die die Situation kennen. Die Menschen, die am meisten zu sagen haben und doch am wenigsten zu Wort gekommen sind in der hitzigen und radikalen Diskussion der letzten Monate. Ein wichtiges Werk, ohne Schnörkel, aber mit tollen Formulierungen, das zeigt, dass Menschen hinter dem Begriff Flüchtling stehen, die uns sehr ähnlich sind und mit denen wir uns sehr gut identifizieren können.

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    fasersprossevor 2 Jahren
    Was ist uns fremd und welche Auswirkung hat das auf uns?

    Wie wir „die Fremden“ wahrnehmen und wie sich unsere Gedanken und Handlungen darauf ausrichten beschreibt uns die Autorin in der umfassenden Einleitung. Sie zeigt Missstände im Land auf und beleuchtet Vorurteile. Und sie geht der Frage nach, ob Angst und Aggressionen gerechtfertigt sind.


    Im zweiten Teil kommen 21 Menschen aus unterschiedlichen Altersstufen zu Wort, die aus verschiedenen Gründen in Österreich eine neue Heimat gesucht und gefunden haben. Auch dadurch, dass diese Menschen unterschiedlich alt waren, als sie ins Land kamen, kann man einen ausführlichen Eindruck ihrer Erfahrungen gewinnen. Die Interviews machen deutlich, was als fremd wahrgenommen wird und wie die Reaktionen darauf sind.


    Für mich ist das ein sehr gelungenes Buch. Die Interviews haben mir ausgezeichnet gefallen. Ob aus Unwissenheit oder bewusst, es ist schlimm, wie teilweise mit Menschen umgegangen wird. Bewundernd finde ich, wenn die Menschen ihre Hoffnung, ihren Mut, ihre Liebe und ihren Humor behalten. Beides liest sich aus diesen Berichten.


    Die volle Bewertungspunktzahl kann ich nur aus dem einen Grund nicht vergeben, weil mir in der Einleitung stellenweise der „Ton“ nicht gefallen hat.

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    grit0707s avatar
    grit0707vor 2 Jahren
    "Lauter Fremde!" - Ein Buch zum Nachdenken und auch Überdenken

    Klappentext
    Ein Riss geht durch das Land. Auf der einen Seite stehen jene, die für mehr Miteinander, mehr Solidarität, mehr Offenheit eintreten. Auf der anderen jene, die zurück möchten in die „gute, alte Zeit“, als es noch keine Globalisierung gab, keine Flüchtlinge und keine Angst vor sozialem Abstieg. Die Bruchlinien gehen quer durch die Familien, sogar Freundschaften zerbrechen daran. Warum ist heute eine aggressionslose Kommunikation darüber kaum mehr möglich? Warum werden Flüchtlinge zum Sündenbock gestempelt für alles, was schief läuft in diesem Land? In ihrer Analyse greift Livia Klingl die Vorurteile auf, sortiert sie und zeigt: Die Flüchtlingsfrage ist oft nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Problemen nicht beschäftigen zu müssen.
    Mit 21 Menschen hat Livia Klingl Interviews zum Thema Fremdheit und Fremdsein geführt. Entstanden sind 21 Porträts, die zeigen, welch vielfältiges Mosaik unsere Gesellschaft ist.

    Meine Meinung
    Ich wollte dieses Buch gerne lesen, da derzeit die Flüchtlingsthematik in aller Munde ist und jeder dazu seinen eigenen Standpunkt vertritt. Doch aus welcher Sicht vertreten wir denn diesen Standpunkt und was sind tatsächlich die Hintergründe? Livia Klingl hat in ihrem Buch Menschen befragt und die verschiedenen Sichtweisen aufgezeigt. Vieles bringt einen dazu die eigene Meinung zu überdenken und sich den verschiedenen Situationen zu stellen. Z.B. wie würde ich selbst reagieren, wenn ich eine lange Reise antreten müsste, da die Zustände im eigenen Land nicht mehr tragbar sind? Auch die verschiedenen Kulturen werden aufgezeigt und dass Kommunikation miteinander mehr hilft als ein Verurteilen im Vorfeld. Abgesehen davon hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Das Buch lässt sich flüssig lesen und ist verständlich geschrieben.

    Mein Fazit
    Ein Buch, dass nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern Hintergründe aufzeigt und für ein besseres Miteinander eintritt. Das hat mir sehr gut gefallen und ich würde mir wünschen, dass viele Menschen dieses Buch lesen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. 

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    Anteks avatar
    Antekvor 2 Jahren
    „Nichts ist so fremd, wie das Eigene, das anders tickt als man selbst!“

    Es vergeht leider kein Tag mehr, an dem ich keine unreflektierten und boshaften Hetzparolen in unserer Gesellschaft vernehme. Gerade auch in den „anonymen“ sozialen Medien werden Beschimpfungen von Flüchtlingen immer häufiger und unverfrorener und der Ruf nach der guten alten Zeit immer lauter. Das macht mir zeitweise richtig Angst und ich war deshalb sehr neugierig auf dieses Buch.

    Warum werden Flüchtlinge zum Sündenbock gestempelt für alles, was schiefläuft in diesem Land? In ihrer Analyse greift Livia Klingl die Vorurteile auf, sortiert sie und zeigt: Die Flüchtlingsfrage ist oft nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Problemen nicht beschäftigen zu müssen, wenn überhaupt war sie höchstens Auslöser dafür, dass in unserer Gesellschaft längst schwelende Konflikte ans Tageslicht treten. Zudem beschäftigt sich mit dem Begriff „Fremd“, den man nicht an der Nationalität ausmachen kann, da er so viel Verschiedenes bedeuten kann.

    Wie sollen die so genannten kleinen Leute erkennen und verstehen, dass nicht die vielen Fremden, sondern andere Einflüsse wie Globalisierung und ihre schwer zu durchschauenden Mechanismen zu viel Unsicherheit führen“, wenn die Politik und die Medien penetrant und permanent auf dem „Flüchtlingsthema“ herumreitet? Ich denke das ist eine wichtige Frage, die sich die Autorin in ihren einleitenden Worten stellt. Teilweise mit einem leicht ironischen Unterton, gibt sie jede Menge Denkanlässe indem sie sich Gedanken zu bösen und guten Fremden, Ländern und Sitten, der Definition von „fremd“, Hasspostings oder auch dem Kulturkampf mit Kleidungsstücken macht. Sushi, obwohl japanisch, ist längst nicht mehr wegzudenken, Touristen stets willkommen, kurbeln sie doch die Wirtschaft an, warum aber sind Menschen, die wir gar nicht kennen, pauschal nicht willkommen?

    Ihre eigenen Gedanken ergänzt die Autorin mit 21, alphabetisch angeordneten Porträts, die zeigen, welch vielfältige Auslegung es von „Fremdheit“ gibt. Die Bandbreite der Befragten erstreckt sich dabei über Flüchtlinge aus den unterschiedlichsten Ländern, Einwanderern aus früheren Jahren, Überlebenden des 2. Weltkrieges, Menschen mit Migrationshintergrund, Ärzte, Journalisten und auch Politikern. Die Menschen erzählen von ihren Traditionen, Beweggründe der Flucht werden dargestellt und auch ihre Probleme, die sie bei der Ankunft und beim Leben im ihnen „fremden“ Land haben, werden nicht ausgelassen. Auffallend ist sicher, dass ein jeder  von ihnen den Begriff „fremd“ anders definiert. Aber was für einen Menschen fremd ist, ist schließlich ja auch abhängig von der Sozialisation eines jeden einzelnen.

    „Integrieren muss man sich jeden Tag, nicht nur als Ausländer.“, ohne geht es auch in der Familie und im Freundeskreis nicht. „Zugehörigkeit ist ebenso wie das Fremdheitsgefühl unabhängig von Pass und Geburtsort.“ Fremd kann auch der alteingesessene „Nachbar sein, der andere Werte vertritt und vor anderen Dingen Angst hat.“ Das sind nur zwei der zahlreichen wertvollen Botschaften, die in diesen Interviews zu finden sind.

    Die Autorin war selbst mehr als 20 Jahre lang Kriegs- und Krisenberichterstatterin, ist selbst viel gereist und den Menschen offen und neugierig begegnet, sicher eine wichtige Voraussetzung um sich unvoreingenommen diesem Thema zu widmen. Auch wenn Livia Klingel von Österreich schreibt und Menschen, die dort leben, interviewt hat, denke ich, dass sich dies auch auf die angrenzenden Länder nahezu vollständig übertragen lässt. Ein Riss geht durch die Gesellschaft, die „Flüchtlingsfrage“ spaltet die Bevölkerung in Gutmenschen und jene, die zurück möchten in die „gute, alte Zeit". Ein Trend nach rechts ist in gut wie allen europäischen Ländern auszumachen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

    Ganz besonders gut gefällt mir der lockere, leicht verständliche Sprachstil der Autorin. Zu diesem Buch kann jeder interessierte Leser, ganz unabhängig von der Schulbildung, greifen. Dies ist meiner Meinung nach gerade deshalb so wichtig, weil den so genannten kleinen Leuten, zumindest möglichst vielen von ihnen, die Augen zu öffnen, dass nicht „die Flüchtlinge“ selbst schuld an ihrem Dilemma sind, mit Sicherheit sehr viel bewirken kann.

    Alles in allem kann ich dieses Buch nur wirklich jedem empfehlen und ich würde mir wünschen, dass ihre Botschaft „Ob Menschen mit den Fingern essen, oder Messer und Gabel benutzen, ob das Brot in Fladen- oder Laibform gebacken wird, ob man Gott, Allah, Jahwe oder (…)sagt, unterscheidet uns Menschen weit weniger als der Charakter, die Talente, die geistigen Fähigkeiten und die Herzensbildung!“ bei möglichst vielen ankommt.

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    camilla1303s avatar
    camilla1303vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wir alle sind Bausteine im vielfältigen Mosaik unserer Gesellschaft
    Was es heißt fremd zu sein

    „Lauter Fremde!: Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht“ von Livia Klingl ist 2017 im Verlag Kremayer & Scheriau erschienen und gibt anhand von 21 Portraits Einblick darauf, was es heißt fremd zu sein, welche Vorurteile wir gegenüber „Fremden“ haben und wie unterschiedlich „fremd sein“ wahrgenommen wird.

    Die Autorin war selbst mehr als 20 Jahre lang Kriegs- und Krisenberichterstatterin und arbeitete 9 Jahre lang als Leiterin des Außenpolitikressorts in der österreichischen Tageszeitung „Kurier“. Es verwundert also kaum, dass die einzelnen Interviews journalistischen Charakter haben, vorweg sollte jedoch gesagt werden, dass es sich bei den einzelnen Portraits ausschließlich um Menschen handelt, die in Österreich leben, weshalb das Buch für Leser aus anderen Ländern vielleicht weniger interessant erscheinen mag.

    „Ein Riss geht durch das Land. Eine aggressionslose Kommunikation darüber, wie wir Fremde aufnehmen, die zu uns kommen und bleiben wollen, ist kaum mehr möglich.“, so die Inhaltsangabe des Buches. Für mich immer wieder erschreckend, dass man sich als „Helfender“ rechtfertigen muss, warum man hilft. Das Buch regt zum Nachdenken an und lässt den Leser seinen eigenen Bezug zum Thema fremd sein reflektieren! Ich würde mir wünschen, dass mehrere Menschen das Buch lesen und sich darauf besinnen, dass man wieder miteinander spricht und diskutiert, anstatt aufeinander loszugehen. Die Welt besteht nicht aus Schwarz und Weiß, nicht nur aus dem linken und dem rechten Lager. Wir alle sind unterschiedliche Menschen und jeder für sich ein Baustein im vielfältigen „Mosaik unserer Gesellschaft“.

    Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und volle Punktzahl. Wie so viele Bücher aus dem Verlag Kremayer & Scheriau ist „Lauter Fremde!“ aktuell, gut recherchiert und übermittelt politisches Geschehen verständlich an den Leser. Ich würde mir auch von Livia Klingl noch mehr Bücher wünschen, da ich ihren Schreibstil sehr mag.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Worum geht's?

    Ein Riss geht durch das Land. Auf der einen Seite stehen jene, die für mehr Miteinander, mehr Solidarität, mehr Offenheit eintreten. Auf der anderen jene, die zurück möchten in die „gute, alte Zeit“, als es noch keine Globalisierung gab, keine Flüchtlinge und keine Angst vor sozialem Abstieg. Die Bruchlinien gehen quer durch die Familien, sogar Freundschaften zerbrechen daran.
    Warum ist heute eine aggressionslose Kommunikation darüber kaum mehr möglich? Warum werden Flüchtlinge zum Sündenbock gestempelt für alles, was schief läuft in diesem Land? In ihrer Analyse greift Livia Klingl die Vorurteile auf, sortiert sie und zeigt: Die Flüchtlingsfrage ist oft nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Problemen nicht beschäftigen zu müssen.

    Mit 21 Menschen hat Livia Klingl Interviews zum Thema Fremdheit und Fremdsein geführt. Entstanden sind 21 Porträts, die zeigen, welch vielfältiges Mosaik unsere Gesellschaft ist. Unter den Interviewten sind: Muna Duzdar, Lojze Wieser, Hannah Lessing, Nina Kusturica, Silvana Meixner, Klaus Oppitz, Johannes Voggenhuber.


    Livia Klingl

    geboren 1956 in Wien, mehr als 20 Jahre Kriegs- und Krisenberichterstatterin vom Balkan über Afghanistan bis Irak, Iran und Libanon, neun Jahre Leiterin des Außenpolitikressorts im Kurier und Buchautorin. Österreichischer Staatspreis für „publizistische Leistungen im Interesse der Geistigen Landesverteidigung“ im Jahr 2000, wohnt als passionierte Realistin (Eigendefinition) in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus, dem Bezirk mit der niedrigsten Kaufkraft und dem höchsten Ausländeranteil.


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