Lady Bag

von Liza Cody 
4,3 Sterne bei12 Bewertungen
Lady Bag
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Gulans avatar

Eine Obdachlose als Hauptfigur eines Krimis: Sehr originell, witzig, aber immer hintergründig.

guybrushs avatar

Eins der schönsten Bücher, die ich gelesen habe und eine wirklich ernst gemeinte Leseempfehlung.

Alle 12 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Lady Bag"

Sie ist die Frau ohne Gesicht. Manche beleidigen sie, manche ignorieren sie. Manche geben etwas. Manche nur wegen des Hundes an ihrer Seite.
Sie ist die Frau ohne Gesicht, die genau weiß, wie die Straßen von London riechen.
Eines Abends läuft ihr in der Innenstadt der Teufel persönlich über den Weg. Statt sich zu verstecken, beschließt sie ihn zu beschatten: Sie will wissen, wo er wohnt. Eine Entscheidung, die schwerwiegende Folgen hat.
Sie erwacht mit zertretenem Kopf in einem Krankenhausbett und wird mit einem fremden Namen angesprochen. Anscheinend hält man sie für eine gewisse Natalie Munrow, deren Handtasche sie bei sich hat.
Bei erster Gelegenheit nimmt sie Reißaus und taucht ab. Was allerdings gar nicht so leicht ist, wenn man auf der Straße lebt und einem aus allen Zeitungen das eigene lädierte Gesicht entgegenblickt!
Dann stellt sich heraus, dass die wahre Natalie Munrow ermordet wurde …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783867542227
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:300 Seiten
Verlag:Argument Verlag mit Ariadne
Erscheinungsdatum:01.11.2014

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,3 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne7
  • 4 Sterne3
  • 3 Sterne1
  • 2 Sterne1
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Gulans avatar
    Gulanvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine Obdachlose als Hauptfigur eines Krimis: Sehr originell, witzig, aber immer hintergründig.
    London Calling

    Wenn du es keine Sekunde länger aushalten kannst, gehst du, und damit machst du dich „freiwillig obdachlos“. Und wisst ihr was? Es ist eine Erlösung. Du bist ganz unten angekommen. Es gibt kein weiteres Fallen. Du kannst endlich aufhören, krampfhaft um den Wiedereintritt in die Gesellschaft zu kämpfen, und dich ganz aufs Überleben konzentrieren. […] Hoffnung ist die große Blenderin. Sie flüstert dir ins Ohr und hält dich in der Tretmühle. […] Es ist der Kampf ums Normalsein, der dich wahnsinnig macht. Hör auf zu kämpfen, sage ich, hör auf zu hoffen und lerne überleben. Gib die Hoffnung auf und lege dir einen Hund zu. Das ist die einzige Selbsthilfelektion, die ich euch geben kann. (S.13-14)

    Eine namenlose Obdachlose mitten in London: Sie bettelt und schnorrt sich durchs Leben. Durch einen Zufall trifft sie auf den Mann, der ihren tiefen Fall ausgelöst hat. Gram Attwood, für sie nur „der Teufel“, hat sich offenbar ein neues Opfer gesucht. Er spaziert mit einer gutsituierten Frau am Arm vorbei. Die „Baglady“ nimmt die Verfolgung auf, mit der Absicht, die Frau vor dem „Teufel“ zu warnen. Dies misslingt und die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten.

    Liza Cody verwendet in ihrem Kriminalroman „Lady Bag“ eine sehr ungewöhnliche Hauptfigur: Eine Londoner Obdachlose, die mit ihrem Greyhound Elektra durch die Straßen zieht. Eine wahrer Glücksgriff, denn die Geschichte um die Pennerin, deren Namen Angela wir erst ganz spät durch die Polizei erfahren, bietet definitiv einen der originellsten und erfrischendsten Plots seit langem.

    Ich bitte um Geld, ja, das tue ich, aber ihr könnt ja einfach weggehen. Ich bin ja nicht das Finanzamt, keiner zwingt euch, mir Almosen zu geben. Und ihr habt vollkommen recht – ich werde es immer fürs Saufen ausgeben. Denn Saufen ist verlässlich: Es hält mich warm, es hilft mir zu schlafen, es gibt mir den Schmackes, den ich brauche, um einen weiteren Tag durchzustehen, ohne von der Brücke zu springen (S.186-187)

    Die Ich-Erzählerin ist eine typische Pennerin, Leute, denen wir selbst auf der Straße wahrscheinlich aus dem Weg gehen. Sie bettelt, schnorrt, stiehlt, stinkt und säuft wie ein Loch. Und doch schließt der Leser sie schnell in sein Herz, denn bei aller Ruppigkeit und Unnahbarkeit spürt man den moralischen Menschen. Sie erzählt uns die Geschichte ihres Falls in die Obdachlosigkeit mit einem tiefen Hass auf Gram Attwood, dem Mann der ihre Hörigkeit schamlos ausgenutzt hat – ohne allerdings ihre abgrundtiefe Naivität zu verschweigen. Doch diese Naivität hat sie auf der Straße abgelegt, sie weiß sich zu behaupten und ist eigentlich ziemlich clever – wenn da nicht der verdammte Rotwein wäre. An ihrer Seite ist Elektra, die sie für ihre lakonischen, selbstreflektorischen Selbstgespräche nutzt. Im Laufe der Handlung gesellt sich der/die Transsexuelle Schmister dazu, auch er ein Gescheiterter, aber er hält die oberflächliche Fassade aufrecht und sich von der ganz schmutzigen, harten Gosse fern. Die beiden bilden ein ungleiches, aber nach und nach immer vertrauteres Duo und liefern sich höchst amüsante, bissige Dialoge.

    Die Autorin gibt in ihrem Roman einen authentischen und unverklärten Einblick in das Leben Obdachloser, eine Psychostudie einer Illusionslosen und liefert außerdem auch noch einen echten Kriminalroman ab. Den Höhepunkt bietet kurz vor Ende das grandioseste Polizeiverhör, das ich je gelesen habe. Ein wirklich toller Roman.



    Kommentare: 12
    64
    Teilen
    guybrushs avatar
    guybrushvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eins der schönsten Bücher, die ich gelesen habe und eine wirklich ernst gemeinte Leseempfehlung.
    Die Lady mit dem Koffer und dem Hund

    Man mag sie sofort, die Lady mit dem Koffer, die aus ihrem Leben erzählt. Aus dem Teil, in dem sie noch jemand war, mit gutem Job und Eigenheim. Und aus dem Teil, der jetzt ihr Alltag ist, das Überleben auf der Straße. „Und wisst ihr was? Es ist eine Erlösung. Du bist ganz unten angekommen. Es gibt kein weiteres Fallen. Du kannst endlich aufhören, krampfhaft um den Wiedereintritt in die Gesellschaft zu kämpfen, und dich ganz aufs Überleben konzentrieren.“

    Eine Geschichte die einen anrührt. Aber sie ist keinesfalls trostlos. Ganz im Gegenteil. Die „verrückte alte Fledermaus“ ist ganz schön zäh. Muss sie auch sein, um diesen Schlamassel durchzustehen. „Die Baglady, ein öffentliches Ärgernis, bekannt für Trunkenheit und Ruhestörung, meschugge wie ein Müslibrötchen, …“ eröffnet einen Blick auf die Gesellschaft aus der Wurmperspektive. Schonungslos, ehrlich und trotzdem humorvoll. Mit einem kräftigen Schuss Sozialkritik und herrlich spritzigen Dialogen.

     „Ich glaube die Leute sind zu kompliziert, um sich mit etwas Einfachem wie Glücklichsein zufrieden zu geben.“

    Eins der schönsten Bücher, die ich gelesen habe und eine wirklich ernst gemeinte Leseempfehlung.

    Ach ja … und die Übersetzung ist bei diesem Buch absolut genial.

    Kommentieren0
    11
    Teilen
    SchwarzerPeters avatar
    SchwarzerPetervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Blick hinter die Kulissen des Straßenlebens in London. Spannung und Schwarzer Humor sind hier vereint.
    Kurzweilig und unterhaltsam ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren

    Angela ist die Frau ohne Gesicht, die durch die Straßen Londons streift. Ohne Ziel ohne Plan. Keiner interessiert sich für sie, sie ist allenfalls ein Ärgernis. Auch für mich blieb sie eine Figur ohne Gesicht. Was sonst für ein Buch hinderlich ist, funktioniert für Lady Bag sehr gut. Diese Figur muss und will dem Leser nicht gefallen. Trotzdem war sie auf ihre Art sympathisch. Analytisch reflektiert sie ihr Dasein, weiß woher sie kommt und weiß dass ihre eigene Naivität an ihrer Situation Schuld ist. Bewundernswert fand ich, dass sie trotz ihrer Situation die neue Frau von Graham vor diesem warnen wollte. Sie hat ein gutes Herz und dieser Umstand wirkte auf mich so, als hätte sie noch nicht alles aufgegeben.

    Wer mir zuweilen etwas zu viel war, war Elektra. Schmister dagegen ist mir sehr ans Herz gewachsen und auch wenn ich ihn zu Anfang nicht einordnen konnte und nicht wusste, was ich von ihm halten solle und ob ich ihr wünsche, dass sie ihn wieder los wird, so machte er die Handlung aufregend und brachte ein wenig Glamour in die kalten Straßen Londons.

    Lady Bag hat mir sehr gut gefallen. Die Erzählweise und nüchterne Selbstreflektion, auch wenn diese mehr dem Hund in den Mund gelegt wurde, machten Spaß und das Buch sehr kurzweilig. Trotz allem Witz und Schwarzem Humor, vergisst man als Leser nie die ausweglose Situation in der sich Angela befindet.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    BWV-57s avatar
    BWV-57vor 10 Monaten
    heberschs avatar
    heberschvor 2 Jahren
    EvaLirots avatar
    EvaLirotvor 3 Jahren
    minimuffis avatar
    minimuffivor 3 Jahren
    OliviaTs avatar
    OliviaTvor 4 Jahren
    glanzentes avatar
    glanzentevor 4 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks