Lize Spit

 3.9 Sterne bei 243 Bewertungen
Autorenbild von Lize Spit (©Keke Keukeleer)

Lebenslauf von Lize Spit

Lize Spit ist eine belgische Schriftstellerin flämischer Sprache. Sie studierte Szenisches Schreiben am RITCS (Hoger Rijks Instituut voor Toneel en Cultuurspreiding). 2013 gewann sie mit der Erzählung ordehandhaver sowohl den Jurypreis als auch den Publikumspreis beim Nachwuchswettbewerb Write Now!. In den Zeitschriften Tirade, Het liegend konijn und De Gids veröffentlicht sie literarische Beiträge. Mit ihrem Debütroman "Und es schmilzt" gelang der belgischen Autorin auf Anhieb der schriftstellerische Durchbruch. Sie ist Gastdozentin bei der LUCA School of Arts und wohnt in der Region Brüssel-Hauptstadt.

Alle Bücher von Lize Spit

Cover des Buches Und es schmilzt (ISBN: 9783596298372)

Und es schmilzt

 (228)
Erschienen am 24.10.2018
Cover des Buches Und es schmilzt (ISBN: 9783838786834)

Und es schmilzt

 (15)
Erschienen am 27.08.2018

Neue Rezensionen zu Lize Spit

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Rezension zu "Und es schmilzt" von Lize Spit

Gerade durch die realistische Art erschreckend und aufrüttelnd
Aleshaneevor 6 Monaten

Eva bekommt eine Einladung zu einem Einweihungsfest in ihrem Heimatdorf - ein Auslöser, der all die Erinnerungen wieder aufleben lässt, die sie mit scheinbar kühler Distanz in all den Jahren in sich getragen hat. Diese Gefühlskälte spiegelt sich im Titel und auch in der Erzählweise wieder und zeigt überaus deutlich, wie distanziert die Protagonistin alles betrachen muss, um von der Flut der Gefühle nicht weggespült zu werden.

Während man ihrem Weg nach Bovenmeer folgt, erzählt sie in der Ich-Perspektive aus ihrer Vergangenheit, ihrer Kindheit und ihrer Jugend in dieser scheinbaren "Dorf Idylle", bis hin zu dem verhängnisvollen Sommer im Jahr 2002. Dabei bleibt sie stets in einem nüchternen, unaufgeregten Stil, als wäre sie eher Beobachterin als Teilnehmerin. Allerdings merkt man schon zu Beginn, das etwas gehörig schief gelaufen ist und sich in ihrem Bericht aus der Vergangenheit etwas anbahnt, das ihr Leben für immer zerrüttet hat.

Ich habe in einigen Rezensionen gelesen, dass diese Geschichte unnütz sei, zu brutal, zu offen - und wofür es gut sein soll, sowas zu veröffentlichen. Für manche mögen diese Einblicke ein Horrorszenario sein, für andere sind sie aber "Normalität". Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben und damit irgendwie weiter- und überleben müssen. Es soll schockieren, natürlich, und es soll aufmerksam machen auf die vielen, im Herzen einsamen Seelen, die leiden und keine Chance sehen, auf ihren zerrüttenden Trümmern ihrer Vergangenheit ein "gutes" Leben aufzubauen.

Evas Kindheit ist geprägt davon, dass sie sich nirgends zugehörig fühlt. Von den alkoholabhängigen Eltern nicht angenommen, von den Geschwistern auch nicht so recht wahrgenommen, klammert sie sich an die einzigen Menschen, die ihr zur Verfügung stehen: Pim und Laurens, zwei Jungs, die als einzige in dem kleinen Dorf in ihrem Alter sind und mit denen sie zumindest eine Art von Freundschaft verbindet. Sie ist gefangen in einer Abhängigkeit, einen Halt zu finden, doch entwickelt sich ihre Rolle in dem Dreiergespann in der Pupertät zu einer Art Zuschauer. Ihre verzweifelte Suche nach Akzeptanz und ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit lassen sie Entscheidungen treffen, die aus einem "Spiel" bitteren Ernst werden lassen und zu einer grauenvollen Tragödie führen.

Durch den nüchternen Erzählstil konnte ich auf gewisse Weise Abstand halten. Vieles ist nur zwischen den Zeilen zu erkennen, manches aber auch in deutlichen Worten und einer emotionslosen Tragik, die erst nach und nach ihre Wirkung entfaltet. Man weiß aber, dass einem noch etwas schreckliches bevorstehen wird, man wartet geradezu auf diesen Moment, der einem dann wirklich den Boden unter den Füßen wegzieht.
Es gibt explizite Details von Gewalt, der man sich vor dem Lesen klar sein sollte und die mir grade durch die rationale Beschreibung umso mehr unter die Haut ging. Diese Bilder werden einem wohl längere Zeit nicht mehr loslassen.

"Zu grausam und überzogen", auch das hab ich in anderen Rezensionen gelesen, dem ich mich aber nicht anschließen kann. Ob man sowas jetzt lesen muss ist die andere Frage, aber es zeigt nunmal einfach in aller Deutlichkeit, was leider in der Welt passiert. Die Eva in dieser Geschichte ist "nur" ein Beispiel für viele Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, die mit ihren Erinnerungen leben müssen, die schreckliches durchlitten haben und keine Worte finden, um sich mitzuteilen. Deren Selbstwert kaum vorhanden ist und die so vieles über sich ergehen lassen, in den unterschiedlichsten Lebensbereichen, weil sie es nicht schaffen, sich aus dieser "wertlosen" Rolle freizukämpfen.
Die Details, die hier schockieren, sind auf jeden Fall heftig, aber anscheinend war es für die Autorin nötig, es in dieser Form aufs Papier zu bringen. Warum, diese Fragen werden wir nicht ergründen können, ich kann nur hoffen, dass sie auf keine eigenen Erfahrungen zurückgegriffen hat.

Den Schutz, den Eva um sich aufgebaut hat, die "eingefrorenen" Gefühle, die sie nicht an sich herankommen lassen kann, schmelzen dahin wie der Eisblock, den sie im Kofferraum bei sich hat. Er scheint ihr einziger Ausweg, um ein für allemal mit der Vergangenheit abzuschließen und abzurechnen; für all ihre Hilflosigkeit und Einsamkeit ein Ende zu finden und endlich Gehör zu bekommen.

Eine unendlich traurige, bittere Geschichte, die eine ungeschönte Realität zeigt, die ungern wahrgenommen wird. Eine "Sterne" Bewertung ist hier echt schwer, denn der Stil verlangt Durchhaltevermögen und ein dickes Fell - aber für den Mut, die Eindringlichkeit und Offenheit muss ich 5 Sterne vergeben.


Kommentare: 2
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Rezension zu "Und es schmilzt" von Lize Spit

Sensationslüsterne Geschichte
Becky_Bloomwoodvor 10 Monaten

Da ich diese Rezension nicht schreiben kann, ohne zu spoilern, folgt hier die SPOILER-Warnung!

Und es schmilzt von Lize Spit ist eine furchtbare Geschichte, die einzig auf die Sensationsgier der Leser abzielt. Bereits am Anfang erfährt der Leser, dass die Protagonistin Eva mit einem großen Eisblock in ihre Heimat fährt. Doch was es mit diesem Eisblock auf sich hat, wird erst auf den letzten Seiten offenbart.

Die Fahrt in die Heimat bildet die Hauptgeschichte, doch während der Fahrt denkt Eva immer wieder an ihre Kindheit zurück und an einen speziellen Sommer, in dem diese Kindheit zu Ende ging - auf furchtbare Weise! Glückliche Momente gibt es für Eva eher wenig. Ihre Eltern sind lieblose Menschen, ihre kleine Schwester hat psychische Probleme, Freundinnen hat sie nicht, dafür aber zwei Freunde, mit denen sie ständig zusammen ist und für die sie auch eher ein Junge ist. Bis zur Pubertät scheint das auch kein Problem zu sein, doch mit dem Erwachen der Sexualität wollen besonders die beiden Jungs immer mehr "andere Spiele" spielen. So kommen sie auf die tolle Idee, sämtliche Mädchen des Dorfes auf einer Skala von 1 - 10 zu bewerten und setzen es sich außerdem in den Kopf, jedes davon nackt zu sehen. Dafür soll sich Eva ein Rätsel ausdenken. Dieses lautet: Ein Mann hängt in einem geschlossenen Raum an einem Seil. Es sind keine Möbel im Zimmer, nur unter dem Mann ist eine große Pfütze zu sehen. Was ist passiert?
Die Mädchen dürfen Ja-/Nein-Fragen stellen und für jede falsche Frage müssen sie ein Kleidungsstück ausziehen. Hier war ich schon überrascht, da sich alle Mädchen darauf einlassen. Keine kann das Rätsel lösen und alle ziehen sich mehr oder weniger komplett nackt aus. Warum?
Letzten Endes verrät Eva einem Mädchen die Lösung, was ihr aber zum Verhängnis wird, da das Mädchen bestimmen darf, was sowohl Eva als auch die Jungs machen sollen und das gipfelt in einem blutigen Missbrauch von Eva. Die sehr lang und ausführlich beschrieben Szene ist widerlich und ich habe mich mehr als einmal gefragt, warum Eva und auch ihre "Freunde" das alles tun. Warum hat sich denn keiner geweigert? Wieso tun die Freunde sich das an? Ich musste hier querlesen, da es einfach nur furchtbar war. An dieser Stelle hätte ich auch aufhören sollen zu lesen, aber ich hatte immer noch die Hoffnung, dass das Ende versöhnlich wird. Das wird es aber nicht. Ich hatte das Buch hinweg tatsächlich nur den Gedanken, dass irgendwas Lustiges oder auch Obszönes im Eisblock eingefroren wird. Irgendetwas, dass für die beiden Jungs peinlich ist, und was dann durch den schmelzenden Eisblock mitten im Dorf zu Tage kommt... oder so ähnlich.
Die Wahrheit ist allerdings um ein Vielfaches erschreckender. Der Eisblock dient nämlich dazu, dass Eva selbst zum Rätsel wird. Im Stall eines der mittlerweile erwachsenen Jungen stellt sie sich auf den Eisblock, zieht sich eine Schlinge um den Hals und wartet.... Soll das die Rache an den Beiden sein? Ich war fassungslos. Warum bringt sich Eva auf solch eine furchtbare Weise um? Inwiefern soll das die beiden Täter bestrafen? Werden sie Alpträume haben? Zumindest der eine schien mir auch ein halber Psychopath ohne Emotionen zu sein, den wird das nicht besonders belasten - er war aber der Haupttäter.

Mir will das alles nicht in den Kopf. Was ist das für eine Geschichte? Ist es wirklich notwendig, so etwas zu schreiben? Was für grauenhafte Gedanken muss die Autorin haben, wenn sie so etwas zu Papier bringt? Und es schmilzt ist ein furchtbares Buch und nicht wert, gelesen zu werden. Sollte es um die Sensationsgier gehen, ist das Rätsel um den Eisblock nun gelüftet.

Ich vergebe 2 Sterne, da das erste Drittel noch nach einem guten Buch aussah. Vielleicht waren die Charaktere recht verschroben, aber ich hatte immer noch auf eine angenehme Geschichte gehofft. Das ist sie aber ganz und gar nicht.

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Rezension zu "Und es schmilzt" von Lize Spit

Eine Geschichte über Freunde und Familie für Hartgesottene
LittlePopugaivor einem Jahr

Die Geschehnisse rund um die Freundschaft und Liz' Familie werden aus der Retrospektive geschildert.
Die Geschichte ist nichts für leichte Nerven und das heftigste, was ich bisher gelesen habe. Das muss man sich vorher bewusst sein. Wenn man sich zu diesem Buch entschließt, bekommt man eine grandios geschriebene Geschichte. Es wird ein Bild aufgebaut und feinsonderlich wieder zerlegt.
Das Buch hat mich sehr, sehr lange beschäftigt und in seinem Bann gehalten. 

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Und es schmilzt

"Anfangs fand ich, dass meine enge Freundschaft mit Laurens und Pim mir nur Vorteile brachte."

Lize Spit ist die zurzeit angesagteste Schriftstellerin im niederländischen Sprachraum. Ihr Debütroman "Und es schmilzt" stand ein Jahr lang auf Platz 1 der belgischen Bestsellerliste.
Während sich Lize Spit selber den Erfolg ihres Debütromans nicht erklären kann, ist für die Literaturkritiker eines klar: "Und es schmilzt" ist ein literarisches Phänomen auf internationalem Niveau.
Kompromisslos und radikal, die Geschichte der jungen Eva, die sich ihrer Vergangenheit stellt, hinterlässt einen tiefen Eindruck und klingt noch sehr lange nach dem Lesen nach.
Möchtet ihr zusammen mit anderen Fans anspruchsvoller Literatur "Und es schmilzt" lesen? Dann müsst ihr euch für diese Leserunde bewerben!
Auf unserer Aktionsseite findet ihr bereits Eindrücke zum Buch.

Zum Inhalt
Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit.
Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum.


"'Und es schmilzt' besetzt eine besondere Stelle in Ihrem Kopf – irgendwo zwischen Behaglichkeit, Unruhe, Vertrautheit und Entsetzen."
Saskia de Coster

"Lize Spit beeindruckt in ihrem Debüt 'Und es schmilzt' […] mit gnadenloser Offenheit und grandiosen Situations-Beschreibungen."
Barbara Meixner, BuchMarkt

"Dieser Roman ist eine Granate, die erst nur einen dunklen Schatten wirft und dann mit kaltblütiger Präzision einschlägt."
De Standaard


Zur Autorin
Lize Spit wurde 1988 geboren, wuchs in einem kleinen Dorf in Flandern auf und lebt heute in Brüssel. Sie schreibt Romane, Drehbücher und Kurzgeschichten. Ihr erster Roman "Und es schmilzt" stand nach Erscheinen ein Jahr lang auf Platz 1 der belgischen Bestsellerliste und gewann zahlreiche Literaturpreise, darunter den Bronzen Uil Preis für den besten Debütroman und den Preis des niederländischen Buchhandels für den besten Roman des Jahres 2016.

Was ist in dem kleinen belgischen Dorf in der Vergangenheit passiert? Und warum hat Eva einen Eisblock im Kofferraum?
Zusammen mit S. FISCHER verlosen wir 25 Exemplare von "Und es schmilzt" unter allen, die sich im Rahmen unserer Leserunde über diese literarische Sensation austauschen und eine Rezension schreiben möchten. Bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 06.09. und antwortet auf folgende Frage:

Mit einem großen Eisblock im Kofferraum ihres Autos kehrt Eva zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich ihrer Vergangenheit.
Was hättet ihr im Gepäck, wenn ihr eine Reise in eure eigene Vergangenheit unternehmen würdet?


Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche viel Glück!

* Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.
1447 BeiträgeVerlosung beendet

Zusätzliche Informationen

Lize Spit wurde am 12. November 1988 in Viersel (Belgien) geboren.

Lize Spit im Netz:

Community-Statistik

in 417 Bibliotheken

auf 87 Wunschzettel

von 10 Lesern aktuell gelesen

von 3 Lesern gefolgt

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